High Noon für Schluckspechte

18. März 2005
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Was das Runterschlucken von medizinischen Diagnosegeräten angeht, sind wir mittlerweile einiges gewohnt. Seit die Videokapselendoskopie ihren Siegeszug in der Dünndarmdiagnostik angetreten hat, wissen wir, dass es auch dann Sinn machen kann, eine immerhin 26 mal 11 Millimeter große Pille herunter zu würgen, wenn sie am Ende unbeschadet wieder rauskommt. Die US-amerikanische Firma Mini-Mitter schlägt jetzt vor, die ungebremste Bereitschaft von Menschen, Hi-Tech-Geräte zu verschlucken, auch fürs Fiebermessen zu nutzen.

Was das Runterschlucken von medizinischen Diagnosegeräten angeht, sind wir ja mittlerweile so einiges gewohnt. Seit die Videokapselendoskopie ihren Siegeszug in der Dünndarmdiagnostik angetreten hat, wissen wir, dass es auch dann Sinn machen kann, eine immerhin 26 mal 11 Millimeter große Pille herunter zu würgen, wenn sie am Ende unbeschadet wieder rauskommt. Die US-amerikanische Firma Mini-Mitter schlägt jetzt vor, die ungebremste Bereitschaft von Menschen, Hi-Tech-Geräte zu verschlucken, auch fürs Fiebermessen zu nutzen.

Der Soldat kriecht durch den Sand. Das Thermometer kriecht durch den Darm

Mit einer Größe von 23 mal 8,7 Millimetern ist die Kapsel JonahTM geringfügig leichter oral aufzunehmen als ihre Schwester aus der Endoskopie. Statt mit einer Kamera ist sie mit einem Temperatursensor ausgestattet, der auf seiner ein bis fünf Tage langen Reise durch die Eingeweide die jeweils aktuelle Körperkerntemperatur nach außen funkt. JonahTM ist Teil des umfangreicheren Monitoring-Systems VitalSense®. Die tragbare Monitoreinheit registriert auch dann noch Funksignale, wenn der Sender bis zu einem Meter entfernt ist. “Außer der Kapsel können zusätzlich auch kleine Pflaster als Sensoren verwendet werden, die die Temperatur an der Körperoberfläche registrieren”, so ein Sprecher von Mini-Mitter im Gespräch mit dem DocCheck Newsletter. Damit empfiehlt sich VitalSense® für die differenzierte Überwachung der Körpertemperatur in Extremsituationen. Tatsächlich sind außer Versuchstieren bisher vor allem US-Soldaten mit den Temperaturkapseln ausgestattet worden. “Ziel ist es, anhand der Körperwärme eine mögliche Überlastung früh zu erkennen, um den GI schonen zu können, bevor Probleme auftreten”, beschreibt der US-Verkaufsleiter von JonahTM die Intention. Andere Einsatzszenarien böten sich bei Menschen, die beruflich in heißem Umfeld mit Schutzanzügen arbeiten und bei denen deswegen die Gefahr einer Überhitzung besonders groß sei. Auch die ersten klinischen Studien laufen, und zwar mit Sepsispatienten. Eine FDA-Zulassung für den Einsatz am Patienten liegt vor. Ebenfalls im Gespräch sind Studien im Rahmen der postoperativen Überwachung. Die Rationale: Wer aufkeimende Infektionen früher erkennt, der kann auch früher intervenieren.

Brille an Brillenträger: Im Auge stimmt was nicht!

Neue Ideen zur Fernüberwachung von Körperfunktionen kommen auch aus Deutschland. Bereits seit Längerem wird am Karlsruher Institut für Technik der Informationsverarbeitung (ITIV) an einem problemlos waschbaren T-Shirt gearbeitet, in das die Elektroden eines Dreikanal-EKG integriert sind. Im Rahmen des Projekts Personal Health Monitoring wurde am ITIV außerdem ein kleines Blutdruckmessgerät entwickelt, das über die Fingerkuppe oder das Ohrläppchen gestülpt werden kann. Ebenfalls im Angebot ist demnächst ein Gerät, das an einer Brille befestigt wird und mit Hilfe von Laserlicht die Pulsationen des Augapfels misst. Damit sollen Menschen mit einem grünen Star rechtzeitig gewarnt werden, wenn ihr Augeninnendruck anzusteigen droht.

Antwort auf das Methusalem-Problem

Den letzten Schrei in Sachen Monitoring freilich brachte die Computermesse CEBIT. Smarter Wohnen ist der Titel eines Vorhabens, das vom Fraunhofer ISST zusammen mit dem Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen (ztg) und dem Wohnungsbauunternehmen Hattinger Wohnstätten initiiert wurde. In dem auf zwei Jahre konzipierten Projekt werden 500 Wohneinheiten in einem zur Modernisierung anstehenden Wohngebiet in der Hattinger Südstadt so renoviert, dass sie es älteren oder behinderten Bewohnern ermöglichen, weiter in den eigenen vier Wänden zu bleiben. “Ziel ist es, die Mieter auch im Alter in den Häusern zu halten”; so ISST-Mitarbeiter Lothar Schöpe über die Intention der Immobilienfirma. Erreicht werden soll das mit Taschencomputern und großflächigen Monitoren, die es den Bewohnern erlauben, die Wohnung fernzusteuern. So sollen Steckdosen, Elektrogeräte, Fenster, Türen und Rollläden in der ganzen Wohnung quasi vom Sessel aus bedient werden können. Der Monitor verschafft aber auch Zugriff auf individuell wählbare Gesundheitsdienstleistungen sowie gegebenenfalls auf Betreuungspersonen, die sich bei Problemen per Videolink live in die Wohnung schalten können. Zu den denkbaren Dienstleistungen gehört das Monitoring von Vitalwerten und die telemetrische Sturzüberwachung, Aufgaben, die zum Beispiel von Pflegediensten übernommen werden könnten. Aber auch ein Medikamentenmodul ist vorgesehen, das an die Einnahme von Tabletten erinnert und leere Packungen automatisch nachbestellt. Trautes Heim, Glück allein.

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