Nikotin: Genmutation verstärkt Abhängigkeit

20. Januar 2014
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Forscher konnten nun im Zuge einer Studie bei Mäusen nachweisen, dass das Verlangen nach Nikotin stark von einer sehr häufig beim Menschen auftretenden Genmutation abhängt.

Die Mutation, die auf den neuronalen Nikotinrezeptor wirkt, stört dessen Funktionsweise und bewirkt damit eine teilweise Inaktivierung des „Belohnungssystems“. Träger einer solchen Mutation müssen aus diesem Grund ihren Tabakkonsum steigern, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Diese Ergebnisse ebnen den Weg für die Entwicklung von Behandlungen zur Raucherentwöhnung für Menschen mit dieser Mutation.

Wird Tabak konsumiert, bindet sich das darin enthaltene Nikotin an die Nikotinrezeptoren, was zur Aktivierung des „Belohnungssystems“ führt. Dabei handelt es sich um ein neuronales System, das im normalen Funktionszustand beim Menschen u. a. Wohlbefinden auslöst. Die gleiche Wirkung hat Nikotin bei Rauchern auf das Gehirn. Diese Wirkung hält selbst an, wenn der Raucher gerade keinen Tabak konsumiert. Der Tabakkonsum eines Menschen ist demzufolge eng mit der Sensibilität der Nikotinrezeptoren verbunden.

Das Team um Uwe Maskos, Leiter der Abteilung “Integrative Neurobiologie cholinergischer Systeme” des Institut Pasteur des CNRS (Zentrum für wissenschaftliche Forschung), und Philippe Faure, CNRS-Forscher am Labor “Neurobiologie adaptiver Prozesse” der Universität Pierre und Marie Curie hat jetzt herausgefunden, dass die Tabakabhängigkeit vom genetischen Erbe des Menschen beeinflusst werden kann. Die Forscher haben an Mäusen nachgewiesen, dass eine Genmutation dazu führt, dass die Nikotinempfindlichkeit stark abnimmt. Um den gleichen Effekt zu erzielen, benötigen Träger dieser Mutation deshalb eine höhere Nikotindosis (ca. 3 Mal höhere Dosis) als Menschen, die keinen solchen Defekt haben. Diese Mutation tritt sehr häufig auf. Studien haben ergeben, dass etwa 35 % der Europäer und fast 90 % der Starkraucher betroffen sind.

Originalpublikation:

Nicotine consumption is regulated by a human polymorphism in dopamine neurons
Uwe Maskos et al.; Molecular Psychiatry, doi: 10.1038/mp.2013.158; 2013

13 Wertungen (4.54 ø)

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5 Kommentare:

Dr. Stefan Burike
Dr. Stefan Burike

Wieso funktioniert Champix dann? Es blockiert nur die Nikotin-Rezeptoren.

#5 |
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Ärztin

Das ist auch nur die halbe Wahrheit. Im DKFZ Heidelberg finden seit Jahren 1x jährlich Konferenzen gegen das Rauchen statt. Die Beiträge aller Konferenzen sind öffentlich und stehen zum Herunterladen als PDF Dateien zur Verfügung.
Verschiedene Studien (Konferenz 2012) weisen darauf hin, dass die Nikotinsucht NICHT alleine und vor allem nicht führend für die Abhängigkeit verantwortlich zu machen ist. Führend scheint die psychische Abhängigkeit der Befriedigung oraler Bedürfnisse in speziellen konditionierten Situationen zu sein.
Daneben wird bei dem Verbrennungsprozess des Tabaks Acetaldehyd gebildet, welcher als suchtauslösende Substanz bereits bekannt ist (Alkoholsucht).
Bei Entwöhnungsversuchen ist die körperliche Adaptation an eine erhöhte Aufsättigung der Nikotinrezeptoren bereits nach ca 1 Woche rückreguliert.
Danach auftretende “Heißhunger”-Attacken (im übertragenen Sinne gesehen), sind dem Acetaldehyd (ähnlich den “Saufdruck”, wie es einer meiner Patienten (Alkoholiker) nannte) und dem oralen Bedürfnis geschuldet.
Die erhöhte Sensibilität auf Acetaldehyd im Belohnungssystem des Gehirnes ist genetisch bedingt.

#4 |
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Dr. Stefan Burike
Dr. Stefan Burike

@Dr. Freiburg. Vielleicht sollte man nicht nur die Überschrift lesen! Nach meinem Verständnis besagt der Artikel nur, dass die Nikotinrezeptoren bei starken Rauchern weniger sensibel sind, sie daher eine höhere Dosis brauchen.

#3 |
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Dr. med. Jens Freiburg
Dr. med. Jens Freiburg

so ein Scheiss!

Aber Hauptsache die Raucher haben eine Argumentation gefunden, warum sie es nicht so einfach lassen können. Es liegt in den Genen!

Nun frage ich mich, ob es bei den Mäusen auch in den Genen liegt, dass sie nicht von der Zigarette lassen können… Mist, dass es für süchtige Mäuse keine Zigarettenautomaten gibt!

#2 |
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Gast
Gast

Na ja, in ein paar Tagen ist wieder alles anders!

#1 |
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