Pharmazie-Nachwuchs: Kein Bock auf Apotheke?

11. Februar 2014
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Neue Aufgaben, neue Perspektiven, neue Visionen: Apotheker ringen gerade nach einem Leitbild. Allzu oft übersehen ihre Standesvertreter eine Unbekannte: den beruflichen Nachwuchs. Ohne Fachkräfte wird es früher oder später große Probleme geben, die Versorgung aufrechtzuerhalten – von weiteren Tätigkeitsfeldern ganz zu schweigen.

Eine Welt in Zahlen: Jahr für Jahr erfassen ABDA-Verantwortliche, wie sich die Jobsituation in öffentlichen Apotheken verändert. Auf den ersten Blick scheint alles in bester Ordnung zu sein, schließlich stieg die Zahl approbierter Kollegen von rund 46.000 (2004) auf mehr als 48.000 (2012). Mit Hochschulen geht es ebenfalls bergauf. Waren 2007/2008 rund 11.700 Jugendliche eingeschrieben, sprechen Statistiken für 2011/2012 von 13.600 angehenden Apothekern. Ähnliche Tendenzen zeigen sich auch bei PTA (44.000 in 2004 versus 58.000 in 2012). Lediglich die Zahl an PKA (35.800 versus 33.300) sinkt. Entsprechende Statistiken verschleiern aber ein grundlegendes Problem der Personalsituation: Sie bilden Mitarbeiter ab, jedoch nicht Vollzeitäquivalente beziehungsweise Stundenzahlen. Angestellte verschiedener Berufsgruppen arbeiten oft in Teilzeit – und legen heute weitaus mehr Wert auf ihre Work-Life-Balance als zu früheren Zeiten. Damit stehen Inhaber älteren Jahrgangs vor einem gewaltigen Problem.

Fachkräfte – wo sind sie nur?

Zu ähnlichen Resultaten kommen auch Befragungen: Wissenschaftler des Instituts für Handelsforschung, Köln, interviewten schon im Jahr 2012 Apothekenleiter zur Nachfolgesituation. Wie sie herausfanden, stehen entsprechende Fragen in jeder dritten Apotheke innerhalb von fünf Jahren an. Mehr als 60 Prozent hatten schon damals Probleme, jemanden zu finden oder rechnen künftig mit Schwierigkeiten. Ein Problem: Pharmazeuten im Praktikum bleiben oft in der Nähe ihrer Alma Mater, und so manche Landapotheke hat trotz verlockender Konditionen das Nachsehen. Bleiben noch Eigeninitiativen, um einen erkennbaren Mehrwert zu schaffen.

Die harte Schule

Wer sich etwa in Baden-Württemberg als akademische Ausbildungsapotheke akkreditieren möchte, sieht sich mit einem umfangreichen Katalog aus verpflichtenden und empfohlenen Voraussetzungen konfrontiert – von einem Fachapotheker für Allgemeinpharmazie oder für klinische Pharmazie über die personelle Eignung bis hin zum regelmäßigen Besuch diverser Fortbildungsveranstaltungen. Die Botschaft an PhiPs: Hier lerne ich wirklich etwas für mein späteres Berufsleben – egal, wohin die Reise geht. Andere Kammerbezirke haben ähnliche Modellvorhaben entwickelt. Wer jetzt vermutet, alles dreht sich nur um das alte Thema, nämlich Approbierte in ländlichen Regionen, irrt. Bei der angespannten Wohnungsmarktsituation vieler Großstädte können sich PTA und PKA von ihrem Gehalt nur schwer eine Bleibe suchen, von Auszubildenden ganz zu schweigen.

Abiturienten reden Klartext

Zumindest ein Aspekt wurde genauer untersucht. Das Beratungsunternehmen Prof. Kaapke Projekte hat 500 Abiturienten befragt. Jetzt liegen teils ernüchternde Resultate vor. Mehr als 80 Prozent aller Jugendlichen wollen zwar studieren. Ohne entsprechende Vorgaben sprachen sich lediglich 3,4 Prozent für Pharmazie aus. Im zweiten Schritt folgte eine gestützte Befragung, bei der verschiedene Fachrichtungen vorgegeben wurden. Jetzt sah die Sache schon besser aus, und 16 Prozent aller Studierinteressierten kreuzten Pharmazie an. Wer sich speziell für ein Hochschulstudium entschied, wählte besagten Studiengang sogar in jedem fünften Fall. Daraus folgern die Autoren, eine gezielte Ansprache könne bei Abiturienten durchaus fruchten.

Doch welche Gründe sprechen gegen die Pharmazie? 81,5 Prozent fanden den Apothekerberuf nicht interessant genug, gefolgt von ablehnenden Äußerungen zur Forschung generell und zur pharmazeutischen Industrie speziell. Wer Pharmazie gegebenenfalls studieren wollte, schätzte vor allem die Vielfalt naturwissenschaftlicher Disziplinen – verbunden mit etlichen Perspektiven im späteren Job. Dabei formulierten 82,4 Prozent als Beweggrund, Menschen zu helfen. Praktika in öffentlichen Apotheken rangierten unter ferner liefen, und so setzte sich das Gesamtbild aus Gesprächen mit Bekannten beziehungsweise Apothekern und aus Medienberichten zusammen. Wer sich für die öffentliche Apotheke entschied, tendierte in Richtung Filialleitung oder Existenzgründung, während Jobs im Angestelltenverhältnis nicht sonderlich beliebt waren.

Wunderwaffe Leitbild

Doch was nun? Reicht es wirklich aus, Portale wie „Studier Pharmazie“ oder „Helden der Gesundheit“ zu launchen respektive Jahr für Jahr einen „Tag der Apotheke“ medienwirksam auszurufen? Das bezweifeln Apotheker in etlichen Foren. Direkte Gespräche wären zielführender – was für die Offizin gilt, kann im Kontakt mit Abiturienten schließlich nicht schaden. Vielleicht kommt durch die Leitbilddiskussion endlich frischer Wind in Aspekte zur Nachwuchsgewinnung. Noch bis zum 21. Februar haben Kollegen Gelegenheit, auch unangenehme Themen im Leitbildportal zu posten und zu hoffen, dass ihre Inhalte nicht – wie am 3. Februar – im virtuellen Nirwana verschwinden.

Ihre Meinung zählt!

Sie arbeiten in einer öffentlichen Apotheke oder sind sogar Apothekenleiter? Wie beurteilen Sie die personelle Situation? Sollten Standesvertretungen beziehungsweise Kollegen vor Ort mehr tun, um Apothekenberufe attraktiver zu machen? Wir freuen uns auf Ihre Meinung: feedback_news@doccheck.com

77 Wertungen (4.13 ø)

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20 Kommentare:

Apothekerin

Apotheker Förster hat da andere Erfahrungen gemacht, als ich.
Habe ein halbes Jahr eineN ApprobierteN MitarbeiterIn gesucht, vergebens.
Großstadtnähe, keine Landapotheke.
48.000 Approbierte, 21.000 Apotheken, da kann man leicht ausrechnen, wie sich das verteilt, zumal die langen Öffnungszeiten entsprechendes Personal brauchen.

#20 |
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Apotheker Frank Forster
Apotheker Frank Forster

Apotheker Förster
Es grenzt schon fast an Zynismus in unserem Berufsfeld von Nachwuchssorgen zu sprechen. Zunächst sei anzumerken, dass die Studierendenzahl in unserem Bereich in den letzten Jahren um 20% zugelegt hat. Es ist davon auszugehen, dass das Gros dieser Absolventen in die öffentl. Apotheke drängen wird, die sich in einem sehr schwierigen sowie ungewissen politischen Umfeld bewegt. Die Alternativen für Pharmazeuten außerhalb der öffentl. Apotheke sind bekanntlich sehr begrenzt, da wir noch immer als “Halbwissenschaftler” angesehen werden und in Konkurrenz zu den meist binnen kürzerer Zeit promovierten “echten” Naturwissenschaftlern stehen. Der Apothekenmarkt ist derzeit sehr gespalten. Die Bandbreite reicht von zahlreichen Apos, die dem Inhaber gerade ein Existenzminimum gewähren bis zu den leider geduldeten Großapotheken mit mehreren Filialen. Die Struktur dieser Bandbreite gehorcht leider dem Pareto – Prinzip, wonach die zahlreichen kleinen Apos erheblich weniger am Gesamtvolumen partizipieren als die nicht so zahlreichen Großbetriebe (das ist auch Herrn Kaapke bekannt). Ich halte es also für mehr als vermessen, Werbung für einen Beruf zu machen, der unter den gegebenen politischen Bedingungen in ein mtl. Einkommen mündet, welches locker über jeden anderen außeruniversitären Ausbildungsberuf erzielt werden kann. Selbst schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach einer öffentl. Apotheke kann ich berichten, dass ich auf lukrativ erscheinende Anzeigen meiner Kollegen, die Ihren Betrieb veräußern möchten, anfangs noch Absagen und mittlerweile überhaupt gar keine Antwort mehr bekomme. Dies ist dadurch erklärbar, dass es ein Überangebot an Kaufinteressenten für derart lukrative Betriebe gibt. Das bedeutet, dass realiter von Nachwuchs- bzw. Nachfolgeproblemen überhaupt keine Rede sein kann. Also bitte, liebe Kolleginnen und Kollegen, etwas leisere Töne anschlagen.

#19 |
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Angestellter Apotheker

Ich kann aus eigener Erfahrung (Approbation 2005) sagen, dass es ziemlich schwer ist, eine Stelle als Pharmaziepraktikant zu bekommen, wenn man nicht über Beziehungen verfügt und wenn man nicht ein ganzes Jahr in die Apotheke geht, sondern die Hälfte in der Industrie absolviert. Es hat letztlich dennoch geklappt, aber ich musste dafür bei etwa 50 Apotheken nachfragen.
Schon damals dachte ich mir, wenn das Pharmaziepraktikum notwendig für die Erlangung der Approbation ist, dann sollte man als Pharmaziepraktikant aber nicht so auf Gedeih und Verderb der Gunst von Apothekenbesitzern ausgeliefert sein. Und hier ist ein Punkt, an dem die Standesvertretung etwas machen muss.

#18 |
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Andreas Heckmann
Andreas Heckmann

als student der vor seinem 2. stex steht … erschreckend zu lesen :-/

aber andererseits ist man selber schuld…
– man will ein breitgefächertes historisches Studium
-> das ist zwar intressant und hilfreich in der persönlichen entwicklung, aber wirtschaftlich betrachtet nicht sehr förderlich

Wenn ich gefragt werde, ob das PHarmazie studium gut ist, beantworte ich es meistens folgend:
Ja, ist es! Aber nur als Ziel, später noch etwas mehr machen zu wollen. Man soll es studieren, wenn man spaß an den Fächern (dem vermittelten Wissen) hat und nicht weil man Apotheker werden möchte…

Am besten ist Pharmazie als “brücken-studium”. Danach sollte etwas weiter führendes folgen (Zweitstudium oder Promotion).

#17 |
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Die Arbeit in der Offizin hat mit unserem Auftrag und unserer Profession kaum noch etwas zu tun. Diskussion um Rabattverträge nimmt einen erheblichen Teil der Arbeitszeit weg; der Hilfsmitteldschungel ist zumindest zur Zeit nicht mehr händelbar; Die “Neue Apo-Betr.-Ordnung” wird in weiten Teilen als völlig überzogen empfunden; Unterschiedliches Auftretend der Aufsicht bis hin zur Diskriminierung, lassen keinen “Bock” mehr auf diesen Beruf entstehen. Mütter nach Babypause verstehen die Welt nicht mehr. Selbstvertrauen fehlt zu allem wird Ja und Amen gesagt: Es hätte ja schlimmer kommen können und es kam noch schlimmer. Meine persönliche Meinung, der trotz ausgefeilter Technik und Prozessoptimierung kaum noch keinen Kunden/Patienten betreuen kann. Wirtschaftlichkeit wäre ein weiteres unerschöpfliches Thema: Fakt: Unsere Mitarbeiter sind für die zu erbringende Leistung unterbezahlt!!!!! Just my 2 Cent Dr. Christian Meisen

#16 |
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Apothekerin

Ich schließe mich den Kommentare von meinen Kollegen, vor allem von Frau Wagner-Schöer und Herr Redman. Ich habe in der öffentlichen Apotheke gearbeitet, in Deutschland und auch in Spanien, mein Heitmatland. Die Situation unseres Berufes ist überall hoffnungslos. In Spanien bricht gerade das Krankenversicherungssystem zusammen. Apotheker werden mit monatelanger Verspätung bezahlt. Das heißt, sie müssen praktisch die Medikation ihre Patienten aus der eigenen Tasche “vorfinanzieren”. Außerdem war dort ein Job als Apotheker im Angestelltenverhältnis nie interessant: 1400-1500 Brutto monatlich für Vollzeit!!. Eine eigene Apotheke zu besitzen, war für viele von uns nur ein unmögliche Traum, weil die Anzahl der Apotheken in Spanien immer noch gesetzlich begrenzt ist. In Deutschland, bin ich mit QMS, Rabattverträge, Kostenvoranschläge & Co einfach nur verzweifelt. So einen komplizierten bürokratischen Aufwand habe ich nirgendswo gesehen, einfach unglaublich. Man brauchte fast einen Protokoll schreiben, um die “Aspirin Schublade” zu öffnen, wenn ihr versteht, was ich meine. Dafür braucht man tatsächlich kein Pharmaziestudium mehr, sondern wie Frau Wagner-Schöer sagt, eine Ausbildung als Bürokraft. Deswegen werde ich auch nicht an der Leitbilddebatte teilnehmen. Das bringt nichts. Ich rate die zukünftigen Abiturienten von Pharmazie ab. Das Studium ist lang, schwer und die Fächer bringen überhaupt nicht, die praktische Praxiserfahrung, die man später in der Apotheke dringend benötigt. Außerdem ist eine Vollzeitbeschäftigung in einer Apotheke, besonders auf dem Land, für eine Frau ganz inkompatibel mit dem Familienleben: Öffnungszeiten Vormittags und Nachmittags mit langen Mittagspausen, Samstags, keine Möglichkeit auf Brückentage, Notdienste mindestens 2 Mal pro Monat usw. Das war auch ein Grund mehr für mich, nicht mehr in der Apotheke tätig zu sein. Mittlerweile habe ich eine Teilzeitbeschäftigung in einer anderen Branche und ich decke die Nostalgie meines Berufes mit einem Blog ab. Da fühle ich mich fast mehr erfühlt als Apothekerin, als damals in der Apotheke.

#15 |
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Oliver Trybus
Oliver Trybus

Für mich sehe ich das größte Problem in der Bezahlung der PTAs. Die Ausbildung wurde privat finanziert, genauso der Lebensunterhalt. Und dann soll der Verdienst bei 1800 Euro brutto liegen. Es ist eine absolute Frechheit. Die Verkäufer bei Lidl oder die Drogisten bei DM verdienen da schon um einiges mehr und haben Geld für ihre Ausbildung erhalten, die auch um ein vielfaches einfacher ausfällt. Zudem kommt die Verantwortung die man trägt. Einerseits bei Abgabe der Arzenimittel, andererseits auch bei deren Herstellung. Alleine was die Herstellung von Kapseln für Säuglinge angeht. Die Verantwortung ist immens. Und kein Apotheker den ich kenne stellt sich in die Rezeptur und arbeitet mit den Gefahrenstoffen! Dann der Stress mit den Rabattverträgen. Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld ist nen Witz wenn es das überhaupt gibt. Genauso wie die Urlaubstage. Das alles war für mich der Grund der Apotheke den Rücken zu kehren und in die Industrie zu gehen.

#14 |
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Vielen Dank Herr Redmann für den Kommentar! besser kann man es nicht formulieren.
Ich habe gestern 1 Stunde damit verbracht, für eine lächerliche Teemischung drei Protokolle zu schreiben (incl. Anfertigung). Ichhabe ein Hochschulstudium, meine PTA hat das gelernt – wir machen seit Jahren nix anderes. Im Teeladen in der Stadt, da werden Tees zusammen gekippt – da schreibt keiner ein Protokoll, da ist auch noch niemand gestorben, weil der Tee nicht organoleptisch untersucht wurde… Das, was mit Reinräumen, Vorschriften etc. auf uns abgeladen wurde, das haben unsere eigenen “Kollegen” so durchgedrückt, weil sie sich eine Monopolstellung verschaffen wollten. Es kann sich eben nicht jede Apotheke einen Reinraum leisten, um blistern zu dürfen – also wird das in Blisterzentren zusammen gezogen. Es kann sich nicht jede Apotheke eine Herstellungserlaubnis leisten, um Aromatherapie zu machen, obwohl das unsere Rezepturausstattung durchaus hergibt. Also macht das die Bahnhofapotheke Kempten allein – wir anderen können uns weder Reinräume noch Herstellungserlaubnis leisten. so haben die “kollegen” sich das Monopol verschafft, die Politik wollte es in dieser Form nicht. was soll da noch den Nachwuchs in die Apotheke locken??? NICHTS! Leitbilddbatte? Das ist DER Witz der ABDA. Der Apotheker ist künftig zum ausfüllen von Formularen zuständig, für das Erstellen von QMS und für das Studium von Retaxfallen. Auch müssen wir nach Möglichkeiten suchen, die Kammerbeiträge und Verbandsbeiträge zu finanzieren, dazu die Kosten für QMS, Präqualifizierung, Ringversuche etc. Und für die “Hochrisikoaktien”müssen wir noch was auf die Seite legen, damit es im Fal X nicht zum Vollcrash kommt. Also brauchen wir eine Reform des Pharmaziestudiums. Galenik, Botanik, Pharmakologie sind nicht mehr zeitgemäß. sInnvoller ist eine Ausbildung als Bürokraft. Und wenn dann eine Betriebsprüfung , wie gerade in Sachsen passiert, 2 Jahre dauert und die Beamtin vorher noch nie eine Apotheke geprüft hat, sich mit der Taxierung von Zytos nicht auskennt und am Ende eine 6 stellige Summe hinzuschätzt, dann ist es fiananziell sowieso aus. Da braucht man dann kein Pharmaziestudium mehr, da gibts nicht mal mehr Hartz IV. Pharmazie war während meines Studiums ein tolles Fach – danach…

#13 |
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Christian Redmann
Christian Redmann

Man kann das Ganze natürlich auch “akademischer” formulieren (Sinnhaftigkeit dessen darf bezweifelt werden):

– die aktuelle Berufssituation eines naturwissenschaftlich geprägten Apothekers in der Offizin ist erbärmlich / suboptimal. Weder die ABDA noch die BAK schaffen es, bei Politik oder Industrie genug für den Stand zu erwirken, als das wir wirklich pharmazeutisch arbeiten können.

– pharmazeutisch arbeiten können wir eigentlich schon seit Jahren nicht mehr. Kompetenzen werden uns durch HiMi-Verträge a) beschnitten und b) total abgesprochen

– wirtschaftlich gesehen ist eine Apotheke ein “Ausbund an Spiel, Spass und Spannung” – in etwa so als investiere man in Hochrisikoaktien. Vergütung ist variabel, der Politik & Kassen fallen immer neue Absurditäten ein – juristisch gedeckt (Bsp: Nullretax ist Berufsrisiko). Somit kauft man sich eine Apotheke, erleidigt seinen Job nach Wissen & Gewissen und am Ende kommt jemand und sagt: fein, aber hier und da haste nen Fehler gemacht: nix gibts. Auch das ist so gewollt – am Apotheker wird gespart… und die Formalitäten sind mannigfaltig wie auch kompliziert. Je komplizierter, desto leichter geschehen Fehler, desto besser kann man retaxieren…

– seltsame Standardisierungen und zweifelhafte Belege von Qualität (Präqualifizierung, QMS) erschweren neben einer absolut abstrusen ApoBetrO die wirksame und vollumfängliche Versorgung großer Patientenkollektive (z.B. KVs für Nadeln bei Diabetikern, absurde Bedingungen für die Inko-Belieferung, lachhafte Reinräume für i.v. Zubereitungen – allen voran Schmerzpumpen für Palliativpatienten)

– die sogenannte Leitbilddebatte ist m. E. eine Nebelkerze, die nur augenscheinlich auf den Wunsch der Basisapotheker nach mehr Mitsprache bei der ABDA eingeht. De facto lenkt sie die Mehrheit engagierter Kollegen von wichtigen Entwicklungen ab und zersplittert Kräfte, die man anderswo – u. a. Imagekampagnen, Aktionen gegen Krankenkassen / Versandapotheken – brauchen könnte

Natürlich macht Pharmazie “Spass” – in idealem Umfeld. Dieses ideale Umfeld wird aber künstlich so “kompliziert erreichbar” gemacht, dass es kaum existent ist. Die Struktur der “Apotheke vor Ort” ist – gewollt – geschwächt & wird sich in den nächsten 20 Jahren auch frappierend zum Negativen (für Patienten & Apotheker) in Richtung “größere Versorgungseinheiten” ändern. Bis dahin haben wir dann auch unser Leitbild – vielleicht recht passend zur schönen neuen Apothekenwelt…

… vielleicht aber eben auch 20 Jahre zu spät für alle jetzt im Berufsleben stehenden KollegInnen.

Wie gesagt – ich mach das aus Berufung, sonst hätt ich mir keine Apotheke angelacht.

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Christian Redmann
Christian Redmann

… Pharmazie mach ich Idealist (32, Inhaber e. Landapotheke seit 8 Monaten) weil’s mir perverserweise Spass macht… würd ich irgendwann mal aufwachen, Aufwand vs. Nutzen vs. Gewinn analysieren gäbe ich mir bestimmt die Kugel oder müsste in die Anstalt. Aber für mich hat das Ganze mit Berufung zu tun… ach ich kleiner Verrückter.

Macht den Abiturienten nix vor: schweres Studium, anspruchsvolles Topic, komplexe Sachverhalten und alles innerhalb von 8 Semestern – dafür recht wenig reale Praxiserfahrung, keinerlei soft skill Vermittlung & nur Chemie, Chemie, Chemie. Grottige Berufsvorbereitung – und im Beruf eine bescheidene Entlohnung (sowohl als Angestellter wie auch als Chef).

Regelmäßig muss man Dinge tun, die man nicht “gelernt hat” (… ich sag ja immer, man ist die Rabattvertragsh… der Kassen & der Popoknecht von Politik & Industrie), wird mit Sachen konfrontiert, die man lediglich im Drogenrausch als “cool” empfinden kann (… Importquote, BZ-Quote, Rabattverträge, NV-Nummern, Kostenvoranschläge) und ist am Ende sowieso immer a) schuld, b) blöder als der Arzt und c) generell unfähig.

Also, liebe Kids: wenn ihr masochistisch veranlagt seid, ein echt schlecht bezahlter Akademiker und jeden Tag(!) von Industrie & Politik & Medien enttäuscht werden wollt – dann ist Pharmazie voll der Beruf. Könnt euch auch gleich bei der Leid-bild-Debatte beteiligen… heute schon über die Demutsstellungen von morgen reden…

Ansonsten lernt was gescheites – Sozialpädagogik, Psychologie, Orientalistik – oder geht zu den Krankenkassen oder wandert aus.

#11 |
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Fabian Bischoff
Fabian Bischoff

“Noch bis zum 21. Februar haben Kollegen Gelegenheit, auch unangenehme Themen im Leitbildportal zu posten” – oder eben auch nicht. Zwar bin ich seit Ende letzten Jahres zwangsläufig Mitglied der BLAK, einen Aktivierungscode für das Forum habe ich allerdings nie bekommen …

Falls es aber doch jemand interessiert, ich verrate Euch gerne warum ich nach dem Abi Pharmaceutical Sciences und nicht Pharmazie studiert habe und nach wie vor vom Bachelor/Master-System überzeugt bin, im Gegensatz zu unserem eingestaubten Staatsexamen!

… aber stimmt, das war ja schon immer so, genauso wie vieles andere aus der schönen alten Apothekerwelt was wir lieber nicht anrühren wollen…

#10 |
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Apothekerin Heike Lengsfeld
Apothekerin Heike Lengsfeld

Wer rechnen kann, geht nicht als Vollzeit-Angestellter in die Apotheke.
Ab dem 11.Berufsjahr bekommt man rund 3900Euro brutto, mehr bekommt ein Arzt im ersten Jahr als Assistent in einer Klinik. Ich habe seit 1990 als angestellte Teilzeitapothekerin in diversen Apotheken noch keinen männlichen angestellten Kollegen gehabt. Die Luft für Gehaltserhöhungen sehe ich bei den meisten Selbstständigen nicht, also sehe ich auch keine Lösung für dieses Problem.

#9 |
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Apothekerin

Dei Apotheker vor Ort sind gefordert, um den Nachwuchs zu werben.
Solange nicht nach außen kommuniziert wird, dass es an diesem mangelt wird es bei den Menschen nicht ankommen.
Apothek ist immer mit hohen Preisen, geringem Einkommen und schlechten Arbeitszeiten verknüpft. Wir brauchen eine Imagekampagne, um die Attraktivität der Berufsbilder darzustellen. Das erfordert aber auch die Unterstützung durch Kammern und Verbände!

#8 |
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Gabriel Schäffner
Gabriel Schäffner

Selbst als Pharmaziestudent muß man doch nicht unbedingt in die Apotheke gehen.Die ganzen Regelungsänderungen machen den Pharmaziestudenten die Apotheke auch nicht gerade schmackhaft.Ich studier Pharmazie und will auch nicht hinter nen Tresen stehen.Ich hoffe mal es bessert sich.Ich studier ja noch ein paar Jährchen.

#7 |
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Elke Zaksek
Elke Zaksek

Ich kenne immer mehr Apothekenangestellte, denen ihr Beruf keinen Spaß mehr macht. Eine Gesundheitsreform jagte die Nächste, wenn man gerade alles verinnerlicht hatte, änderte es sich auch schon wieder.
Wir sind Handlanger der Krankenkassen und müssen teilweise gegen unsere Überzeugung und unser Wissen handeln (Galenik lässt grüßen…).
Alle sind gestresst. Beratung ist wichtig, aber genauso wichtig ist es heute Umsatz zu machen. Angestellte werden unter anderem nach ihrem “Korbwert” beurteilt. Die Leute haben zu funktionieren, gelobt wird selten.
Wo ist die Wertschätzung der Mitarbeiter, die meistens wirklich gute Arbeit machen? Früher war man nicht nur Angestellte (r), sondern auch Mensch. Das ist leider in vielen Apotheken verloren gegangen. Leider!

#6 |
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Apotheker

sollte eine meiner Töchter Pharmazie studieren wollen müßte sie das einklagen.
Ich finde Theaterwissenschaften hat mehr Zukunft….
Und zum Ausfüllen von Formularen und den Clown der Krankenkassen zu spielen
braucht man sich das Studium nicht antun.
Wir werden sowieso bald eingespart und sollen dann zum AltenpflegerIn oder KindergärtnerIn umschulen – oder sollte die Praequali für Windelhosen da anerkannt werden?

#5 |
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Gunter Drebber
Gunter Drebber

Christoph
Kürzlich unterhielt mich mich mit einer ehemaligen Kollegin, die schon seit einigen Jahren eine Filial-Apotheke leitet. Einer der Gründe für die aktuellen Nachwuchsorgen (im Vollzeit-Arbeitsverhältnis) sei wohl nach dem hoch qualifizierten Studium , die Honorierung. Ihrer Meinung nach, sei dieses anspruchsvolle , naturwissenschaftliche Studium eines der am schlechtest
honorierten naturwissenschaftlichen Studien. Sehr viele Studienabsolventen
wandern so zwansläufig in die “Industrie” ab. Ich kann mich dieser Meinung
nur anschliessen. Gibt es “Die” Patentlösung ? Ich selbst habe meinen Beruf
sehr gerne und mit vollem Einsatz täglich 8 stunden ausgeübt.

#4 |
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Robert Penzis
Robert Penzis

ein kleiner Kommentar zu den Abiturienten: Wenn man in populären Zeitschriften nur vom geldschneidigen Apotheker, die Arzneimittel verkaufen, die von (immer den selben) “Experten” als unnötig eingestuft werden, liest und dann noch auf der Suche nach einem Studium ist, … dann kann man sich die Umfrage schon fast sparen. Hier gilt es den Beruf (und die Vielfalt) des Apothekers vorzustellen (mit allen Höhen und Tiefen). Aber lieber werden in die Umsetzung der Leitbilddiskussion mehr finanzielle Mittel gesteckt als für eine positive Imagekampagne (als demokratischer Beschluss der Apotheker).

#3 |
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Elke Zaksek
Elke Zaksek

xx

#2 |
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Danny Neidel
Danny Neidel

… tja wo soll ich anfangen.

Der Tag der Pharmazie bestand aus deutlich mehr als einem Launch der Internetseite “Helden der Gesundheit”. Er bot im vergangenen Oktober 1500 Abiturienten – also wenn man so will der direkten Zielgruppe – Einblicke in die tägliche Arbeit der öffentlichen Apotheke, der KH-Apotheke, der Industrie, der Bundeswehr und der Universität. Alle Teilnehmer/Schulen haben einen Bewertungsbogen erhalten und die Ergebnisse machen deutlich, dass die Teilnehmer nach diesem Tag einen anderen – deutlich positiveren – Blick auf die Pharmazie hatten. Unabhängig von diesen Daten ließen die strahlenden Gesichter an diesem Tag kaum eine andere Interpretation zu. Im Übrigen strahlten nicht nur die Teilnehmer sondern auch die Standbetreuer und Helfer. Die Apothekerinnen und Apotheker konnten an diesem Tag “ihre” Pharmazie präsentieren und standen 10 Stunden lang fragenden und interessierten Schülerinnen und Schülern gegenüber.

Im Zusammenhang mit dem Tag der Pharmazie wurde umfangreiches Paket für ein Schnupperpraktikum allen Apotheken zur Verfügung gestellt. Damit sollte das “direkte Gespräch” mit Interessenten, Schülern und ggf. Politikern unterstützt werden.

Apropos Politiker: Allen Landestagabgeordneten des Landes Thüringen wurde dieses Informationsmaterial zuzüglich einer umfangreichen Stellungnahme zur aktuellen – dramatischen – Situation in Bezug auf die Nachwuchsprobleme in der Pharmazie übermittelt. Daraufhin gab es mit den Parteien und den Ministerien zahlreiche Gespräche über einen eventuellen Ausbau der Pharmazie in Jena.

Auch die Tatsache, dass die LAKT – im übrigend mit dem BPhD – Leitfäden für die Famulatur aber nunmehr auch das praktische Jahr erarbeitet hat, um sowohl Famulant/Praktikant als auch der Apotheke die Möglichkeit zu geben, dass Praktikum besser zu strukturieren, gehört in diesen Komplex.

All diese Informationen sind verfügbar und waren zu keinen Zeitpunkt im virtuellen Nirwana verschwunden. Vielleicht passten sie aber einfach nicht ins Bild. Für diejenigen die sich ein solches machen wollen, stehen wir für Fragen gern zur Verfügung.

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