MedUni Wien: Östrogenplus in Testosteronien

22. August 2012
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Nicht selten erhitzt die Vergabepraxis der Medizinstudienplätze die Gemüter der Bewerber. Doch zumeist geht es in den Diskussionen um die zu hohen Zugangsbarrieren und NCs. Bei der Medizinischen Universität Wien sieht das etwas anders aus.

Die Med Uni Wien stand in den letzten Jahren immer wieder vor dem Problem, dass die Zahl der weiblichen Studienanfängerinnen signifikant unter der der männlichen Erstsemester lag. Die Ursache dafür war jedoch keinesfalls, dass die Anzahl der Bewerberinnen geringer als die Zahl männlicher Bewerber war, sondern vielmehr, dass ein Großteil der männlichen Bewerber den Eignungstest erfolgreicher absolvierte als deren weibliche Pendants. Um dem entgegenzuwirken, führte die Hochschule einen neuen Eignungstest mit diversen kognitiven Aufgabestellungen ein, dessen anschließende Auswertung geschlechtsspezifisch erfolgte.

Diese Maßnahme und die damit einhergehende unterschiedliche Wertung der Testergebnisse führte dazu, dass mit 56 % der Anteil weiblicher Studienzulassungen den männlicher klar überstieg. Der neu eingeführte Test und die resultierenden geschlechtsspezifischen Verschiebungen erregten in den letzten Wochen die Gemüter der offiziellen Studierendenvertretung der Med Uni Wien und zahlreicher Onlinepublikationen.

Marathon wegen tauber Ohren?

Der neue Eignungstest könnte für die Med Uni Wien auch ein juristisches Nachspiel haben, da zahlreiche Bewerber bei der zuständigen Studierendenvertretung schriftliche Beschwerden gegen das Vorgehen der Universität eingereicht haben. Sollten diese Beschwerden auf taube Ohren stoßen, könnte ein Prozessmarathon durch die diversen Instanzen des österreichischen Rechtssystems folgen.

Die Med Uni scheint jedoch aus dem Wirbel um den Test zur Studienplatzvergabe gelernt zu haben, da sie, gemeinsam mit zwei weiteren österreichischen Medizin-Universitäten, bereits für 2013 einen neuen einheitlichen Eignungstest entwickelt.

25 Wertungen (4.24 ø)
Studium

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2 Kommentare:

Vanessa Wolf
Vanessa Wolf

eine Frechheit!
Darauf kann doch niemand stolz sein, auch wenn es denjenigen, die auf diese Weise einen Platz ergattert haben, wahrscheinlich ziemlich egal ist…
Ich kann jeden Mann sehr gut verstehen, der sich hierüber aufregt!
Gleichberechtigung sollte keinesfalls zu übervorteilung führen!

#2 |
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Student der Humanmedizin

FYI:
Männer schneiden bei diesem Test nicht besser ab als Frauen, wie in diesem Artikel suggeriert wird. Dieses Phänomen betrifft nur österr. Frauen (nicht Frauen aus anderen Ländern) und zwar in den Eignungstests (Wien, Ibk = quasi wissenschaftlicher IQ Test f. Mediziner) und im Wissenstest (Graz, in allen Bereichen: Mathe, Bio, Chemie, Physik). Und das obwohl österr. Frauen in allen der relevanten Fächern bessere Maturanoten (=Abi) haben. Studienplatausschlaggebend ist in Österreich aber nur der jeweilige Aufnahmetest.

Das Problem ist also kein Mann/Frau Problem sondern Österreicher machen einfach etwas mit weiblichen Schülern “anders” – was letztendlich zu diesem Problem führt. Das ist schon alles seit Jahren bekannt.
http://sciencev1.orf.at/news/150312.html

Als wahrscheinlichste Ursache wird dz. der Grundwehrdienst angenommen. Dieser ist nur für österr. Männer verpflichtend. Das führt bei Männern zu einem höheren Antrittsalter und btw. mehr Vorbereitungszeit, welches mit einer erhöhten Erfolgswahrscheinlichkeit einhergeht. Innerhalb der Altersgruppen schneiden Frauen und Männer aus ALLEN Ländern fast gleich ab (keine zweistelligen Unterschiede mehr)!

Dieser Frauenvorteil führt 2012 z.B. dazu, dass auch ein dt. (!) Bewerber (EU-Quote) mit 154 Pkt. (Rang 151 “Männer”) nicht genommen wird und eine dt. Bewerberin mit derselben Punktezahl Rang 71 (“Frauen”) erreicht und damit genommen wird. Nicht die wissenschaftlich basierte Eignung, sondern der Chromosomensatz entscheidet hier konkret über gar nicht so wenige Leben(sentwürfe). Das ist ein (politisch gewolltes) Mann/Frau Problem.

Abschließend bewegen sich Quoten für Frauen m.E. rechtlich überhaupt auf sehr, sehr dünnem Eis, da Frauen weder bei den Medizinbewerbern, noch im Hochschulbereich eine sog. “fördernswerte” Minderheit bilden. In beiden Bereichen sind Frauen überproportional vertreten (und wahrscheinlich auch bevorteilt). Eine Hochschulpolitik auf Kosten von Männern würde wahrscheinlich Benachteiligungen im Bildungssektor weiter verstärken.

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