Leitbild: Weichenstellung auf dem Apothekengleis

17. Januar 2014
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Das zentrale Thema in 2014: Brauchen Apotheker ein Leitbild und – falls ja – welche Schwerpunkte sollen damit verfolgt werden? Von einem Konsens sind alle Beteiligten noch meilenweit entfernt. Doch der Zug könnte bald abgefahren sein. Es ist an der Zeit, schnell aufzuspringen.

Seit das Thema Leitbild beim letzten Apothekertag von Kollegen diskutiert worden ist, gibt es mehr Fragen als Antworten: Welche Zielsetzung soll eigentlich verfolgt werden? Geht es eher um Tätigkeitsschwerpunkte der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände oder um neue Aufgabenfelder öffentlicher Apotheken? Und wie schnell ist mit einem konsensfähigen Entwurf zu rechnen?

Fahrplan gesucht

Stein des neuerlichen Anstoßes war ein Weihnachtsschreiben von Jens Dobbert, seines Zeichens Präsident der Landesapothekerkammer Brandenburg. Er kritisierte zunächst die ablehnende Haltung der ABDA-Mitgliederversammlung zu Anträgen seiner LAK. Zeitgleich forderte Dobbert alle Kollegen auf, sich aktiv an der Leitbilddiskussion zu beteiligen. Das wiederum rief BasisApotheker-WL um Gunnar Müller, Detmold, auf den Plan. Sie forderten von der westfälisch-lippischen Kammerpräsidentin Gabriele Overwiening umgehend einen Fahrplan in Richtung Leitbild. Sie lädt bereits am 27. Januar zu einer Infoveranstaltung mit ABDA-Chef Friedemann Schmidt ein.

Partner auf Augenhöhe

Schmidt selbst hatte in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bereits wichtige Meilensteine formuliert. Neue Dienstleistungen existieren momentan lediglich als frommer Wunsch. Und so fordert der ABDA-Präsident von Delegierten des Apothekertags „Mut zur Verantwortung und Haftung“ und „Mut, eingefahrene Gleise zu verlassen“. Für ihn sind neben Patienten Ärzte eine wichtige Zielgruppe. Pharmazeuten punkten laut Schmidt nicht nur mit ihrem Wissen, sondern – im Gegensatz zu Praxen – mit neuester Software, um Unverträglichkeiten und Wechselwirkungen aufzuspüren. Er stellt fest, junge Heilberufler unterschiedlicher Profession würden sich bereits heute stärker vernetzen als noch vor einer Generation. Hinzu kommt, dass Arzneimittel des Bestandsmarkts nicht mehr hinsichtlich ihres Nutzens überprüft werden – ein weiteres Betätigungsfeld, um Ärzte zu beraten. Doch ganz so rosig sieht die Sache nicht aus. Beide Seiten sind von einer Partnerschaft auf Augenhöhe weit entfernt.

Auf zu neuen Ufern

So laborieren Ärzte und Apotheker seit mehr als zwei Jahren am Zukunftskonzept Arzneimittelversorgung, besser bekannt als ABDA-KBV-Modell, herum, sehr zum Ärger der Gesundheitspolitik. Medizinern gefiel es gar nicht, plötzlich nur noch Wirkstoffe inklusive Dosierung und Therapiedauer aufzuschreiben, die eigentliche Präparatewahl aber in pharmazeutische Hände zu legen. Immerhin startet nach langem Tauziehen jetzt das Modellprojekt „ARMIN“ (Arzneimittelinitiative Sachsen/Thüringen). Interessierte Apotheker und Ärzte können sich dafür einschreiben. Inhaltlich beginnt ARMIN mit den Modulen Wirkstoffverordnung und Medikationskatalog – ein Medikationsmanagement soll Mitte des Jahres folgen. Am Interesse der Apothekerschaft zweifelt niemand. Laut einer aktuellen Umfrage des Kölner Instituts für Handelsforschung wollen sich Inhaber noch stärker auf heilberufliche Leistungen fokussieren und von Konkurrenten abgrenzen. Wichtig ist, für Kunden einen sichtbaren, apothekenexklusiven Mehrwert zu schaffen. Als wichtiges Thema nannten mehr als 80 Prozent aller Befragten Angebote in Richtung Prävention.

Rollenverständnis abhanden gekommen

Björn Kersting, ein Kollege der Basis aus Leipzig, gibt sich damit nicht zufrieden. In einem offenen Brief an Friedemann Schmidt stellt er die Frage, warum eine Leitbilddiskussion überhaupt erforderlich sei. „Unser Beruf entstammt dem Edikt von Salerno und wurde in modernen Worten gesprochen als Verbraucherschützer für den Patienten und als Kontrollinstanz vom Arzt geschaffen. Dieses Rollenverständnis scheint leider abhandengekommen zu sein, geschweige denn der Bevölkerung vermittelt.“ Darin läge die Aufgabe der ABDA und der nun engagierten Kommunikationsagentur Cyrano. Kersting weiter: „Denn so zu arbeiten, wie Sie und die ABDA es sich für 2030 wünschen, kann man schon heute – wenn man will!“ Dazu gehört für den Kollegen, nicht nach Margen zu empfehlen, sondern nach bestem Wissen und Gewissen. „Doch ich habe nicht die Größe, um auf Dauer allein zu überleben, denn der Prozess der Teilhabe weniger am System – unterstützt von der ABDA – ist weiter im Gange“, sagt Kersting. Für ihn zeigt sich das beilspielhaft an kleinen Centerapothekern mit starker OTC-Lastigkeit, aber geringem Rx-Anteil, die aufgrund gesetzlicher und ökonomischer Rahmenbedingungen kaum noch Chancen hätten.

Online mit dabei

Diese Aspekte verdeutlichen, wie wichtig es ist, Kollegen mit unterschiedlichen beruflichen Schwerpunkten einzubinden und deren Meinungen zu berücksichtigen. Deshalb will die ABDA Eckpunkte ihres Leitbildentwurfs vom 1. bis zum 20. Februar online diskutieren. Bleibt zu hoffen, dass Inhaber und angestellte Apotheker gleichermaßen einen Zugang erhalten, um ihr Feedback abzugeben.

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4 Kommentare:

Apotheker

Die gesellschaftlich wichtige Leistung der Apotheke lässt sich als Verbraucherschützende Umsicht beschreiben.Dies betrifft die fachkundige Verknüpfung verschiedenster Variablen,Dies leistet bisher kein Computer.Dies schliesst die Rezeptkontrolle und Erfüllung ausgelagerter Krankenkassenaufgaben sowie die Behandlung “kleiner” Erkrankungen ein.Gemeinsames Merkmal ist wenig spektakuläres Handeln im Hintergrund.Diese preiswürdige Tätigkeit unterliegt wirtschaftlichem Druck, der zur
heutigen Präsenz mit allen Auswüchsen führt.Apotheker sind staatlich forciert und standespolitisch gefördert der Selektion nach
Grösse unterworfen.Dieser Strategie sind nur wenige gewachsen.

Zynisch fragt die Politik nach sichtbaren Handlungen, während sie
den Strick zuzieht.Sie hat die Schwäche der heterogenen Interessen
und fehlenden Führung erkannt und handelt danach.Und die Standesführung verzichtet auf jede klare Position.Sie war politisch nicht zu orten.Machtmissbrauch der Kassen durfte Blüten treiben.
Die Folge ist Vertrauensverlust im Kassenauftrag.

Die Fehlanreize und Machtmissbrauch gehören auf den Prüfstand.Nicht nur ferne Zukunftsleistungen sind zielführend, sondern Anerkennung der heutigen Leistung und Ermöglichung solider Tagesarbeit.Ohne wirtschaftliche Basis gibt es keine unabhängige Beratung.

Das Ergebnis ist,dass ohne Anerkennen der unauffälligen Basisarbeit
eine Diskussion über das Leitbild ohne Situationsanalyse den
Charakter von Verschiebung der heutigen Problematik hat.

#4 |
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Selbstst. Apothekerin

Apotheker sind leider vom Akademiker zum Kraemer verkommen durch eigenes Verschulden.
Sie lassen sich von Ärzten und von Kunden gleichermaßen ausnutzen und zeigen kein Rückgrat .Sie stellen ihr Licht unter den Scheffel, statt selbstbewusst zu zeigen, was sie tatsächlich können.

#3 |
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JUERGEN DREISCH
JUERGEN DREISCH

Wenn man in sogenannte zeitgemässe moderne Apotheken blickt,fällt es in der Tat schwer zwischen BILLIGWÜHLTISCHEN,kostenlosen Zeitschriften,Give AWAYS jeglicher Art,Flyern,alten Talern und mannigfaltigem Drogerie Markt Sortiment noch auf die Schnelle ein neues Leitbild zu finden,wenn man das alte schon in den 80er Jahren verlegt hat und nun nicht mehr findet oder gab es da gar keins ? Um auf Augenhöhe mit der Ärzteschaft zu kommen ist es etwa 40 Jahre zu spät ,da sich unsere” Kundenberatung” dahingehend abspielt,ob sich links auf dem Kästchen ein Kreuz oder keins und wenn ja ein maschinelles oder handschriftliches befindet,ob der Arzt bei gewissen Packungsgrössen ein oder vielleicht sogar 2 Ausrufezeichen gemacht hat,warum die Packung jetzt blau/gelb und flach und nicht mehr rot und grösser ist,ob der Arzt wirklich das Gewünschte nicht mehr verschreiben darf ünd warum der andere Arzt es verschreibt,aber plötzlich auf grünem Rezept (ich bin doch kein PRIVATPATIENT,Herr Apotheker?)ünd und und ….aber am erfreulichsten ist es dann,wenn man doch noch zur pharmazeutischen Beratung gelangt ist und der Patient nun schon sehr ungeduldig geworden ,kund tut keine zeit mehr zu haben,weil er /sie noch Zigaretten kaufen muss !

#2 |
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Christopher Kunzer
Christopher Kunzer

Ist ja alles schön und gut und edel, nur wo bekomme ich Fachpersonal her oder soll ich jetzt 70 Stunden pro Woche arbeiten.
Bevor ich diese Leitlinie erfüllen kann bedarf ich Personal, das ich auch bereit wäre einzustellen und zu bezahlen.Aber es gibt kein geeignetes Personal, dank einer völlig verfehlten Ausbildungspolitik.Die private PTA Ausbildung kostet so viel, dass es eigentlich nur eine Überbrückungshilfe für die studienwilligen Kinder meiner Kollegen ist.Apotheker 70% Frauenanteil, da haben wir ein natürliches Problem 8(Schwangerschaften).Bevor die ABDA Leitlinien entwirft wüsste ich gerne mit welchem Personal ich diese erfüllen soll.
Mein momentan vorhandenes Personal ist mit QMS;Rezepturen,Hygiäneplänen usw. leider schon ausgelastet.

#1 |
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