Tierversuche: Wo ist die Validität?

20. Januar 2014
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Bei Tierversuchen wird häufig geschlampt. Zu wenige Tiere, um Ergebnisse jenseits des Zufallsbefunds abzusichern und zu viele positive Resultate, die dem Forscher eine leichtere Publikation ermöglichen, aber schlechte Voraussetzungen für den klinischen Test sind.

Wenn ein Wirkstoff nach jahrelanger Entwicklungszeit in klinischen Studien beim Menschen versagt, ist das für die Firma ein Millionen-Verlustgeschäft. Bei kleineren Herstellern steht dann oft auch die Existenz auf dem Spiel. Dabei halten neun von zehn Wirkstoffe in den letzten Tests vor der Zulassung nicht das, was sie in der präklinischen Entwicklungsarbeit versprechen. Zwei scheitern an unerwünschten Nebenwirkungen, vier haben nicht die erhoffte Wirkung.

Krebs ist heilbar – bei Mäusen

Contergan ist wohl das bekannteste Beispiel, bei dem alle Ergebnisse vor dem Einsatz am Patienten die Ampeln auf Grün schalteten, bevor es zum fürchterlichen Crash kam. Die Liste ließe sich mit Lipobay und Vioxx fortsetzen, oder dem beinahe tödlichen Ausgang beim ersten Human-Einsatz des Autoimmun-Wirkstoffs TGN1412.

„Seit Jahrzehnten können wir Krebs an Mäusen heilen“, sagt Richard Klausner, ehemaliger Direktor des amerikanischen Krebsforschungszentrums. Für Gegner von Tierversuchen sind die Versager in der Klinik die besten Argumente dafür, dass sich Mäuse und Ratten nicht als Versuchskaninchen in der Medizin eignen. In einigen Fällen haben sie wohl recht. Die Alzheimer-Modell-Maus produziert Ablagerungen, die denen im humanen Gehirn ähneln, der typische Gedächtnisverlust des alternden Menschen mit der Krankheit bleibt bei den Nagern aber aus.

Erschütternde Schluderei

Inzwischen sind viele Experten für Versuchstierkunde jedoch der Meinung, dass man ganz woanders suchen muss, will man die Gründe für das Versagen einer neuen Therapie im Endstadium der Entwicklung aufspüren. Hanno Würbel, der die Abteilung Tierschutz an der Universität Bern leitet, macht die mangelnde Sorgfalt bei Tierversuchen für nicht reproduzierbare Ergebnisse verantwortlich. „Es ist erschütternd, wie da zum Teil geschludert wird.“ Die strengen Maßstäbe für das Design von Studien am Menschen scheinen für die Arbeit mit Vierbeinern und Vögeln nicht zu gelten. In mehreren Analysen von Tierversuchen und entsprechenden Publikationen stellte sich etwa heraus, dass mehr als 85 Prozent der Experimente nicht verblindet waren. Die Forscher wussten beispielsweise bei der Analyse, ob das Tier ein Placebo oder die Prüfsubstanz bekommen hatte.

Mehr als drei Millionen Versuchstiere dienten der Forschung in Deutschland im Jahr 2012, die Mehrzahl davon im medizinischen Dienst. Fast 90 Prozent davon sind Ratten und Mäuse. Besonders transgene Tiere sind bei Krankheitsmodellen in der Grundlagenforschung begehrt, sodass sich trotz sinkender Zahlen in der Toxikologie und der Medikamentenentwicklung der gesamte Umfang an Tierexperimenten nicht verringert hat.

Mehr Zufall beim Maus-Experiment

„Qualitativ gute Mausstudien sind aufwändig und teuer“, begründet Matthias Jucker von der Universität Tübingen die mangelnde Verlässlichkeit von Experimenten mit Labortieren. Das fängt schon bei der Auswahl der Tiere und ihren Haltungsbedingungen an. Da werden junge Mäuse zu Modelltieren für Wirkstoffe, die Apotheker später multimorbiden Senioren verkaufen sollen. Weibliche Mäuse sind wegen Hormonzyklusschwankungen unbeliebt, die das Versuchsergebnis beeinträchtigen könnten. Wichtig für standardisierte Bedingungen sind schließlich ein einheitlicher genetischer Hintergrund, einheitliche Umgebung und das entsprechende Futter – Bedingungen, die beim Menschen kaum zutreffen. „Durch eine Heterogenisierung der Umweltbedingungen“, davon ist Versuchstier-Experte Würbel überzeugt, „ließen sich die Früherkennung wirkungsloser Substanzen erleichtern und Medikamentenpreise erheblich senken.“

Unsichere Mini-Studie

Nur wenige Forscher suchen ihre Tiere wie bei klinischen Studien nach dem Zufallsprinzip aus und trennen die experimentellen Prozeduren von der Zuordnung der Tiere zu entsprechenden Käfigen. Schließlich zwingen Geldmangel und falsch verstandene Tierschutzprinzipien die Wissenschaftler dazu, mit der kleinstmöglichen Anzahl der Tiere zu arbeiten. Was auf den ersten Blick vernünftig klingt, hat dann aber bedenkliche Konsequenzen: Denn nicht selten sind die erhaltenen Resultate dem Zufall näher als einer statistischen Sicherheit. Experimente werden nicht wiederholt, wenn das Ergebnis nur ungefähr den Erwartungen entspricht. Kein Wunder, dass die Erkenntnisse aus diesen Klein-Studien oft auf tönernen Füßen stehen und zuweilen sogar zu einem höheren Verbrauch an Tieren führen, wenn andere Forschergruppen oft vergeblich versuchen, die Experimente zu reproduzieren.

Schließlich gibt es bei Tierversuchen kaum Vorschriften, wie Forscher mit den experimentellen Daten umzugehen haben. Auch hier führt der Druck zur Publikation nicht selten dazu, dass nur die passenden positiven Ergebnisse den Weg in das Paper finden. Unerwartete Nebenwirkungen bei den Versuchstieren führen zum Ausschluss aus der Versuchsreihe, ohne dass jemand ausserhalb des Labors etwas erfährt.

Verringern, Ersetzen, Verbessern

Um an dieser Praxis etwas zu ändern, gibt es inzwischen Initiativen und Leitlinien zu Studien mit Versuchstieren. Über 300 Fachzeitschriften fordern für die eingereichten Manuskripte die britischen ARRIVE-Regeln ein. Sie fordern den Forscher auf, transparent über alle seine Versuche, Versuchsziele und Verlauf der Experimente zu berichten.

Auch die Unterzeichner der „Basler Deklaration“ verpflichten sich zu den 3R-Prinzip von „Reduce, Replace, Refine“, der Verringerung und Verbesserung von Tierversuchen sowie dem Ziel, sie womöglich durch andere Tests zu ersetzen. Diese Ziele bei Tierversuchen hatten die Engländer William Russell und Rex Burch bereits vor 55 Jahren formuliert. Die größtmögliche Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit bei notwendigen Tierversuchen gehört ebenfalls zu den Zielen des Dokuments von Basel vom November 2010. Dazu zählt etwa, Journalisten Zugang zu den Labors zu ermöglichen und auch auf ethische Standards bei der Haltung der Tiere und bei den Versuchen mit ihnen zu achten. Tierexperimente sollten nur da ihren Platz haben, wo es keine Alternativen gibt und die Tiere keine unnötigen Schmerzen erleiden müssen. Diese Forderungen sind auch in den Regelungen der EU zum Tierschutz enthalten. Besonders bei gentechnisch veränderten Tieren wollen die Forscher mit Hinblick auf ihre Verpflichtung in der Konvention die Interessen von Patienten gegen ihre Verantwortung für ihre Tiere abwägen.

Versuchstierkunde ist angewandter Tierschutz

Die intensive Schulung von Personal ist ein wichtiger Teil des Tierschutz- und -nutz-Konzepts. An den tierärztlichen Hochschulen würden etwa keine Experten für Versuchstierkunde mehr ausgebildet, beklagt Barbara Grune von ZEBET, der Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch in Berlin. Ein solcher könnte erkennen, ob eine Maus oder ein Meerschweinchen starke Schmerzen hat und eingeschläfert werden muss. „Wir haben wahrscheinlich in bester Absicht in Deutschland für den Tierschutz die Versuchstierkunde stigmatisiert als etwas Schlechtes”, so Grune. „Und das ist meiner Ansicht nach ein bisschen verlogen, weil ein guter Versuchstierkundler Tierschutz macht.“

Stammzellen als Alternative?

Seit 2009 sind Tierversuche für die Entwicklung von Kosmetikprodukten in der EU verboten und Schönheitscremes mit zweifelhaften Labortests sind in Europa vom Markt ausgeschlossen. Wer aber nach Alternativen sucht, stößt früher oder später auf Stammzellen. Hier tut sich jedoch ein neues ethisches Dilemma auf. Um Krankheiten zu modellieren und Gewebe im Labor zu produzieren, eignen sich embryonale Stammzellen in besonderer Weise. In vielen Ländern ist jedoch die Arbeit damit verboten oder nur unter strengen Auflagen möglich. Große Hoffnung setzen Forscher daher auf die induzierte pluripotente Stammzellen, die mittelfristig zu einem wichtigen Werkzeug bei Tierversuchs-Alternativen werden könnten. Bei der Suche nach dem Ersatz treibt auch der Druck der öffentlichen Meinung die Forscher an: Etwa ein Drittel der Deutschen lehnt Tests mit Mäusen und Ratten auch im medizinischen Bereich ab, fast doppelt soviele sind es, wenn es um Hunde oder Affen geht.

„Medizinische Forschung am Menschen muss den allgemein anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen entsprechen und, sofern angemessen, auf Tierversuchen basieren“, sagt die Helsinki-Deklaration des Weltärztebundes. Dem stimmt etwa auch die ehemalige Tierschutzbeauftragte der Universität Heidelberg, Susanne Bog, zu: „Komplexe Erkrankungen, zum Beispiel entzündliche Prozesse können nicht vollständig in Zellkulturen nachgeahmt werden.“ Schließlich weist Stefan Treue vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen darauf hin wie umstritten das Thema „Versuchstiere“ in der Gesellschaft sei. So würden etwa bei der Jagd in Deutschland mehr Tiere als im Labor getötet, ganz abgesehen von der Nutztier-Verwertung im Lebensmittelbereich. Auch die Vernichtung von Ratten und Mäusen in der Schädlingsbekämpfung sei gesellschaftlich allgemein akzeptiert.

Vom Tier zum Mensch: 70 Prozent Übereinstimmung

Wenn aber die Entwicklung von neuen Wirkstoffen gegen ernsthafte Krankheiten in Zukunft schneller voran gehen soll, sind neue Studiendesigns dafür eine wichtige Strategie. Dabei kommen auch immer wieder „Ko-klinische Studien“ ins Gespräch, in denen die neuen Substanzen parallel im Tier und im Menschen erprobt werden könnten. Voraussetzung dafür ist aber, dass das Tiermodell den Verhältnissen im Menschen so weit wie möglich ähnelt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft geht nach entsprechenden Studien davon aus, dass sich etwa 70 Prozent der der Wirkungen und Nebenwirkungen beim Menschen durch den Test im Tier vorhersagen lassen.

Damit die Aussagekraft der Untersuchungen bei der Grundlagenforschung wie auch der Entwicklung neuer Therapien vor den ersten Versuchen am Menschen steigt, müssen für Versuche am Tier ganz ähnliche Maßstäbe wie für den Test am Menschen gelten. Letztendlich könnten die Firmen sich damit auch einen beträchtlichen Betrag für zweifelhafte Ergebnisse oder Versager bei klinischen Studien sparen. Hätten sich die Forscher bei einem Schlafmittel vor sechzig Jahren schon darum bemüht, den Einsatz beim Menschen im Tierversuch möglichst genau nachzustellen, hätte es die fürchterlichen Wirkungen von Contergan auf Ungeborene vielleicht nie gegeben. Denn Thalidomid offenbart seine teratogene Wirkung nicht bei Ratten und Mäusen. Bei Kaninchen, Meerschweinchen oder Hunden sind jedoch zumindest bei einem Teil der Tiere Entwicklungsstörungen bei trächtigen Tieren sichtbar. Auf diese Tiere verzichteten jedoch die Forscher damals.

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27 Kommentare:

Medizinjournalist

Ein Artikel des Direktors des amerikanischen Nationalen Gesundheitszentrums, Francis Collins, passt ganz gut zu diesem Thema. Er wurde heute in Nature veröffentlicht. Auch darin beklagt Collins, dass viele präklinische Versuche schnell, schlampig und leider zu oft nicht reproduzierbar durchgeführt werden. Für Amerika kündigt er neue Regeln zur Verblindung und gründlichere Versuchsplanung bei Tierversuchen an, ebenso wie eine Datenbank, in der Rohdaten veröffentlicht werden können und die letztendlich einen ähnlichen Stellenwert wie Publikationen bekommen soll.

Den Artikel (frei zugänglich) gibts hier: http://www.nature.com/news/policy-nih-plans-to-enhance-reproducibility-1.14586

#27 |
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Bürgerin Marina Bausmer
Bürgerin Marina Bausmer

ich würde mir wünschen das die Veterinärmedizinischen Ergebnisse mit in die Versuchs-Forschung einfliessen . Auch ihnen ist zu verdanken das Medizinische Behandlungen mit zu den Erkenntnissen in der Medizin mit einfließen konnten und auch Behandlungsansätze bei den Haustieren den Menschen helfen konnten, im doppeltem Sinne.

#26 |
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Gast
Gast

Hier Gast#22.

Die Diskussion ist so grotesk-emtionsgeladen aufgeputscht, dass realistisches Reflektieren grade derer, welche sich in hohem Maße empören, fast im Lächerlichen verloren geht.
Mit dem Mops auf dem Arm (eine Qualzucht, kaum ein Tier kann vernünftig atmen) und dem Waschbärpelz an der Jacke sich über die zu teuren Bio-Eier beschweren. Natürlich ist das Bild extrem übertrieben – doch wir reden bei Tieren zur medizinischen Forschung von zum Teil schwerwiegenden Krankheiten – und bei einem Schnitzel nur von persönlicher Lust.

Wir sind bei Bärchenwurst angekommen und keiner möchte mehr das hingeschlachtete Tier sehen, bzw. erträgt es zu sehen. Da ist das Bild von einer Nacktmaus mit Tumor natürlich “erschreckend”.

Ja wir müssen offen(!), offensiv und fair diskutieren – diese Stigmatisierung drückt den gesamten Themenkomplex in eine Nische, der es nicht mehr möglich macht auf Augenhöhe miteinander zu sprechen.
Wo wären wir bei der Diabetestherapie ohne Insulin? Wo beim Impfen hätte Emil von Behring nicht die ersten Antitoxine aus Pferden gewonnen? Auf beiden Seiten lassen sich genug Beispiele für das Ja und Nein zu Tierversuchen finden. Daher ist Aufzählung von Einzelfällen albern.

Stichwort Reproduzierbarkeit. Ein angehender Chirurg der ein Buch über Knie-Endoprothesen liest, kann es trotzdem nicht von jetzt auf gleich “reproduzieren” und sofort operieren.
Ähnlich benötigen komplexe Tiermodelle viel Erfahrung, Wissen und Fingerspitzengefühl. Das “Reproduzieren” in Tieren ist definitiv schwer. Grade bei außerordentlich komplexen Erkrankungen wie Tumoren ist die Schwierigkeit extrem hoch. Allein ein stabiles Modell zu haben ist eine Kunst für sich.
Trotzdem bleibt: bleibt ein Tier bei präklinischer Behandlung verhältnismäßig gesund, ist die Sicherheit größer. Ich schließe wiederholt mit den Worten, mit denen ich den letzten Eintrag begonnen habe:”Den Aufschrei möchte ich hier erleben, wenn ein potentieller Wirkstoff aus dem Labor direkt in den Menschen geht und der tot umfällt – ohne, dass der Stoff auch nur einmal im Tier war.”

Und ja – wissenschaftlicher Fortschritt war vielen Jahrhunderten das unerlaubte Öffnen von Leichen und das erste Sezieren. Damals wurden diese Menschen angefeindet, ausgeschlossen, hingerichtet. Wissenschaftlicher Fortschritt auf dem medizinischem Gebiet setzt Menschen/Tiere voraus, um mit diesen arbeiten zu können und mehr zu verstehen, um für die nächste Generation das Leben besser zu gestalten. Wir von heute nehmen gerne den medizinischen Luxus in Kauf, der noch gestern mit viel Mühe und Schweiß und auch Leid gewonnen worden ist – und sei es nur die einfach Ibuprofen.

Medizinische Forschung ist ein Ort, an dem spontanes Empfinden und unreflektierte Meinung keinen Platz haben – dafür ist das Leben zu schützenswert.

#25 |
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Medizinjournalist

Lieber Gast (#22),
Vielen dank für Ihren Kommentar, der wirklich den Standpunkt (Ihren) sachlich darstellt und nicht von Aversion auf die jeweils andere Seite geprägt.
Tatsache bleibt jedoch, dass auffällig viel publizierte (!!),d.h. nicht aus Vorversuchen stammende Daten von Tierversuchen nicht reproduzierbar sind. Und wenn schon die Tierversuche nicht reproduzierbar sind, ist es natürlich noch einmal schwerer, die Resultate auf klinische Studien zu übertragen.
Aber aus Einzelfällen, bei denen sich die Maus ganz anders als der Mensch verhält, auf die große Masse an Tierversuchen zu schließen, finde ich genauso falsch. (ich persönlich hätte sogar gedacht, es wären mehr als 70%).

Wenn man also nicht ohnehin die Medizin als Ganzes ablehnt, weil sie in natürlichen Krankheitsheilungsprozess eingreift, denke ich, kommen wir ohne Tierversuche nicht aus. Ob der Fortschritt (den es ganz sicher in der Medizin gibt!) es wert ist, dass Tiere leiden müssen, ist eine gesellschaftliche Entscheidung.

#24 |
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Priv. Doz. Dr. Christian Grosse-Siestrup
Priv. Doz. Dr. Christian Grosse-Siestrup

ein guter, richtiger, ausgewogener Artikel, den jeder Tierschützer und auch jeder Wissenschaftler ernst nehmen sollte

#23 |
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Gast
Gast

An und für sich ist der Artikel nicht verkehrt. Aber das Niveau, auf welchem hier kommentiert wird, zeigt, dass Gefühl und nicht Ratio den Ton machen.

Den Aufschrei möchte ich hier erleben, wenn ein potentieller Wirkstoff aus dem Labor direkt in den Menschen geht und der tot umfällt – ohne, dass der Stoff auch nur einmal im Tier war.

Es wird häufig ein Bild vermittelt, dass die Menschen in den Forscher- & Entwicklungsteams “schlampig” und “unsauber” erscheinen lässt. Nicht jeder Versuch hat ein positives Ergebnis. Denn manchmal muss man ein geeignetes Tiermodell erst erarbeiten, damit die erzeugten Rohdaten auswertbar sind. Solche “Vorversuche” dann aus dem Kontext zu reißen ist natürlich für unsere hiesige Presse ein Leichtes. Vorversuche und Tests: so definiert sich “Entwicklung”. Toxikologische Daten aus In-Vitro Versuchen sind selten überzeugend. (Bis auf extrem schwerwiegende Nebenwirkungen wie Mutationspotential).

Leider wird wenig bis gar nicht in diesem Themengebiert differenziert; geschweige denn sind die Meisten, welche die Empörung nur so herausbrüllen, darüber im Bilde, wie Forschung & Entwicklung funktioniert.

Einzelfälle herauspicken und/oder Maßstäbe für die klinische Forschung am Menschen 1:1 auf die Tierversuche anzuwenden ist nicht nur viel zu kurz gegriffen, sondern ahnungslose Arroganz.

Davon abgesehen:
Schädlingsbekämpfung?
Salami auf dem Brot?
Wildjagd?

Misst unsere Gesellschaft nicht mit zweierlei Maß, wenn wir über das Töten von Tieren sprechen?

Und bei alledem: die Behörden verlangen(!) von den Wirkstoff entwickelnden Unternehmen solche Studien, damit der Stoff in die Klinische Prüfung darf. Punkt.

Davon abgesehen: “„Wir haben wahrscheinlich in bester Absicht in Deutschland für den Tierschutz die Versuchstierkunde stigmatisiert als etwas Schlechtes”, so Grune. „Und das ist meiner Ansicht nach ein bisschen verlogen, weil ein guter Versuchstierkundler Tierschutz macht.“” Zitat Artikel.

#22 |
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Gast
Gast

Also diese Studie zur Übereinstimmung von 70% bei Mensch und Tier möchte ich gerne mal sehen und auf Validität prüfen! Davon mal abgesehen braucht es keine Studie, wenn Kaninchen (o.ä.) Laugen oder Säuren in die Augen getropft wird um zusehen wie diese das Augenlicht unter stärksten Schmerzen verlieren, um später auf dem Reinigungsprodukt den Hinweis zu vermerken, dass es die Augen reizen könnte und für Kinder unzugänglich aufbewahrt werden sollte. Sorry, echt nicht notwendig. Außerdem Frage ich mich warum fast 90% der Forschungsberichte mit dem Satz beendet werden “…das Forschungsziel konnte nicht ganz erfüllt werden, weitere Forschungen sind angeraten oder werden empfohlen…” da wird mir echt schlecht bei. Alle Lebewesen, ob Mensch – ob Tier haben Ihren “Wert” nicht selbst gegeben, sondern von unserm Schöpfer (ich nenne das mal so!)…dabei frage ich mich stetig woher nehmen wir Menschen uns das Recht unseren Wert über alles in Welt zu stellen? Woher? Grundlagen Forschung, Tierversuche hat viel erreicht! Ja, in der Tat! Ich komme aus dem Medizinsektor und bin heute dort nicht mehr, aber eines kann ich sicher sagen: Ja wir haben viel erreicht, wir können Menschen mit Medikamenten, Maschinen einen unwürdigen und langen schleichenden Tod bereiten… ja viele alte und kranke Menschen können wir dahin siechen lassen. Welch ein Erfolgt für die Menschheit! Ich gratuliere!

#21 |
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Gast
Gast

Nachtrag: ich habe Multiple Sklerose. Seit fast 25 Jahren. Die gängige Behandlung, durch Pharmaforschung etabliert, hat mir sehr geschadet. Die auf Komplementärmedizin beruhende hat’s zum Stoppen gebracht. Weg mit Tierversuchen!

#20 |
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Gast
Gast

Sehr geehrter Herr Dietwald,

die Selektion durch die so genannte natürlich Auslese mit Tierexperimenten zu vergleichen, bei denen das Opfer gar keine Chance hat, seine Überlebensfähigkeit zu beweisen, ist mehr als hinkend. Die Verbesserung für den Menschen zweifle ich stark an. Sie können sich dahingehend bei “Ärzte gegen Tierversuche” erkundigen. Dieser Link wurde hier auch schon gesetzt.
Ich habe selber eine als unheilbar geltende Erkrankung, bzw. Diagnose. Und ich komme sehr gut damit zurecht mit Mitteln der Komplementärmedizin, die nur durch gesetzliche Vorgaben Tierversuche durchführt, auf die sie ansonsten durchaus und gewünscht verzichten könnte und würde. Ich sehe keinen begründbaren Sinn in Tierversuchen! Und Forscherdrang kann auch anders ausgelebt werden, nämlich z.B. in einer tatsächlichen Ursachenforschung, die nicht durchgeführt wird, wenn kein lukratives Pharmakon in Aussicht steht.

#19 |
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Medizinjournalist

Sehr geehrter Herr Prof. Eger,
Leider hat die DFG auch nicht genau aufgeschlüsselt, auf welchen Studien ihre Zahen beruhen. (zumindest nicht in dem mir vorliegenden Dokument) Dort ( http://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/geschaeftsstelle/publikationen/dfg_tierversuche_0300304.pdf Deutsche Forschungsgemeinschaft : Tierversuche in der Forschung , 2004 ) steht:
“Wegen den Ähnlichkeiten von Zell- und Organfunktionen bei Säugetieren geht man davon aus,, dass eine Übertragbarkeit vom Tier auf den Menschen meistens möglich ist. Die Grundvermutung gilt sowohl für die erwünschten als auch für die schädigenden und toxischen Wirkungen eines Stoffs. Durch Tierversuche lassen sich erwünschte und etwa 70 % der unerwünschten Wirkungen, die den Menschen betreffen, vorhersagen. “

#18 |
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Manfred Lothar Dietwald
Manfred Lothar Dietwald

Wenn man sich vergegenwärtigt, welche Experimente die Natur selbst entwickelt hat, um Lebewesen massenhaft zu töten, zu eliminieren und gemäß Darwin auszulesen unter qualvollem Bedingungen wie : Abwehrgiftentwicklung, Kälte, Feuchtigkeit mit Pilzbefall, Trockenheit, Stürme, Überschwemmungen, Vulkanbegasung, Verbrennungen, Verschmoren, Druckbelastungen, und Erstickungen um nur einige Horrorgeschichten zu erwähnen, und letztendlich der generelle Tod. So soll jetzt der ernsthafte Forscherdrang dämonisiert werden, der Verbesserungen im Leben von Mensch und Tier im Sinn hat?
Viele Leute leben vom und mit Töten von Tieren. Die Plantagenbesitzer wie die Hirten und Jäger. Der Eingriff in die Natur ist auch nicht schuldfrei.
Und dafür gibt es nun mal einschränkende und verbessernde Gesetze.

#17 |
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Prof. Dr. Kurt Eger
Prof. Dr. Kurt Eger

Es wäre wünschenswert und sehr transparent, wenn die Untersuchungen, aufn denen die Aussage der DFG beruhen, bekannt gegeben würden. MfG Manfred Wolff, Prof.emer.Dr., Mathem. Institut, Universität Tübingen, stellvertr. Mitglied in der §15-TschG-Kommission des Regierungspräsidiums Tübingen

#16 |
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Gast
Gast

Lieber Herr Huggenberger,

das Gegenteil ist der Fall. Jahrzehntelang mussten sich diejenigen, die einer Maus Beschäftigungsmaterial anbieten wollen, anhören, dies sei nicht möglich, weil nur standardisierte Umweltbedingungen verlässliche Resultate brächten. Dann hat zum Glück Hanno Würbel dazu etwas in Nature publiziert, das diese – von Wissenschaftlern gebetsmühlenhaft vertretene, aber nie belegte! – Ansicht endgültig als Hirngespinst entlarvte.

#15 |
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Silvana Beer
Silvana Beer

Das hier (nachstehend der link) ist durch nichts zu rechtfertigen, diese so genannte Grundlagenforschung ist nur der blanke Horror. Nebenbei werden gerade Katzen für Hirnforschung missbraucht und gequält, weil deren limbisches System dem des Menschen ähnlich sein soll. Was dann im Umkehrschluss aber auch bedeutet, dass die Katze diese Qualen empfindet wie ein Mensch.
Zur Übertragbarkeit: beobachten Sie mal ne Katze, die sich mit Baldrian beschäftigt.
http://www.peta.de/web/katzenversuche.6437.html
Ich lehne Tierversuche im Gesamten ab!
Dazu zwei Zitate von Mahatma Gandhi:
“Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt.”
“Je hilfloser ein Lebewesen ist, desto größer ist sein Anspruch auf menschlichen Schutz vor menschlicher Grausamkeit.”
Tegenera ist damals übrigens nicht Pleite gegangen, sondern denen geht’s weiter gut. Es ging “nur” darum, sich Schadenersatzforderungen zu entziehen und das geht am Besten durch ne Insolvenz. Auch der Wirkstoff fand noch seinen Abnehmer.

#14 |
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Tierheilpraktikerin

“Versuchstierkunde ist angewandter Tierschutz” ?????
wie beschämend…….

“Eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz überhaupt geschaffen werden musste.”
Theodor Heuss

#13 |
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Dr. med. vet. Roland Jung
Dr. med. vet. Roland Jung

Nun ja, ist ja nicht falsch, was in dem Artikel zusammengetragen wurde. Dennoch ist es schade, dass auch damit wieder ein wohlfeiles Geschäft betreiben wird. Eines ordentlichen Meinungsrückenwinds kann sich jeder sicher sein, der die tierexperimentelle Forschung mit ihren Schwächen und Misserfolgen vorführt. Nicht ganz so billig wäre der Versuch, zu vermitteln, dass die biomedizinische Forschung zu ihren Meilensteinen der Erkenntnis und außerordentliche Erfolge nie hätte kommen können, wenn sie sich nicht der Methodik des Tierexperiments hätte bedienen können. Dass Dinge zu verbessern sind, trifft auf jedes Metier zu. Dass viele Fachleute dauernd daran arbeiten und dabei oft nur mühsam kleine Fortschritte erreichen, kitzelt die Emotionen der Leserschaft offenbar nicht genug um vermittelt zu werden. Das Rationale und die ganze Komplexität der tierexperimentellen Forschung so aufzubereiten, dass sie der nach Transparenz verlangenden Öffentlichkeit verständlich und angemessen kommuniziert wird, das wäre für einen ambitionierten Journalisten doch auch mal eine schöne Aufgabe! Oder?

#12 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Tierschutz bei Tierversuchen – das widerspricht sich schon von selbst… Wenn ich ein Tier schützen möchte, dann quäle ich es nicht!
Es gibt heute schon genug alternative Methoden! Siehe http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/ , http://www.alternativen-zu-tierversuchen.kater-blacky.de/ , http://www.tierschutzbund.de/faq/tierversuche-und-alternativen.html

#11 |
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Beagle, transgene und sonstige Nager aus USA, Rhesusaffen aus China – “Produktion” und Handel mit dem für Tierversuche erforderlichem “Material” ist ein Geschäft. Der “Verbrauch” von Nagetieren zu, im Übrigen zahlreichen nutzlosen und unsinnigen Forschungszwecken, ist im letzten Jahr trotz “böser” Tierschutzvorschriften in Deutschland weiter gestiegen. Wie in jedem Jahr. Soviel zum Respekt vor der Kreatur.
Der Verweis des Primatenzentrums auf die Tatsache, daß bei der Jagd noch mehr Tiere getötet werden, ist – wie soll ich es sagen – unintelligent, zynisch und eines Wissenschaftlers unwürdig. Denn: Einen Mißstand mit einem Weiteren zu rechtfertigen, bedeutet von jeher ein völliges Versagen in der Argumentation und führt darüberhinaus zum Stillstand jeder Weiterentwicklung.
Und Ja, leider ist ein völliger Verzicht auf Tierversuche zur Zeit nicht möglich.
Aber laßt uns bitte alles tun, um überflüssige und unsinnige Versuche zu verhindern und Ersatzsysteme weiterzuentwickeln.

#10 |
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Dr. med. Isolde Smentek
Dr. med. Isolde Smentek

Carbamazepin wäre nie auf den Markt gekommen, wenn zur Markteinführung in den 50ger Jahren Tierversuche im heutigen Setting stattgefunden hätten.
Die Laborratten bekommen von CBZ massiv Lebertumoren.
So wäre die Substanz heute gar nicht mehr weiter beforscht worden.
Das Medikament auf den Markt gebracht und wurde weltweit über Jahrzehnte am häufigsten bei Epilepsie (u.a. Indikationen) eingesetzt.
Die Frage nach der Übertragbarkeit vom Tierversuch auf den Menschen ist doch sehr fraglich!

#9 |
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Angelika Pohl
Angelika Pohl
#8 |
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reinke
reinke

Ich rate jedem von der DFG die “entsprechenden Studien” anzufordern, aus denen man die 70% Wirkungen und Nebenwirkungen ableiten will. Ich war entsetzt, als ich das tat.

#7 |
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Vielen Dank für den recht ausgewogenen Beitrag, Herr Lederer!
Aber auch hier fällt auf, dass sich die Wünsche nach mehr “Heterogenisierung der Umweltbedingungen” und das 3R-Prinzip von “Reduce, Replace, Refine” widersprechen müssen.

#6 |
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Luis Caldonazzi
Luis Caldonazzi

Sehr gute Einblicke in dieses Thema, Zwiespältigkeit der Bevölkerung bei den Versuchstieren. Das ist heutzutage symtomatisch auch bei anderen Themen.
Bitte gibt es Fortschritte bei beginnender Blindheit an Kindern?
Luis.caldonazzi@aon.at
danke.

#5 |
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Anne-Cathrin Wirth
Anne-Cathrin Wirth

Ekelhaft! Den Ausdruck “Tierschutz” in diesem Zusammenhang zu benutzen ist einfach nur widerlich!

#4 |
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Heilpraktiker

Homöopatische Mittel “testen” Homöopathen seit Hahnemann an sich selbst => siehe Materia medicas

#3 |
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Vielen Dank für den gut recherchierten Artikel zu diesem immer wieder sehr unsachlich diskutierten Thema!

Sie erwähnen TGN 1412, ein immunologischer Wirkstoff (CD28-Antikörper), welcher bei allen Tieren einschließlich Primaten gut vetragen wurde, aber bei den ersten menschlichen Testpersonen ein fast tödliches “Cytokine Storm”-Syndrom auslöste.
Gerade Substenzen mit einer spezifischen (rezeptorvermittelten) immunologische Wirkung sind sind in Ihrere Wirkung besonders speziesanbhängig, also Tiermodellen kaum zugänglich.
In diesem Fall wäre ein Nachweis in humanen Zellkultursystemen möglich gewesen, wie später in einer hochrangig publizierten Veröffentlichung gezeigt werden konnte.
Der Fall zeigt somit, daß gerade bei den aktuell intensiv entwickelten Immunobiologicals die Zellkultur mit humanen Zellen eine sehr wichtige ergänzende Methode in präklinischen Tests ist. Dem Erkenntnisverlust durch das Fehlen eiens Gesamtorganismus steht ein Erkentnisgewinn durch die Untersuchung der humanen Immunzellen gegenüber.

#2 |
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karin ruder
karin ruder

weg von den Tierversuchen

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