Fester schlafen dank eBay

20. Juni 2005
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Sind Auktionsplattformen ein Gesundheitsrisiko? Verbraucherschützer jedenfalls sehen sich veranlasst, Alarm zu schlagen. Rezeptpflichtige Medikamente in Privatauktionen, Schlaftabletten von lizenzierten Apotheken in Krankenhausmengen: In Auktionshäusern gibt es nichts, was es nicht gibt.

Apotheken haben es derzeit nicht leicht bei den Verbraucherschützern, egal ob sie im Internet agieren oder nicht. Vor einiger Zeit beurteilte die Stiftung Warentest das Beratungsangebot zahlreicher Offizinapotheken als insuffizient. Anfang des Jahres nahm sie sich dann Online-Apotheken vor, die auch nicht besonders gut abschnitten. Jetzt setzt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen noch einen drauf: Für ihren Marktcheck: Arzneimittel und Internetauktionen begab sie sich in vier Internetauktionshäuser, um heraus zu bekommen, wie es dort mit Medikamenten gehalten wird

15 Packungen Schlafmittel waren kein Problem

Neben Platzhirsch ebay wurden die Auktionshäuser Atrada, Azubo und Hood von den Testern besucht. Drei Wochen lang wurde in den Auktionslisten einerseits nach Privatauktionen gesucht, bei denen Medikamente feilgeboten wurden. Andererseits wurde das Angebot von Apotheken unter die Lupe genommen, die in einigen Auktionshäusern nicht-verschreibungspflichtige Medikamente feilbieten. Am weitesten hat ebay dieses Prinzip perfektioniert: Rund 130 geprüfte Apotheken, und nur diese, dürfen auf dem Marktplatz nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel sowohl zum Sofortkauf als auch per Versteigerung anbieten. Auch bei Azubo gibt es ein solches Modell, wobei die Angebote hier im Wesentlichen von einer einzigen Apotheke stammen. Hood und Atrada haben nichts dergleichen im Angebot. Um die Qualität der durch Apotheken initiierten Versteigerungen zu bewerten, führten die Verbraucherschützer Testkäufe durch. Bei einer auf ebay vertretenen Apotheke, die keine Obergrenzen für die Bestellung angab, wurden 15 Packungen des Schlafmittels Betadorm-D® geordert, insgesamt 300 Tabletten. Wer zumindest eine Rückfrage angesichts dieser doch ungewöhnlichen Menge erwartet hatte, sah sich enttäuscht: „Das Ordern von 15 Packungen à zwanzig Schlaftabletten hat ohne Probleme mit einem einzigen Mausklick funktioniert“, berichtet Wolfgang Schuldzinski, der Leiter des neuen Projekts „Markttransparenz im Gesundheitswesen“ bei der Verbraucherzentrale.

Wer zockt, hat am Ende Pillen, die er gar nicht will…

Abgesehen von der fehlenden Mengenbegrenzung bewerteten die Verbraucherschützer im Zusammenhang mit den bei Auktionen aktiven Apotheken noch andere Faktoren als problematisch. Unter anderem werden das werbende Anpreisen vieler Präparate und der mit dem Ersteigern verbundene Kaufreiz kritisiert: „Kein Apotheker kann dafür stehen, dass Verbraucher durch den Reiz des Mitbietens und das Fiebern um den Zuschlag zum Kauf von Arzneimitteln verleitet werden“, so Schuldzinski. Schließlich wird darauf hingewiesen, dass wegen des Wegfalls der Versandgebühren ab einer bestimmten Bestellmenge mehr Arzneimittel bestellt werden, als eigentlich nötig, ein Effekt, der auch von anderen Onlineapotheken bekannt ist. Auch Privatauktionen nahmen die Tester unter die Lupe. Der Privatverkauf von Arzneimitteln ist gesetzlich verboten. Im Auktionshaus ebay erschienen im Untersuchungszeitraum 14mal Privatauktionen, in denen die Antibabypille verhökert werden sollte. In der Regel gelang das nicht, denn ebay reagierte und löschte den entsprechenden Eintrag innerhalb von ein bis zwei Tagen. Gegen die Sofort-Kaufen-Option half das allerdings nichts: Wer schnell reagierte, bekam seine/ihre Pille. Weniger engagiert zeigten sich Atrada und Hood, wo die Antibabypillen bis zum Schluss der Versteigerung online blieben und schließlich meistbietend verkauft wurden. Die Kernforderung der Verbraucherschützer ist vor diesem Hintergrund nicht überraschend: Schärfere Kontrollen durch die Auktionshäuser sollen bewirken, dass angebotene Medikamente rascher gelöscht werden, um auch die Sofort-Kaufen-Option zu unterbinden. Den Verbrauchern die Lust am Sparen vermiesen möchten die Düsseldorfer aber nicht. Sie haben deswegen Patiententipps verfasst, die auflisten, wie bei Arzneimitteln gespart werden kann. Nicht nur – aber auch in Internetapotheken. Patienteninformationen zu Arzneimitteln bietet außerdem die Arzneimitteldatenbank der Stiftung Warentest.

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