Statine: Zahmer als gedacht

17. Januar 2014
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Große Aufregung herrschte nach Berichten der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA): Pharmakologen bescheinigten Statinen ein breites Spektrum an Nebenwirkungen bis hin zu kognitiven Defekten. Neue Veröffentlichungen relativieren die Sachlage.

In Deutschland erhielten 2012 laut Arzneiverordnungsreport etwa 4,5 Millionen Patienten Statine. Die Wirkstoffe gehören mit zu den am häufigsten verordneten Präparaten. Grund genug, ihr Risikoprofil gründlich unter die Lupe zu nehmen.

Vielfältige Nebenwirkungen

Nach entsprechenden Meldungen aus der Praxis hat die FDA vor einem Jahr angekündigt, Sicherheitsweise bei Statinen zu verschärfen. Davon sind Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin, Pitavastatin, Pravastatin, Rosuvastatin und Simvastatin betroffen. Möglicherweise erhöhen die Arzneistoffe das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Hinzu kommen in Einzelfällen schwere Leberschäden. Ärzte der amerikanischen Behörde raten deshalb, Leberenzyme vor Therapiebeginn zu untersuchen. Als weitere unerwünschte Wirkungen kommen Gedächtnisverlust und Verwirrung noch hinzu – wenn auch selten. „Diese neuen Informationen sollten Menschen nicht abschrecken, Statine einzunehmen“, sagt Amy G. Egan von der FDA-Abteilung für Stoffwechsel- und Endokrinologie-Produkte. „Ihr Nutzen ist unbestritten, aber sie müssen mit Sorgfalt und Beachtung ihrer Nebenwirkungen eingenommen werden.“

Entwarnung aus der Wissenschaft

Zumindest in einem Punkt gibt eine Forschergruppe um Karl Richardson und Marisa Schoen, Philadelphia, jetzt Entwarnung: Im Rahmen eines systematischen Reviews konnten sie Nebenwirkungen wie Gedächtnisverluste oder Verwirrungszustände nicht bestätigen. Sie fanden nur geringe Evidenzen für den Zusammenhang mit erhöhten Alzheimer-Risiken und mittlere Evidenzen für das Risiko, andere Demenzformen zu entwickeln. Allerdings kritisieren Richardson und Schoen, dass keine Daten aus randomisierten, kontrollierten Studien mit großen Teilnehmerzahlen vorlägen. Das wird auch kaum geschehen, schließlich gibt es viele Wirkstoffe bereits als Generika. Kein pharmazeutischer Hersteller dürfte allzu große Interessen haben, hier aktiv zu werden.

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1 Kommentar:

Apotheker Manfred Lothar Dietwald
Apotheker Manfred Lothar Dietwald

Höchste Zeit daran zu denken, weil
in den ersten 10 Monaten in 2013 in Deutschland 1265 Generika zugelassen wurden,
die 15 Einzelwirkstoffe und 3 Wirkstoffkombinationen enthielten,
die von 35 Herstellern stammen (Marktforschungsinstitut IMS)
Bei einem Verordnungsgrad von 67% sollen 10,08 Mrd. EUR ersparbar sein, die
der Forschung und Studien fehlen, um langfristig Unkosten zu sparen.

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