Boxenstopp für Männerhaare

27. Juni 2005
Teilen

Tennis-Star Andre Agassi hat eine, ebenso der Publikums-Liebling Manfred Krug. Pierluigi Collina, internationaler Star der Fussball-Schiedsrichter hat Vollglatze. Der "Sexiest Man Alive", Jude Law, hat Geheimratsecken. Für diese Herren offensichtlich kein Problem. Trotzdem gilt die Glatze in vielen Kulturen als negatives Attribut. Für die Leidgeprüften unter den Kahlköpfen gibt es jetzt Hoffnung ...

Der Glatze mit Prävention an die Wurzel

Zur Glatze bietet Wikipedia.de folgende simple Definition an: „Eine Glatze nennt man die Oberseite des menschlichen Kopfes, wenn auf ihm keine Haare sind. Zu einer Glatze führt entweder Haarausfall oder eine Rasur der Haare.“ Für Forscher, die sich mit Haut und Haaren beschäftigen, stellt sich das Problem der Glatze in Verbindung mit Haarausfall sehr viel komplexer dar. Sie beschäftigen sich bereits seit Jahrzehnten mit den Ursachen der so genannten Alopezie. Die ersten nennenswerten medizinischen Studien stammen aus dem Jahr 1951. Parallel dazu hat sich ein dubioser Markt von Haarwuchsmitteln entwickelt, ganz zu schweigen von den diversen Rezepturen aus der Hexenküche. Dagegen verfolgt die Wissenschaft das Ziel, mit nachhaltigen bzw. präventiven Behandlungsmethoden dem Haarverlust auf den Pelz zu rücken. Die Wirksamkeit aller bisher verfügbaren Therapeutika beschränkt sich bis heute auf einen Stopp bzw. eine verzögerte Progredienz der Glatzenbildung.

Gen-Defekt für frühe Glatzenbildung gefunden

Schon lange gingen die Wissenschaftler davon aus, dass der Haarausfall erblich bedingt sei. Bisher war jedoch unklar, welche Gene dabei im Spiel sind. Aber nun gibt es Hoffnung für Alopezie-Patienten. Professor Markus Nöthen vom Life & Brain Zentrum der Uni Bonn und Privatdozent Roland Kruse von der Hautklinik der Uni Düsseldorf haben einen Gen-Defekt gefunden, der eine frühe Glatzenbildung zur Folge haben kann. Hinweise auf die verantwortliche Erbanlage geben bestimmte Veränderungen in der genetischen Bauanleitung des Androgen-Rezeptors, so das Ergebnis jahrelanger Studien mit Familien, in denen mehrere Männer von Haarausfall betroffen waren.

Vererbung über das X-Chromosom der Mutter

Das dingfest gemachte Glatzen-Gen bestätigt auch die verbreitete These, dass Männer in punkto Haarausfall eher nach dem Großvater mütterlicherseits als nach dem Vater schlagen. Denn das betroffene Gen liegt auf dem X-Chromosom, weshalb die Neigung zum Haarausfall von der Mutter vererbt wird. Allerdings gibt es inzwischen auch Hinweise, dass nicht nur eine Erbanlage zu der Erkrankung führen muss. Zusätzliche Gene, so Markus Nöthen, können dafür verantwortlich sein, dass die Glatze auch direkt vom Vater auf den Sohn vererbt wird. Um noch mehr beteiligte Erbanlagen zu identifizieren, sucht sein Kollege Roland Kruse weitere Betroffene.

Probanden für Alopezie Areata gesucht

Die hoffnungsvollen Ergebnisse beziehen sich auf die androgenetische Alopezie. Dieser Phänotyp ist die häufigste Form des Haarverlusts vor allem bei Männern europäischer Abstammung. Davon weniger betroffen sind ihre asiatischen und afrikanischen Geschlechtsbrüder. Während die androgenetische Alopezie bei Männern zur totalen Glatze führen kann, zeigt sich die Krankheit bei Frauen ab 50 häufiger mit einer starken Ausdünnung im Bereich der Parietalregion. Neben der androgenetisch bedingten Form des Haarausfalls gibt es noch die Alopezie Areata, den kreisrunden Haarverlust. Über die Ursachen gibt es bisher so gut wie keine abgesicherten Erkenntnisse. Aus Untersuchungen wissen die Düsseldorfer und Bonner, dass neben immunologischen und psychologischen Faktoren auch erbliche einen Einfluss haben können. Welche Gene das exakt sind, weiß man noch nicht. Daher sind die therapeutischen Möglichkeiten bis heute sehr beschränkt. Auch hierfür werden noch Probanden gesucht (0211-81-16360).

Boxenstopp für Männerhaare

Der Bundesverband Deutscher Dermatologen (BVDD) startete im April zusammen mit der Initiative ProHaar die bundesweiten Aktionswochen ‚Boxenstopp für Männerhaar’. „Wir Dermatologen wollen den Männern zeigen, wie sie mit frühzeitigen Checks beim Experten den Haarausfall ausbremsen können“, so Dr. med. Klaus Fritz, Sprecher des BVDD. Während der Aktionswochen konnten und können Interessierte in Berlin, Hamburg, München, Düsseldorf und Köln an einem Aktionsstand einen „Boxenstopp“ für ihre Haare einlegen. Der Clou: Mit einem speziell entwickelten Computerprogramm können Mutige sehen, mit welcher Haarpracht sie rechnen können, z.B. wenn sie 50 oder älter sind. Es stehen aber auch Hautärzte zur Beratung vor Ort.

2 Wertungen (3.5 ø)
Allgemein

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

Copyright © 2016 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: