Sehen mit dem dritten Auge

14. Januar 2005
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Für Blinde ist das Überqueren einer Strasse mit Risiken behaftet. Der weiße Stock und/oder der Blindenhund sind wenig hilfreich auf der Suche nach einem Zebrastreifen. Fehlt dann auch noch der Signalton am Übergang, wird das Unterfangen zum schweißtreibenden Ausflug. Das könnte sich bald ändern mit einem dritten Auge bzw. mit dem "electronic eye".

Götter straften mit Blindheit

Mit Blindheit gestraft, mit Blindheit geschlagen. “Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit.”, lautet ein altes Sprichwort. Für die Betroffenen ist die Blindheit weniger eine Strafe der Götter als eine real existierende, unermessliche Einschränkung der Lebensqualität. Einen kleinen Trost bieten Lebenshilfen, die mit allgemeinen und elektronischen Hilfsmitteln – neben der medizinischen Betreuung – eine weitestgehende Teilnahme am realen Leben ermöglichen.

“Elektronisches Auge” macht Blindenhund arbeitslos?

Hemmschuh ist die vielfach eingeschränkte Bewegungsfreiheit in Gebäuden, im Straßenverkehr oder bei der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln. Neben Blindenstock und Blindenhund gab es in der Vergangenheit immer wieder technische Ansätze, die sich jedoch nicht wirklich durchsetzen ließen. Nun soll es erneut Hoffnung für rund 37 Millionen blinde Menschen geben – die Zahl entstammt einer aktuellen Erhebung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Aussicht auf mehr Mobilität und größere Selbständigkeit kommt aus Japan. Zwei Ingenieure, Tadayoshi Shioyama und Mohammed Uddin vom Kyoto Institut of Technology, entwickelten ein Navigations-System, das sie kürzlich unter dem Namen “electronic eye” in

Mit dem Dritten “hört” man mehr

Die Entwicklung des “electronic eye” basiert quasi auf einem dritten bzw. auf einem künstlichen Auge, das aus einer kleinen, am Brillengestell angebrachten Digital-Kamera besteht. Die Digicam ist verbunden mit einem portablen Kleinstcomputer, mit dem die aufgenommenen Bilder automatisch ausgewertet werden. Das absolut Neue an der Erfindung ist eine selbst geschriebene Software, die die Bilddaten in gesprochene Anweisungen bzw. Informationen übersetzt. Der erforderliche Lautsprecher wird am Ohr platziert. Dermaßen ausgerüstet, kann ein Blinder zum nächst gelegenen Fußgängerüberweg geleitet werden. Gleichzeitig sagt ihm die Stimme, wie breit die Strasse ist und was die Ampel anzeigt. Die Messung setzt einen Zebrastreifen voraus!

“Talking cane” fehlen Forschungsgelder

Ähnliche Forschungen, die die selbständige Orientierung im Straßenverkehr zum Ziel haben, gab es bereits mehrfach in der Vergangenheit. In den meisten Fällen wird der Blindenstock als Medium zum Aufspüren von Hindernissen eingesetzt. Dazu wird die Gehhilfe mit Laser- oder Ultraschall-Technik aufgerüstet. Das bekannteste Projekt ist der “talking cane”. Die Entwicklung startete 1994 in Schweden. 1999 wurde der “talking cane” zum Patent angemeldet. Seitdem ruht das Projekt. Auf Nachfrage beim Entwickler Sten Löfving, erfährt man, dass es Schwierigkeiten bei der Akzeptanz gab. Die Lösung sei zu technologielastig, so das Urteil der Blinden-Lehrer. Das Geld für erforderliche Modifikationen fehlt. So ist abzuwarten, wann wieder vom sprechenden Stock die Rede ist. Oder doch eher vom “electronic eye”?

Nachfrage bei serienreifen Laserstöcken gering

Auf der Suche nach serienreifen Produkten findet man auch Angebote imWeb. Beispielsweise den Vistac Laserlangstock, der in

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