Ersties: Durchblick im Durcheinander

22. August 2012
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Jeden Tag Hunderte von Büchern wälzen, keine Freizeit haben und an Leichen schnippeln? Man hört sie immer wieder, diese Schauergeschichten über das Medizinstudium. Doch was ist da wirklich dran und wie bringt man als Erstsemester alles unter einen Hut?

Herzlichen Glückwunsch! Ihr habt es geschafft und Euch einen der begehrten Medizin-Studienplätze gesichert? Oder Ihr habt euch für einen solchen bei hochschulstart.de beworben und wartet nun gespannt auf eure Zusage? Dann interessiert es Euch sicherlich, wie die ersten Tage, Wochen, Monate Eures Studiums aussehen, was Euch alles erwartet und wie Ihr damit umgehen sollt.

Aller Anfang ist schwer…

Soeben hat man erfahren, in welcher Stadt man voraussichtlich die nächsten sechseinhalb Jahre seines Lebens verbringen wird, schon muss man mit dem Organisieren loslegen. Wo werde ich wohnen: Studierendenwohnheim oder WG? Was muss ich alles besorgen: Studierendenausweis, Semesterticket, Meldebescheinigung, Mensakarte, Bibliotheksausweis, etc.? Wo und bis wann muss ich das Krankenpflegepraktikum machen? Wie finanziere ich das alles? Da kann einem schon einmal der Kopf schwirren.

Doch keine Panik! Auch wenn man sich als Erstsemester etwas davor fürchtet, was alles so auf einen zukommen mag, lasst Euch sagen, dass es bisher noch fast jeder geschafft hat, den Einstieg ins Studium zu meistern.

Tipps und Hinweise, die Euch das Zurechtfinden im Unidschungel erleichtern, findet Ihr zum Beispiel hier:
Tipps für Erstsemester
Von Stunden- bis Finanzplan
Tipps für Abiturienten und Medizinstudieninteressierte
Der Einstieg ins Medizinstudium

Spart Euch schlaflose Nächte

Direkt nach der Zusage für den Studienplatz solltet Ihr in jedem Fall auf Wohnungssuche gehen. Gerade zu Beginn eines neuen Semesters sind viele Studentenwohnheime schon lange im Voraus ausgebucht und WGs voll besetzt, sodass manchem dann nur noch die Untermiete oder gar ein teurer Hotelaufenthalt übrig bleibt, bis etwas Günstigeres gefunden wird. Damit Euch schlaflose Nächte erspart bleiben, empfehle ich Euch die folgenden Seiten:

http://www.wg-gesucht.de/
http://www.studenten-wg.de/
http://www.studentenwohnheime.eu

Auch die Behördengänge sollte man im Übrigen möglichst schnell erledigen, um lange Wartezeiten zu Studiumsbeginn zu vermeiden. Allgemein kann man sagen, dass es zudem von Vorteil ist, wenn man zumindest den größten Teil des 90-tägigen Krankenpflegepraktikums und den Erste-Hilfe-Kurs vor dem Studium abgeleistet hat. Sicherlich kann man das auch während des Studiums nachholen, aber es lebt sich doch deutlich entspannter, wenn dieses Kapitel abgehakt ist. Genaueres dazu findet Ihr hier:

Wichtiges zum Krankenpflegepraktikum
Erste-Hilfe-Kurse

Krankenpflegepraktikum – Auf was muss ich alles achten?

  • Wo kann ich das Krankenpflegepraktikum absolvieren?
    • Der Krankenpflegedienst muss in einem Krankenhaus oder einer Klinik mit ständiger ärztlicher Leitung und Pflegedienst auf einer Bettenstation gemacht werden. Wichtig ist, dass Ihr die sogenannte “Grundpflege” betreibt. Das bedeutet, Ihr versorgt unter der Anleitung des Pflegepersonals Patienten, die im Bett liegen und der Pflege bedürfen. Es eignet sich jedoch nicht jede Einrichtung zur Ableistung des Pflegepraktikums.

Folgende Ausnahmen gibt es:

  • In vielen Bundesländern wird das Pflegepraktikum in einer Psychiatrie nicht anerkannt.
  • Ebensfalls nicht anerkannt werden Tätigkeiten in der Notaufnahme, der Anästhesie, im Operationssaal, in einer Ambulanz oder einer Dialysestation sowie Tätigkeiten in Vorsorgeeinrichtungen, Einrichtungen, bei denen kosmetische Behandlungen im Vordergrund stehen, Rehabilitationseinrichtungen, Altenpflegeheimen, Behindertenheimen, mobilen Sozialen Hilfsdiensten, Arzt– oder Gemeinschaftspraxen und im ambulanten Dialysezentrum.

Da es von Bundesland zu Bundesland erhebliche Unterschiede gibt, empfiehlt es sich auf jeden Fall, sich beim jeweiligen Prüfungsamt darüber zu informieren, wo Ihr das Pflegepraktikum ableisten dürft.

Wann kann ich das Krankenpflegepraktikum absolvieren?

  • Die Ableistung des Pflegepraktikums ist möglich, sobald Du dein Abi in der Tasche hast. Wichtig: Absolvierst Du es davor, wird es nicht angerechnet. Solltest Du es nicht (komplett) vor Studienbeginn schaffen, so kannst Du es auch noch während des Studiums ableisten, allerdings darfst Du dies dann nur in der offiziell vorlesungsfreien Zeit machen. Da diese ohnehin schon knapp bemessen ist, da an den meisten Unis in den Semesterferien Praktika anstehen, solltest Du dir genau überlegen, wo Du das Pflegepraktikum zeitlich einschiebst.

Welchen zeitlichen Rahmen nimmt das Krankenpflegepraktium ein?

  • Das Praktikum umfasst insgesamt 90 Tage, wobei Du dich bei dem jeweiligen Prüfungsamt deiner Uni informieren solltest, wie Du die drei Monate aufteilen kannst (z.B. in 3 x 30 oder 1 x 30 und 2 x 60 Tage). Gezählt wird dabei vom ersten Tag des Praktikums bis einschließlich des letzten Tages, wobei Wochenenden und gesetzliche Feiertage voll mitzählen.

Benötigte Bescheinigungen:

  • Du musst als Nachweis über deine Pflegetätigkeit eine Bescheinigung vorlegen. Diese kannst Du dir auf der Homepage deiner Uni downloaden. Sie muss bis zur Anmeldung zum “Physikum” nach Ende des vierten Semesters bei dem jeweiligen Landesprüfungsamt eingegangen sein. Dabei sollte man aber schon vorher beim Prüfungsamt den Nachweis über den Krankenpflegedienst auf etwaige Fehler kontrollieren lassen, um nicht kurz vor Beginn des Physikums in unnötigen Stress zu gelangen.

Außerdem ist es wichtig, dass Ihr beim Ausfüllen der Bescheinigung auf Folgendes achtet:

  • Das Zeugnis über den Krankenpflegedienst muss von der Pflegedienstleitung unterschrieben und mit Klinikstempel versehen sein. Es dürfen keine Korrekturen (z.B. per Tipp-Ex) vorgenommen werden.
  • Die Bescheinigung darf frühestens am letzten Tag des Praktikums ausgestellt werden.
  • Die gesamte Praktikumszeit muss eingetragen werden, d.h. die vollen 90 Tage müssen auf dem Papier stehen, auch wenn Ihr beispielsweise am letzten Wochenende frei hattet.

Anerkennung des Pflegepraktikums:

Je nach Landesprüfungsamt kann man sich unterschiedliche, vorausgegangene pflegerische Ausbildungen anerkennen lassen und so die Dauer des Krankenpflegepraktikums verkürzen.

Beispielsweise kann Dir eine:

  • krankenpflegerische Tätigkeit im Sanitätsdienst der Bundeswehr oder in vergleichbaren Einrichtungen
  • krankenpflegerische Tätigkeit im Rahmen eines sozialen Jahres nach den Vorschriften des Gesetzes zur Förderung eines freiwilligen sozialen Jahres
  • krankenpflegerische Tätigkeit im Rahmen eines Zivildienstes nach den Vorschriften des Zivildienstgesetzes
  • oder eine Ausbildung als Hebamme oder Entbindungspfleger, in der Krankenpflege, Kinderkrankenpflege oder Krankenpflegehilfe

das Pflegepraktikum (teilweise oder ganz) ersparen.

Krankenpflegepraktikum im Ausland:

Man kann das Krankenpflegepraktikum auch im Ausland absolvieren, solange es dieselben Bedingungen wie ein inländisches Praktikum erfüllt. Allerdings sollte man sich vorher gut beim Prüfungsamt informieren, welche Bescheinigungen (zweisprachige Formulare, amtlich beglaubigte Übersetzungen, Tätigkeitsbeschreibungen, etc.) man benötigt, um sich dieses anerkennen zu lassen. In manchen Ländern ist es zudem nicht üblich, ein solches Pflegepraktikum zu absolvieren, sodass man der Pflegedienstleitung unbedingt klar machen sollte, welche Tätigkeiten man zur Anrechnung des Praktikums ausüben muss.

Alle Erstis auf einen Streich

Wie in so ziemlich jedem gut organisierten Studiengang, gibt es natürlich auch bei den Medizinern kurz vor Studienbeginn eine Einführungsveranstaltung. Ihr erfahrt Nützliches rund ums Studium, bekommt wichtige Hinweise und Tipps von Eurer Fachschaft, erkundet Eure neue Heimat, lernt Eure Kommilitonen kennen und habt einfach nur Spaß. Oft gibt es ein gemischtes Programm, das zwischen geballter Information und lockerer Unterhaltung wechselt. Ist die Einführungswoche gelungen, so ist sie für viele Studenten ein unvergesslicher Bestandteil des Studiums.

Doch Vorsicht! Nicht alles läuft, wie man zu Beginn denkt. Es kann einem schon einmal passieren, dass man erst in den Hörsaal kommt, nachdem man eine Speichelprobe abgegeben hat, die überprüfen soll, ob man sich nicht mit dem Schimmelpilz „Aspergillus fumigatus“ infiziert hat. Sobald Ihr dann gespannt auf den Stühlen sitzt und aufgeregt dem vortragenden Professor lauscht, wird plötzlich angekündigt, dass Ihr schon heute euer erstes Testat der Anatomie ablegen müsst, um sicherzustellen, dass Ihr auch wirklich für das Medizinstudium geeignet seid. „Wie viele Freiheitsgrade hatte noch einmal genau ein Drehscharniergelenk?“ Und: „Was ist bitteschön eine Choledocholithiasis?“, murmeln viele angehende Studenten panisch vor sich hin. Und als wäre das alles noch nicht genug des Bösen, wird jedem, der einen kleinen Blick zum Nachbarn werfen will, um festzustellen, dass auch der keine Ahnung von den Fragen hat, das Blatt abgenommen. Damit ist dann wohl der hart erkämpfte Studienplatz futsch.

Doch wie aus dem Nichts taucht die gesamte Fachschaft in weißen Kitteln auf und erklärt Euch, dass Ihr soeben Opfer eines althergebrachten Ersti-Streichs wurdet und selbstverständlich keiner von Euch auf seinen Studienplatz verzichten muss. Anschließend muss auf diesen Schock natürlich ordentlich gefeiert werden. Los geht’s zur legendären Ersti-Party!

Tipp:

Wer gerne mehr über skurrile Studentenstreiche erfahren möchte, der sollte sich diesen Link einmal näher ansehen.

Erster Tag – erstes Grauen?

Hat man die Einführungsveranstaltungen, alle Partys, Kneipentouren etc. gut überstanden und erste Kontakte zu den Kommilitonen geknüpft, beginnt der Ernst des Lebens. Der erste Studientag ist wohl für jeden Studenten etwas Besonderes und das wissen auch die Dozenten.

So wird Euch natürlich gleich eingetrichtert, dass das Medizinstudium kein Zuckerschlecken ist und Ihr die 3 folgenden Regeln unbedingt beachten müsst: Lernen, Lernen und nochmals Lernen! Ein althergebrachter Witzklassiker entspricht heute immer noch der normalen Denkweise eines herkömmlichen Medizinstudenten: 2 Studenten sollen ein Telefonbuch auswendig lernen. Der Physiker fragt daraufhin: “Warum?”, der Medizinstudent hingegen: “Bis wann?”.

Das Schauermärchen vom Soziopathen

In der Tat ist es auch so, dass man in Medizin nicht darum herumkommt, unendlich vieles auswendig zu lernen. So hält sich auch das hartnäckige Klischee, ein Medizinstudent hätte keine Freizeit, geschweige denn ein Sozialleben. Doch liebe Erstis, lasst Euch von diesem Schauermärchen nicht einschüchtern. Hat man erstmal das erste Semester überwunden und weiß, wie der Hase läuft, so findet man garantiert die Zeit, dass eine oder andere Hobby auszuüben oder sich mit einem Nebenjob ein bisschen was dazu zu verdienen. Viele Mediziner sind Mitglied in Sport- und Gesangsvereinen, betreiben Parteiarbeit, Sozialprojekte oder sogar ein Zweitstudium. Und ja, auch diese Leute schaffen es, neben dem Studium und ihrem Hobby/Job noch ein Privatleben zu führen.

Übrigens: An vielen Unis erfolgt in der ersten Woche die sogenannte Berufsfelderkundung. Ärzte verschiedener Fachrichtungen geben Euch dabei Einblick in ihr Arbeitsleben und Ihr werdet schon einmal mit den blutigen Bildern eines Chirurgen und den blassen Totengesichtern eines Pathologen konfrontiert.

In der zweiten Studiumswoche geht es dann mit den richtigen Fächern los. Manche Unis beginnen mit den naturwissenschaftlich geprägten wie Physik, Chemie und Biologie, während andere gleich zum Start Anatomie und Physiologie lehren. Jetzt heißt es, „Augen zu und durch“, denn nun bekommt Ihr richtig viel zu tun. Es gilt herauszufinden, was den Professoren für die Prüfung wichtig ist, denn die Stofffülle, mit der Ihr konfrontiert werdet, erlaubt es nicht – wie noch zu Schulzeiten – alles haarklein bis ins Detail zu lernen.

Tiefgreifender Lerneffekt

Am besten, Ihr verschafft Euch erst einmal einen Gesamtüberblick über den gesamten Lernstoff und arbeitet Euch dann, wenn noch Zeit bleibt, in die Tiefe. Auf jeden Fall solltet Ihr Euch von dieser anstrengenden Phase Eures Studiums nicht abschrecken lassen, denn wenn man diese überstanden hat, wird vieles besser. Der Lernaufwand wird zwar nicht geringer, aber Ihr merkt dennoch sehr schnell, wie tiefgreifend Ihr Euch die Gebiete erarbeiten und wie viel Zeit Ihr dafür investieren müsst.

In der nächsten Ausgabe der DocCheck Campus News erfahrt Ihr, was die älteren Semester über die Ersties denken und was es mit dem sagenumwobenen Präparierkurs auf sich hat. On top bekommt Ihr eine nützliche Checkliste für das Medizinstudium zur Hand.

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