Blues in den Bäumen

11. Februar 2005
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Wenn es stimmt, dass der Mensch vom Affen abstammt, hat er uns dann auch psychische Krankheiten vererbt? Beispielsweise die Depression? Umgekehrt. Gibt es bei Monkeys tatsächlich Anzeichen für Depressionen, die z. B. auf sozialem Stress beruhen? Offensichtlich ja. In North Carolina observieren Forscher depressive Affen, um Erkenntnisse für Menschen zu sammeln.

Depressive Affen-Weibchen

Wissenschaftler der Wake Forest University, North Carolina hoffen, dass Affen neue Erkenntnisse zur Depression liefern. Die Aussichten sind viel versprechend. In Tierversuchen mit Monkeys fanden Sie heraus, dass Affen-Weibchen die gleichen Symptome bei depressiven Erkrankungen zeigen wie Frauen : Kontaktprobleme, Gewichtsabnahme, geringe Antriebskraft, hoher Pulsschlag, hormonelle Störungen.

Mehr Frauen als Männer mit depressiven Symptomen

Die Forscher konzentrieren sich ganz bewußt auf weibliche Tiere, um Frauen, die zu 66 Prozent häufiger als Männer unter Depression leiden, mit besseren Therapien zu helfen, so Carol Shively, Professorin der Pathology an der Wake Forest University. Die Arbeit und Erfahrung mit depressiven Patientinnen bestätigte ihr, dass die bisherigen Behandlungsmethoden nur partiell erfolgreich sind. Was Effektivität und Nebenwirkungen betreffen, seien außerdem unterschiedliche Ergebnisse bei Männern und Frauen evident. Die Forscher um Carol Shively hoffen, dass die Studie wichtige Erkenntnisse für neue Behandlungsmethoden liefern wird.

Sozial bedingter Affenstress

Für Carol Shively ist es der erste Tierversuch überhaupt, bei dem Affen-Weibchen mit Stress bedingter Depression beobachtet werden konnten. Monkeys als Studienobjekt eignen sich aus mehreren Gründen, so die Forscherin, um etwas über die menschliche Depression zu erfahren. Bei Frauen sei Niedergeschlagenheit auffällig häufig verbunden mit Menstruation, Schwangerschaft oder Menopause. Affen-Weibchen haben sehr ähnliche menstruale Zyklen. Probandinnen, die sozialem Stress ausgesetzt waren, hatten ferner eine vergleichbar eingeschränkte Ovarialfunktion. Außerdem sei erwiesen, dass die Gefahr, unter Depression zu leiden, bei Menschen mit geringer Bildung und geringem Einkommen größer ist, so Carol Shively. Einige der observierten Affen-Weibchen aus der “Unterschicht” hätten die gleiche Auffälligkeit gezeigt.

Hippokrates behandelte Melancholie

Das Syndrom der Depression wurde bereits von Hippokrates beschrieben. Allerdings gab er der Krankheit den unverfänglichen Namen Melancholie. Für Aristoteles gab es neben der krankhaften Melancholie auch eine postive Seite, die in der provakativen Frage gipfelte: Warum sind alle hervorragenden Männer, ob Philosophen, Staatsmänner, Dichter oder Künstler, offenbar Melancholiker gewesen? Dieser Gedanke sollte später die Genieästhetik des 18. und 19. Jahrhunderts stark beeinflussen. So leidet z. B. Goethes “junger Werther” an einer tiefen Verzweiflung, die ihn sogar in den Selbstmord treibt. Nach Erscheinen dieses Buches stieg die Zahl der Selbstmordversuche, so wird berichtet, signifikant an. Melancholisch zu sein, galt damals in intellektuellen Kreisen als chic. Auch Sigmund Freud beschreibt im Rahmen seiner psychoanalytischen Theorie die schmerzliche Verstimmung unter dem Begriff Melancholie. Erst in der Neuzeit setzt sich der Begriff Depression durch.

Vererbung spielt eine Rolle

Heute zählt die Depression, laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO, zu den am weitest verbreiteten Krankheiten. In Deutschland erwischt es fast jeden fünften im Laufe seines Lebens. Frauen und ältere Menschen stellen die Gruppe mit der größten Gefährdung dar. Betroffen sind in erheblichem Umfang erblich Belastete. Wie genetische Faktoren, familiäre Risikofaktoren und Umweltbedingungen zusammenwirken und das Risiko, an einer Depression zu erkranken, beeinflussen, darüber gab es bisher lediglich Vermutungen. Nun ist es einer Arbeitsgruppe von Dr.Alexander Neumeister, Associate Professor für Psychiatrie an der Yale University, gelungen, den pathophysiologischen Mechanismus in vivo darzustellen. Die Ergebnisse der Studie seien für die Therapie von depressiven Patienten besonders relevant, weil sie belegen, dass die Langzeittherapie für den Behandlungserfolg ausschlaggebend sei. Dr. Neumeister erhielt kürzlich für seine neurochemischen Arbeiten auf dem Gebiet des serotonergen Systems den Wyeth Forschungspreis.

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