Adipositas: Fat Friends Forever

15. August 2012
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„Zeig mir deine Freunde und ich sag dir wer du bist“ – ein abgedroschenes Sprichwort? Ganz und gar nicht, wenn es um das Körpergewicht geht. Denn Freunde gehen tatsächlich durch dick und seltener durch dünn, wie US-Forscher an High-School-Studenten herausfanden.

Dass der Freundeskreis das Denken und Verhalten beeinflusst, ist bei Jugendlichen allseits bekannt. Auch das Gesundheitsverhalten und die Gewichtsentwicklung sind ist da nicht ausgenommen. Bereits eine im Jahr 2007 vielbeachtete Längsschnittstudie mit über 12.000 Studienteilnehmern, deren Beobachtungszeitraum 32 Jahre betrug, ergab, dass Übergewicht in sozialen Netzwerken geradezu kontagiös ist und Netzwerke bedeutsamer für das Gewicht sind als irgendwelche Gene.

Doch lässt sich anhand von traditionellen statistischen Analysen oft nicht sagen, ob die Ursache des gehäuften Auftretens von Fettleibigkeit in Gruppen in der Homophilie, d.h. in der Tendenz sich der eigenen Person ähnliche Freunde zu suchen, liegt oder ob die geteilten äußeren Einflüsse als entscheidend zu betrachten sind.

Gleich und gleich gesellt sich gern, oder nicht?

Warum Fettleibigkeit und damit verbundene Verhaltensweisen junger Menschen in sozialen Netzwerken gebündelt auftreten, versuchten David Shoham und Kollegen der Loyola Universität in Chicago zu klären. Wie in der Fachzeitschrift PLoS One veröffentlicht untersuchten sie die Daten von annähernd 1.800 Highschool-Studenten, die an der National Longitudinal Study of Adolescent Health teilnahmen. Die Schüler stammten aus zwei Schulen, einer eher ländlich gelegenen mit fast ausnahmslos angloamerikanischen Schülern und einer städtischen Schule mit ethnischer Vielfalt der Schüler.

Erhobene Daten zu Gewicht (BMI), Freundschaften, sportlichen Aktivitäten und Bildschirmzeit stammten aus den Jahren 1994/95 und dem folgenden Schuljahr. Für die Datenanalyse nutzen die Forscher eine anspruchsvolle statistische Technik eines stochastischen Modells, um zu bestimmen, welcher Anteil der Beziehung Fettleibigkeit – soziales Netzwerk sozialen Einflüssen oder der Homophilie geschuldet ist.

Freunde gehen eher durch dick als durch dünn

Tatsächlich ist ein Teil der Ursache, warum Fettleibigkeit in sozialen Netzwerken vermehrt auftritt, in der Auswahl der Freunde zu suchen. Unabhängig davon zeigt die Studie aber auch einen signifikanten sozialen Einfluss auf den BMI. Hatte ein Schüler beispielweise grenzwertiges Übergewicht und dünne Freunde mit einem durchschnittlichen BMI von 20, betrug die Chance einer zukünftigen Gewichtsabnahme 40 Prozent. Die Chance an Gewicht zuzulegen betrug dagegen nur 27 Prozent. Hat der grenzwertig Übergewichtige jedoch fettleibige Freunde mit einem BMI von durchschnittlich 30, ist die Chance eines Gewichtsverlusts in Zukunft mit 15 Prozent eher gering, die der Gewichtszunahme mit 56 Prozent aber groß.

Der soziale Einfluss wirkt offenbar stärker in Richtung Schädlichkeit, besonders für den BMI, so das Resümee der Forscher. „Deshalb ist es weniger effektiv, den Fokus auf den Gewichtsverlust zulegen anstatt auf Strategien der Primärprävention gegen Gewichtszunahme. Effektive Interventionen müssen diese Barrieren überwinden und dabei soziale Netzwerke genau betrachten und nicht ignorieren.“

Krankheitsüberträger Facebook

Die Ergebnisse sind begrenzt aussagefähig, da die Daten auf Selbstberichten basieren. Studien sozialer Netzwerke sind Beobachtungsstudien, was Belege der Kausalität von Assoziationen einschränkt. Auch waren im statistischen Modell einfach Annahmen zu Bildung, Bestand und Trennung von Freundschaften gemacht worden, die nicht direkt überprüft wurden. Nicht zuletzt waren die Daten nicht ganz aktuell und zu einer Zeit erhoben worden als Fettleibigkeit bei Kindern noch seltener vorkam und auch von Facebook noch keine Rede war.

Ob und wie auch Facebook als elektronisches soziales Netzwerk das Gewicht beeinflusst, ist Gegenstand einer Untersuchung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Freunde und soziale Nähe sind beispielsweise am Verlinken von Fotos erkennbar oder an Posts von Freunden an der Pinnwand. Die Untersuchung von Netzwerkstrukturen sind ebenso bedeutsamen wie Indikatoren, die für die Gewichtszunahme oder -abnahme eine Rolle spielen. In Zusammenarbeit mit einem Marktforschungsunternehmen stellen etwa 3.000 Facebook-User anonym Informationen zu Verfügung.

Gleichzeitig entwickelten sie die Facebook-Anwendung „Calorie Cruncher“, die zu gesundheitsbewusstem Verhalten im sozialen Netzwerk motivieren soll und bereits nutzbar ist. Der Kalorienverbrauch kann errechnet und gepostet werden. Im Idealfall stehen virtuelle Freunde in Konkurrenz, wer die meisten Kalorien verbraten hat.

95 Wertungen (3.6 ø)
Allgemeinmedizin, Medizin

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10 Kommentare:

Dr. Claudia Gratzel
Dr. Claudia Gratzel

In unserer Zeit, wo Essstörungen unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen rapide zunehmen, finde ich es erschreckend, wenn bei Facebook ein “Calories Cruncher” installiert wird, der ggf. gefährdete junge Menschen noch weiter beim Wettkampf, wer die wenigsten Kalorien zu sich nimmt bzw. die meisten verbrät. Therapeutische Interventionen sollten in jedem Fall dem persönlichen Arzt-Patientenkontakt vorbehalten bleiben.

#10 |
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Medizinjournalistin

Da fällt mir Marius Müller-Westernhagen mit seinem Song “Ich bin froh, dass ich kein Dicker bin…” ein. Sorry, das ist jetzt kein qualifizierter Kommentar.

#9 |
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Rettungsassistent

Richtig viel Informationen sind nicht drin.
Einzig die Frage nach Henne und Ei(Sucht man dicke Freunde, weil man dick ist oder wird man dick, wenn man dicke Freunde aht) wird näher beleuchtet und kommt zu einem eindeutigen jein.
Die Kommentare befassen sich mit vielen Problemen,nur nicht mit dem Artikel.

#8 |
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PD Dr. Hartmut Grimm
PD Dr. Hartmut Grimm

….es ist doch interessant, dass sich eigentlich niemand mit dem Artikel ernsthaft auseinandersetzt – aber bei jedem der Kommentatoren die eigene Vorliebe bzw. die Vorurteile klar erkennbar sind.

Kennt jemand eine entsprechende Studie zur “anderen Seite” – also Magersucht o.ä. – das müsste doch ähnlich laufen?

#7 |
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Erstaunlich mit was sich Uni-Leute so befassen – Fettleibigkeit via Facebook !

Es ist nicht nur Fastfood sondern es sind m.E. weitere gesellschaftliche Faktoren die synergistisch wirken, von Nicht-Stillen angefangen – Ein-Eltern-Familien, peer group pressure, fehlender Kochunterricht in den Schulen. Ich denke Coca Cola regt den Appetit an.

Wenn man beruflich mit dem Auto unterwegs ist ist es fast unmöglich der Gewichtszunahme zu entrinnen weil gesunde Buffets und Vegetarisches in den Raststätten und Kantinen die Ausnahme sind. Dann werden Fortbildungen sauber in die Mittagspause gelegt, es wird Knaschelkram gereicht.

Was es in manchen deutschen Krankenhauskantinen gibt ist ungenießbares Zeugs das dort nur verteilt wird, über 100te km aus Fließbandküchen kommt.

#6 |
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Bezüglich der Ernährungsgewohnheiten zeichnet sich m.E. bei der jungen Generation ein Trend zur Vereinheitlichung ab – analog der globalen Ausbreitung der großen Burger-Ketten. Selbst auf Okinawa, der “Insel der 100 Jährigen”, deren (ältere) Bewohner für eie eher hypokalorische gesunde Ernährung bekannt sind, zeigen die Jugendlichen einen deutlichen Trend zu Fastfood-bedingtem Üergewicht. Dass – wie Frau Dr.Nitsche schreibt – in den USA und in vielen anderen Ländern der Erde eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung möglich ist, steht außer Frage. Aber “schlechte Vorbilder verderben leider gute (Ernährungs)Sitten”.

#5 |
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Alle laufen dem Irrtum “facebook” nach.Wer prüft die Validität der DAten.? Die HAlbwertszeit von derelei Foren ist bereits überschritten.Alle laufen dem Ideal nach, wie dem RAttenfänger von Hameln.

#4 |
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Wirklich bahnbrechende neue Erkenntnisse kann auch ich aus diesem Artikel nicht herauslesen. Ob ein “Kalorienverbrauchs-Championchip” via Facebook die richtige Methode ist, wage ich zu bezweifeln. Das erhöht doch eher die bewegungsarme “Nasch- und Knabberzeit” vor dem Computer.

#3 |
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Was den Artikel angeht, gebe ich meiner Vorschreiberin recht – habe hier schon gehaltvolleres gelsen.
Was das generalisierte Urteil über die Ernährungsgewohnheiten der Amerikaner angeht jedoch, wage ich zu bezweifeln, dass die werte Kollegin über Informationen aus erster Hand verfügt. Ich habe zu Forschungszwecken länger in den USA gelebt – und habe nie in meinem Leben so gut und so abgechslungsreich gegessen, wie während dieser Zeit. Das Forschungsinstitut stand in einem 300 Einwohnernest mitten in einem Naturschutzgebiet so groß wie Bayern und mit so viel Einwohnern wie Lübeck … und im Örtlichen Supermarkt bekam ich frische Ware jeglicher Art (Gemüse, Obst, Fisch und Schalentiere … sicher auch Fleisch, das wurde in unserer WG jedoch eher selten vrewwendet) … Vom Rohmilchkäse angefangen über … drei Dinge nur fehlten: Abwechslung in den Apfelsorten (davür Melonensorten und Beerenobst zum Dahinschmelzen), Bismarckheringe und mehr als eine Sorte Roggenbrot … Ich kann mir nicht vorstellen, dass all diese Nahrungsmittel Woche für Woche bereit gestellt wurden, um sie am Ende auf den Kompost zu packen! Amerika ist ein Einwandererland … und so dvers wie seine Einwanderer, so vielfältig ist auch die Küche … und so gebildet, wie seine Einwanderer, so weise auch die Ernährungsgewohnheiten … Nicht umsonst gehören unsere Kinder türkischer Einwanderereltern auch bei uns zur Hochrisikogruppe für Adipositas und metabolisches Syndrom … Eltern, die unter Mangelbedingungen aufgewachsen sind vs. plötzlich scheinbar unbeschränkter Verfügbarkeit schlaraffischer Freuden!

#2 |
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der informationswert dieser völlig veralteten daten ist gleich null, ebenso der nutzen dieses artikels, insbesondere da de r”american way of life” nun wirklich nicht sehr viel mit dem leben in europa gemeinsam hat – angefangen von den katastrophalen ernährungsgewohnheiten der amerikaner

#1 |
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