Gehirn: Viele Umweltreize halten jung

20. Januar 2014
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Körperliche, soziale und kognitive Umweltreize steigern die Hirnfunktion. Wissenschaftler haben erstmals gezeigt, dass eine stimulierende Umwelt jugendliche Anpassungsfähigkeit im Gehirn erwachsener Mäuse nicht nur bewahren, sondern auch wiederherstellen kann.

Eine stimulierende Umgebung verstärkt die Fähigkeit neuronaler Netzwerke, sich in erfahrungsabhängiger Weise zu verändern. Dies passiert sogar bei erwachsenen Tieren, deren Gehirne im Gegensatz zu jungen Tieren üblicherweise weniger anpassungsfähig sind.

Hohe Plastizität in der Sehrinde

Die Forscher der Universität Göttingen untersuchten Mäuse in besonders großen Käfigen mit Laufrädern, verschiedenen Labyrinthen und einer Vielzahl von Möglichkeiten für soziale Interaktionen. Über einen längeren Zeitraum maßen sie die Aktivitätsänderungen in der Sehrinde – einer Hirnregion, die visuelle Informationen verarbeitet. „Mäuse, die in dieser stimulierenden Umwelt lebten, zeigten sogar bis ins späte Erwachsenenalter eine hohe Plastizität, also Anpassungsfähigkeit, in der Sehrinde, und waren zusätzlich vor Beeinträchtigungen der Plastizität nach einem Schlaganfall geschützt“, so Prof. Dr. Siegrid Löwel, Leiterin der Abteilung Systemische Neurobiologie der Universität Göttingen.

Mäuse, die in besonders großen Käfigen und mit einer Vielzahl von Möglichkeiten für soziale Interaktionen leben, zeigen bis ins hohe Lebensalter eine hohe Anpassungsfähigkeit in ihrer Sehrinde. @Universität Göttingen

Mäuse, die in besonders großen Käfigen und mit einer Vielzahl von Möglichkeiten für soziale Interaktionen leben, zeigen bis ins hohe Lebensalter eine hohe Anpassungsfähigkeit in ihrer Sehrinde. @Universität Göttingen

Alternatives Therapieverfahren

„Ein längerer Aufenthalt in der stimulierenden Umwelt konnte sogar die Plastizität adulter Mäuse wiederherstellen, die sich zuvor in normal großen Käfigen bis zu einem Alter aufhielten, in dem die Sehrindenplastizität üblicherweise verlorengeht.“ Eine stimulierende Umwelt könnte deshalb ein alternatives Therapieverfahren ohne den Einsatz von Medikamenten zur Erhaltung und Wiederherstellung neuronaler Anpassungen im erwachsenen Gehirn darstellen, so das Fazit der Wissenschaftler.

Originalpublikation:

Environmental enrichment extends ocular dominance plasticity into adulthood and protects from stroke-induced impairments of plasticity
Sigrid Löwel et al.; PNAS, doi: 10.1073/pnas.1313385111 , 2013

31 Wertungen (4.58 ø)

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4 Kommentare:

Heißt das im Umkehrschluss auch, dass Leute (Entschuldigung, Mäuse), die ihre Brille nicht tragen, einen Teil ihrer Sehrindenplastizität einbüßen?

#4 |
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Eine sehr wichtige Erkenntnis, auch wenn die beiden Kommentatoren 1 und 2 glauben, diese Zusammenhänge ohnehin schon gewußt zu haben. Ohne experimentelle Untersuchung kann man aufgrund der Alltagsbeobachtung nicht entscheiden, ob die die Anregung durch die Umwelt das Gehirn plastisch erhält, oder ob umgekehrt Lebewesen mit einer genetisch bedingten plastischen Hirnausstattung bis ins hohe Alter aktiv und lernfähig bleiben.
Vermeintlich offensichtliche Zusammenhänge bleiben solange eine Hypothese, bis sie verifiziert worden sind.

#3 |
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Es tut mir wirklich Leid aber dieser Beitrag schein mir sehr ” billig” !

#2 |
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Rita Wiedemann
Rita Wiedemann

Und sowas weiß man erst, wenn Forscher und Mäuse dies bewiesen haben?

Herzlichen Gruß
eine Gastmaus

#1 |
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