Vergütung: Kohle im Kittel

8. Januar 2014
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Topverdiener mit schlechter Prognose: Chefärzte in Krankenhäusern freuen sich über ein gutes Salär, leiden aber unter einschneidenden Veränderungen ihres Vergütungssystems. Gemessen an Zahlen aus der Wirtschaft bleiben die Honorare auf allen Hierarchieebenen vergleichsweise niedrig.

Über Geld redet man sehr wohl: Für die Untersuchung „Ärzte, Führungskräfte und Spezialisten in Krankenhäusern 2013“ von Kienbaum gewährten 2.904 Kollegen unterschiedlicher Hierarchien aus 123 Kliniken Einblicke in ihr Gehalt. Ähnliche Informationen stehen aus dem letzten Jahr ebenfalls zur Verfügung. Hinzu kamen Daten von 5.562 Praktikanten, die Clevis ausgewertet hat.

Neues von der Generation Praktikum

Der „Praktikantenspiegel 2013“ bringt es an den Tag: Studierende haben pharmazeutische Hersteller mit dem Prädikat „beste Arbeitgeberqualität“ ausgezeichnet. Viele der Befragten kritisieren jedoch fehlende Lern- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Über die Vergütung beschwert sich niemand – Praktikanten erhalten der Studie zufolge mittlerweile 701 Euro pro Monat. Trotzdem entstehen aus vielen Hospitanzen keine regulären Arbeitsverhältnisse, kritisieren die Autoren der Studie.

Promovieren und Praxis – zwei Joker

Der nächste Karriereschritt: Wie Kienbaum berichtet, zahlt sich ein Doktortitel in Krankenhäusern auch unter wirtschaftlichen Aspekten aus. Leitende Angestellte mit Promotion, beispielsweise Geschäftsführer, bekommen im Jahr etwa 256.000 Euro, während Kollegen in gleicher Position, aber ohne den „Dr.“, lediglich 179.000 Euro für sich verbuchen können. Drei von vier Befragten aus diesem Bereich haben einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss, und zwölf Prozent dieser Akademiker wurden promoviert. Darüber hinaus spielt die Berufserfahrung eine zentrale Rolle. Abteilungsleiter mit drei bis sechs Jahren Praxis kommen auf 58.000 Euro im Jahr. Zum Vergleich: Kollegen, die bereits 20 Jahre im Job sind, freuen sich über 79.000 Euro. In den ersten Berufsjahren erhöht sich das Salär relativ rasch, während später nur die jährliche Gehaltsanpassung und die Preissteigerungsrate zum Anstieg beitragen.

Mehr Leistung, mehr Geld

Bei Führungskräften in der Klinik kommen leistungsorientierte Entgeltanteile noch mit hinzu – weitaus seltener als in anderen Branchen. Immerhin berichten 78 Prozent der Geschäftsführer und 30 Prozent der nichtärztlichen Führungskräfte, teilweise nach Leistung bezahlt zu werden. Bei Geschäftsführern ist laut Kienbaum von 26.800 Euro im Jahr die Rede, während Kollegen anderer Hierarchieebenen lediglich mit 8.600 Euro rechnen können. Chefärzte erhalten variable Vergütungen von durchschnittlich 130.000 Euro, während es bei Oberärzten nur 14.000 Euro sind. Unter dem Strich kommen Chefärzte auf 278.000 Euro im Jahr – fast 100.000 Euro mehr als Geschäftsführer im Krankenhaussektor. CEOs eines Wirtschaftsunternehmens können knapp das Doppelte, sprich 372.000 Euro, für sich verbuchen. Bereichsleiter direkt unter der Geschäftsführung erzielen immerhin noch 155.000 Euro – sprich 70 Prozent mehr als in Krankenhäusern.

Klare Ziele statt falscher Anreize

Damit gehören Chefärzte klar zu den Spitzenverdienern in deutschen Kliniken. Trotzdem gibt es einen Wermutstropfen. Wie Kienbaum berichtet, haben sich deren Vertragsstrukturen über die Jahre grundlegend verändert. Rund 50 Prozent profitieren momentan vom Liquidationsrecht als Honorierungsform – vor 15 Jahren waren es noch 92 Prozent. Erhielten 1995 lediglich fünf Prozent leistungsorientierte Boni vom Arbeitgeber, hat mittlerweile jeder zweite Chefarzt entsprechende Vertragsbestandteile und damit auch weniger Geld zur Verfügung. Ganz klar, Klinikunternehmen benötigen Steuerungssysteme, die auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtet sind und Verantwortungsbereiche von Chefärzten beeinflussen. Einnahmen aus Privatliquidationen gelten zwar als variabel, weil ihre Höhe nicht im Voraus abzusehen ist. Allerdings fließen entsprechende Beträge, so Kienbaum weiter, dem Chefarzt unabhängig von herausragenden Leistungsanstrengungen zu. Boni wiederum stehen in der Kritik, weil sie falsche Anreize schaffen können. Das muss nicht sein, sollten ökonomisch und medizinisch sinnvolle Zielgrößen vereinbart werden. Als Möglichkeiten nennt die Studie unter anderem projektgebundene Meilensteine, Ergebnisse von Patientenbefragungen oder gute Mitarbeiterführung.

Ihre Karriere, seine Karriere

Bei Karriere und Einkommen spielt das Geschlecht ebenfalls eine Rolle. Während Frauen in Unternehmen der freien Wirtschaft nur 13 Prozent aller Führungspositionen besetzen, sieht es in Kliniken deutlich besser aus. Rund 34 Prozent aller leitenden Angestellten sind weiblich. Das täuscht auf den ersten Blick über Defizite hinweg – bei Chefärzten und Geschäftsführern gibt es jeweils nur zehn Prozent Frauen. Sie erhalten rund 15 Prozent weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen. Hier bestehen nach wie vor eklatante Defizite. Träger werden überlegen müssen, wie sie generell zu gerechten, angemessenen Formen der Entlohnung kommen, um keine Spitzenkräfte an Unternehmen der freien Wirtschaft zu verlieren.

88 Wertungen (3.47 ø)

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6 Kommentare:

Helene Ullrich
Helene Ullrich

Wenn Facharzt Leistung weiterhin Unterbezahlt wird,braucht man auch nicht zu Jammern wenn die Ärzte fehlen.
Das System schaufelt sich selbst sein Grab.
Echte Leistung vor Ort sollte auch bezahlt werden.

#6 |
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Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann
Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann

Wer hat die Studie bestellt bzw. bezahlt?

Es ist von “Einschnitten” die Rede.

Gut, dann muß halt bei Privatpatienten etwas mehr geschnitten werden, dann wirds schon wieder werden.

#5 |
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Interessant wäre ein Vergleich mit anderen Ländern.

Alle klagen über den Fachkräftemangel, auch im medizinischen Bereich, ein Grund dafür könnte ja unter anderem eine bessere Verdienstmöglichkeit im Ausland sein.

Viele denken eben auch an den eigenen Geldbeutel, der ja nicht ganz unwichtig ist, aber nicht Hauptmotiv des Arztes sein sollte.

#4 |
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Ursula Johannimloh
Ursula Johannimloh

In vielen Bereichen wird auch in Krankenhäusern outgesourct-
im Bereich der Küche / Ernährungsberatung /Diätassistenz
bedeutet das häufig eine Umgruppierung in den Hotel- und Gaststättentarif.
In Zahlen: Eine gut ausgebildete Fachkraft bekommt brutto monatlich bis zu
1100 € weniger für die gleiche Arbeit.

Mein Mitleid mit der
Chefetage hält sich in Grenzen.

#3 |
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M.D. Manfred Engel
M.D. Manfred Engel

Wir haben sowieso zu viele Krankenhäuser, es wird zu viel operiert, das kann man aus Vergleichen mit anderen Ländern ja ganz eindeutig sehen.

Auch beim Röntgen wird man feststellen ,dass hierzulande sehr viel geröntgt wird- die Hauptbelastung der Strahlenbelastung kommt durch die vielen CT´s zustande.
Zu viele Krankenhäuser heisst dann auch zu viele Chefärzte, diese meinen ja dann , dass sie das Recht auf Privat-Liquidation haben.

Staatlich – städtische Betriebe haben sich m.E. bevorzugt um Kassenpatienten zu kümmern – daher kriegen sie ja auch ihr festes sicheres Gehalt .
Auch die sog. duale Finanzierung setzt einen falschen Anreiz:
Ein dahergelaufener Kommunal-Politiker brüstet sich meist damit, wenn er/sie ein Krankenhaus angesiedelt hat-als ob das per se die Gesundheit der
Bevölkerung verbessern könnte.
Dann muss das ganze finanziert werden, wobei dann die Kassen mit herangezogen werden.
Das ist ein extremes Ungleichgewicht, weil die technische Ausstattung ja so hochgepuscht wird- während z.B . ein niedergelassener Arzt ja alles selber bezahlen bzw. finanzieren muss.
Daher sind CT´s , MRT´s und sonstige Großgeräte ganz überwiegend in den Krankenhäusern zu finden.
Und die Chefärzte, nicht faul, möchten dann natürlich auch gerne von der Nutzung der Großgeräte finanziell profitieren.
Chefarzt der Abteilung A überweist dann zu Chefarzt der Abteilung B und umgekehrt, sodass der Privat-Patient also in jedem Falle durchgecheckt wird, ob es nun unbedingt erforderlich ist oder nicht – und dann wundern sich die Leute, dass die PKV von Jahr zu Jahr teurer wird.

#2 |
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Diplom Pflegewirt Frank Schaberg
Diplom Pflegewirt Frank Schaberg

Die zunehmende Verbetriebswirtschaftlichung und Renditeorientierung sind das Fundament solcher Untersuchungen. Aber sind Rankings, Kennzahlen und Boni denn wirklich so spannend? Und warum erheben Wirtschafts- und Unternehmensberatungen solche Daten? Und vergleichen andere Branchen mit dem Gesundheitswesen? Richtig, um lohnende Marktfelder abzustecken.
Ja, ein wichtiger Artikel für die monetäre Nabelschau. Aber sonst?

#1 |
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