Kirk an Brücke: Blutdruck beamen.

15. November 2005
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Es erinnert an die "Enterprise", ist aber schon medizinische Realität. Im Rahmen des einzigartigen "senSAVE"-Projekts überwachen funkvernetzte Sensoren den Gesundheitszustand von Herz-Kreislauf-Patienten in und außerhalb der Klinik. Auf der kommenden MEDICA können Ärzte und Betroffene das System genauer unter die Lupe nehmen.

Das im Rahmen des internen Programms “InMuSens” von der Fraunhofer-Gesellschaft geförderte Projekt gilt unter Fachleuten bereits jetzt als wichtiger Meilenstein auf dem Gebiet der Telemedizin. Denn das System ermöglicht das, wovon die meisten Ärzte und Kardiologiepatienten bislang nur zu träumen wagten: die lückenlose Überwachung des Gesundheitszustands Kranker in Echtzeit und via Internet.

Das Prinzip von senSAVE ist einfach, aber effektiv. Die am Körper des Patienten befindlichen und mit einer körpernahen Basisstation (KBS) drahtlos vernetzten Sensoren signalisieren jede auffällige Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Auf diese Weise gelangen schon erste Unregelmäßigkeiten via KBS an den diensthabenden Arzt. Anhand der übermittelten Daten und nach telefonischer Rücksprache mit dem Patienten kann dieser dann die nötigen Maßnahmen in die Wege leiten. “Das Ziel unseres Projektes senSAVE ist es, Patienten und Patientinnen mit erhöhtem Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen in ihrem täglichen Leben zu unterstützen, ihre Selbstständigkeit zu erhöhen und sie vor Notfällen zu bewahren”, erklären die Fraunhofer Medizintechniker im Vorfeld der MEDICA.

High-Tech für den Patientenalltag

Was senSAVE bietet, erinnert tatsächlich eher an futuristische Filme denn an die realen Möglichkeiten heutiger Technik. Über “modular konfigurierbares Multi-Parameter-Monitoring (MPM)-System” oder die “intelligente Signalauswertung und Funkanbindung für den mobilen Langzeiteinsatz” lassen sich aussagekräftige, medizinische Parameter wie EKG, Blutdruck und Sauerstoffsättigung mit Hilfe der winzigen, intelligenten Sensoren messen. Was früher lediglich in der Praxis des Arztes funktionierte, läuft jetzt in der vertrauten Umgebung des Patienten ganz nebenbei ab: die Bewertung des Vitalzustands und die Identifikation einer Zustandsverschlechterung. Die drahtlose Vernetzung der Sensormodule über ein körpernahes Funknetzwerk, das so genannte Body Area Network (BAN) garantiert dank der Online-Anbindung die Alarmierung der betreuenden Instanzen, falls es zu einem Notfall kommt. Zwar gab es auch bisher für den häuslichen Einsatz mobile Geräte, die beispielsweise ein EKG aufzeichnen konnten. Auch Blutdruckmessapparate, die in festen Zeitabständen eine Manschette aufpumpten, gehören zum Repertoire der Überwachungsmedizin außerhalb der Reichweite eines Arztes. Doch all diese Systeme sind nicht nur groß und unbequem – keines von ihnen ist in der Lage, die aufgezeichneten Daten in Echtzeit an den behandelnden Arzt zu übermitteln. Und wenn doch, dann eher als kuriose Notlösung: In Israel beispielsweise können Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen bei spürbaren Beschwerden ein spezielles Handy an die Brust drücken, das die vitalen kardiologischen Daten an den Arzt übermittelt – zu einem Zeitpunkt also, da Hilfe oft nicht mehr rechtzeitig kommt, weil eben die entsprechenden Symptome später auftreten als die vom Patienten nicht wahrgenommenen kardiologischen Veränderungen. Dem Wunsch deutscher Forscher zufolge sollen hierzulande Menschen auf derartige Praktiken verzichten können und besser auf die senSAVE-Sensoren vertrauen. Vor zu viel Technik am eigenen Leib müsse sich auch niemand fürchten. “Wir legen Wert auf das einfache Anlegen, Tragen und Wechseln der Sensoren”, betonen die Entwickler. Über die Einsatzmöglichkeiten von senSAVE sind sich die Fraunhofer-Fachleute einig. Gerade für die ambulante Behandlung chronisch kranker und alter Menschen käme das neuartige System in Frage. Doch nicht nur Patienten könnten davon profitieren. Auch für Sportler oder sogar Wellness-Freaks wäre eine Anwendung möglich.

Rechtliche Hürden müssen genommen werden

Grund zur Euphorie besteht indes noch lange nicht. Denn die zentralen Hürden, die es nach Ansicht von Experten auf dem Weg zur bundesweit funktionierenden Telemedizin, zu der senSAVE auch gehören würde, zu nehmen gilt, sind juristischer Natur: Wer wann auf welche Daten zurück greifen darf, ist bis heute nicht richtig geklärt. Wie stark aber solche Rechtsunsicherheiten den technologischen Fortschritt bremsen können, demonstriert das Beispiel USA. Dort wurden die juristischen Fragen in den Jahren 1997/98 geklärt -anschließend setzte ein enormer Entwicklungsschub auf dem Gebiet der Telemedizin ein.

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