Birkenextrakt: Beschleunigte Wundheilung geklärt

28. Januar 2014
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Aus der Birke gewonnene Extrakte sorgen dafür, dass sich verletzte Haut schneller wiederherstellt. Forscher haben auf molekularer Ebene geklärt, wie die wundheilende Wirkung eines Extraktes aus der äußeren, weißen Schicht der Rinde des Baumes zustande kommt.

Seit Jahrhunderten gelten aus der Birke gewonnene Extrakte als traditionelle Heilmittel. Prof. Dr. Irmgard Merfort vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Albert-Ludwigs-Universität und ihr Team haben ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Plos One“ veröffentlicht. Das Team kooperierte mit einer Arbeitsgruppe vom Institut für Molekulare Medizin und Zellforschung sowie dem Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Albert-Ludwigs-Universität und einer Arbeitsgruppe an der Hautklinik der Universität Hamburg.

Birkenkork-Extrakt stabilisiert die mRNA

In der ersten Phase der Wundheilung schütten die verletzten Hautzellen bestimmte Stoffe aus, die zu einer vorübergehenden Entzündung führen. Sie locken Fresszellen an, die eingedrungene Bakterien sowie totes Gewebe beseitigen. Die Freiburger Wissenschaftlerinnen stellten fest, dass der Birkenkork-Extrakt und besonders dessen Hauptbestandteil Betulin die Anzahl dieser Entzündungsstoffe vorübergehend erhöhen. Der Naturstoff aktiviert Proteine, die die Halbwertszeit von mRNA verlängern. Ein Gen muss zunächst in mRNA übersetzt werden, damit der Bauplan für ein Protein vom Erbgut abgelesen werden kann. Durch das Mittel verdreifacht sich die Zeit, in der die mRNA eines bestimmten Botenstoffs stabil ist. Dieser sorgt dafür, dass mehr von dem jeweiligen Protein, hier von den Entzündungsstoffen, hergestellt werden kann. Der Birkenkork-Extrakt und Betulin stabilisieren darüber hinaus auch die mRNA weiterer Botenstoffe.

Zellen wandern schneller in die Wunde

In der zweiten Phase der Wundheilung wandern die Zellen der Haut und schließen die Verletzung. Der Naturstoff begünstigt dies: Der Birkenkork-Extrakt und seine Bestandteile Betulin sowie Lupeol aktivieren Proteine, die am Umbau des Aktin-Zytoskeletts beteiligt sind. Dieses gibt der Zelle mithilfe des Strukturproteins Aktin ihre Form. Auf diese Weise bewirken die Stoffe aus der Birke, dass Keratinozyten – die in der oberen Hautschicht hauptsächlich vertretenen Zellen – schneller in die Wunde wandern und sie ausfüllen können.

Originalpublikation:

From a Traditional Medicinal Plant to a Rational Drug: Understanding the Clinically Proven Wound Healing Efficacy of Birch Bark Extract
Irmgard Merfort et al.; PLOS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0086147, 2014

59 Wertungen (4.58 ø)

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2 Kommentare:

Dipl.-Biologe Andreas Kühne
Dipl.-Biologe Andreas Kühne

Die dargestellte Wirkung des Betulins entspricht Effekten anderer Triterpene.
Diese interessanten Effekte beschränken sich allerdings nicht nur auf Wundheilungsprozesse und sind im Detail auch noch nicht genau geklärt.
Die Regulation von Entzündungsmediatoren ist halt äußerst komplex.
Andreas Kühne,
Heilpflanzenschule Verden

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Adolf Ersfeld
Adolf Ersfeld

Es ist sehr gut, dass die moderne Forschung altes Wissen um Naturheilmittel bestätigen kann.

So kann im LEHRBUCH DER BIOLOGISCHEN HEILMITTEL von Dr. Gerhard Madaus
( Leipzig 1938 ) bei Betula nachlesen: ” Die hl.Hildegard kannte nur die Birkenrinde als Wundverschlußmittel. ” Weiter lesen wir: ” Wegen seiner ableitenden Wirkung wird das Mittel auch häufig bei Hautkrankheiten (chronisches Exanthemen, Favus, Crusta lactea, und Flechten) gebraucht und wird hier äußerlich zu Waschungen benutzt. Bei chrronischen Hauterkrankungen soll die frische Rinde als Abkochung besser wirken.”

Danke für diesen Beitrag.

Adolf Ersfeld Hp

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