Elefantentreffen im Klinikmarkt

20. Mai 2005
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Vorhang auf für einen der ersten großen Deals auf dem neuen deutschen eHealth-Markt. Durch einen Vertrag mit der Klinikkette Asklepios haben sich mit Microsoft und Intel zwei internationale IT-Schwergewichte in den deutschen Gesundheitsmarkt eingekauft. Ziel ist eine bundesweite eHealth-Plattform, die auch niedergelassene Ärzte einbinden soll.

Nur wenige konnten sich die Veränderungen, die das deutsche Gesundheitswesen unter dem Schlagwort Telematik heimsuchen werden, bisher so richtig vorstellen. Die Kassenärztlichen Vereinigungen tun alles, um so tun, als ändere sich wenig. Der niedergelassene Arzt bekommt bei der Telematik à la KBV eine neue Box in die Praxis gestellt, schließt einen Vertrag mit einem zertifizierten Anbieter einer Komplettlösung ab und schickt seine elektronischen Rezepte brav über einen KV-kontrollierten Knoten ins Netz.

Auf dem Weg in eine bunte Telematiklandschaft?

Das ist die eine Variante, die sicherlich in Teilen ihre volle Berechtigung hat. Doch zu glauben, den Netzzugang pauschal einengen zu können, verkennt die politischen Intentionen hinter der Telematik und die sich bereits abzeichnende Dynamik der neuen Kooperationsformen. Mehr Flexibilität ist gewollt und wird sich kaum verhindern lassen. Was, um nur ein Beispiel zu nennen, wenn Kliniken den Ärzten, mit denen sie eng zusammen arbeiten, den Netzzugang zu günstigeren Konditionen ermöglichen als die KV? Ein niedergelassener Arzt wird kaum zwei Providerverträge abschließen wollen, und er wird auch nicht den teureren nehmen wollen, wenn ein anderer die Hälfte kostet. Probleme dieser Art sind derzeit noch Zukunftsmusik, solange die Telematikbetriebsgesellschaft der Selbstverwaltung (gematik GmbH) weiter über der Lösungsarchitektur für die elektronische Gesundheitskarte brütet. Andere allerdings wollen nicht so lange warten, namentlich die Klinikkette Asklepios. Deren kürzlich publik gemachter Kooperationsvertrag mit den beiden IT-Größen Microsoft und Intel für den Aufbau einer eHealth-Plattform sorgte für ein vernehmbares Raunen in der deutschen Telematikszene – ein Raunen, das längst noch nicht abgeklungen ist.

Durch ein Einweiserportal bleibt der Arzt bei seinen Patienten am Ball

Der Grund ist klar: Es geht eben nicht nur um ein EDV-System für irgendeine Klinik oder Klinikkette. Was Asklepios, Microsoft und Intel realisieren wollen, ist eine bundesweite eHealth-Plattform, die nicht nur die Vernetzung der Kliniken untereinander verbessert, sondern die ganz gezielt auch niedergelassene Ärzte ansprechen will. Das Herz des Systems ist ein Einweiserportal, über das Ärzte nicht nur Patienten einweisen, sondern auch den jeweiligen Behandlungsverlauf ihrer Patienten anhand von Befunden und Arztbriefen verfolgen können. Es soll zudem eine Feedbackmöglichkeit geschaffen werden, die es den Ärzten ermöglicht, Kommentare oder Ergänzungen anzufügen. Die werden dann den behandelnden Ärzten auf Station direkt übermittelt. Technisch steckt hinter dem Portal die von Microsoft und Intel gemeinsam entwickelte eHealth Interoperability Platform, kurz eH.I.P.. Sie soll alle Anforderungen der Lösungs- und Sicherheitsarchitektur der künftigen Telematikinfrastruktur erfüllen, wie ein Sprecher von Microsoft auf einer Veranstaltung im April in Hamburg versicherte. Nun ist ein Einweiserportal für niedergelassene Ärzte sicherlich attraktiv. Politisch interessant wird das Asklepios-Projekt aber vor allem durch das, was noch folgen könnte. Uwe Pöttgen, der Leiter Informationstechnologie der Asklepios-Kliniken, machte dazu in Hamburg erste Andeutungen. So sei vorgesehen, aufbauend auf Microsofts .NET-Technologie gemeinsam neue Anwendungen zu entwickeln, und zwar nicht nur für den klinikinternen Gebrauch: „Wir werden in Zukunft auch IT-Dienste für unsere Partner in der Gesundheitsbranche anbieten“, so Pöttgen. So sind beispielsweise spezielle DSL-Zugänge zum Branchennetz (=Telematikinfrastruktur) für niedergelassene Ärzte und Pflegedienste geplant, wenn diese im Gegenzug an der integrierten Gesundheitsversorgung der Asklepios-Kliniken teilnehmen. Was teuer klingt, kann sich für die Klinik durchaus rechnen: In Süddeutschland hat eine Klinik für Herzchirurgie vor zwei Jahren sämtliche Zuweiser mit IT ausgestattet, um sie an sich zu binden. Bis derartige Modelle auch für die elektronische Gesundheitskarte auftauchen würden, war es nur eine Frage der Zeit.

Auch die Konkurrenz schläft nicht…

Der Microsoft-Deal erregte auch deswegen Aufmerksamkeit, weil die Firma bisher nicht in größerem Umfang mit eHealth-Aktivitäten von sich reden gemacht hat. Ganz offensichtlich versucht sich hier ein neuer, mächtiger Player auf dem jungen Markt zu etablieren. Dass die Konkurrenz auch nicht schläft, war unter anderem auf der Frankfurter Messe für IT im Gesundheitswesen (ITeG) zu sehen. Mit SAP und Siemens kündigten dort zwei weitere Schwergewichte eine umfassende Zusammenarbeit im Gesundheitsmarkt an. SAP stellt dabei mit NetWeaver die Integrationsplattform, während Siemens mit Soarian die elektronische Akte liefert, die ebenfalls für den einrichtungsübergreifenden Einsatz konzipiert ist. Auch IBM will da nicht zurückstehen: Mit der Firma Healthlink hat sich das Unternehmen gerade einen der führenden IT-Dienstleister im Gesundheitswesen der USA einverleibt – für einen dreistelligen Millionenbetrag.

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