Neue Hoffnung für alte Adern

3. Juni 2005
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Strippen oder Sklerosieren? Das war bei Krampfadern jahrzehntelang die Gretchenfrage. Doch jetzt drängen neue Methoden mit Macht in altes Terrain. Es wird gestrahlt, geschäumt und mit Laser geschossen. Was taugen die neuen Verfahren? Und: Lohnt sich die Investition?

Während rund herum Ärzte aller Fachrichtungen dem Innovationskult huldigten, ruhte die operative Entfernung von Krampfadern stoisch in sich selbst. Wundermedikamente kamen und gingen, Operationsroboter wurden an- und wieder ausgeschaltet. Der klassischen Varizenoperation war das alles gleichgültig. Vor ziemlich genau hundert Jahren wurde sie von dem Deutschen Trendelenburg und dem Amerikaner Babcock erfunden. Sie wurde über die Jahre zum Goldstandard und blieb es, bis heute. Die Mündung der Vena saphena magna oder parva suchen, die anschließende Crossektomie, bei der am „Venenstern“ alle zuführenden Gefäße unterbunden werden, danach die Königsdisziplin, das rückwärtsgerichtete Stripping, mit dem die lädierten Venen entfernt werden, alles nichts Neues und trotzdem gut.

Beim Lasern stirbt die Krampfader den Hitzetod

Was auch an Alternativen versucht wurde, sie haben sich nicht durchgesetzt. Nur die Sklerosierung mit flüssigem Polidocanol hat sich einen gewissen Stellenwert erkämpft. Doch auch sie ist weit davon entfernt, besser zu sein als das klassische Verfahren. Dabei hat die Operation durchaus Nachteile. Sie tut weh, jedenfalls im Nachhinein. Sie kann zu ästhetisch unbefriedigenden Ergebnissen führen. Am vielleicht gravierendsten aber ist der Arbeitsausfall: Wer sich die Krampfadern wegoperieren lässt, fällt in aller Regel mindestens eine Woche lang aus. Gründe, über Alternativen nachzudenken, gibt es also reichlich, Tradition hin oder her. Vor allem zwei Verfahren stehen derzeit im Zentrum des Interesses, die endoluminale Lasertherapie und die Radiofrequenzobliteration. Beides sind Katheterverfahren, bei denen die Venen nicht operativ entfernt, sondern von innen verödet werden. Besonders spannend ist die Laserbehandlung: Die betroffene Vena saphena wird dabei von distal punktiert. Danach wird eine Lasersonde bis kurz vor den Venenstern geschoben. Ist die Sonde platziert, zieht der Arzt sie unter Laserfeuer langsam zurück. Dadurch, dass das Laserlicht und der rote Blutfarbstoff Hämoglobin auf nicht ganz klare Weise interagieren, bilden sich in der Vene Dampfblasen wie in einem Wasserkessel. Konsequenz: Die Vene verkocht, genauer: Sie thrombosiert. Die Radiofrequenzobliteration funktioniert im Prinzip ähnlich, wie der Gefäßspezialist Dr. Thomas Noppeney aus Nürnberg auf dem 29. Interdisziplinären Forum der Bundesärztekammer in Berlin erläuterte: „Die Veneninnenwand wird durch Radiowellen erhitzt, die über einen Katheter mit kleinen Füßchen in das Gefäß gebracht werden“. Letztlich werde aus der lädierten Vene durch Erwärmung von innen ein fibrotischer Strang,so Noppeney.

Operation beendet. Weiter arbeiten

Wie andere Katheterverfahren beeinträchtigen auch die Venenkatheter das normale Leben kaum. Es müssen ein paar Tage lang Thrombosesocken getragen werden. Auch niedermolekulare Heparine gilt es zu applizieren. Doch das behindert die Patienten wenig: Sie sollen sofort aufstehen und können im Prinzip am nächsten Tag wieder arbeiten gehen. Auch kosmetisch sind die Katheterverfahren deutlich im Vorteil. Wie aber sieht es mit der Effektivität aus? Und: Hält der Effekt an? Immerhin bleiben die Gefäße ja im Körper und werden nicht entfernt. Weil beide Verfahren noch jung sind, gibt es derzeit keine Langzeitdaten. Die bisherigen Ergebnisse aber sehen gut aus: In einer Metaanalyse, in der über tausend Patienten berücksichtigt wurden, fand Dr. Claudia Küner von der Charité Berlin, dass 94 Prozent der mittels Laser behandelten Venen nach dem Eingriff in der Ultraschallkontrolle verschlossen sind. Immerhin 84 Prozent der Betroffenen sind ein Jahr nach der Behandlung beschwerdefrei. Bei jedem zwölften Patienten komme es allerdings zu einer Wiedereröffnung der behandelten Vene, wie Küner betont. Das allerdings ist eine Größenordnung, in der auch bei der klassischen Operation mit Rezidiven zu rechnen ist.

Schaumschläger sind günstiger

Gibt die klassische Varizenoperation ihre Pole-Position also auf? Nicht so schnell jedenfalls. Zum einen gibt es Patienten, bei denen die neuen Verfahren nicht in Frage kommen. Zum anderen sind Kathetertherapien, anders als das operative Stripping, keine Kassenleistung. Vor allem die Radiofrequenzobliteration, die mit teuren Radiowellenkathetern arbeitet, geht an den Geldbeutel. Sie ist kaum unter 1500 Euro zu haben und kostet in Einzelfällen 3000 Euro und mehr. Auch der Laser schlägt mit ein- bis zweitausend Euro zu Buche. Wer dieses Geld nicht hat, aber trotzdem nicht operiert werden will, der sollte sich nach dem dritten neuen Verfahren erkundigen, der Schaumsklerosierung. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung der klassischen Sklerosierung mit flüssigem Polidocanol, bei der das Sklerosierungsmittel vor der Injektion zunächst mit Luft aufgeschäumt wird, wodurch sich die Erfolgsraten des Sklerosieurngsverfahrens stark erhöhen. Auch die Schaumsklerosierung ist derzeit keine Kassenleistung. Mit einigen hundert Euro schlägt sie aber nicht ganz so auf den Magen wie die beiden anderen Verfahren.

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