Netz sucht Partner für chronisch Kranke

21. Januar 2005
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Pünktlich zum Jahreswechsel gibt es im Internet ein neues Partnersuchportal: PaPaSu.de will gezielt Freundschaften und Beziehungen für chronisch Kranke vermitteln, eine echte Versorgungslücke. Was es im Netz sonst noch so gibt in Sachen Partnersuche erfahren Sie hier. Der Frühling kann kommen...

Wer bei PaPaSu.de andockt, wird freundlich empfangen: Sonnenblumen lösen auch bei Dauersingles romantische Gefühle aus. Dass es gleich zwei sind, ist plausibel. Und dass der neue Nutzer der jüngsten Partnerbörse im deutschsprachigen Internet zwischen englisch und deutsch wählen darf, gibt dem ganzen schon einen ziemlich kosmopolitischen Anstrich.

Ich bin krank. Na und?

PaPaSu.de ist ein Partnersuchportal. Doch PaPaSu.de ist anders, woran das zweite “Pa” im Namen erinnert. PaPaSu steht für Patienten-Partner-Suche und ist die wahrscheinlich erste deutschsprachige Kontakt-Börse im Internet, die sich in erster Linie an chronisch Kranke richtet. Klar, es gibt die Seiten von speziellen Gruppen, die Startrampe für Querschnittsgelähmte zum Beispiel. Auch hier werden Partnerschaften angebahnt, Reisebegleitungen vermittelt, Freundschaften geschlossen oder Freizeitbegleiter gesucht. Doch bei PaPaSu.de ist das der Hauptzweck des Unterfangens. Es handelt sich um eine Kontaktbörse, wo Menschen, die durch eine chronische Erkrankung limitiert sind, das ohne Scheu angeben können, ohne Sorge, nur deswegen von vornherein aussortiert zu werden. Initiiert wurde PaPaSu.de von Jörg Brosig, der selbst seit 1991 an einem multiplen Myelom leidet und Mitbegründer der Selbsthilfegruppe Plasmozytom in Nordrhein Westfalen ist. Aus zahlreichen Begegnungen mit verzweifelten Kranken, für die die Partnerlosigkeit ähnlich belastend oder viel belastender war als die Krankheit selbst, entstand die Idee, die jetzt realisiert wurde. Weil der Bedarf da ist, stehen die Chancen gut, dass das Konzept aufgeht. Wenige Wochen nach dem Startschuss sind schon Dutzende Kontaktanzeigen von Vertretern beiderlei Geschlechts online. Und auch wenn das noch nicht genug sind, um mit guten Erfolgschancen weltweit nach neuen Partnern zu suchen – was als Pulldown-Menue vorgesehen ist -, so dürfte sich das Portal doch rasch rumsprechen.

Wenn Konkurrenten im Gleichschritt gehen…

Genauso wie die Macher von PaPaSu.de betonen, dass ihr Portal auch Gesunden offen stehe, so schließen herkömmliche Partnerportale natürlich auch Kranke und Behinderte nicht aus. Doch was für Menschen mit chronischen Leiden in der Wirklichkeit schon schwer ist, wird online oft nicht leichter. Die Partnersuche im deutschsprachigen Web wird dominiert von dem Großanbieter Parship.de, eine Art Amazon.de der Kontaktvermittlung. Nach eigenen Angaben sind dort im Moment knapp eine Million Suchende in der Datenbank. Davon sind sogar 52 Prozent weiblich. Der Platzhirsch ist nicht ganz billig: Für ein Halbjahresabonnement werden 179 Euro fällig. Dafür sollen die Erfolgschancen hoch sein, was die Parship-Macher auf das Persönlichkeitsprofil zurück führen, das jeder Abonnent zum Einstieg erstellt. Es soll dafür sorgen, dass nur zusammen kommt was zusammen gehört. Auch wo nicht Parship draufsteht, ist oft Parship drin: So vertrauen zahlreiche große Zeitungen ihre Partnersuchportale den Hamburger Kontaktmaklern an, die selbst zur Holtzbrink-Mediengruppe gehören. Auf Partnervermittlung von Parship setzt die Frankfurter Allgemeine Zeitung genauso wie die Süddeutsche, die Zeit genauso wie die Wirtschaftswoche und der Stern genauso wie Spiegel und Focus.

Baggern im Waschsalon ist megaout

Wem das nach Monopol klingt, der kann beruhigt sein: Die Partnersuche ist ein Riesenmarkt, den selbst Parship nicht alleine erschließen kann. So arbeiten eine Reihe regionaler Partnersuchportale mit den Konkurrenten Parbroker.de oder Neu.de zusammen, etwa die Sächsische Zeitung oder Berlin Online. Wie bei Parship gibt es hier jeweils eine kostenlose Basismitgliedschaft und eine kostenpflichtige Premiummitgliedschaft, die dann vollen Zugriff auf die Datenbanken gewährt. Zu den bekannten Scout24-Portalen gehört Friendscout24.de. Auch Yahoo! Dating? ist eine unabhängige Börse des bekannten Portals, anders als die Angebote der Konkurrenten Web.de und GMX, die wiederum Parship nutzen. Abreißen wird der Trend zu Singlebörsen so schnell nicht – eher im Gegenteil. Eine vor einiger Zeit (im Auftrag von Parship…) durchgeführte Umfrage der Agentur Innofact unter rund 1000 Internetnutzern ergab, dass immerhin 13 Prozent das Netz für den erfolgversprechendsten Ort halten, den Partner fürs Leben kennen zu lernen. Besonders schlecht schnitten dagegen das Fitnessstudio und der Waschsalon ab.

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