Kaffee als Krebsbekämpfer

2. September 2005
Teilen

Zu einem überraschenden Ergebnis gelangten US-amerikanische Forscher: Ausgerechnet Kaffee dient dem Körper als effektivster Antioxidantien-Lieferant. Der beliebte Muntermacher schlägt Obst und Gemüse um Längen, selbst Vitaminpräparate können mit dieser Wirkung nicht mithalten.

Ein bis zwei Becher pro Tag

Sie gilt als weltweit größte Wissenschaftsgemeinde und ihr Kongress seit 230 Jahren als Plattform für Sensationen: die American Chemical Society. Am vergangenen Sonntag horchten Chemiker und Mediziner beim diesjährigen Treffen in Washington gleichermaßen auf. Kaffe, so verkündete der US-Chemieprofessor Joe Vinson von der University of Scranton (Pa.), sei für den menschlichen Organismus der effektivste Lieferant von Antioxidantien – und damit eine potente Substanz zur Krebsprävention.

Ein bis zwei Becher pro Tag

„Kein anderes Nahrungsmittel stellt dem Körper mehr Antioxidantien zur Verfügung“, erläuterte Vinson einem erstaunten Publikum, und: „schon ein bis zwei Tassen am Tag reichen für den Tagesbedarf aus.“ Dabei muss es nicht einmal der starke Muntermacher sein. Selbst die entkoffeinierte Variante genüge vollauf, den Körper gegen schädliche Oxidationsprodukte zu schützen. Normalerweise wecken derartige Studienergebnisse eher die Skepsis als die Freude der Mediziner. Denn viele Untersuchungen zu angeblichen positiven Wirkungen von Nahrungsmitteln entpuppten sich als bezahlte Promotion der Nahrungsmittelindustrie. Nur: In diesem konkreten Fall scheint das Getränk zu halten, was Vinson verspricht. Zwar haben andere Lebensmittel und darin enthaltene Substanzen bei einer chemischen Analyse durchaus mehr Antioxidantien „an Bord“, wie Vinson herausfand. Über 8000 solcher Substanzen, von denen Polyphenole und die Vitamine C, E und Beta – Carotin zu den wichtigsten zählen, gelangen über das Essen ins Blut. Doch die Bioverfügbarkeit für den menschlichen Organismus ist bei den meisten Nahrungsmitteln alles andere als optimal – lediglich ein Bruchteil der Antioxidantien erreicht nach der Nahrungsaufnahme ihr Ziel.

Über 8000 Polyphenole im Rennen

Um das zu belegen, untersuchte das Team um Vinson über 100 Nahrungsmittel, darunter Obst, Gemüse, Gewürze, Nüsse und Getränke. Weil die meisten der über 8000 Polyphenole aber in gebundener Form vorkommen, hydrolisierten die Chemiker die Antioxidantien und bestimmten danach mit Hilfe eines Folin-kolorimetrischen Assay den Phenolgruppen-Gehalt der Lebensmittel. Auf diese Weise erhielten sie ausschließlich die tatsächlich bioverfügbaren Phenolgehalte. Diese Mengen verglichen die Forscher mit einer Datenbank des US Department of Agriculture, die den pro Kopf-Verbrauch des jeweiligen Lebensmittels angibt. Aus der Korrelation beider Datenmengen schließlich resultierte ein valides Gesamtbild über die Menge der im Körper verwertbaren antioxidativen Substanzen. Rund 1300 mg nehmen Amerikaner jeden Tag über den Konsum von Kaffe auf, auf Platz zwei rangiert Tee mit 294 mg – und ist damit weit abgeschlagen. Bananen liefern täglich nur noch 76 Milligramm, währen Äpfel (39 mg), Tomaten (32 mg) und Kartoffeln (28 mg) die Schlusslichter in der Antioxidantien-Hitliste darstellen. Warum ausgerechnet Kaffee die meisten verwertbaren Polyphenole liefert, ist vollkommen ungeklärt, wie Vinson in Washington betonte. Fest aber steht: Was das Heißgetränk an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen enthält, kommt offensichtlich auch an.

Umdenken in der Ernährungsmedizin?

Für Mediziner markieren die in Washington aufgezeigten Zahlen möglicherweise eine Trendwende. Denn der altbewährte Lehrsatz „An Apple a day keeps the doctor away“ steht nun zumindest in Bezug auf den bioverfügbaren Polyphenol-Gehalt auf wackeligen Füßen. Vinsons Statistiken sind gerade aus ernährungsmedizinischer Sicht besonders wertvoll –zeigen sie doch erstmals die Diskrepanz zwischen absoluten Gehalten und der eigentlichen Bioverfügbarkeit im Organismus auf.

2 Wertungen (5 ø)
Allgemein

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

Copyright © 2016 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: