Milchbörse: Alles Mutter, oder was?

12. Februar 2014
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Das eigene Baby mit fremder Muttermilch füttern? Seit kurzem gibt es die erste deutsche Muttermilch-Börse im Internet. Für manche ein Segen, für andere ein gefährliches Unterfangen.

„Trotz allen medizinischen Fortschritts – nichts kann, was Muttermilch kann! Muttermilch reduziert die Anzahl von Infektionen bei Babys um 40 bis 70 Prozent, sie vermindert Krankenhausaufnahmen im ersten Lebensjahr um mehr als 50 Prozent, sie lässt Gehirngewebe schneller wachsen und erhöht messbar den IQ, sie kann Säuglinge vor dem plötzlichen Kindstod bewahren und mindert enorm das Risiko, Allergien zu entwickeln – kurz – sie ist die perfekte Nahrung für ein Baby“, heißt es auf der Ende Januar ins Leben gerufenen Webseite der Muttermilch-Börse. Hier treffen Mütter aufeinander, die entweder zu viel oder zu wenig Milch für ihr Baby produzieren.

Etwa 35 junge Frauen bieten derzeit ihre überschüssige Milch auf der Muttermilch-Börse an. Die Preise für das kostbare Gut rangieren von einem bis etwa 8 Euro pro 100 Milliliter und werden von den Spenderinnen selbst festgesetzt. Auch Ammendienste sind im Angebot. Kann die abgepumpte Milch nicht persönlich abgeholt werden, wird sie eingefroren und per Kurier über Nacht verschickt. Die Muttermilch-Börse rät zu einer persönlichen Übergabe, da sich in der Muttermilch leicht Bakterien vermehren können, wenn die Kühlkette unterbrochen wird.

Portal ohne unternehmerische Ambitionen

Hinter dem Projekt steht Tanja Müller (37), Mutter von zwei Kindern. „Beim ersten Kind wollte es zunächst partout nicht mit dem Stillen klappen und beim zweiten produzierte ich viel zu viel Muttermilch. In beiden Fällen hatte ich ganz selbstverständlich versucht, zum Tauschen mit anderen Müttern in Kontakt zu treten – vergeblich“, beschreibt die Initiatorin der Milchbörse ihre Beweggründe, die Plattform ins Leben zu rufen. Ein dreimonatiges Verkaufsinserat kostet knapp 5 Euro, das deckt die Kosten für die Webseite.

Vertrauen ist gut, ausreichende Kontrolle gibt es nicht

In Deutschland gibt es derzeit 11 Frauenmilchbanken, die allesamt in Krankenhäusern angesiedelt sind. Die Milch kommt dort schwer kranken oder zu früh geborenen Babys zugute. Alle Milchspenderinnen werden jedoch genauso detailliert wie bei einer Blutspende untersucht, denn über die Muttermilch können Krankheitserreger wie HIV oder die Auslöser für Hepatitis und Syphilis übertragen werden. Auch Drogen- oder Medikamentenrückstände in der Muttermilch können dem Baby erheblichen Schaden zufügen. Für den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. ist die Muttermilch-Börse im Internet ein unkalkulierbares Risiko: „Muttermilch ist das Beste für einen Säugling, sie enthält alle Nährstoffe in optimaler Zusammensetzung, sie beugt der Entwicklung von Allergien und Infektionskrankheiten vor und sorgt für eine gesunde Entwicklung. Wir warnen dennoch davor, Muttermilch über das Internet zu beziehen“, so Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Verbandes. Denn keine Mutter könne kontrollieren, ob die fremde Muttermilch für das eigene Kind unbedenklich sei.

Lebensbedrohliche Krankheiten nicht ausgeschlossen

Die Muttermilch-Börse arbeitet zwar mit dem Institut für Milchuntersuchung in Verden zusammen, doch dort können längst nicht alle wichtigen Parameter erfasst werden. Das auf Kuhmilch spezialisierte Labor bietet lediglich Untersuchungen auf Antibiotikarückstände und die Bestimmung der somatischen Zellzahl an, die Hinweise auf entzündete Milchdrüsen oder auf eine unspezifische Abwehrreaktion geben kann. Zusätzlich können der pH-Wert als Frischeparameter ermittelt und verschiedene Bakterien in der Milch nachgewiesen werden. Ob die Milch gestreckt wurde, kann man über den Eiweiß-, den Laktosegehalt und den Gefrierpunkt messen. Die Angaben der Spenderinnen zu schweren Erkrankungen erfolgen jedoch auf Vertrauensbasis. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte die entsprechenden Tests vor dem Erwerb der Muttermilch von der Spenderin einfordern, rät die Muttermilch-Börse.

Doch auch das genügt dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte nicht. „Selbst keim- und giftstofffreie Milch einer fremden Mutter ist unter Umständen nicht gut für das Kind. Muttermilch passt sich in ihrer Zusammensetzung stets aufs Neue den Bedürfnissen der Säuglinge an. Kurz nach der Geburt benötigen Babys mehr Nährstoffe als im Alter von einigen Wochen oder Monaten“, so Hartmann. Die Milch einer Frau, die bereits ein älteres Kind habe, enthalte nicht die richtige Nährstoffzusammensetzung für ein Neugeborenes. Frauen, die nicht stillen können, rät der Berufsverband zu industriell hergestellter Säuglingsmilch. „Diese kann ohne Bedenken gefüttert werden“, so Hartmann.

Kuhmilch oder Menschenmilch?

Das sieht Tanja Müller anders. Um jedem Baby eine altersgerechte Milch anbieten zu können, müssen die Mütter in der Verkaufsanzeige auch das Alter ihres Kindes angeben. Denn Industriemilch ist für die gelernte Hotelfachfrau keine Alternative: „Wir sind es gewohnt, unseren menschlichen Kindern Körperflüssigkeiten von Kühen zu geben, die ja zum Teil auch mit Antibiotika oder Hormonen belastet sind. Da muss man einfach zu einem natürlicheren Weg zurückfinden. Für Menschenkinder ist Menschenmuttermilch nun mal das Beste“, sagte die zweifache Mutter in einem Fernsehinterview. Doch bisher gibt es hierzulande keine Möglichkeit, mit einem gesunden Baby an überschüssige Muttermilch zu kommen.

Risiken nicht überschaubar

Von einem Muttermilchaustausch über das Internet rät auch Prof. Dr. Andreas Schulze, Leiter der Neonatologie am Universitätsklinikum Großhadern mit angeschlossener Muttermilchbank, ab: „Grundsätzlich ist humane Milch gesünder für ein Baby als auf Kuhmilchbasis industriell hergestellte Milch. Doch solange die Sicherheit der Milch nicht ausreichend geprüft wurde, können wir einem Austausch von Muttermilch nicht zustimmen.“ Die Frühchen im Universitätsklinikum Großhadern bekommen zwar von fremden Müttern gespendete Muttermilch, die Spenderinnen wurden jedoch zuvor streng kontrolliert, ihre Milch wird unter Aufsicht im Klinikum entnommen, wiederholt mikrobiologisch getestet, und unmittelbar im Anschluss schockgefroren. Prof. Schulze resümiert: „Die gesundheitlichen Risiken, die von einer industriell gefertigten Milch ausgehen, stehen in keinem Verhältnis zu den Risiken unkontrolliert gespendeter Milch.“

Nachfrage bisher ungewiss

Da das Webportal die Angaben der Mütter nur darstellt, aber nicht im Verkaufsprozess involviert ist, gibt es derzeit noch keinerlei Zahlen über die tatsächliche Nachfrage oder getätigte Verkäufe. „Ich weiß nur durch Erzählungen oder durch Nachfragen der Mütter z. B. in Sachen Testlabor oder Versand, dass bereits Milchverkäufe getätigt wurden. Eine Mutter beispielsweise ließ die Milch direkt ins Krankenhaus senden, wo ihr Frühchen lag und das Krankenhaus übernahm hier die bakteriologischen Tests.“ An den Verkaufsaktivitäten ist die Initiatorin der Seite nicht beteiligt: „Ab dem Moment, wo eine Interessentin den „Kontaktieren Button“ der Inserierenden drückt, sind wir raus und alles Weitere läuft rein privat zwischen den Müttern.“ Wer welchen Test durchführen lässt, bevor die fremde Milch verkauft und verfüttert wird, bleibt Privatsache.

78 Wertungen (4.21 ø)

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16 Kommentare:

Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Die Warnungen hören sich ein bischen übertrieben an.
Eine an sich gute Idee, auch nichts wirklich neues in der Menschheit,
muss man doch nicht gleich in Grund und Boden stampfen.
Bei wirklich mangelernährten Müttern (Veganer) kann ich mir ehrlich gesagt auch kaum eine Milchspende vorstellen.
Persönlicher Kontakt ausdrücklich empfohlen.

#16 |
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Zurück zur Sachlichkeit. Zu erwähnen wäre auch noch, dass die von veganen Müttern produzierte Muttermilch lebensgefährliche Mangelzustände beim gestillten Kind auslösen kann (s.a. Todesfall in Berlin). Wer denkt daran, das auch noch abzufragen? Selbst “sich persönlich kennen” gibt keine Sicherheit. Es gibt garantiert Frauen (die Mehrheit?!), die ihren eigenen Status bzgl. CMV, HIV, Hep. B + C etc. nicht kennen und sich für “pumperlgesund” halten. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis ist bei diesem Angebot viel zu hoch. Kann man nur dringend von abraten!

#15 |
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Kristin Basler
Kristin Basler

Boah, ist das ein fieser Kommentar, Frau Wiese.

#14 |
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Marion Wiese
Marion Wiese

Sehr geehrte Frau Becker,

was ist Ihnen an der Aussage, die Sie erläutert haben möchten, fremd?
Es sollte doch zum Grundwissen einer jeden Hebamme gehören, dass die Muttermilch einer Frau mit z.B. 26 Wochen altem Säugling sich elementar unterscheidet von der Muttermilch einer Frau mit 2 Wochen altem Säugling?
Leider haben Sie sich mit Ihrer offensichtlichen Unkenntnis auch akut disqualifiziert bezüglich Ihrer sonstigen unbedarften Einlassungen zu dem Thema.

Eine Hebamme die davon träumt, kolostrumähnliche Muttermilch in pulverisierter Form im Supermarktregal zu finden, sollte besser nicht in der Geburtshilfe tätig sein, sondern wäre gut aufgehoben, bei „dm“ die Pamperspackungen über den Scanner zu ziehen!

#13 |
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Heilpraktikerin

Das Thema “Milchbörse” ist _so_ neu nicht: Da gab es doch mal so was wie eine Amme…?

#12 |
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Hebamme

Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich dieses Angebot finde.

Letztlich denke ich, es ist gut, dass es ein solches Angebot gibt.
Es gibt sicherlich Frauen, die dankbar dafür sind und es gerne in Anspruch nehmen.
Jeder Frau bleibt es doch selbst überlassen, ob sie Muttermilch für ihr Kind kaufen möchte oder nicht.
Das Angebot ist ehrlich, jede Frau, die es in Anspruch nimmt, weiß, dass die Milch nicht auf Krankheitserreger untersucht wurde.
– – –
Diesen Punkt im Artikel möchte ich gerne mal genauer beleuchtet haben:
*** „Selbst keim- und giftstofffreie Milch einer fremden Mutter ist unter Umständen nicht gut für das Kind. Muttermilch passt sich in ihrer Zusammensetzung stets aufs Neue den Bedürfnissen der Säuglinge an. Kurz nach der Geburt benötigen Babys mehr Nährstoffe als im Alter von einigen Wochen oder Monaten“, so Hartmann. Die Milch einer Frau, die bereits ein älteres Kind habe, enthalte nicht die richtige Nährstoffzusammensetzung für ein Neugeborenes. ***

Grundsätzlich sicherlich richtig.
Ich persönlich habe aber noch keine “Kolostrum-ähnliche Milchnahrung” im Supermarktregal gesehen.
Nur Prenahrung… die ab Geburt bis zum Ende der Flaschenzeit gegeben werden kann. Wo ändert die denn ihre Zusammensetzung? Ist sie nun abgestimmt auf das Neugeborene oder auf den 4 Monate alten Säugling?

Insofern sehe ich das ähnlich wie andere hier und die Betreiberin der Muttermilchbörse: ***Für Menschenkinder ist Menschenmuttermilch nun mal das Beste.***

Ob man nun das Risiko eingehen möchte, dass die Milch evtl. mit Krankheitserregern belastet sein könnte, muss dann letztlich jede Frau selber entscheiden.

Ich für meinen Teil hoffe, dass es irgendwann Muttermilchpulver im Supermarkt zu kaufen gibt. Ebenso keimfrei wie die Nahrung, die es jetzt gibt, aber deutlich gesünder als auf Kuhmilchbasis hergestellte Nahrung.

Leider wird das wohl Utopie bleiben, denn woher soll so viel Muttermilch auch kommen?

#11 |
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Marion Wiese
Marion Wiese

Liebe Frau Michaels,
die Internetseite der „Milchbörse“ habe ich mir genau angesehen.
Die Linea UG (haftungsbeschränkt), Betreiberin der Webseite, erklärt sich in ihren Nutzungsbedingungen und im Impressum vor allem sehr ausdrücklich frei von jeglicher Haftung:
„Wir sind keine Ärzte oder Hebammen, haben auch kein Labor oder einen medizinischen Background. Daher können wir nicht alle Angaben, insbesondere die medizinischen und gesundheitlichen Angaben in Inseraten und Anfragen, überprüfen. Wir stellen diese Daten nur für dich dar. Bitte überprüfe also alle Angaben und Unterlagen, die du von unseren Mitgliedern bekommst, selbst.
Für Resultate oder Folgen, die mit dem privaten Austausch von Muttermilch zwischen dir und einer Anbieterin bzw. Käuferin einhergehen, haften wir nicht.“
(natürlich wird auch gleich der Pluralis Majestatis bemüht um Autorität zu vermitteln!?!):
„Mitglieder“ haben sie also schon mal …
Ob dies nach der EG-Verordnung rechtlich so haltbar ist, wage ich anzuzweifeln!
*Die Betreiber von Ebay sind keine Makler? Vermutlich haben Sie Recht und Ebay ist eine Non-Profit-Organisation! An diese Stelle muss ich mein Menschenbild wahrscheinlich korrigieren? *Ironie off!
Die Käuferin der Muttermilch hat außer der Möglichkeit einer Stichprobenuntersuchung der gelieferten „Ware“ und ihr Vertrauen, dass die gemachten Angaben der Verkäuferin stimmen, rein gar nichts! Weder der aktuelle Gesundheitsstatus der Produzentin, noch die aktuelle Milchqualität sind sicher! Sie wissen nicht einmal, ob die Verkäuferin die elementarsten Hygienestandards in ihrem persönlichen Lebensumfeld einhält.
Alle Aussagen zur Sicherheit auf der Webseite sind bloße „Empfehlungen“ und abhängig davon, wie intensiv die Käuferin dies prüft (sofern sie das überhaupt kann!).
Mein Frauen-/Menschenbild ist ansonsten sehr intakt, aber ich verschließe auch nicht die Augen davor, dass es weniger gut meinende Menschen in dieser Welt (insbesondere im Internet) gibt.
Es kann passieren, dass die Ansprüche, die Sie an sich selbst stellen, längst nicht von allen Usern im Internet geteilt werden, und ja, es gibt kriminelle User im WWW!
Ob Sie allerdings bei der Beschreibung von z.B. „MANTREN besungener Muttermilch“ ihr reales Urteilsvermögen unbeachtet lassen, ist hier nicht die Frage.

#10 |
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Gudrun Neumann
Gudrun Neumann

Ich hatte Anfang der 80er Jahre bei meinem zweiten Kind viel zu viel Milch, die hat 3x pro Woche eine Krankenschwester aus der Kinderklinik abgeholt. Dort haben sie die Frühchen damit aufgepäppelt und sie waren immer sehr froh und dankbar – die Ärzte, nicht die Frühchen ;-) Den Frühchen ist es also offensichtlich bekommen.
Klar, es waren andere Zeiten, aber warum sollte das heute nicht mehr funktionieren?

#9 |
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Hebamme

Ja, die Muttermilch verändert sich, je nachdem, wie alt der Säugling ist.
Das kann Formula-Milch überhaupt nicht; wieso soll sie dann vorzuziehen sein?

Und die Folgemilchen haben ein zweites Kohlenhydrat, das späterem Übergewicht Vorschub leistet; Muttermilch nie.

#8 |
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Erika Michaels
Erika Michaels

Liebe Frau Wiese, haben Sie auch nur einen genaueren Blick auf die Muttermilch-Börse geworfen? Es macht nicht den Eindruck, denn die Betreiberin geht sehr ausführlich und überzeugend auf all Ihre genannten Kritikpunkte ein und entkräftet diese. Die Milch-Käuferin hat alle Kontrollen in der Hand und es wird klar beschrieben wie, insbesondere in Bezug auf Tests etc. Ihr aufgegriffener Verkaufswert ist der “Eine Höchste”, den man dort finden kann und der Niedrigste liegt bei 1 Euro. Ich sehe das auch nicht als Maklertätigkeit sondern eher als ein Inserat, wie bei einer Zeitung. Die Betreiber von Ebay sind doch auch keine Makler. Ihr Frauen- und Mutterbild empfinde ich als sehr traurig (Tummelplatz Krimmineller?). Bevor Sie sich noch mehr ärgern müssen, gehen Sie auf die Seite und informieren sich richtig. Die ist nämlich sehr ehrlich, aufklärend und informativ. Ich würde dort auch Muttermilch für mein Kind suchen, wenn ich in der entsprechenden Situation wäre.

#7 |
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Rettungssanitäterin

@Marion Wiese

Es ist möglich und auch zu empfehlen seine eigene Milch untersuchen zu lassen,ich habe dieses zum ersten Mal 2009 gemacht.

#6 |
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Diätassistent

Grundsätzlich begrüßenswert solange der Profitgedanke nicht vordergründig ist und möglicherweise dadurch das eigene Kind vernachlässigt wird.

Kleine Tauschgruppen in denen man sich kennt weil meiner Meinung nach der Sympathieaspekt eine Rolle spielen könnte.

#5 |
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Marion Wiese
Marion Wiese

@ 3. Laura Monte
Da bin ich vollkommen bei Ihrer Ansicht. Aus meiner Stillgruppenerfahrung 1977!! kenne ich auch einige Fälle, wo sich persönlich bekannte und befreundete Mütter, z.B. bei medizinischer Behandlung und daraus resultierenden, vorübergehenden Stillverbot mit Muttermilchspenden und Ammendiensten ausgeholfen haben.
Die ist aber ein völlig anderer Ansatz als unkontrollierter Muttermilchhandel via Internet.

#4 |
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Ärztin

Mir hat meine Hebamme geholfen meine zuviel produzierte Milch an eine Mutter weiterzugeben, deren Brustwarzen erstmal eine Pause benötigten. Mit einer Freundin, die ungefähr zeitgleich ihr Kind geboren hatte, haben wir Kinderaufpassen mit Stillen beider Kinder , wenn eine von uns einen wichtigen Termin hatte, verbunden. Am sinnvollsten halte ich die Organisation von MuttermilchSPENDEN durchgeführt durch die Hebammen, die sowohl die Gesundheit der Mütter kennen, als auch die “Entnahme” überwachen und den Transport durchführen, außerdem gleich Stillberatung und Unterstützung liefern können. Alles besser als Plastikmilch aus der Mikrowelle.

#3 |
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Marion Wiese
Marion Wiese

Muttermilch“spenden“ unter klinischer Kontrolle, wie sie an den Krankenhäusern angeschlossene Muttermilchbanken durchgeführt werden, haben durchaus einen Vorteil für Frühgeborene oder erkrankte Säuglinge.
Allerdings handelt es sich bei dieser Internet-Verkaufsbörse nicht um „Spenderinnen“, wie im Artikel genannt, sondern um ein gewerbliches Angebot. Die Frauen wollen ihre Muttermilch verkaufen!
Ich erachte dies als absolut gesundheitsgefährdend und hoch risikoreich.
Eine Käuferin hat keinerlei Möglichkeit die Gesundheit der abgebenden Frau, die einwandfreie Qualität der Muttermilch, die sichere, regelhafte Hygiene, Kühlkette, Verpackung und den Versand zu kontrollieren.
Daneben erachte ich die Internet-Börse als hoch gefährlich, weil schwer zu überwachen und Tummelplatz für Kriminelle.
Immer wenn ein wirtschaftlicher Erlös damit verbunden ist, wird sich auch jemand finden, der dies mit krimineller Energie zur Geldvermehrung benutzt.
8,-€/100 ml – Tagesproduktion von 400 ml = 32,-€ Tageserlös = 960,-€ Monatserlös!
Ich vermute, die Initiatorin der Muttermilch-Börse würde sich nicht mit einer Internetbekanntschaft auf ein Blinddate treffen? Woher ihr Vertrauen bezüglich Muttermilch aus dem Internet kommt, ist mir völlig schleierhaft.
Jeder gewerbliche Verkauf von Lebensmitteln, jede Dönerbude, jeder Marktstand unterliegt amtlichen Gesundheits- bzw. Lebensmittelkontrollen.
Ist Muttermilch kein Lebensmittel?
Bei meiner Recherche zur Muttermilchbörse bin ich bei ebay auf folgendes gestoßen:
http://pages.ebay.de/rech
„Registrierungspflicht für Lebensmittelunternehmer nach Artikel 6 der Verordnung (EG) Nr. 852/2004 über Lebensmittelhygiene:
Lebensmittelunternehmer müssen sich bei der zuständigen Behörde registrieren lassen. In der Regel genügt es, bei der Gewerbeanmeldung einen standardisierten Meldebogen zur Registrierung auszufüllen. Zu den Lebensmittelunternehmern gehören ebenso Händler, die online Lebensmittel vertreiben, auch falls sie nur eine Maklertätigkeit ausüben sollten. Sofern ein Lebensmittelunternehmen aus mehreren Betriebsstätten besteht, hat die Meldung für jeden Betrieb gesondert zu erfolgen.“
Die Betreiberin der Muttermilchbörse ist m. E. „Maklerin“ im Sinne dieser Verordnung und kann sich nicht einfach aus der Verantwortung ziehen, dass sie ja keinen Vertrag schließe.
Ich hoffe, dass die entsprechenden Aufsichtsbehörden das ähnlich auslegen und dieses obskure Treiben bald unterbinden werden.

#2 |
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Rettungssanitäterin

Ich bin dort selber registriert und ja ich würde meine Milch anbieten.
In anderen Ländern ist es normal,nur hier wird sich wieder angestellt.
Ich würde meinem Kinder lieber Muttermilch einer fremden geben als Milch die absolut nicht “artgerecht” ist.

#1 |
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