Joggen gegen Altersvergesslichkeit

12. Dezember 2005
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Wer mit zunehmendem Alter durch Joggen und eine entsprechend gesunde Lebensweise seinen Blutdruck nicht unkontrolliert in die Höhe schießen lässt, bleibt länger fit - auch im Kopf.

Irgendwie haben es alle begeisterten Hobby-Jogger gewusst: Regelmäßiges moderates Laufen trainiert das Herz, verbessert die Kondition und stimuliert das Immunsystem. Dass dabei Glückshormone freigesetzt und Stress abgebaut werden, ist für die Community ohnehin klar. Was US-Wissenschaftler nun verkünden, setzt dem positiven Image dieser Ausdauersportart noch die Krone auf: Joggen hilft auch gegen Altersvergesslichkeit.

Was auf ersten Blick nach einer netten Meldung ohne medizinischen Hintergrund aussieht, entpuppt sich als kleine Sensation. Denn erstmals konnten Forscher an der Harvard Medical School zeigen, dass Menschen mit Bluthochdruck im Alter deutlich schlechtere kognitive Leistungen aufweisen als Kontrollgruppen ohne Hypertension. Die Longitudinalstudie über fast 30 Jahre gilt als eine der umfangreichsten ihrer Art und als Novum zugleich, denn bislang war der Zusammenhang zwischen Bein- und geistiger Arbeit weitgehend unbekannt.

Um herauszufinden, wie Bluthochdruck die geistige Fitness im Alter beeinflusst, bedienten sich die Forscher einer einzigartigen Datenbank. Sie griffen auf die seit 1963 aufgezeichneten Patientendaten des Department of Veterans Affairs (VA), die so bezeichnete Normative Aging Study (NAS) zurück, an der insgesamt etwa 2280 Patienten untersucht worden waren. Weil es sich bei den Studienteilnehmern ausnahmslos um Veteranen der amerikanischen Streitkräfte handelte, konnten die Mediziner dreißig Jahre nach Beginn des Untersuchungszeitraums rund 1000 Patienten mit einer Reihe von kognitiven Tests konfrontieren – um aus dem Abgleich der Morbiditätsdaten mit den Testergebnissen des Jahres 1993 Rückschlüsse über die Rolle des Bluthochdrucks zu gewinnen. Unter anderem mussten die Studienteilnehmer Wörter nachsprechen, die sie zuvor von Band ein Mal gehört hatten. Auch der Redefluss, ebenfalls ein Indiz für die kognitive Leistungsfähigkeit, wurde analysiert.

Die Unterschiede zwischen Senioren mit Bluthochdruck und ihren körperlich fitten alten Mitmenschen ohne Bluthochdruck war mehr als erstaunlich. Während bis zu einem Alter von etwa 65 Jahren beide Gruppen keine wesentlichen Unterschiede aufwiesen, trennte sich anschließend die Leistungsfähigkeit erheblich. Im Alter von 80 Jahren konnten Menschen ohne Bluthochdruck beispielsweise noch 20 vorgegebene Wörter flüssig nachsprechen – die wenig aktiven Hypertoniker hingegen brachten es nur noch auf 10. Verändert demnach nicht Alter allein unsere geistige Fitness?

“Die Antwort lautet ja”, schreiben die Autoren. Es sei vor allem der Einfluss des Blutdrucks, der darüber entscheidet, wie lange der Mensch – Altersdemenz und Alzheimer ausgeschlossen – seinen Gedankenfluss am Laufen halten kann.

Jogging: Regelmäßig zum Ziel

Dass dynamische, aerobe Belastungen mit geringem Krafteinsatz den Blutdruck senken, haben in der Vergangenheit viele andere Studien belegt. So gehört auch Jogging zu jenen Volumenbelastungen, “bei denen das Herzzeitvolumen linear zur Intensität zunimmt, während der periphere Gefäßwiderstand abfällt”, wie Wilfried Kindermann, Professor am Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes, im Fachblatt CardioVasc erklärt. Demnach senkt Joggen den systolischen und den diastolischen Blutdruck, wie eine bereits im Jahr 2003 publizierte Studie aufzeigt: Die systolische bzw. diastolische Blutdrucksenkung machte im Durchschnitt immerhin 3/2 bzw. 7/6 mmHg aus. Diese Effekte sind offensichtlich unabhängig vom Alter. Nach wenigen Wochen können betagte Jogger auf die rettende Blutdrucksenkung hoffen – vorausgesetzt, sie trainieren regelmäßig. Allerdings dürften messbare Erfolge nicht dazu führen, sich darauf auszuruhen, schreiben die Wissenschaftler, denn rund zwei Wochen nach dem Unterbrechen des Trainings stieg der Blutdruck wieder auf frühere Werte an.

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