Kindliches Übergewicht: Parameter schlagen Alarm

13. Februar 2014
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Ernährungswissenschaftler veröffentlichten nun eine alarmierende Studie zum Gesundheitszustand übergewichtiger Grundschulkinder und haben dabei vor allem gewichtsbedingte Stoffwechselstörungen im Blick.

Sie werden gehänselt und ausgelacht, im Schulsport laufen sie ihren Altersgenossen meist hoffnungslos hinterher und kommen schon beim normalen Treppensteigen in Atemnot – übergewichtige Kinder tragen schwer an ihren Pfunden. Hinzu kommt, dass sie mit dem Zuviel auf den Rippen auch eine Hypothek auf ihre gesundheitliche Zukunft aufnehmen. Denn Übergewicht verursacht schwerwiegende Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und andere Stoffwechselstörungen.

Doch anders als bisher angenommen, machen sich diese nicht erst im Erwachsenenalter bemerkbar. In einer neuen Studie belegen Ernährungswissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Universität Hohenheim, dass bereits drei Viertel der übergewichtigen Kinder im Alter zwischen fünf und acht Jahren Symptome von gewichtsbedingten Stoffwechselstörungen aufweisen. Ihre Ergebnisse haben die Forscher um Prof. Dr. Ina Bergheim von der Friedrich-Schiller-Universität Jena in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Acta Paediatrica veröffentlicht.

In der Studie wurden 100 übergewichtige und 51 normalgewichtige Grundschulkinder ohne bekannte Vorerkrankungen umfassend untersucht: Neben Größe und Gewicht haben die Forscher Blutdruck und verschiedene Laborparameter der Kinder erfasst, darunter Blutzuckerwerte sowie den Cholesterol– und Triglycerid-Spiegel. Das Ergebnis: 73 Prozent der übergewichtigen Kinder zeigen mindestens in einem Stoffwechselparameter Auffälligkeiten, manche sogar in bis zu fünf.

Alarmierende Werte

„Das sind alarmierende Werte“, so Studienleiterin Ina Bergheim. Vor allem, da die Kinder – abgesehen von zu hohem Gewicht – als gesund gelten. „Das bedeutet, dass diese versteckten Störungen auch nicht behandelt werden.“ Ihre Studie zeige, dass es das „gesunde dicke Kind“ praktisch nicht gebe, so die Wissenschaftlerin weiter. Vor allem Mädchen seien gefährdet. Denn bei ihnen fangen die Probleme bereits früher an. Während für Jungen das Risiko für Stoffwechselstörungen erst mit starkem Übergewicht deutlich ansteigt, beginnt es für gleichaltrige Mädchen bereits im Grenzbereich von Normal- und Übergewicht.

Diese Erkenntnisse machten deutlich, dass es in Deutschland – aber vermutlich auch in zahlreichen anderen Ländern – zu wenig Vorsorge gebe, so Ernährungswissenschaftlerin Bergheim. Jeder, der Kinder habe, kenne zwar die empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen für Säuglinge und Kleinkinder beim Kinderarzt. „Dabei geht es aber hauptsächlich um die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder.“ Nach Hinweisen auf Stoffwechselerkrankungen werde in der Regel nicht gesucht.

Originalpublikation:

Differences in the prevalence of metabolic disorders between prepubertal boys and girls from 5 to 8 years of age
Ina Bergheim et al.; Acta Paediatrica, DOI: 10.1111/apa.12546; 2014

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17 Kommentare:

Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Der “Trend” in der Ernährung der hier völlig zu recht beklagt wird,
geht ja weit über die “industrialisierte” Landwirtschaft hinaus. Es ist der Trend des “nichts mehr selbst machen”, nicht nur Pizza wird ja schon bis an die Haustür geliefert. Also die letztlich industrialisierte “Fertignahrung”. Und diese Industrie ist ganz ohne Zweifel politisch traditionell privilegierter als der überforderte Verbraucher. Schon die Deklarierung der Inhalte ist unzureichend.
“Fertig” zubereitete Nahrung ist verderblich, benötigt daher “Konservierungsstoffe”,
von den vielen “Verführern” aus Zucker, Fett und ein bisschen Kakao etc. ganz zu schweigen.
Und die Zahl der dann notwendigen Konservierungstoffe ist kaum zu überblicken.

“Essen” ist imho für Gesundheit so fundamental wichtig,
dass auch Kochen (selbst zubereiten aus frischen “Quellen”) schon ein großer Schritt in die richtige Richtung wäre.
Das wird wohl, wie beim “Freizeitsport” eine Minderheit bleiben.
Beides sollte schon in der Schule ernsthaft vermittelt werden.

MfG

#17 |
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Ärztin

Kaninchen waren die Menschen noch nie! Feldhasen, die mit den Kaninchen gar nicht verwandt sind erst recht nicht. Die Meschen waren vor Erfindung des Ackerbaus und der Viehzucht Jäger und Sammler -und Nomaden mit viel Bewegung.
Allerdings gab es nie fettes Wild, also auch kein fettes Fleisch, vielleicht mal eine Ente oder eine Gans, aber auch dieses Wildgeflügel ist erheblich magerer als die Zuchtvariante. Es gab auch kein Getreide, keine Kartoffeln und die Nudeln waren noch nicht erfunden. Süße Möhren, süßes Obst gerbstoffarmes Gemüse gab es auch nicht. Wildes Obst ist eher sauer, manchmal auch bitter, der Faseranteil ist höher, der Zuckeranteil niedriger, der Anteil an Bitterstoffen war in den meisten Pflanzen höher. Süß waren nur Waldbeeren und das gab es nur wenige Wochen im Jahr. Der Preis für die Süße war/ist der Fuchsbandwurm.
Mit Kochen machten sich die Menschen schon früh die Nahrung bekömmlich. Bitterstoffe konnten so zerstört werden, die Nahrungsaufnahme erhöht werden, Parasiten konnten wirkungsvoll abgetötet werden.
Der intellektuelle Fortschritt der Menschen ist nicht zuletzt erst möglich geworden, weil der Mensch durch Kochen und effektivere Nahrungsverwertung mehr Zeit hatte sich anderen Dingen, wie z.B, dem Werkzeugbau zu widmen.
In der Zwischenzeit ist die Effektivität der Nahrungsherstellung und Verwertung so groß geworden, dass manche Individuen dafür nicht mehr die adäquate Stoffwechselausstattung mitbringen.
Ziel muss es sein die Qualität der Nahrungsmittel der Stoffwechselleistung des einzelnen Individuums anzupassen. Sicher gibt es Menschen, die mit dem modernen hochkalorischen und -KH-lastigen Convenience-food keine Probleme haben und davon (zunächst) nicht dick werden. Aber ein großer Anteil der Menschen trägt noch den Stoffwechsel des Jägers und Sammlers in sich (mindestens im fortgeschrittenen Alter) und kommt deshalb mit dieser Ernährungsform nicht klar. -Kein Grund diese Menschen zu stigmatisieren!
Weil das so ist und weil die moderne Medizin eine natürliche Auslese verhindert (Sectio caesarea uvm) ist es besonders wichtig schon bei Kindern Stoffwechseluntersuchungen durchzuführen um ihr Potential rechtzeitig zu erkennen. Genau genommen sollte das sogar die logische Konsequenz wegen der fehlenden biologischen Auslese sein. Auch beim Erwachsenen sollte in an den Schwellen der Entwicklungsschritte (Adoleszenz->Adult, später noch einmal an der durchschnittlichen Grenze der Reproduktionsfähigkeit) Stoffwechseldiagnostik (wie im Leistungssport) durchgeführt werden. Aus den Ergebnissen dieser Diagnostik ließe sich gezielt bezüglich Alter, Aktivität und Stoffwechselstatus Ernährungsberatung und Verhaltensberatung durchführen. Das wäre mE der einzig richtige Ansatz effektiv gegen ernährungs-assoziierte Zivilisationserkrankungen vorzugehen. Es würden wahrscheinlich weniger Medikamente verkauft werden und auch die Ernährungsindustrie müsste zu Gunsten der Landwirtschaft zurückstecken.
Die Gesellschaft würde/müsste sich verändern!

#16 |
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Heilpraktikerin

Solange Ernährungsberatung an Schulen von Kellog´s und Ferrero durchgeführt wird, ändert sich wohl nichts.

#15 |
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Diätassistent

Ich gebe zu, dass ich mir dieses Thema zu leicht mache, „Kaninchen“ (Feldhasen selektieren 50 verschiedene Kräuter) sind wir (leider) heute nicht mehr, waren das aber mehr oder weniger 8 Millionen Jahre lang.

Aber die Gesamtproblematik ist mir durchaus bewusst: Wie kann Gewicht verloren werden wenn körperliche Einschränkungen bestehen und dadurch vieles was für ein „Gewichtsmanagement“ wichtig wäre nicht mehr in Frage kommt.

Es muss mehr Augenmerk auf Vorsorge und Verhinderung gelegt werden, ich wiederhole mich in dem ich Fordere, dass der Industrie erhebliche Beschränkungen (Werbung und Herstellung) auferlegt werden müsste!

#14 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

und “Kochen” macht Nahrung überwiegend erst bekömmlich,
gilt besonders für pflanzliche Nahrung,
der Mensch ist kein Kaninchen!
“Blähungen” sind kein Zeichen von zu wenig, sondern von zu viel Bakterien.
Von rohem Salat wird man nicht satt,
weshalb man selbstverständlich nicht darauf verzichten muss.

#13 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

@Gerhard Wilhelm keinesfalls, verehrter “Diätassistent”, es gehr schlicht um das (biologisch) unnatürliche PERMANENTE Essen!
Sowohl im Tierversuch, wie bei Menschen vermindert sich die Stoffwechselschädlichkeit der Überernährung durch größere Nahrungspausen bei GLEICHER Kalorienbelastung.
Die erste Regel für Übergewichtige muss also lauten, bitte seltener Essen!!!
Der Stoffwechsel braucht mal eine Umschaltmöglichkeit.
Aber das werden Deutsche Psychologen und DGE nie lernen.
Sie bevorzugen lieber den “Kunden” das zu sagen, was sie gerne hören.
Z.B. wenn du Heißhunger auf was süßes hast musst du natürlich sofort was süßes essen. Also Schwachsinn. Das musste mal raus, pardon!
Ich verrate Ihnen ein Geheimnis:
Gerade der “Übergewichtige” hat das (biologische) Talent, besonders lange ohne Nahrung auszukommen, das schafft kein “Schlanker”.

mfG

#12 |
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Diätassistent

Hier wird auf Obst und Gemüse angespielt ;-) (für mich die vernünftigste DGE Empfehlung, solange das alles unverarbeitet bleibt) vermutlich der enthaltene Zucker (böse Birne, böser Apfel?), der läge hier aber in natürlicher Form mit all seinen positiven Fruchtbegleitern vor.
Strikt abzulehnen sind dagegen Industriegetränke aller Art!

#11 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Der größte Fehler der DGE (und der Psychologen) ist das 5x am Tag bei Übergewicht.

#10 |
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Diätassistent

Richtig: „Ernährungsumstellung ist eine Lebensaufgabe“

Als ich mit der Umstellung angefangen habe wusste ich nicht was die DGE ist, heute sage ich derern Empfehlungen sind sehr industriedienlich :-))

Blähungen bei Rohkost nur weil bestimmte Bakterien in bestimmten Darmabschnitten fehlen (diese sind vor langer Zeit schon verhungert) dann wandern „unverdaute Nahrungsbestandteile“ in tiefergelegene Darmregionen die dort lebenden Bakterien können damit nichts anfangen und das verursacht Gase….

Allen ein schönes Wochenende

#9 |
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Ärztin

Ja Herr Wilhelm, als Rohköstler haben Sie sich mit den Ernährungsempfehlungen der DGE wahrscheinlich in ähnlicher Weise auseinandergesetzt wie ich, sind jedoch zu einem anderen Schluss gekommen, auch wenn ich persönlich Rohkost in der Ernährung durchaus nicht verschmähe.
Sie wissen selbst, dass Rohkost schwer verdaulich ist. Sie stellt zwar einen KH-armen Ernährungsansatz dar, ist aber für die meisten Menschen indiskutabel und für Kinder und Jugendliche zudem zu proteinarm.
Ich möchte mich hier nicht über Ernährungsdetails auslassen, sie haben sicher ihere persönlichen Ansätze Ernährung zu vermittel.
Ich denke jedoch, dass Ernährungsumstellung ein langer Weg ist, der in neue Gewohnheiten führen muss. Zunächst muss man da “Brücken bauen”, sonst verschreckt man die Menschen, die ja von der Nahrungsmittelindustrie gelernt hat dass Vitaminbonbons gesund sind und Rama glüclkich macht.
In Bezug auf Werbung und “Kinderprodukte” sind wir völlig einer Meinung.
Druck auf die Politik können wir nur mit Aufklärung und ständigem Füttern der Foren mit diesem Thema machen. -Wir werden ja beobachtet. big brother is watching you!

#8 |
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Diätassistent

Hallo Frau Schuster.

Ja ich bin als Rohköstler ein Außenseiter.

Wenn ich mich mit an diesem Thema interessierten Hausfrauen unterhalte und denen meine Meinung über Kochkost versuche nahezubringen (meinerseits bewusst überspitzt und provokativ) merke ich ganz schnell, dass ich (anfänglich) für einen Spinner gehalten werde, was Sie haben keine Küche in Ihrer Wohnung nein das geht doch nicht…………… :-))

Die Ärzteschaft muss auf die Politik Druck ausüben, damit diese unsägliche Werbung für „Kinderprodukte“ und an Kinder gerichtete Werbung im allgemeinen unterlassen wird.

Viele Grüße

#7 |
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Ärztin

Nein, es sind nicht alle Übergewichtigen krankheitsbedingt dick. Manche sind auch ganz natürlich “dick”. Wenn man die BMI-Vogaben nach Körperbautypen hinterfragt, stellt man schnell fest, dass die Vorgaben nur für den Leichtathleten zutreffen. Für diesen stimmen auch überwiegend die Ernährungsempfehlungen, sofern er ca. 25 Jahre alt ist und Leistungssport betreibt. Von diesen Menschen kommen auch die errechneten Grund- und Leistungsumsätze in kjoule/kcal.
Nicht sportlich tätige Menschen, alte Menschen, Frauen jenseits der Menopause, Menschen mit Stoffwechselerkrankungen wurden nicht auf Grund-und Leistungumsatz getestet, bzw keine Daten veröffentlicht. Der KH-Stoffwechsel wurde bei diesen Menschen nicht gemessen.
Herr Wilhelm, bekommen sie auf Stoffwechselaktivität durch-diagnostizierte Patienten in ihre Beratungssprechstunde? Wissen Sie wie viel Prozent Ballaststoffe die Darmflora ihrer Patienten in kurzkettige Fettsäuren! umwandeln kann? Der Luxus der Stoffwechseldiagnostik steht üblicherweise nur Sportlern zur Leistungsmaximierung zur Verfügung.
Schon bei eher muskulös athletischen Zeitgenossen versagt selbst beim durchtrainierten Sportler die BMI-Tabelle. Mühelos bringt ein durchtrainierter Athlet BMI-Werte über 30 ohne auch nur ein Gramm sichtbares Körperfett zu haben. Lassen wir diese Menschen etwas älter werden und alters-entsprechend Fett ansetzen sind sie schnell bei BMI 35 ohne jeglichen Krankheitswert und ohne Adipositas.
Ebenso wie es unterschiedliche Körperbautypen gibt, so gibt es auch schon beim Gesunden unterschiedliche Ernährungsbedürfnisse. Die werden in keinster Weise in den Empfehlungen der DGE berücksichtigt. Richtige oder falsche Ernährung ist eine absolut individuelle Angelegenheit. Wie soll ein normaler medizinisch nicht ausgebildeter Mensch bei den vorgegebenen Empfehlungen für sich die individuell richtige Ernährung finden? Die empfohlene Nahrungspyramide mit Hauptschwerpunkt auf der Ernährung mit Kohlenhydraten ist für den überwiegenden Teil der Bevölkerung mit viel zu hohem KH-Anteil empfohlen. KH-arme Ernährung wird dort lapidar als “Außenseiterdiäten” deklariert und in keiner Weise begründet.
Diabetikern hat die KH-arme Ernährungsweise aber oft geholfen. Prädiabetiker würden gar nicht erst krank werden und auch nicht dick. Heute wird dem Diabetiker empfohlen sich entsprechend der allgemeinen Empfehlung zu ernähren und mit Medikamenten dem Blutzucker gegenzusteuern.
Wir wissen mittlerweile, dass das nicht gut ist. Wer die Nebenwirkungsprofile der üblicherweise verabreichten Medikamente genau unter die Lupe nimmt merkt, dass diese krank machen und nicht gesund; nach den “Gesetzen des Marktes” auch nicht weiter verwunderlich. Die Pharmaindustrie lebt nicht vom Heilen sondern vom Verkaufen. Arzt und Patient dürfen es nur nicht gleich merken, zuerst muss die Kasse klingeln. Das nennt man Marketing.
Übrigens erhalten Kinder heute nur selten ihr Essen von den Erwachsenen. Pausenbrot auspacken ist nämlich so uncool, das es eher weggeworfen wird bevor man sich vor Klassenkameraden outet. Lieber nimmt man notfalls das Taschengeld und geht mit den Kumpels einkaufen. Und da stehen Chips und Red Bull ganz oben auf der Liste. Die Nahrungsmittelindustrie hat mit ihrer Werbung die Kinder gut im Griff. Selbst motivierte Eltern stehen machtlos da, wenn ihre Kinder in Abwesenheit machen was sie wollen während die Eltern beide für den Lebensunterhalt sorgen müssen. – Und ich rede hier nicht von Kindern „bildungsfernen Bevölkerungsschichten mit oder ohne Migrationshintergrund“. -Übrigens ein entsetzlicher Terminus, der genauso diskriminierend ist wie „Dicke“.

#6 |
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Diätassistent

Danke für die Belehrungen.
Es wird so getan als ob alle übergewichtigen krankheitsbedingt Dick geworden sind, nein viele nehmen durch falsche Ernährung und Lebensweise zu und werden dadurch Krank und ein Kind erhält sein Essen von „Erwachsenen“.

#5 |
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Beatrice Göbel
Beatrice Göbel

Liebe Frau Schuster, sie sprechen mir aus der Seele!
Neben Ihren Aussagen möchte ich gern ergänzen, dass ich als adipöses Kind, die sich als als hungernder und sich erbrechender Teenager zum grenzwertig normalgewichtigen und jetzt wieder adipösen und nicht erbrechenden Erwachsenen entwickelt hat, mich mein ganzes Leben mit Übergewicht auseinander setzen musste. Ich weiß, was Diäten sind, ich weiß, wie belastbar mein Körper mit Sport ist und ich weiß auch ganz gewiss, wie Almased und Konsorten schmecken. Wenn ich mehr als 1400 Kalorien verputze, dann nehme ich zu. Medizinisch erklärbar? Nein. Aber in Eigenregie herausgefunden. Ich müsste den ganzen Tag straff in Bewegung sein, dann würde es gehen. Das ist bei 8-10 Stunden sitzender Tätigkeit und weiteren Verpflichtungen ein Unding. Meine Eltern sind dick, meine Großeltern im höheren Alter dann auch. Jeder leidet und litt an Bluthochdruck und/oder Diabetes. Meine Kinder sind gertenschlank. Ich hoffe, dass der Teufelskreis bei ihnen durchbrochen werden konnte, denn wir ernähren uns, egal ob dick oder dünn, vernünftig und in der Regel seit 3 Jahren “Bio” aber auch nicht immer. Wenn es geht, dann fahren wir Fahrrad. Was nützt ein Ernährungskurs in der Schule, wenn Eltern in Ermangelung von finanziellen Ressourcen Billigwurst aus der Packung und Aufbackbrötchen anbieten. Eine Packung Billig- Chips kostet soviel wie ein gutes Brötchen. Womit kann man seine Kinder länger in Schach halten und vor allem, was ist für ein Kind attraktiver? Das besondere, nämlich mal ein Stück Kuchen, mal ein Stück Schokolade ist heute hochkalorische Massen- und Billigware für jeden Tag. Die Verantwortung, was für die Kids im Einkaufskorb landet, tragen die Eltern. Und die wollen sich meistens nicht” belehren” lassen. Nicht zu vergessen: mit Smartphone am Ohr oder Tablet in der Hand kann man einfach auch ganz schlecht radeln oder Federball spielen

#4 |
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Ärztin

Doch, ich meine schon, dass ein Erfassen von Stoffwechselerkrankungen bei übergewichtigen Kindern erforderlich ist. Unsere moderne Hochleistungsmedizin macht es möglich, dass stoffwechselkranke Mütter ins gebährfähige Alter kommen und sich reproduzieren können. Die moderne Geburtshilfe macht möglich, dass auch schwergewichtige diabetische Kinder erfolgreich geboren werden können.
Entsprchend steigt die Anzahl stoffwechselkranker Kinder mit jeder Generation. Diätfehler der Eltern bei ihren Kindern können durchaus aus Unwissenheit entstrehen.
Ich möchte in diesem Zusammenhang auch einmal darauf hinweisen, dass sich auch viele schlanke und gesunde Kinder mit Süßigkeiten vollstopfen und ihre Freizeit mit “daddeln” verbringen, nur eben ohne sichtbare Folgen.
Es ist unerträglich, wie, ohne Hintergründe zu hinterfragen, Kinder und deren Eltern einfach abgekanzelt werden.
Darüber hinaus stehen Schulpräsenz (bis zu 8 Schulstunden pro Tag schon bei Drittklässlern) und Sportangebot in keinem adäquaten Verhältnis. Wir wollen auch nicht vergessen wie, politisch gewollt, beide Elternteile beruflich ausgelastet sind. Wer soll denn die sportliche Freizeitbeschäftigung der Kinder managen?
Ich kenne keinen Hort, keine Nachmittagsbetreuung, welche(r) ein angemessenes Sportangebot zur Verfügung stellen KÖNNTE.
Und nicht zuletzt sind die Ernährungsempfehlungen der DGE nicht den individuellen Ernährungsbedürfnissen angepasst. Wer stoffwechselkranke Kinder nicht aus der “Masse” herausfiltert, kann nicht adäquat helfen.
Sicher führt Adipositas zu Hypertonie, aber Diabetes Typ II ist eine komplexe mitochondriale Erkrankung, bei der das KH-Angebot nicht verstoffwechslt werden kann und das Überangebot in die Depots in Form von Fett geschoben wird. Was ein “Überangebot” ist, ist jedoch von der individuellen Enzymausstattung abhängig und keineswegs für jeden gleich viel. Daraus folgt, dass die Disposition zum kindlichen Diabetes Typ II mit Sicherheit der Fettleibigkeit vorausgeht, diese aber, wenn unerkannt auch mit Sicherheit nach sich zieht. Die Insulinresistenz ist ein Schutzmechanismus der Zelle vor dem “Zumüllen” mit wegen Enzymmangels nicht zeitnah abbaubaren Metaboliten. Sie verschwindet wenn durch Energiemangel ausgelöst (Hunger oder Energiebedarf bei Sport, stringent factors) vermehrt Enzymbedarf von der DNA abgerufen wird und Insulin mit Glucose wieder in der Zelle verschwindet. Erst dann setzt auch die Lipolyse wieder ein.
Hypothyreose als immer häufiger werdende Stoffwechselerkrankung ( Inhaltsstoffe in Convenient food? Verpackungsmaterialien? Bisphenole? Umweltgifte in der Luft? Pestizide? Überfrachtung mit Antibiotika mit konsekutiven Veränderungen in der Darmflora? Medikamente? Antihistaminika? usw…) sollten auch abgeklärt werden.
In diesem Kontext darf sich der geneigte Ernährungstherapeut, gleich ob ärztlich oder nicht, auch mit epigenetischen Faktoren bei Kindern mit Migrationshintergrund aus Gegenden mit Mangelernährung auseinandersetzen. Ausführungen diesbezüglich würden den hier gebotenen Rahmen sprengen
Stigmatisierung bezüglich des “Fehlverhaltens” von Eltern und Kindern ist absolut nicht angebracht!
Mit den “Dicken” und dem was “man” dafür hält wird in dieser Gesellschaft vor allem ein Riesengeschäft gemacht.
Die “Dicken” von heute ersetzen als General-Sündenbock den Juden von gestern. Was zum Thema “Adipositas und Übergewicht” an despektierlichen Kommentaren zu lesen ist, ist unqualifiziert und abscheulich. Wer sich angesprochen fühlt darf in sich gehen und über sich nachdenken.

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Diätassistent

Was heißt in diesem Zusammenhang Behandeln (medizinisch?), hier sind doch die Eltern behandlungsbedürftig, Ernährungsberatung gehört dringend in das Umfeld der Schulen.

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Dr. Carl Wilhelm Baukhage
Dr. Carl Wilhelm Baukhage

Bitte! Wir brauchen nicht auch noch Blutuntersuchungen in den Vorsorgen, sondern wir brauchen endlich gute, attraktive, ortsnahe Behandlungsprogramme für Kinder mit Adipositas, die ohne große Bürokratie bezahlt werden und leicht erreichbar sind. Auch vor der neuen Studie, die natürlich die Brisanz der Fettleibigkeit bei Kindern mit neuen Details und Erkenntnissen eindrucksvoll untermauert, ist doch bekannt, dass bei diesem Gesundheitsproblem es schon nach 5 vor 12 ist. Wer schon mal versucht hat ein dickes Kind in ein modernes Gewichtsregulationsprogramm für Kinder einzuschleusen, weiß warum ich “gefrustet” bin. Um zu handeln wissen wir genug.

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