Apothekensoftware ist fit für die Karte

23. November 2005
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Chipkarten-Show in Düsseldorf: Auf der Medizinmesse Medica zeigte ein Apothekensoftwarehaus, wie sich Gesundheitskarte und Heilberufeausweis ohne viel Federlesens in die EDV integrieren lassen.

“Zwei Wochen haben wir gebraucht, um unsere Apotheken-Softwaresysteme so um zurüsten, dass sie mit Gesundheitskarte, Arzneimitteldokumentation und elektronischem Rezept klar kommen”. Das Bekenntnis von Silvano Genthner von der Firma ADG Pharmacy Software auf der Düsseldorfer Medizinmesse Medica unterstreicht einmal mehr, dass die EDV-seitige Umsetzung von Chipkartenfunktionen und Anwendungen wie eRezept oder Medikations-Check kein echtes Problem ist. Voraussetzung: Die Verbände einigen sich präzise auf die technischen Details. Und die Netzfunktionen werden so weit wie möglich aus der EDV ausgelagert und in Netzwerkbauteile verlegt.

Ein simples Update genügt, um die Apotheken-EDV fit zu machen.

Das praktische Handling für den Apotheker ist denkbar einfach. Die gewohnte Nutzeroberfläche seines EDV-Systems wird kaum verändert. Einige neue Buttons werden sichtbar. Mit ihnen erfolgen unter anderem die Checks auf Kontraindikationen und Wechselwirkungen, falls der Patient, der ein elektronisches Rezept mit seiner Gesundheitskarte einlösen möchte, eine Arzneimitteldokumentation führt. Bei der Bedienung eines elektronischen Rezepts kann der Apotheker wählen, ob er die rezeptierten Medikamente als Liste ansehen möchte, oder ob er die traditionelle Ansicht in Form eines digital umgesetzten Rezeptformulars bevorzugt. Beides ist möglich und völlig gleichwertig. Dass nun gerade ADG sich zum Schrittmacher der Kartenumsetzungen macht, ist insofern bedeutsam, als die Firma eine der ganz Großen auf dem Markt ist. Nach Angaben von Genthner deckt das Unternehmen mit Systemen wie S 3000 und M 3000 ein Fünftel bis ein Viertel des Apotheken-EDV-Markts ab. Die Umsetzung der Arzneimitteldokumentation und die Anbindung an die zentrale Infrastruktur wurde bei dem auf der Medica vorgestellten ADG-Prototypen von der Firma InterComponentWare realisiert. Die Walldorfer gehörten ursprünglich zu den Pionieren auf dem Sektor der elektronischen Gesundheitsakten im Internet. Sie etablieren sich aber zunehmend als Anbieter, der auch die Integration von Softwaresystemen und Netzwerkfunktionen übernimmt. Dafür wurde ein Software Development Kit entwickelt, der den Herstellern von Apotheken- oder Praxis-EDV-Systemen die Umstellung so einfach wie möglich machen soll.

Karte her, Tüte auf, Packungen rein, fertig.

Greifbar wurde in Düsseldorf auch, was die Umstellung auf elektronische Rezepte für den Apothekenalltag bedeuten kann, wenn die “Digitalisierung” der Prozesse konsequent zu Ende gedacht wird. Dank elektronischer Rezeptierung entfällt die mühsame Eingabe der Rezeptdaten ins Warenwirtschaftssystem. Die Abrechnungsdaten werden automatisch ans Apothekenrechenzentrum weiter geleitet. Der Apotheker hat mit all dem nichts mehr zu tun. Wird schließlich in einer größeren Apotheke mit einem automatisierten Lager gearbeitet, dann genügen wenige Mausklicks und der Lagerroboter stellt die Medikation des Patienten zusammen, ohne dass dafür auch nur irgendetwas eingetippt werden müsste. Gleich mit entwickelt haben ADG und InterComponentWare auch das erste wirklich formschöne Patiententerminal. Es könnte zum Beispiel in einer ruhigen Ecke der Apotheke stehen und den Patienten dort Zugriff auf ihre in der elektronischen Patientenakte abgelegten Daten verschaffen. Kleines Manko: Zu einer Preisschätzung ließ sich in Düsseldorf noch niemand hinreißen.

IT wird zum Messehit

Dass die Zeit der Karten im deutschen Gesundheitswesen jetzt angefangen hat, wurde auf der Medica auch an anderen Stellen mehr als deutlich. Abgesehen vielleicht vom Siemens-Stand, wo am Donnerstag ein komplett neuartiges Computertomographiegerät aus der Taufe gehoben wurde, war es kaum irgendwo so lebhaft wie in den beiden IT-Hallen 16 und 17. Gleich am ersten Tag fand eines der Hauptereignisse der ganzen Messe statt, nämlich die Übergabe der ersten “echten” elektronischen Arztausweise im Design der Bundesärztekammer an Vertreter von mehreren Landesärztekammern. Tatsächlich waren die Ausweise nicht wirklich echt und funktionsfähig, aber schöne Bilder gab das allemal. Ob der Schwung der Messe ausreicht, um die jetzt anstehende Auswahl der Modellregionen zu befeuern, bleibt abzuwarten. Die Chancen sind nicht schlecht, und zumindest die Apotheker sollten mit den Karten relativ schnell klarkommen und einen Nutzen im Apothekenalltag verspüren.

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