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11. März 2005
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"Take Two Aspirins and E-Mail Me in the Morning", so die Anweisung des Hausarztes in einem Artikel der New York Times am 2. März 2005. Anlass des Beitrags: Die Zahl der US-Krankenkassen, die den Arzt für e-Mail-Visiten bezahlen, nimmt zu. Die "Gesundheitsreform" à la USA setzt auf digitale Kommunikation und reduziert so Kosten....

Online-Visite auf Krankenschein

US-Ärzte nutzen bereits seit mehreren Jahren die e-Mail zur Kommunikation mit Patienten – informell und unbezahlt. Patient Brian Settlemore aus California fragte kürzlich bei seinem Arzt per e-Mail an, ob er die Medikamenten-Dosis reduzieren kann, weil sein Cholesterin-Spiegel gesunken sei. Prompte Antwort vom Arzt: “Not yet”. Für ihn, wie für viele andere Amerikaner, bietet die Online-Ordination große Vorteile: Brian kann am Arbeitsplatz bleiben, hat dort Zugang zum Internet und spart sich so zeitraubende Anrufe, die viel Geduld in einer unbekannt großen Warte-Schlange abverlangen. Die US-Krankenkassen erkennen inzwischen die Vorteile und bezahlen deshalb den Ärzten die Online-Visite.

Krankenkassen zahlen zwischen 10 und 30$ pro Online-Kontakt

Krankenversicherungen, wie die kalifornische Blue Shield, entgelten die e-Mail-Konsultation in gleicher Höhe wie den persönlichen Hausbesuch. Die Anthem Blue Cross-Versicherung bezahlt ein bisschen mehr, nämlich $30 für jede Online-Visite. Andere wieder ein bisschen weniger. Seit letztem Monat testen Blue Shield und Blue Cross das Bezahlsystem mit New Yorker Ärzten an der Columbia University und den Weill Cornell Medical Centers. Die Umdenke passiert zu einer Zeit, wo die Kassen in USA verstärkt über mehr Behandlungseffizienz bei gleichzeitiger Kostenkontrolle nachdenken. Insgesamt gibt es zwar noch keine erkennbar einheitliche Regelung, aber die Zeichen stehen gut für die bezahlte Visite via e-Mail.

Von Ärzten und Patienten positiv aufgenommen

Amerikanische Ärzte wie Patienten zeigen sich von den Möglichkeiten der elektronischen Konsultation gleicherweise positiv angetan. Aus der Sicht der Mediziner bietet sich die Online-Kommunikation für Patienten mit chronischen Krankheiten wie Diabetes oder Asthma an, aber auch für die ambulante Behandlung nach einem Klinikaufenthalt. Der Vorteil ist, dass die Zahl der Anrufe sinkt und dafür mehr Zeit für den persönlichen Kontakt in der Arzt-Praxis bleibt. Patienten, die die moderne Form der Kommunikation mit dem Doktor begrüßen, sehen unter anderem als Vorteil, dass die Konversation auf ganz entspanntem Terrain statt finden kann. Auch die Ärzte stellten erstaunt fest, dass sie ganz intelligente Patienten haben, wenn man ihnen nur Zeit lässt ihre Symptome zu schildern.

Service-Provider als Health-Manager

Natürlich kann ein einzelner Arzt nicht allein die entsprechende technische Infrastruktur zur Verfügung stellen. In USA werden dafür Service Provider wie beispielsweise RelayHealth in Anspruch genommen. Sie bieten einen gesicherten Mail-Account, benutzerfreundliche Bedienung und einen monatlichen Report an die Kassen mit den Namen der Ärzte und Patienten. Der registrierte Benutzer kann bei RelayHealth seine ihn behandelnden Doktoren verwalten, Labor-Ergebnisse abfragen, Rezepte anfordern, dem Arzt eine kurze Mitteilung schicken, etc. Die Finanzierung wird u.a. von den Kassen getragen, wie beispielsweise von Blue Cross und Blue Shield, die auf diesem Sektor kooperieren. Welche Kosten der Patient bei Inanspruchnahme von RelayHealth übernehmen muss, ist unbekannt. Provider wie Epic berechnen 60$ pro Jahr.

Einsparungen für Unternehmen

US-Unternehmen versprechen sich von der Online-Visite eine Reduzierung der Arztbesuche während der Arbeitszeit. Aus diesem Grund sponsert der Netzwerkanbieter Cisco die Palo Alto Medical Foundation. An dem Projekt werden 500 Cisco-Mitarbeiter teilnehmen. Dabei soll heraus gefunden werden, in welchem Ausmaß die Abwesenheit der Mitarbeiter durch Online-Ordination verringert werden kann.

Deutschland forscht

Ähnliche Projekte werden in Deutschland beispielsweise von Professor Dr. Michael Nerlich Abteilung für Unfallchirurgie am Klinikum der Universität Regensburg begleitet. Bei dem EU-Projekt, citizen health system (CHS), wurde die Televisite zur Wundkontrolle getestet. Die Ergebnisse werden in Kürze auf der weltgrößten Tagung auf dem Gebiet der Telemedizin, der American Telemedicine Association in Denver, vorgestellt. In einer randomisiert kontrollierten Studie konnte der Nachweis erbracht werden, dass Televisiten zu einer besseren Betreuung bei gleichzeitiger Kostenreduzierung führen. Für die Studie wurden nicht e-Mails sondern GSM-Handys als technische Basis genutzt.

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