eGK: Apotheker in der Retaxfalle

17. Januar 2014
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Seit 1. Januar ist es soweit: Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) ersetzt alte Versichertenkarten. Zwar sind digitale Rezepte noch Zukunftsmusik. Inhabern drohen aber möglicherweise Retaxationen.

Derzeit haben rund 67 Millionen gesetzlich Versicherte eine neue eGK – das sind etwa 95 Prozent. Und die restlichen fünf Prozent? „Wir wollen jedoch nicht, dass Personen, die aus welchem Grund auch immer nach dem Jahreswechsel lediglich über eine alte Krankenversichertenkarte verfügen, bei der Behandlung in der Arztpraxis ein Problem bekommen“ sagt Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbandes. Vielmehr habe man sich mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung darauf verständigt, dass Ärzte vorübergehend alte Versichertenkarte akzeptieren und Leistungen mit den Krankenkassen abrechnen können. Vereinbarungen zwischen dem GKV-Spitzenverband und dem Deutschen Apothekerverband (DAV) gibt es aber nicht zu dieser Problematik.

Erstattung durch die Kassen fraglich

Deshalb waren Apotheker wenig erstaunt, als die DAK online berichtete: „Besonders problematisch kann das Ausstellen einer Verordnung (z.B. Rezept) sein, denn hier hilft selbst der nachträgliche Nachweis des Versicherungsschutzes in der Regel nicht weiter. Der Arzt kann eine private Verordnung ausstellen, die in der Regel auch sofort eingelöst wird. Auch hier gilt: Eine Erstattung durch die Kassen erfolgt nicht, hierfür besteht keine Basis.“ Grund genug für den Hamburger Apothekerverein, Kollegen zu warnen, Muster-16-Verordnungen mit alter Krankenversichertennummer ab sofort nur noch gegen sofortige Bezahlung zu bedienen.

Keine Prüfpflicht

Droht Inhabern bald eine neuerliche Retaxwelle? Das sieht der DAV anders. In einem Schreiben heißt es, nach der vorliegenden Auffassung träfe Apotheker keine Prüfpflicht. Beanstandungsmöglichkeiten seitens der Krankenkassen seien „auch bei Abgabe von Arzneimitteln auf Basis der alten Versicherungskarte aufgrund der fehlenden Obliegenheit zur Prüfung nicht erkennbar“. Trotzdem will der DAV mit dem Verband der Ersatzkassen sprechen, um einheitliche Verfahrensweise sicherzustellen. Entgegen ersten Drohungen gab die DAK jetzt bekannt, bis März keine Retaxationen aufgrund der eGK durchzufühen. Bleibt abzuwarten, ob andere Krankenkassen diesem Beispiel folgen.

16 Wertungen (4.31 ø)

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2 Kommentare:

Apothekerin

Bürokratie ad absurdum – der/die Apotheker/in als willige(r) Ausführungskraft der GKV.
Leute – geht´s noch??
Ich habe genug von Rabattverträgen, von individuellen Hilfsmittelausschreibungen, von Hilfstaxe Anhang xy, von Restriktionen, Retaxationen, Revisionen. Ich bin in erster Linie für die “ordnungsgemäße Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimittel” beauftragt und nicht mit der Kontrolle der Rezepte auf eGK – Format. Wer schiebt hier wem die Verantwortung in die Schuhe? Es ist die Aufgabe der Mitglieder des GKV – Bundesverbandes ihre Versicherten rechtzeitig mit der neuen Karte zu beliefern. Und wenn Lieschen Müller nun mal keine Möglichkeit zum Selbstporträt hat, sorry dann muss sich die betreffende Krankenkasse darum kümmern. Genauso wie ein Arzt einem Patienten keine Hilfe verweigern darf / kann, genauso sehe ich in diesem Falle die GKV in der Pflicht sich um ihre Versicherten zu bemühen. Das Konzept der eGK ist ja nun nicht erst an Weihnachten vom Himmel gefallen, sondern ist bereits seit 2009 gesetzlich verankert.
Denn genau das machen Apotheker jeden Tag in der Praxis – sie KÜMMERN sich um ihre Kunden!!!
Ein schönes Wochenende

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Apotheker Manfred Lothar Dietwald
Apotheker Manfred Lothar Dietwald

Mittlerweile propagiert die AOK die Einfachheit – nach ihren Anweisungen- einer digitalen Übermittlung des Passfotos oder Selbstphotographie. Denn seit es nicht mehr in jeder Kleinstadt eine AOK-Niederlassung gibt, tun sich offenbar Patienten und Versicherungsnehmer schwer mit der bürokratischen Ausweisbildbeschaffung und -Weiterleitung.

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