Impfstoffe: Monopole der Hersteller?

21. Februar 2014
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Vakzine retten Menschenleben – vorausgesetzt, sie sind lieferbar und können rechtzeitig appliziert werden. Jetzt warnt die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin vor einer immer stärkeren Monopolisierung des Markts.

Regelmäßig aktualisieren Wissenschaftler der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut ihre Empfehlungen, welche Vakzine zu welchem Zeitpunkt ratsam sind. Soweit, so gut. Allerdings machen Lieferengpässe wie zuletzt bei Varizellen-Einzel- und Kombinationsimpfstoffen Ärzten das Leben schwer. Jetzt schlägt die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) Alarm: „Die zeitgerechte Durchführung des Impfprogramms einschließlich Nachholimpfungen entsprechend den Empfehlungen der STIKO scheint jedoch durch das immer geringer werdende Angebot beziehungsweise passagere Lieferengpässe von Impfstoffen (z.B. Prevenar®, Priorix®, Infanrix Hexa®, Tollwutimpfstoff) und die Einstellung der Produktion monovalenter Impfstoffe (zum Beispiel Hib und Pertussis) sowie das Ruhen der Zulassung eines der beiden hexavalenten Impfstoffe gefährdet“, heißt es in einem Positionspapier.

Weniger Hersteller, mehr Monopole

Laut Marktübersicht der DAKJ hat durch zahlreiche Fusionen in den letzten Jahren eine starke Konzentration der Pharmabranche stattgefunden. Hier zu Lande werden Präparate für Standardimpfungen im Kindes- und Jugendalter nur noch von vier Herstellern angeboten. Global betrachtet, teilen sich zehn Giganten den Impfstoffmarkt nahezu vollständig. Präparate zur Durchführung des empfohlenen Impfprogramms werden teilweise nur ein oder zwei Pharmafirmen vertrieben. „Darüber hinaus werden Impfstoffe teilweise in Kooperation produziert, so dass man in diesen Fällen sogar von einer Art Monopol sprechen muss“, heißt es im Positionspapier weiter.

“Bedenkliche Priorisierung”

Das Problem ist bereits heute greifbar: Kommt es zu Lieferengpässen oder ziehen Hersteller ein Produkt zurück, gibt es teilweise keine Alternativen. „In diesen Situationen kommt es zum einen zu einer aus ethischer Sicht bedenklichen Priorisierung innerhalb von Indikationsgruppen und zum anderen dazu, dass eine gewünschte Einzelimpfung zum Beispiel gegen Pertussis (als Nachholimpfung) nicht durchgeführt werden kann – mit der Folge eines nicht ausreichenden oder fehlenden Impfschutzes“, kritisieren Vertreter des Dachverbands. Wichtige Konsequenzen: Einerseits verringert sich die Zahl grundimmunisierter Kinder, andererseits verteuern sich Impfstoffe durch fehlende Konkurrenz im Markt. Ausschreibungen diverser Krankenkassen machen die Sache nicht besser. Bleibt als Botschaft an Bundes- und Landesregierungen: „Die DAKJ fordert die politisch Verantwortlichen daher auf, sich der geschilderten Problematik anzunehmen und über Lösungsmöglichkeiten nachzudenken, auf welche Weise zukünftig und nachhaltig die Verfügbarkeit von Impfstoffen und die Finanzierung des nationalen Impfprogramms gewährleistet werden kann.“

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1 Kommentar:

Gast
Gast

Die richtige Adresse wären die Krankenkassen!

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