Myeloproliferative Neoplasien: Mutation entdeckt

18. Dezember 2013
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Forscher entdeckten eine Genmutation, die für rund 15 Prozent der Blutbildungsstörungen Myeloproliferative Neoplasien verantwortlich ist. Die Ergebnisse könnten zukünftige Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten für MPN-Patienten verbessern.

MPN sind eine Gruppe von Bluterkrankungen, die durch die exzessive Produktion von Blutzellen, wie den roten Blutkörperchen oder Blutplättchen, charakterisiert werden. Patienten mit MPN leiden häufig unter Thrombosen und entwickeln in manchen Fällen schwer behandelbare Leukämien. Obwohl die Zahl der jährlich neu diagnostizierten Fälle niedrig ist (0,4 Fälle pro 100.000 Einwohner, pro Jahr), ist die Gesamtzahl der durch die langjährige chronische Erkrankung betroffenen Patienten dennoch hoch. Insgesamt wird die Zahl der MPN-Patienten in der EU auf rund 300.000 geschätzt.

Entdeckung des veränderten Gens

MPN trat erstmals 2005 durch die Entschlüsselung einer Mutation des Gens Janus-Kinase-2 (JAK2) in den Brennpunkt des Interesses der Krebsforschung. Die Entdeckung der Mutation durch Robert Kralovics lieferte die Erklärung für die Ursache von MPN in rund 75 Prozent der MPN-Patienten. Die JAK2-Mutation spielt heute eine wesentliche Rolle in der Diagnose von MPN. Des Weiteren werden JAK2-Inhibitoren als Therapie für MPN-Patienten eingesetzt.

Die verbleibenden 25 Prozent der Patienten konnte von dieser Entdeckung jedoch nicht profitieren, weil deren MPN nicht durch JAK2-Mutationen verursacht wurden. Die Forschungsgruppe um Robert Kralovics am CeMM hat sich auf diese Gruppe von Patienten fokussiert, die an der MedUni Wien von Professor Gisslingers Gruppe diagnostiziert und behandelt wurde. Zusätzlich konnte durch eine Kollaboration mit Mario Cazzola, an der Universität Pavia in Italien, weitere Patienten in das Forschungsprojekt inkludiert werden.

Präzise Diagnosen möglich

Der Einsatz von „Next-Generation Sequencing“, eine Technik die es ermöglicht im Hochdurchsatz das Erbgut von betroffenen Patienten zu entziffern, verhalf dem Forscherteam zur Entdeckung einer Mutation, die jenes Gen betrifft, welches das Protein Calreticulin kodiert (CALR). Diese Mutation trägt daher zum wesentlichen Verständnis der molekularen MPN-Pathogenese bei. Zusätzlich hat die Forschungsarbeit ergeben, dass MPN-Patienten mit einer CALR-Mutation ein geringeres Risiko aufweisen an Thrombose zu erkranken und eine höhere Überlebensrate haben als Patienten mit einer JAK2-Mutation.

Demnach haben MPN-Patienten mit einer CALR-Mutation einen milderen Krankheitsverlauf als Patienten mit einer JAK2-Mutation. „MPN-Patienten mit einer CALR-Mutation können weniger aggressiv therapiert werden als Patienten, bei denen eine JAK2-Mutation festgestellt wurde“, so Heinz Gisslinger, Hämatologe an der MedUni Wien.

Patienen mit einer CALR-Mutation profitieren

Durch die Entdeckung der CALR-Mutation konnte ein diagnostischer Test entwickelt werden, von dem betroffene Patienten einen unmittelbaren Nutzen haben. „Wir arbeiten nun daran, den Mechanismus zu verstehen, wie eine CALR-Mutation zu MPN führen kann, und werden uns mit allen Mitteln darauf konzentrieren, Möglichkeiten für neue Therapien zu erarbeiten. Diese können immunologisch sein, oder durch kleine Substanzen erfolgen“, so Robert Kralovics.

Originalpublikation:

Somatic Mutations of Calreticulin in Myeloproliferative Neoplasms
Thorsten Klampfl et al.; New England Journal of Medicine, doi: 10.1056/NEJMoa1311347; 2013

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