Asthma: Obstkorb gegen Atemnot?

10. Februar 2014
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Warum immer mehr Menschen an allergischem Asthma erkranken, ist noch immer nicht klar. Nun zeigt eine Studie, dass die zu geringe Aufnahme von Ballaststoffen daran Anteil haben könnten. Heißt es zukünftig: an apple a day keeps Asthma away?

5 am Tag“ ist die bekannte Kampagne der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Gemeint sind fünf Portionen Obst und Gemüse, die pro Tag für eine gesunde Ernährung – und um das Risiko für Krebserkrankungen zu senken – verzehrt werden sollen. Aber wer hält sich da schon dran? Die Menge an verzehrtem Obst und Gemüse ist in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich zurück gegangen. Damit einhergehend ist auch der Anteil an Ballaststoffen gesunken, während Kohlenhydrate und Fette vermehrt aufgenommen werden.

Verknüpfung zwischen Asthma und Ernährung

Ebenso erkranken in den letzten Jahrzehnten immer mehr Menschen neu an allergischem Asthma. Doch was hat der Obst- und Gemüseverzehr mit allergischem Asthma zu tun? Forscher um Prof. Benjamin Marsland vom Universitätsspital in Lausanne haben in Versuchen an Mäusen nachgewiesen, dass diese beiden Entwicklungen nicht nur zufällig zeitlich zusammentreffen, sondern auch ursächlich miteinander verknüpft sind. Die Ergebnisse wurden nun in Nature Medicine veröffentlicht.

Darmbakterien wirken bis zur Lunge

Dass die mikrobielle Zusammensetzung des Darms bei der Vorbeugung von Darmkrebs eine Rolle spielt, ist bekannt. Dass die von den Darmbakterien fermentierten Fasern der Ballaststoffe auch ins Blut gelangen und in anderen Organen wirken können, ist dagegen neu. „Wir zeigen nun erstmals, dass der Einfluss der Darmbakterien viel weiter, nämlich bis zur Lunge reicht“, sagt Marsland.

Sein Team untersuchte an Mäusen, welchen Einfluss Ballaststoffe in der Nahrung auf immunologische Reaktionen in der Lunge und auf die Zusammensetzung der Darmflora haben. Dazu fütterten Sie Mäusen entweder eine Standarddiät mit der empfohlenen Menge an Ballaststoffen von vier Prozent oder eine Niedrigfaserkost mit 0,3 Prozent fermentierbaren Fasern. Diese Kost entspricht etwa der westlichen Ernährungsweise, die durchschnittlich nur 0,6 Prozent Ballaststoffe enthält. Anschließend wurden die Tiere einem Extrakt von Hausstaubmilben ausgesetzt. Die Mäuse, welche die Niedrigfaserkost erhalten hatten, entwickelten eine stärkere allergische Reaktion und deutlich mehr Schleim in der Lunge als Tiere, die die Standarddiät bekommen hatten. Die Konzentration verschiedener Interleukine, welche durch die vermehrte Lymphozyteninfiltration ausgeschüttet wurden, war erhöht. Ebenso waren die Werte für total IgE und das Hausstaubmilben-spezifische IgG erhöht.

Direkte Wirkung auf das Immunsystem

Auch der umgekehrte Versuch, nämlich der Vergleich von Standarddiät und einer mit fermentierbaren Fasern angereicherten Diät, lieferte den Nachweis für die schützende Wirkung dieser Art von Ballaststoffen. Die Forscher untersuchten auch, welcher Mechanismus hinter dem Effekt stecken könnte. Es handelt sich um eine mehrstufige Reaktionskette. Zuerst gelangen die Fasern in den Darm, wo sie von Bakterien zu kurzkettigen Fettsäuren (engl. short chain fatty acids SCFA) wie Acetat, Propionat und Butyrat fermentiert werden. Diese werden unter anderem ins Blut abgegeben und beeinflussen die Reifung von Immunzellen im Knochenmark, den so genannten dendritischen Zellen. Durch den Hausstaubmilbenextrakt angezogen wandern sie in die Lunge, wo sie schließlich eine weniger starke Abwehrreaktion auslösen. Die Fettsäuren bewirken auch eine verminderte Bildung von TH2-Zellen, welche durch die Ausschüttung von Zyktokinen eine allergische Reaktion befeuern können. Die ballaststoffarme Kost führte zum gegenteiligen Effekt, nämlich einer vermehrten Bildung der TH2-Zellen.

Entzündung ebbt schneller ab

Marsland und seine Kollegen verglichen die Entzündungsreaktion auf den Hausstaubmilbenextrakt nach der Verabreichung von Trinkwasser, das entweder mit einer Salzlösung oder mit Propionat versetzt wurde. Die erste Reaktion war in beiden Gruppen gleich. Doch dann kam der große Unterschied. In Tieren, welche zusätzlich Propionat bekommen hatten, nahm die Entzündung schnell ab, während sie bei den Kontrolltieren bis zu sechs Tage lang stark zu beobachtanhielt. Die Messung der immunologischen Parameter (Zytokinlevel) bestätigte diese Beobachtung.

Diät beeinflusst mikrobielle Flora

Die Untersuchung zeigt ebenfalls, dass durch die Niedrigfaserdiät im Vergleich zur Standarddiät die Anzahl und Vielfalt der Darmbakterien verringert wird. Der weitere Zusatz von Pektin, dem in dieser Studie verwendeten Ballaststoff im Gegensatz zur unverdaulichen Zellulose, zur Standarddiät brachte in Bezug auf die Anzahl der Bakterien keine weiteren Effekte. Allerdings veränderten sich verschiedene Bakterienfamilien im Darm. Eine ballaststoffreiche Kost hat zur Folge, dass sich der Anteil an Bacterioidaceaen und Bifidobacteriacean erhöht. Für die Bifidobacteriacean wurde bereits gezeigt, dass die kurzkettigen Fettsäuren für sie Wachstumsstimulatoren sind. Die faserarme Nahrung hingegen führt zur Dominanz von Firmicuten, besonders von Erysipelotrichaceaen, welche auch bei Mäusen vermehrt nachgewiesen wurden, die mit einer in der westlichen Welt typischen fettreichen Diät gefüttert wurden.

Is(s)t der Mensch wie die Maus?

Marsland denkt, dass die Resultate seiner Gruppe klinisch relevant sind, weil zum einen der Anteil an pflanzlichen Fasern in der westlichen Ernährung mit der Niedrigfaserkost der Mäuse vergleichbar ist und zum anderen, weil sich die untersuchten Aspekte des Immunsystems bei Maus und Mensch kaum unterscheiden. Ob die Ernährung beim Menschen einen ähnlichen Einfluss auf das Allergiegeschehen im Körper hat, ist aber noch ungewiss. „Wir planen nun klinische Studien, um zu untersuchen, wie sich eine mit fermentierbaren Fasern angereicherte Diät auf Allergien und Entzündungen auswirkt“, erklärt Marsland. Wie bei allen komplexen Erkrankungen ist die Ernährung aber nicht der einzige entscheidende Faktor. Wie sonst ist es zu erklären, dass es in der DDR weniger Allergien und Asthma gab, wo Gemüse, aber vor allem Obst, nicht in der Vielfalt und Menge zur Verfügung stand, wie im restlichen Deutschland? Dennoch sind die Ergebnisse überzeugend und könnten ein guter Anlass sein, wieder mehr auf „5 am Tag“ zu achten.

109 Wertungen (4.44 ø)

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13 Kommentare:

Regina Lemchens
Regina Lemchens

Also ich möchte das mal ausprobieren. Hab mir vorgenommen 5 x am Tag Obst oder Gemüse zu essen. Es kann wohl nicht schaden, oder? Es ist basich, enthält Vitamine und sicher besser für die Darmflora als Fleisch und Süßigkeiten.

#13 |
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Studentin der Humanmedizin

In Rohköstler-Kreisen wird durch Aerzte, die ich an einem Kongress und in Zeitschriften kennenlernte, behauptet, dass beim vorwiegenden Konsum von rohen Gemüsen & Früchten weniger hyperempfindlich (mucusbildend) reagiert wird, was zu weniger Erkältungskrankheiten und grippalen Infekten führt, da die Viren/Bakterien weniger gut gedeihen können ohne mucusreiches Milieu. Allerdings sollte die Rohkost keinen Salzzusatz bekommen beim Zubereiten. Ich bin davon überzeugt, dass diese Lebensweise, wenigstens kurgemäss, sehr viel bringt.
Wunderbar, dass das Lausanner Pneumologenteam mit Herrn Prof. Marsland diese Thematik anhand von Studien wissenschaftlich sauber erforscht! Ein wirklicher Fortschritt, eine köstliche Perle, der Schulmedizin…

#12 |
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Gast
Gast

Neben dem Thema:
Also Herr Wulsch, das stimmt ja wohl nicht. Ich weiß nicht, wie viel Weißkraut oder Äpfel “Gelber Köstlicher” sie in den Wintermonaten verspeist haben. Das war ja das Einzige, was in den Wintermonaten mehr oder weniger zuverlässig angeboten wurde. Alles andere nur unregelmäßig oder zugeteilt oder unter der Ladentafel. Da ist wohl einiges vergessen worden. Oder Sie haben in Berlin bei der Stasi gearbeitet, wo es auch schon vor dem 1. Mai Gurken und Kopfsalat gegeben haben soll. Wir haben zu Hause rohe Kartoffeln gerieben und rohe Zwiebeln gegessen, um unseren Vit. C-Bedarf abwechslungsreicher zu decken…
Abgesehen davon war ja das “Krautessen” wirklich gesünder als, wie schon erwähnt, notreifes Obst und solches von der Südhalbkugel… und wir hatten nicht öfter grippale Infekte als jetzt.

#11 |
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Annette Romanski
Annette Romanski

@Dr. med. Hans Gschwender

Das ist spannend. Folgendes ist mir allerdings noch nicht klar:
Woher weiß die Apoptosereaktion, welche Plasmazellen “pathologisch” sind? Und wie wehrt sich der Körper nach einer Behandlung mit dem Yin-Yang Neutralisationsgerät gegen Antigene, die eine körpereigene Oberflächenstrucktur nachahmen?

#10 |
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Manfred Lothar Dietwald
Manfred Lothar Dietwald

Die Ansicht, dass die Vielzahl unterschiedlicher Darmbesiedler allergievermindernd sei, ist bestechend, doch erklärt sie nicht, dass gekochtes Gemüse (Erbsen, Kohlrabi, Blumenkohl, Brokkoli, Bohnen, Kürbis usw.)und Fleisch geringer allergen wirkt, als Obst, Heu und Pollen. Im Allgäu gibt es nur bei Städtern und aus Städten stammenden Kindern Heuallergie, oder Laktoseunverträglichkeit (bis die Joghurtwelle überschwappte). Vielleicht bleiben unbeachtete Nahrungsbestandteile im Darm oder Blut bestehen, auf die sich Allergieauslöser stürzen.

#9 |
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Thomas Berendes
Thomas Berendes

Thomas Berendes
Arzt
Sehr geehrter Kollege Gschwender,
wenn das erwähnte Verfahren so gut wirkt sollten Sie das veröffentlichen,der Dank Tausender wäre Ihnen gewiß und ich glaube nicht,daß die Pharmaindustrie es schafft Ärzte,Fachverbände und Patienten allesamt zu knebeln. Allerdings befürchte ich eher daß Allergieen nicht so simpel gestrickt und zu heilen sind wie dargestellt!

#8 |
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Ein sehr interessanter Artikel. Einzig die Schlussfolgerung, dass in der ehem. DDR weniger Obst und Gemüse gegessen worden wäre, weil die Vielfalt nicht bestand, ist falsch. Ich weiß mich sehr wohl zu erinnern, dass wir dort damals deutlich mehr Obst und Gemüse aßen, als ich es heute tue. Heute gehe auch ich oft genug an der Obsttheke vorbei. Es steht zwar zur Verfügung, wird aber nicht verzehrt. Irgendwas läuft in unseren Köpfen falsch…

#7 |
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Dr Josef-Joachim Mysliwietz
Dr Josef-Joachim Mysliwietz

Lieber Herr Dr. Gschwender,
Ihr Bild der Genese der allergischen Erkrankungen ist dermaßen simplifiziert, dass man es kaum ernst nehmen kann. Ich wundere mich, dass Sie sich trauen mit diesem Wissen Hand an Allergie-Patienten anzulegen.
Dr. Josef Mysliwietz, Fachimmunologe-DGfl.

#6 |
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HP Ingeborg Schauer
HP Ingeborg Schauer

Der Artikel beschreibt wieder einmal den Zusammenhang von Mikrobiom im Darm und dem Immunsystem – wir HP´s arbeiten schon lange mit der Modulation der Darmflora durch z. B. Probiotika bzw. jetzt dem ballaststoffreichen Prebiotikum “SymbioIntest”; anscheinend ist die Forschung dieser Pharmaindustrie der allg. Forschung voraus.. Aulßerdem habe ich so meine Zweifel am Gesundheitsfaktor “Obst”, zumindest was den Vitamingehalt betrifft. Schließlich wird das (leider auch biolog. angebaute)Export- Obst unreif geerntet und hier unter UV-Bestrahlung nachgereift!

#5 |
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Rettungsassistent

Vielen Dank für den Artikel, der mehr Lust auf dieses Thema macht. :-)

#4 |
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Asthma ist doch überwiegend eine allergische Erkrankung!
Allergien sind sehr einfach und zwar komplett zu beseitigen.
Auslöser der Allergie sind immer Plasmazellen, die Antikörper bilden können, die neben dem auslösenden Allergen auch auf körpereigene Eoweiß passen.
Diese Fraktion an “pathologischen Plasmazellen” kann durch Einschalten der Apoptosereaktion sehr leicht beseitigt werden. Von den üblicherweise vorhandenen 10 hoch 11 bis 10 hoch 14 pathologische Plasmazellen werden je Sitzung bis zu 99,9% durch die Apoptosereasktion eliminiert. Also nach 6 bis 8 Sitzungen sind alle pathologische Plasmazellen beseitigt. Diese Menschen können auch keine T-Helferzellen mehr haben, die körpereigenes Gewebe angreifen, da sie nur Antikörper an ihrer Oberfläche präsentieren können, die von einschlägigen Plasmazellen synthetisiert wurden.
Also nach Beseitigung aller pathologische Plasmazellen sind alle Allergien verschwunden, kommen all Autoimmunkrankheiten zum Stillstand, oder können sich gar nicht ausbilden. Ich habe mit dieser Methode: “Einschalten der Apoptosereaktion im Resonanzkreis mit dem Yin-Yang Neutralisationsgerät nach Dr. med. vet. Alfred Schneider aus Filzmoos im Land Salzburg” bei hunderten von Patienten jegliche Allergien beseitigt.
Deshalb interessieren mich alle anderen Methoden, die letzlich nur das ausgeschüttete Histamin abfangen, nicht mehr.
Leider bringt diese Methode der Pharmaindustrie kein Geld und wird deshalb boykottiert!

#3 |
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Ernährungswissenschaftler / Ökotrophologe

Vielen Dank für den interessanten Artikel!

#2 |
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Heilpraktikerin

In der TCM ist der Zusammenhang zwischen Lunge und Dickdarm seit Jahrtausenden bekannt; und was die Ernährung angeht, so muss man nur mal die Bücher von Dr. Bruker gelesen haben. Das Problem ist aber, dass die Patienten so wenig kooperativ sind. Sie möchten am liebesten wenig bis gar nichts für ihre Gesundung selber tun, sondern nur tun lassen, nämlich vom Arzt und wenn der nicht weiterhilft, soll es der Heilpraktiker richten und das am besten in Rekordzeit.

#1 |
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