Gedächtnis: Mit neuronaler Erregbarkeit as­so­zi­ie­rt

7. Januar 2014
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Wer mit hoher motorischer Erregbarkeit ausgestattet ist, weist ein besseres Arbeitsgedächtnis auf als jene mit niedriger Erregbarkeit, so eine aktuelle Studie. Mit Messungen der motorischen Erregbarkeit ließen sich so Rückschlüsse auf die generelle Aktivierbarkeit des Gehirns ziehen.

Das Arbeitsgedächtnis ermöglicht die temporäre Speicherung von Informationen wie etwa das kurzfristige Merken einer Telefonnummer. Tierexperimente haben gezeigt, dass das Arbeitsgedächtnis unter anderem von der Erregbarkeit bestimmter Nervenzellgruppen in der präfrontalen Hirnrinde abhängt. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass der Zustand der neuronalen Erregbarkeit in verschiedenen Hirnregionen vergleichbar sein könnte. Basler Forscher von den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) und der Fakultät für Psychologie haben nun untersucht, ob die individuelle Erregbarkeit der motorischen Hirnrinde mit der Leistung des Arbeitsgedächtnisses zusammenhängt – mit positivem Ergebnis.

„Die motorische Erregbarkeit lässt sich durch die sogenannte transkranielle Magnetstimulation einfach untersuchen“, sagt Nathalie Schicktanz, Doktorandin und Erstautorin der Studie. Dabei wird die motorische Hirnrinde mit elektromagnetischen Impulsen in aufsteigender Stärke stimuliert. Bei Personen mit hoher motorischer Erregbarkeit reichen bereits geringe Impulsstärken aus, um in bestimmten Muskeln – etwa der Hand – ein sichtbares Zucken auszulösen.

Rückschlüsse auf andere Hirnareale

In der aktuellen Studie mit 188 jüngeren, gesunden Probanden konnten die Forscher zeigen, dass Teilnehmer mit einer hohen motorischen Erregbarkeit bei bestimmten Arbeitsgedächtnisaufgaben im Durchschnitt besser abschneiden als Personen mit einer niedrigen Erregbarkeit. „Mit der Messung des Erregbarkeitszustands der motorischen Hirnrinde lassen sich offenbar Rückschlüsse auf den Erregbarkeitszustand anderer Hirnareale ziehen“, so Schicktanz.

„Die Befunde helfen uns, die Bedeutung der neuronalen Erregbarkeit für kognitive Prozesse beim Menschen besser zu verstehen“, ergänzt Dr. Kyrill Schwegler, Ko-Autor der Studie. Den Befunden könnte auch eine klinische Bedeutung zukommen, da Defizite im Arbeitsgedächtnis bei vielen neuropsychiatrischen Erkrankungen auftreten, etwa bei der Schizophrenie oder dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Als Nächstes planen die Forscher, die molekularen Grundlagen des entdeckten Zusammenhangs zwischen neuronaler Erregbarkeit und Gedächtnis zu untersuchen.

Originalpublikation:

Motor threshold predicts working memory performance in healthy humans
Nathalie Schicktanz et al.; Annals of Clinical and Translational Neurology, DOI: 10.1002/acn3.22; 2013

15 Wertungen (4.2 ø)

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2 Kommentare:

Mit der Magnetstimulation wurde ja auch die motorische Erregbarkeit getestet, die dann mit den Ergebnissen der Arbeitsgedächtnistestung in Beziehung gesetzt wurde.

#2 |
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Dipl. Psych. Thomas Witscher
Dipl. Psych. Thomas Witscher

Wie schön!
möchte man Menschen nicht unbedingt mit transkranieller Magnetstimulation zu Leibe rücken, tut es eigentlich doch auch ein normales Testverfahren zu Ermittlung der Arbeitsgedächtnisspanne! Neuropsychologen nehmen da gerne die Aufgabe “Zahlen rückwärts nachsprechen”. Geht recht schnell die Auswertung bedarf noch nicht einmal eines Computers ;)

#1 |
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