Der Harte und die Zarte.

7. November 2005
Teilen

Jetzt ist es amtlich: Männer sind härter im Nehmen. Setzt man Frauen und Männer den gleichen Schmerzsignalen aus, reagiert das Gehirn bei Frauen im limbischen, gefühlsbetonten Bereich, während es bei den Männern zu erhöhten Gehirn-Aktivitäten im kognitiven Bereich kommt. US-Mediziner belegten kürzlich, warum Frau tatsächlich schmerzsensibler ist......

Statistik über Mimosen und harte Männer

Rein statistisch leiden Frauen doppelt so häufig an Muskelskelett-Störungen, beispielsweise Bandscheibenschmerzen und Sehnenscheidenentzündungen, wie Männer. So ein Ergebnis von Wissenschaftlern der Ohio State University, die mehrere Studien aus der Vergangenheit analysierten. Warum das so ist, können sie nicht sagen. Dies war auch nicht ihr Forschungsanliegen. Wichtiger war es ihnen nachzuweisen, dass ihre Statistik einen medizinischen Wert hat. Denn: Bisher vermuteten einige Forscher, dass das Ergebnis verfälscht sei, weil Frauen eher zum Arzt gehen als Männer. Andere wiederum bezweifelten die Aussagefähigkeit mit der Begründung, dass Risikofaktoren von Frauen größere Beachtung in der Medizin finden. Die Wissenschaftler aus Ohio eliminierten alle kritischen Faktoren, die das Ergebnis hätten verwässern können. Statistisch ist es daher eine erwiesene Sache, dass Männer "hart im Nehmen"sind und das weibliche Geschlecht sensibler auf Schmerz reagiert.

Weibliche Schmerztoleranz und Herz-Schmerz

Der Glaube, dass Frauen schmerzempfindlicher seien als Männer, hat sich hartnäckig über Jahrhunderte gehalten. Jetzt gibt es den Beweis, dass es stimmt. Eine neue Studie liefert erstmals plausible Gründe, warum Frauen sensibler auf Schmerz reagieren. Mediziner der American Society of Plastic Surgeons (ASPS) fanden heraus, dass "Sie" im Vergleich zu ihrem männlichen Pendant mehr Schmerzrezeptoren in der Gesichtshaut hat. Während Frau es im Durchschnitt auf 34 Nervenfasern pro Quadratzentimeter bringt, sind es beim Mann gerade mal 17 – also just die Hälfte, so der Autor der Studie, Dr. Bradon Wilhelm. Das beweise, dass die niedrigere Schmerztoleranz-Grenze bei Frauen physischer Natur sei. Also nix mit Überempfindlichkeit, oder? Bei Herz-Schmerz sieht das natürlich ganz anders aus!

Hormone powern männliche Kampfbereitschaft

Die unterschiedliche Schmerzempfindlichkeit bei Mann und Frau beschäftigt Mediziner und Wissenschaftler seit Jahren. Dabei geht es nicht darum, Klischees zu untermauern. Es geht darum, Erkenntnisse zu gewinnen, mit denen Medikamente und Operationstechniken besser auf die geschlechtsspezifischen Unterschiede eingestellt werden können. Die Linderung von Schmerzen beschäftigt unterschiedliche Disziplinen. So fanden vor einem Jahr Verhaltenswissenschaftler der Princeton University, New Jersey heraus, warum Männer von Natur aus weniger "zimperlich" sind. Sie wiesen in Tierversuchen mit Spatzen nach, dass das männliche Hormon Testosteron Beschwerden ausblenden kann. Die mit Testosteron behandelten Tiere zeigten eine dreimal so hohe Toleranz gegenüber Schmerz. Wurde das Hormon mit Medikamenten blockiert, reagierten die Vögel doppelt so schnell mit Unbehagen. "Wenn Männer weniger empfindlich auf Schmerzen reagieren, ist die Bereitschaft zu kämpfen größer", interpretiert Verhaltensforscherin Michaela Hau das Ergebnis der Studie. Die Forscher hoffen, dass Testosteron Männern mit chronischen Schmerzen helfen kann.

Schmerzen lindern mit frauen-spezifischen Medikamenten

Warum Männer weniger schmerzempfindlich sind als Frauen, glauben auch Genforscher der Universität in San Franzisko nachgewiesen zu haben. Den Unterschied mache das Protein GIRK2 aus, das bei der Übertragung von Schmerzsignalen zwischen den Nervenzellen eine Rolle spielt. Das Ergebnis der geschlechtsspezifischen Unterschiede war ein Zufallsprodukt, als die Wissenschaftler die Verträglichkeit von Schmerzmitteln an Mäusen testeten. Sie stellten fest, dass die Schmerzgrenze bei Mäusemännchen, denen das Protein fehlte, deutlich niedriger lag als bei gesunden Tieren und sich auf dem gleichen Level bewegte wie bei den weiblichen Artgenossen. Bei den weiblichen Versuchstieren spielte das GIRK2 keine Rolle, aber für die Entwickler von frauen-spezifischen Medikamenten. Schließlich, so die Chirurgen der ASPS, wirkt sich geringer Schmerz positiv auf das Operationsergebnis und die Rehabilitation aus.

0 Wertungen (0 ø)
Allgemein

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

Copyright © 2016 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: