Krankenhaus-Report: Ungelöste Leichung

20. Februar 2014
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Jährlich 19.000 Todesfälle durch ärztliche Fehler – davon sprechen Wissenschaftler im AOK-Krankenhausreport 2014. Alles nur Taktik oder ein Warnsignal an die neue Regierung? Koalitionsvertreter müssen jetzt entscheiden, wie es mit den Kliniken weitergehen wird.

In regelmäßigen Abständen sorgt der AOK-Krankenhausreport für Gesprächsstoff. Am Beispiel planbarer Hüftgelenk-Operationen zeigen Versorgungsforscher jetzt auf, dass sich Routine durchaus lohnen kann. Beispielsweise haben jene 20 Prozent aller Kliniken mit wenig Erfahrung eine um 37 Prozent höhere Rate an Revisionseingriffen, gemessen an den 20 Prozent mit vielen OPs. Und bei Frühchen, die unter 1.250 Gramm Geburtsgewicht auf die Waage bringen, liegt die Mortalität bei Kliniken mit weniger als 15 Fällen pro Jahr um 87 Prozent höher. Als Vergleich dienten Häuser, die mehr als 45 kleine Patienten behandeln.

Spezialisierung statt „kleine Universitätskliniken“

„Vieles spricht dafür, dass mit steigender Erfahrung und Routine bessere Ergebnisse erzielt werden“, kommentiert Jürgen Klauber, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), die Daten. Und Uwe Deh, Geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes, wirft manchen Häusern vor, sie wollten sich zu „kleinen Universitätskliniken“ entwickeln. „Für eine hochwertige medizinische Versorgung ist jedoch Spezialisierung das Gebot der Stunde.“ Die Erkenntnis überrascht wenig – Fachgesellschaften sind längst dabei, in verschiedenen Bereichen je nach Routine Kompetenz-, Referenz- und Exzellenzzentren zu definieren. Doch dann platzte auf der Pressekonferenz die Bombe.

19.000 Todesfälle

Die Autoren fanden heraus, dass es bei fünf bis zehn Prozent aller 18,8 Millionen Behandlungen im Krankenhaus zu – wie sie schreiben – „unerwünschtes Ereignissen“ kommt. Knapp jeder zweite Fall könnte durch geeignete Maßnahmen vermieden werden. Beispielsweise tragen Hygieneprogramme dazu bei, nosokomiale Infektionen zu vermeiden. Elektronische Verschreibungssysteme wiederum erhöhen die Arzneimittelsicherheit. Und Register, wie sie in der Endoprothetik sukzessive eingeführt werden, machen Medizinprodukte sicherer. Bleibt noch der Faktor Mensch: Laut Report machten Ärzte bei jedem 100. Patienten im Krankenhaus medizinische Fehler, und jeder 1000. verstarb daran. Summa summarum ist von knapp 19.000 Todesfällen im Jahr die Rede.

„Wissentliche Falschangabe“

Gegen diese Zahlen regt sich jetzt massiver Widerstand. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) spricht von einem „durchsichtigen taktischen Manöver“. Noch deutlichere Worte findet die Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). „Ich fordere den AOK-Bundesverband auf, sich für die Behauptung im aktuellen Krankenhausreport, in deutschen Krankenhäusern würden 18.800 Menschen durch vermeidbare Behandlungsfehler zu Schaden kommen, zu entschuldigen“, sagt DKG-Präsident Alfred Dänzer. Nach ausführlicher Prüfung aller Daten spricht er von einer „wissentlichen Falschangabe“. Auswertungen seiner Fachgesellschaft hätten gezeigt, dass bei Schlichtungsstellen der Ärztekammern genau 82 Todesfälle auf Krankenhausbehandlungen entfielen. Hinzu kämen hochgerechnet 1.200 Schadensansprüche von Haftpflichtversicherungen, die mit Todesfällen in Verbindung gebracht wurden. DKG-Statistiker nahmen auch die im AOK-Report erwähnten 188.000 Behandlungsfehler kritisch unter die Lupe. Sie fanden über den medizinischen Dienst der Krankenkassen nur 8.600 vermeintliche Fälle für den Krankenhausbereich. Und weiter: Die Annahme, jeder zehnte der im Report behaupteten 188.000 Behandlungsfehler sei so gravierend, dass Patienten zu Tode kämen, sei „absolut unseriös“. Schätzungen aus den Jahren 1996 bis 2006 seien vielmehr „fortgeschätzt“ worden.

Mehr Investitionen, mehr Qualität

Hinter dem Zahlenstreit stecken vor allem zwei Forderungen: bessere Qualität und bessere Honorierung. Während entsprechende Ausgaben gesetzlicher Krankenkassen von 2002 bis 2012 auf knapp 62 Milliarden Euro explodiert sind (plus 35 Prozent), haben Länder nur noch 2,62 Milliarden Euro (minus 19 Prozent) investiert. In diesem Punkt sind sich alle Beteiligten einig – auch Kollegen der Bundesärztekammer (BÄK) fordern eine Krankenhausplanung nach Qualitätsmaßnahmen inklusive höheren Investitionen. Darüber hinaus wollen sie das DRG-Fallpauschalensystem (Diagose Related Groups) überarbeiten. Krankenhäuser bräuchten größere Ermessensspielräume, um strukturschwache Regionen zu versorgen, aber auch zur Vergütung von Extremfällen. Jetzt hat die BÄK zwei Positionspapiere vorgestellt, nämlich zur Krankenhausfinanzierung und zur qualitätsorientierten Krankenhausplanung. Jens Spahn, Gesundheitsexperte der Union, will das Thema professionalisieren. Er schlägt ein spezielles Institut vor, das Daten von Ärzten und Kliniken sammelt – respektive bewertet. Karl Lauterbach (SPD) hat jetzt angekündigt, besagtes Qualitätsinstitut im Gesundheitswesen rasch zu etablieren. Es herrsche Einigkeit mit Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), sagt der Sozialdemokrat. Allerdings lösen Forschungsdaten wohl kaum personelle Engpässe in Behandlung und Pflege.

62 Wertungen (4.16 ø)

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15 Kommentare:

Frage: Wie viele Patienten wären OHNE die Krankenhausbehandlung gestorben?
Nach 20 Jahren Arbeit im Krankenhaus sage ich: “AOK Die Gesundheitskasse” ist wahr: Weh dem, der krank wird!
Wir können hier argumentieren, diskutieren, soviel wir wollen: Thema sind nicht die Toten und ihre Zahl, sondern das Geld, das die Kassen lieber für ihre Veraltungspaläste und Direktorenposten ausgeben würde.
Das Kasperletheater mit der Qualität hat auch nichts mit der Qualität zu tun. Es geht um Pfründesicherung in verschiedenen Bereichen und um den Versuch der Mengenbegrenzung. Der Beweis, daß sich wirklich etwas verbessert hätte wurde bisher nicht erbracht; dafür wurden Milliarden in eine gigantische Zertifizierungsindustrie umgeleitet, Unsummen klinikintern vernichtet, Parallelhierarchien (um nicht zu sagen “-welten”) geschaffen, deren Strukturen echte Verbesserungen eher verhinderen als beflügeln.
Wenn die Kassenherren meinen, sie wüßten, wie es geht, sollen sie doch ihre eigenen Kliniken aufmachen und es beweisen. Ich bin mir sicher, sie werden bestenfalls so schlecht, wie sie es den bestehenden Krankenhäusern unterstellen. Von der Wirtschaftlichkeit ganz zu schweigen.
Noch bedenklicher ist die Tatsache, daß die Presse derartigen Unrat veröffentlicht, ohne ihn kritisch zu hinterfragen.
Ich bin es wirklich leid, mich von diesen “feinen” Herren ständig diffamieren zu lassen.

#15 |
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Wer das Problem wirklich verstehen will, muß sich zwangsweise mit zwei anderen Fakten auseinandersetzen:

1. Das zunehmende Fehlen von man-power in den Kliniken und auch ambulant. Das Problem wird sich künftig extrem verschärfen:

– Das derzeitige Bildungssystem ist Sprachen-orientiert und bevorzugt damit eindeutig Mädchen.
– Das Resultat sind wesentlich bessere Abiturnoten bei Mädchen als bei Jungs.
– Bei einem Numerus-clausus-gesteuerten Zugang zum Medizinstudium werden damit Mädchen bevorzugt.
Zwischenresultat 1: bereits 2/3 aller Medizinstudenten sind weiblich.

– Junge Ärztinnen haben ein berechtigtes Interesse daran, Familie und Beruf vereinbaren zu können.
– Die derzeitigen Arbeitszeiten von ca. 60 Std. pro Woche in Klinik und Praxis für Ärzte sind mit einer Familie ansich unvereinbar.
– Es gibt seitens der Kassenärztlichen Vereinigungen Berechnungen, daß die Arbeit eines Praxisinhabers bei Teilzeit-Berufsausübung künftig auf 3 (!) Ärzte aufgeteilt werden muß.
Zwischenresultat 2: der Mangel an ärztlicher Arbeitszeit wird sich in Kliniken und Praxen weiter verschärfen.

Außerdem ist es zutreffend, dass die Zahl der Medizinstudenten in Deutschland von 85.091 im Jahr 1989 (Deutschland-West vor der Wiedervereinigung) bis zum Jahr 2006 auf 80.499 (wieder-vereinigtes Gesamtdeutschland) rückläufig war und auf diesem Niveau in etwa verharrt, obwohl durch die Wiedervereinigung acht ostdeutsche Universitäten mit dem Studiengang Medizin hinzugekommen sind.
Zwischenresultat 3: Seitens der Politik ist die Verknappung an ärztlicher man-power gewollt – warum: sh. ganz unten.

2. Durch die Rationierung im ambulanten medizinischen Bereich kommt es zu einer zunehmenden Verlagerung von Behandlungsfällen nach stationär, womit das Risiko der Patienten steigt, sich Krankenhausinfektionen zuzuziehen.

– Die Leistungen in der ambulanten Medizin sind seit Jahren rationiert: Jeder niedergelassene Arzt hat pro Quartal ein Behandlungsbudget, das vor dem Quartal feststeht, und das regelt
a) wie viele Patienten er in dem Quartal behandeln darf
b) welchen Umsatz er für die Behanldungen erzielen darf.
Überschreitungen dieser Vorgaben führen zu einer Abstaffelung der Vergütung auf 1/10, d.h. z.B. bei Nervenärzten: für ein 120 Seiten langes EEG statt 25 € noch 2,50 €, für einen Demenztest statt 1,94 € noch 19 ct.
Das Budget ist so knapp vorgegeben, daß Überschreitungen von 10-20% nicht zu vermeiden sind, aber von den Ärzten natürlich zu vermeiden versucht werden.

Die Folgen für Patienten, die einen Akuttermin beim Facharzt brauchen

– und sich an den Hausarzt wenden mit der Bitte um Überweisung: Der Hausarzt wird den Patienten an einen Facharzt zu vermitteln versuchen, aber oft genug keinen zeitnahen Termin erhalten
=> Hausarzt weist den Patienten wegen der Dringlichkeit der Abklärung stationär ein, obwohl eine ambulante Abklärung möglich wäre. Damit läuft der Patient Gefahr, sich eine Klinikinfektion einzuhandeln

– und beim Facharzt einen Termin erhalten: Der Facharzt wird nach Abschätzung des Untersuchungsbedarfs feststellen, daß er zwar fachlich und von der Ausstattung her in der Lage wäre, alles zu untersuchen und zu behandeln, was der Fall erfordert – aber die Kosten für die ambulanten Maßnahmen kämen so hoch, daß der Patient einen erheblichen Teil dazu beitragen würde, das Budget zu sprengen
=> der Facharzt weist aus Gründen der ambulanten Kostendämpfung den Patienten statiobär ein. Damit läuft der Patient Gefahr, sich eine Klinikinfektion zu holen.

Zwischenresultat 4: Das aktuelle Gesundheitssystem erzwingt eine Leistungsverlagerung von ambulant nach stationär

Durch die zunehmende Zahl an Einweisungen steigt das Risiko der Patienten, in der Klinik zu Schaden zu kommen schon allein dadurch, daß bei gleich bleibender Ärztezahl in der Klinik der Arzt weniger Zeit pro Patient hat. Damit steigt das Fehlerrisiko.

Die Arbeitsbedingungen an deutschen Kliniken und in deutschen Praxen sind inzwischen so schlecht, daß sich immer weniger Ärzte finden, die im deutschen Gesundheitssystem an der Patientenversorgung teilnehmen wollen. Die Leidtragenden sind natürlich und leider die Patienten.

Aus Wikipedia:
Sozialverträgliches Frühableben war das Unwort des Jahres 1998 in Deutschland. Es spielt darauf an, dass ein Mensch mit Erreichen des Rentenalters volkswirtschaftlich betrachtet mehr Kosten verursacht, als er Nutzen bringt.
Bekannt wurde der Begriff dadurch, dass ihn Ärztekammerpräsident Karsten Vilmar in einem Radiointerview mit dem NDR verwendete. Das Thema war die Gesundheitspolitik der rot-grünen Bundesregierung, die geplant hatte, die Ärztehonorare zu begrenzen. Vilmar sagte wörtlich: „Dann müssen die Patienten mit weniger Leistung zufrieden sein, und wir müssen insgesamt überlegen, ob diese Zählebigkeit anhalten kann, oder ob wir das sozialverträgliche Frühableben fördern müssen.“ Auf die Nachfrage, ob die Pläne der Regierung zu einem früheren Tod von Patienten führen würden, meinte Vilmar: „Wird diese Reform so fortgesetzt, dann wird das die zwangsläufige Folge sein.“

Gesamtresultat: Ein guter Teil der von Vilmar prophezeiten Entwicklung ist inzwischen vollzogen. Das ist seitens der Politik und auch seitens der Sozialkassen so gewollt.

Christian Nunhofer

Neurologe und Psychiater in eigener Praxis, Ex-Kassenarzt seit 01.10.2013 (Ich konnte das Kassenarztwesen einfach nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren! Auslöser für meine Rückgabe der Kassenzulassung war letztlich die avisierte Zwangs-Ausspionierung der Patienten als Zuträger für die Kassen via elektronischer Gesundheitskarte)

#14 |
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Dr.Bayerl, Arzt
Dr.Bayerl, Arzt

@Dr. rer. nat. Stefan Dietrich, Sie plappern hier als Laie Polemik nach.
Wie kommen Sie denn auf die kühne Idee, dass “gerade die Verursacher in Deutschland kein Interesse haben”!!!.
DA IST BÖSARTIGE POLEMIK!
Sagen Sie mir in welchem Land früher und ausgedehnter EXTERNE Qualitätskontrolle von bestimmten standardisierbaren Operationen durchgeführt wurden, werden!
Auffälligkeiten auch ohne Todesfällen wird dabei VON EXTERN nachgegangen, von den Ärztekammern organisiert. Eine Ärztekammer kann einem Kollegen die Approbation entziehen.
“Alternativheiler” dürfen in Deutschland Krebs erfolglos und mit Todesfolge behandeln und kein Hahn kräht danach!
Wissen Sie denn was “nosokomiale” Infektionen überhaupt sind oder sein sollen?
Das ist bereits ein “Kampfbegriff”. Denn die Patienten bringen diese Keime, die damit gemeint sind, in der Regel mit ins Krankenhaus und verursachen damit gigantische Kosten.
Wissen Sie denn wo und wieviel und warum Antibiotika in Deutschland oder dem Land der ersten multiresistenten Keimen en masse USA eingesetzt werden?
Welcher winzige Teil wird “nosokomial” eingesetzt und warum?
Wissen Sie, was routinemäßige Todesfallbesprechungen sind
und dass heute nicht mehr wie früher zu hause, sondern ganz überwiegend “im Krankenhaus” gestorben wird?
Von Aufklärung von Todesfällen durch früher fast routinemäßigen Obduktionen ist man allerdings aus Kostengründen (Krankenkasse) und der regelmäßig verweigerten Einwilligung der Angehörigen schon fast ganz abgekommen.
Welche andere Berufsgruppe bietet subjektiv “geschädigten Kunden” ein aufwendiges aber für die Kunden kostenfreies Gutachtersystem mit Beteiligung eines (bezahlten) Juristen!!! (Juristen arbeiten nicht ohne Bezahlung).
Wir haben nicht zu wenig, sondern zu viele externe fachfremde Klugscheißer.
Die Zahl der externen kommerziellen “Zertifizierungsfirmen” ist kaum noch überschaubar.
Ärztlicher Sachverstand ist damit nicht zu ersetzen.
Noch steigt unsere Lebenserwartung kontinuierlich
und es gibt, ob Sies glauben oder nicht, auch regionale statistische Korrelationen mit der Arztdichte, die anders nicht erklärbar sind.
Das heist natürlich NICHT, dass unser “Gesundheitssystem” das beste ist, es ist auch nicht das teuerste.

mfG

#13 |
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Der “Krankenhaus-Report 2014” wurde vor seiner Drucklegung und Publicity-trächtigen Vorstellung am 21. Januar 2014 noch im Jahr 2013 verfasst und bezieht sich mehrheitlich auf Zahlen von 2011. Von Aktualität und Aufrichtigkeit der Autoren keine Spur. Frei von jeglicher Fehlerkultur wird dort konfabuliert: “Geschätzter Anteil und Anzahl Fälle mit patientensicherheitsrelevanten Ereignissen (PSRE) in Krankenhäusern Deutschlands (Bezugsjahr 2011) – Berechnung auf der Basis der Angaben des Sachverständigenrats-Gutachtens 2007” – Völlig wissenschaftsfremd wurde auf der Basis von drei bis sieben Jahre alten “Schätzungen”, die rein zeitlich nicht miteinander korrelieren können, fiktiv hochgerechnet (“geschätzte Häufigkeit bezogen auf 18,8 Millionen Behandlungsfälle 2011”). Das darauf folgende ‚Statement‘ am 21.1.2014 lautete: “Fehler kommen mit einer Häufigkeit von rund einem Prozent aller Krankenhausfälle vor und tödliche Fehler mit einer Häufigkeit von rund einem Promille. Ein Fall von 1.000 bedeutet auf dem heutigen Versorgungsniveau rund 19.000 Todesfälle in deutschen Krankenhäusern pro Jahr auf der Basis von Fehlern – das sind fünfmal so viele Todesfälle wie im Straßenverkehr.”

Völlig unlogisch und u n w i s s e n s c h a f t l i c h ist es, Tote und Sterben in Krankenhäusern mit Verkehrstoten vergleichen zu wollen. Unterschlagen wird, dass es sich bei Krankenhauspatienten i. d. R. um kritisch K r a n k e mit klinischen Befunden und Behandlungsnotwendigkeit handelt. Aber auch nach einer lt. vorliegendem “Krankenhausreport 2014” äußerst unwahrscheinlichen, völligen Genesung bleiben Ex-Klinikpatienten eine gegenüber gesunden Straßenverkehrs-Teilnehmern überalterte Klientel mit vitalen, körperlichen, mentalen, kognitiven und perzeptiven Defiziten bzw. Risikofaktoren: Akut und/oder chronisch multimorbide Patienten mit erhöhter Dekompensations-, Sturz- und Mortalitätsgefahr. Palliativ, präfinal oder terminal Kranke werden mit hohem Mortalitätsrisiko stationär aufgenommen, deren Teilhabe am Straßenverkehr sogar a priori ausgeschlossen ist.

Straßenverkehrsteilnehmer sind dagegen im Vollbesitz ihrer körperlichen und geistigen Kräfte unterwegs, wenn sie sich nicht gerade akut krank auf Klinik- und Hospital-Parkplätzen, um eine minimale Schnittmenge nicht außer Acht zu lassen, bewegen.

Dank intelligenter Notfall- und Rettungssysteme, kardiopulmonaler Reanimation (CPR) und einer hochentwickelten Traumatologie/Unfallchirurgie ist die Zahl der Verkehrstoten von jährlich 19.000 in 1970 auf etwa 4.000/Jahr (2011) zurückgegangen. Rettungs-Verbundsysteme, Rund-um-die-Uhr-Bereitschaften, erfolgreiches Qualitäts- und Fehlermanagement, Notfall-Anästhesie und differenzierte interdisziplinäre Traumatologie haben die Zahl der Verkehrstoten im Jahr 2012 auf 3.600 reduzieren können. http://www.destatis.de berichtet: “Die Zahl der Getöteten im Straßenverkehr wird im Jahr 2013 einen weiteren Tiefstand erreichen. Nach Schätzungen, die auf vorliegenden Daten von Januar bis September 2013 basieren, dürfte die Zahl der Todesopfer voraussichtlich um etwa 10 % auf unter 3 300 sinken. Bei den Verletzten ist im Jahr 2013 eine Abnahme um annähernd 5 % auf 366 000 zu erwarten.“

D a s sind Binsenweisheiten, die ohne jeglichen “Krankenhaus-Report 2014” zu Stande gekommen sind, aber der aktuellen Versorgungsrealität in Klinik und Praxis entsprechen. Doch diese kommen in jeglichem WIdO-Krankenhausreport, „Gesundheitssystemforschung“ und „Gesundheitsökonomie“ nicht vor.

Vgl. auf “Schätzlers Schafott”
http://www.springermedizin.de/transparenz-waer-mal-schoen-gewesen/4951722.html

#12 |
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Mitarbeiter Industrie

Nett sich so zu echauffieren anstatt einmal in sich zu gehen und zu überlegen ob nicht wirklich Handlungsbedarf besteht wenn durch Fehler im Gesundheitssystem mehr Menschen ums Leben kommen als z.B. im Straßenverkehr oder ? Es wird doch niemand ernsthaft bestreiten, daß es Verbesserungspotential gibt, selbst wenn sich nur ein Teil der menschlichen Tragödien vermeiden lassen ? Dabei sollte es einem ethisch denkenden Menschen egal sein ob Fehler “nur” 1.300 oder 13.000 oder 19.000 Menschen oder eben 40.000 Menschen wie andernorts hochgerechnet wird, jedes Jahr das Leben kosten. Eigentlich ist es skandalös, daß es keine objektive, verläßliche Erfassung gibt an der aber gerade die Verursacher in Deutschland kein Interesse haben ! Leider bleibt in dem Artikel auch unerwähnt ob bei den medizinischen Fehlern die nosokomialen Infektionen und der niedergelassene Bereich eingeschlossen sein sollen, denn dann wäre die Zahl von 19.000 Toten pro Jahr überraschend niedrig (Zastrow KD, Schöneberg I: Die nosokomiale Infektion als Todesursache.; SepNet; Alerts Studie, KISS, uva. )….

#11 |
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Dr. rer. nat. Christian Abraham
Dr. rer. nat. Christian Abraham

Der Report ist ganz interessant. Da stellt sich bei mir die Frage, wem kann man noch glauben. Denn bei einigen Medizinstudenten werden immer wieder mal Gechixhten gehört, die angeblich den Alltag wiederspiegeln sollen.
Letztens hat mir jemand erzählt, dass bei einigen Geburten von Kindern der Kopf im Geburtskanal stecken bleiben kann. Und das schon mal vorkommen kann, dass der Arzt, wenn er nicht absolut vorsichtig ist, dem ungeborenen Kind das Genick bricht. Dies wird dann aber lediglich als Stillgeburt deklariert und nicht als Kunstfehler. Anscheinend werden angeblich keine Autopsien bei Stillgeburten durchgeführt. Da stellt sich nun die Frgae bei mir, wenn solche Gerüchte oder Geschichten erzählt werden, muss doch da ein kleiner Kern von Wahrheit enthalten sein. Oder sollte man solche Geschichten als Ammmenmärchen abtun?

#10 |
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Dr. med. Thomas Täuber
Dr. med. Thomas Täuber

Ohne Ärzte keine Krankenkasse!

#9 |
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Gast
Gast

Da sieht man mal, was für eine Lobby die gesetzlichen Kassen mittlerweile haben, dass sie ungestraft und vom Protest unbeeindruckt mit wackeligen Zahlenspielchen medienwirksam polemisieren dürfen und letztendlich unsere Gesundheitspolitiker nach ihrer Pfeife tanzen lassen können.
Dass Deutschland in Qualität und Effizienz des Gesundheitswesens mittlerweile irgendwo im unteren OECD-Mittelfeld verschwindet ist nur logische Folge und kann wenn ich eine de facto staatliche Gesundheitsfürsorge in die Hände von Unternehmen wie gesetzlichen Krankenkassen gebe, auf Dauer im 21. Jahrhundert nicht funktionieren.

#8 |
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Gast
Gast

#5 “Verallgemeinerung” trifft es nicht, Polemik passt besser.
Sollte man Ärzte abschaffen?

#7 |
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Eine Frechheit, was sich Krankenversicherungen mittlerweile erlauben: anstatt dreist zu lügen und gegen Ärzte zu polemisieren, eine Unmenge an Geld in ihre überblähte Verwaltung zu stecken und auf ‘Gesundheitskassen’ zu markieren, sollten sie ihre aufgaben erfüllen und den rest den Patienten und ärzten überlassen. Die Politik muss die Therapiehoheit wieder den Ärzten übertragen!

Wer hier von arroganten Kollegen faselt, sollte sich wirklich zurücknehmen und mal genau hinschauen, wie viel verantwortungsvolle kollegen gerade in der allgemeinmedizin für lächerliche gkv-honorare und unter hohem persönlichen risiko dieses marode gkv-system am leben halten (stichworte: budget, regress , flarate: 12,20 pro Quartal für 19-54jährige) Unverschämtheit!

#6 |
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Sich als Halbgötter in Weiß sehen
Sich als Halbgötter in Weiß sehen

@ #4: Feindseligkeit… tja, woran das wohl liegen mag? Ich habe 20 Jahre in verschiedenen Ländern außerhalb Deutschlands gelebt gelebt… erst seit ich wieder in Deutschland bin, sehe ich Ärzte in einem zunehmend negativen Licht. Überheblichkeit, Arroganz und Diagnosen ohne vom Stuhl aufzustehen. Sagenhafte Hackordnungen in den Krankenhäusern. Und Fehler eingestehen, dass wird Medizinern offenbar schon im Grundstudium abgewöhnt…
Natürlich ist das eine grobe Verallgemeinerung. Ich kenne einige gute Ärzte. Aber im ganzen würde ich sagen….

#5 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Das zunehmende Dominieren des Dollars in unserer Gesellschaft á la USA kann man mit den Händen greifen.
Ich war nun früher oft genug drüben, als es noch ohne Fingerabdrücke möglich war, wobei dort die hier #2 völlig richtig charakterisierte “Feindseeligkeit” gegenüber den Ärzten fehlt, von den Anwälten mal abgesehen, die allerdings nicht selektiv Ärzte betrifft, wie in unserem “Gesundheitssystem”.
Selbstverständlich ist im Gefolge dieser Mentalität auch die Fremdbestimmung (“Verwaltungsaufwand”) in USA nicht kleiner, sondern größer, soweit es um “Krankenhäuser” geht.
Ich habe deshalb nie verstanden,
warum man immer wieder Anleihen aus USA in Deutschland machen muss, wenn man Geld sparen möchte (DRG´s etc.).
Das geht nur, wenn man mit den sachverständigen aktiv tätigen Ärzten selbst an einem Tisch verhandelt, was wir uns an “Medizin” leisten wollen oder auch nicht.

MfG

#4 |
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Remco Salomé
Remco Salomé

Der Autor hat die Fakten aufgereiht. Soweit so gut und soweit nichts Neues. Was fehlt ist Salz in der Suppe: Die eigene Stellungnahme!
Die Diskussion zwischen Leistungerbringer- und Kostenträgerseite kann man aus meiner Sicht als emotional/defensiv (siehe meinen, leider anonymen, Vorredner) vs. eskalierend/polemisch (insbesondere die AOK) typisieren.
Wie, bitte schön, sieht der Verfasser des Artikels diese Problematik? Mit fehlt der Mehrwert in diesem Artikel.
Remco Salomé

#3 |
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Gast
Gast

Schon erstaunlich dieser schamlos feindschaftliche Ton von den “Kostenträgern”,
die ja eigentlich die Patienten selbst sind, gegenüber der Ärzteschaft, auf deren Zusammenarbeit sie eigentlich angewiesen sind.
Bei so sensiblen Dingen wie verschuldete Todesfälle für die Öffentlichkeit, kaum zu fassen!
Wem soll das wohl nützen???? Dem Patient?
International inzwischen einmalig, man schüttelt schon den Kopf über dieses völlig überflüssige Feindschaftsklima.
Fast so schlimm wie die unbezahlbare und untaugliche Klimarettung,
über die man auch den Kopf schüttelt.
Wann setzt man sich endlich an einen Tisch!

Verschleiert wird eher damit die “Rationierung” von Gesundheitsleistung.
Der Ruf nach immer stärkerer Zentralisation und “Spezialisierung” ist ökonomisch sicher falsch und medizinisch wohl ebenso,
einfach etwas naiv, da jeder Laie denkt er kenne sich in Medizin aus.

Auch dem Minister sei empfohlen,
bitte endlich mit den Ärzten zusammen arbeiten!!!
Nicht wieder ein neues theoretisches Gremium außerhalb der aktiven Ärzteschaft.
Das kostet Geld, das wieder der notwendigen Behandlung entzogen wird und liefert sowieso nur das was die Politik hören will, wie beim lächerlichen Klimawandel.

Der Einstieg von Pharmakonzernen und jetzt noch Goldmann-Sachs in die Kliniken ist sicher auch tendenziell ein Risiko weiter rückläufiger medizinischer Priorität.
Wie man ökonomisch Krankheit behandelt,
weis immer noch besser als die Krankenkasse und die nicht-medizinische Klinikleitung der entsprechend erfahrene Arzt.

mfG

#2 |
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Gast
Gast

Die Verwendung von elektronischen Arzneimittelsystemen wie AiDKlinik sind wirklich überfällig. Während der Verordnung benötigt der Arzt umfassende Unterstützung und das ist elektronisch machbar.

#1 |
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