Rhinovirus: Infektionsvorgang auf der Schliche

8. Januar 2014
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Schnupfen, Husten, Heiserkeit – im Schnitt zwei bis drei Mal im Jahr leiden die Menschen unter einer Erkältung. Wie die Infektion mit dem dafür verantwortlichen Schnupfenvirus erfolgt, ist aber nur zum Teil bekannt. Forscher lösten nun einen Teil des Rätsels.

Bei den Schnupfenviren (Rhinoviren) handelt es sich um sehr kleine, nahezu kugelförmige Partikel. Ihre Erbinformation (RNA) ist dicht und eng gefaltet in eine Proteinhülle (Viruskapsid) gepackt. Wie die RNA darauf vorbereitet wird, richtig herauszukommen und dadurch die Grundlage für die Infektion schafft, konnten Forscher der Max F. Perutz Laboratories in Zusammenarbeit mit zwei Arbeitsgruppen an den Universitäten in Barcelona und Madrid jetzt erstmals zeigen.

Die Wissenschafter erforschten die Strukturänderungen eines dieser Schnupfenviren, die während der Infektion der Wirtszelle erfolgen und zur Freisetzung der RNA und der Vervielfältigung des viralen Genoms führen. Dazu Studienautor Dieter Blaas von den Max F. Perutz Laboratories: „Interessanterweise ändert sich die Konformation der RNA und deren Interaktion mit der Innenwand des Viruskapsids wesentlich. Das ist offenbar notwendig, damit sich dieses lange, fadenförmige Molekül ohne Bildung von ‚Knöpfen‘ entfalten und das Kapsid in geordneter Weise verlassen kann.“



Ergebnisse auch für andere Viruserkrankungen relevant

Da die Rhinoviren zur Gruppe der Picornaviren zählen, sind die gewonnenen Erkenntnisse auch für andere verbreitete Viruserkrankungen wie z. B. Polio oder Hepatitis A relevant und könnten neue Ansätze zur Bekämpfung bieten. 
Zahlreiche weitere Fragen zur Infektion mit dem Schnupfenvirus sind jedoch nach wie vor unbeantwortet.

Unter der Leitung von Dieter Blaas untersuchen die Forscher an den Max F. Perutz Laboratories deshalb nun einen weiteren Schritt des Infektionsmechanismus: Sie wollen herausfinden, wie die RNA ‚weiß‘, welche der 30 Poren, die sich im Viruskapsid öffnen, sie wählen muss, um genau dort herauszukommen, wo das Virus an eine zelluläre Membran angedockt hat. Das Virusgenom muss nämlich zunächst einmal eine solche Membran durchdringen, um ins Zytoplasma zu kommen. Dort kann sie sich dann vermehren und neue Viren bilden.

Originalpublikation:

Uncoating of common cold virus is preceded by RNA switching as determined by X-ray and cryo-EM analyses of the subviral A-particle
Angela Pickl-Herk et al.; PNAS, doi: 10.1073/pnas.1312128110; 2013

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2 Kommentare:

Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann
Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann

Ich befürchte, daß konkrete Ergebnisse nie veröffentlicht werden.

Wenn es nämlich gelänge, ein w i r k s a m e s Mittel gegen den Schnuppe zu entwickeln, wäre ja der Markt der nutzlosen Mittel tot…

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Prof. Dr. Werner Müller
Prof. Dr. Werner Müller

Was ist hier eigentlich neu? Dass Viren sích strukturekll verändern müssen , um ins Zellplasma zu gelangen, ist fast trivial! Erfreulich ist, dass sich endlich jemand um die Rinoviren kümmert, die größten kleinen Plagegeister der Welt!

#1 |
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