Schutzschalter gegen Diabetes

27. Mai 2005
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Göttinger Forscher machen Typ I-Diabetikern Hoffnung: Ein neu entdecktes Gen soll die körpereigene Insulinproduktion wieder in Gang bringen. Mit Hilfe des Gens werden Stammzellen dazu animiert, sich in insulinproduzierende ß-Zellen umzuwandeln. Einschalten genügt...

Dank einer Göttinger Entwicklung sollen sich die Aussichten für Diabetes-Typ-1 Patienten schon bald erheblich bessern. Die vom heutigen Präsidenten der Max Planck Gesellschaft. Peter Gruss, im Jahr 1997 als Ausgründung des Max Planck Instituts für biophysikalische Chemie (Göttingen) ins Leben gerufene Develogen AG hält nach eigenen Angaben zwei vielversprechende Wirkstoffe gegen die Erkrankung in der Forschungspipeline – und könnte damit nach Abschluss der klinischen Prüfungen im Erfolgsfall einen echten Coup auf dem Pharmamarkt landen.

Insulin-Kollaps

Die Göttinger Forscher setzen bei der Behandlung der Krankheit erstmals da an, wo das Übel entsteht: in den kranken Zellen. Tatsächlich führt bei Typ-1-Diabetikern ein sogenannter Autoimmunfehler zum großen Insulin-Kollaps: Der Organismus sieht seine eigenen insulinproduzierenden ß-Zellen als fremde Eindringlinge an und zerstört diese mit Hilfe von Killerzellen. Warum es zu dieser sogenannten Autoimmunreaktion kommen kann, ist bislang unbekannt. Fest steht nur, dass die vernichteten ß-Zellen sich unter normalen Umständen nicht mehr regenerieren. Dadurch sind die Patienten, deren Körper kein eigenes Insulin mehr herstellen kann, lebenslang auf die tägliche Zufuhr mittels Spritze oder Spray angewiesen.

Einschalten genügt

Die Göttinger Forscher entdeckten nun ein Gen, das im Tierversuch die in der Bauchspeicheldrüse vorkommenden Stammzellen zu einer wahren Wunderleistung animiert. Diese verwandeln sich nach „Einschalten“ des sogenannten PAX-4 Gens in die lebenswichtigen ß-Zellen. In Versuchen mit Mäusen beobachteten die Wissenschaftler „eine beachtliche Regenerationsrate der ß-Zellen“, wie Cord Dohrmann, wissenschaftlicher Leiter bei Develogen, erläutert. Um das spezielle Gen „anzuknipsen“, bedarf es allerdings eines Tricks. Erst die Gabe „kleiner Moleküle“, bringt über einen hoch komplexen Mechanismus die Erbsubstanz der Stammzellen dazu, die Metamorphose in insulinproduzierende ß-Zellen zu vollziehen. Dass auf diese Weise ganz nebenbei ethische Probleme umgangen werden – im Vergleich zu anderen Stammzelltherapien werden lediglich körpereigene Zellen im Inneren des Organismus direkt aktiviert – hält Dohrmann für einen nützlichen Nebeneffekt. „In erster Linie war uns daran gelegen, eine auch im Alltag praktikable Therapie zu entwickeln“, erklärt der Diabetes-Fachmann. Die Göttinger Forscher entdeckten nun ein Gen, das im Tierversuch die in der Bauchspeicheldrüse vorkommenden Stammzellen zu einer wahren Wunderleistung animiert. Diese verwandeln sich nach „Einschalten“ des sogenannten PAX-4 Gens in die lebenswichtigen ß-Zellen. In Versuchen mit Mäusen beobachteten die Wissenschaftler „eine beachtliche Regenerationsrate der ß-Zellen“, wie Cord Dohrmann, wissenschaftlicher Leiter bei Develogen, erläutert. Um das spezielle Gen „anzuknipsen“, bedarf es allerdings eines Tricks. Erst die Gabe „kleiner Moleküle“, bringt über einen hoch komplexen Mechanismus die Erbsubstanz der Stammzellen dazu, die Metamorphose in insulinproduzierende ß-Zellen zu vollziehen. Dass auf diese Weise ganz nebenbei ethische Probleme umgangen werden – im Vergleich zu anderen Stammzelltherapien werden lediglich körpereigene Zellen im Inneren des Organismus direkt aktiviert – hält Dohrmann für einen nützlichen Nebeneffekt. „In erster Linie war uns daran gelegen, eine auch im Alltag praktikable Therapie zu entwickeln“, erklärt der Diabetes-Fachmann.

Medikament bändigt Killerzellen

Während dieser Ansatz, bei dem die „kleinen Moleküle“ den Genschalter für die Regeneration der Zellen anknipsen, vorerst nur im Tierversuch zum Einsatz kommt, verweisen die Göttinger gerne auf ihren zweiten Wirkstoff, der weltweit bereits an über 200 Patienten getestet wurde. Das als DiaPep277 bezeichnete Medikament vermochte in einer klinischen Phase II Studie die Angreifer im Körperinneren der Diabetiker zu bändigen – nach Einwirken des Medikaments attackierten die fehlgesteuerten Immunzellen die ß-Zellen weitaus seltener. Noch in diesem Jahr will Günther Karmann, der im Jahr 2002 von BAYER zu Develogen wechselte und jetzt Vorstandsvorsitzender des Unternehmens ist, mit den entscheidenden klinischen Prüfungen der Phase III-Studie beginnen. Mit den Ergebnissen dieser letzten Phase, ohne die es keine Marktzulassung für das Präparat geben kann, steht und fällt die Erfolgsstory der Göttinger Firma, die noch heute über ausgezeichnete Kontakte zum Max Planck Institut für Biophysikalische Chemie verfügt. Karmann blickt auf die Unterlagen und gibt sich optimistisch: „Den Markt für DiaPep277 schätzen wir auf rund 600 Millionen Euro.“ Dann steht der Mann auf und eilt zur nächsten Präsentation – das Investorenkonsortium, das seit der Ausgründung aus dem MPI in Develogen bislang über 100 Millionen Euro investierte, möchte sich über den Stand der Dinge informieren lassen.

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