Wer nicht hören kann …

29. April 2005
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Rom, 24. 4. 2005: Die Festmesse zum Antritt des Pontifikates von Benedikt XVI sollte, so wurde nicht nur von der katholischen Hörgeschädigtenseelsorge gefordert, im Fernsehen mit Videotext-Untertitelung ausgestrahlt werden. Das ZDF ist bemüht, so die Antwort im Vorfeld, die Sendung zu untertiteln - versprechen könnten sie es nicht. Letztendlich hat es geklappt.......

Wer nicht oder nur schlecht hört, ist stark benachteiligt bei Veranstaltungen in öffentlichen Räumen wie Kino, Museum, Spielcasino, Schule, Kirche oder Fußballstadion. Bei historisch oder politisch wichtigen Ereignissen bleibt für Hörgeschädigte das Fernsehen zumeist stumm und der Politiker auf der Wahlveranstaltung ohne Stimme. Eine Teilnahme am öffentlichen Leben ist für Gehörlose weitestgehend nur mit Gebärdensprache, mit der Hörende das Gesprochene übersetzen, möglich. Wissenschaftler des Georgia Tech Research Institute (GTRI) haben nun ein System vorgestellt, das die Situation von tauben und schwerhörigen Menschen nachhaltig im öffentlichen Leben verbessern könnte: ein tragbares Untertitel-System.

Sonntagspredigt mit Untertiteln

Das neu entwickelte System basiert auf einer mobilen, drahtlosen Technologie. Es erlaubt dem Träger, Informationen, wie beispielsweise die Sonntagspredigt im Gotteshaus, als Untertitel gesendet zu bekommen. Voraussetzung ist, dass die Untertitel vom Veranstalter generiert werden, was laut Aussage der Forscher des GTRI sehr einfach sein soll. Da das System multiple Textströme senden kann, könnte es auch für Übersetzungen in andere Sprachen genutzt werden. Außerdem wäre es möglich, gewünschte Zusatzinformationen, beispielsweise auf dem Fußballplatz die Ergebnisse der anderen Spiele, gezielt abzurufen.

WLAN als Transmitter von Untertiteln

Das System aus Georgia sendet die Untertitel via WLAN (Wireless Local Area Network) mit dem Standardprotokoll für drahtlose Netze beispielsweise an einen Personal Digital Assistant (PDA) mit Display. Die Wireless Technologie gehört schon heute in den USA zum Standard vieler öffentlicher Einrichtungen wie Baseball-Stadien, Coffeeshops, Restaurants, aber auch Geschäftsvierteln und wartet eigentlich nur darauf, auch von Gehörgeschädigten genutzt werden zu können.

Investitionen contra Nachfragepotential

Die GTRI-Forscher stellen sich vor, dass Receiver und/oder Display von den Veranstaltern an die gehörgeschädigten Besucher ausgeliehen werden. Bei 28 Millionen gehörlosen Amerikanern könnte sich das für einige Anbieter rechnen. Ansonsten ist zu befürchten, dass die hohen Investitionen wegen zu geringem Nachfragepotential abschreckend wirken. Es sei denn, dass sich ein Mehrwert für alle Besucher generieren lässt. Beispielsweise abrufbare Hintergrundinformationen zu Baseballspielern.

Cinema-Sitze mit Mini-Displays

Bisher werden Untertitel lediglich von einer limitierten Zahl von Filmtheatern in den USA angeboten. Das häufig genutzte „Cinema Subtitling System“ wurde von der US-Firma Digital Theatre System entwickelt. Die Company wurde 1993 in Zusammenhang mit Steven Spielbergs

Stammzellen zur Zurückgewinnung des Hörvermögens

Die Entwicklung der GRTI-Forscher, speziell die Software, soll nun von Peacock Communications Inc. zunächst in den USA und später in Kanada und Westeuropa vermarktet werden. Noch interessanter für Gehörgeschädigte bleibt natürlich die Zurückgewinnung des Hörvermögens. Forscher an der Indiana University (IU) vermeldeten kürzlich, dass sie einen Schritt weiter gekommen sind bei der Behandlung von Gehörlosen mit Stammzellen. Die IU-Gruppe nutzt für ihr Forschungsprojekt adultes Knochenmark, aus dem Zellen im Labor gebildet werden, die für das Ohr charakteristische sensorische Neuronen enthalten.

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