Hanteltraining für Synapsen

13. Januar 2006
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Wer rastet, der rostet - was für Arme und Beine gilt, trifft natürlich auch für unser Gehirn zu. Nachlassende Plastizität im Denkapparat reduziert, so die Erkenntnis der Hirnforscher, das kognitive Potenzial im Alter. Das muss nicht sein. So verspricht beispielsweise eine neue Fitness-Software, den müden Gehirnzellen wieder auf die Sprünge helfen.

Nachlassende Plastizität alternder Denkapparate

Neuere Forschungen auf dem Gebiet der Neurowissenschaften haben herausgefunden: Wer in jungen Jahren viel lernt, wird später schneller denken. Dies lässt sich anhand der zunehmenden Plastizität der Synapsen im Denkapparat nachvollziehen, so die Forscher. Im Alter nimmt die Geschwindigkeit, mit der Informationen verarbeitet werden, wieder ab. Für die Verlangsamung des Denkprozesses wird die nachlassende Aktivität der biologischen Verbindungen verantwortlich gemacht. Das Fazit der Forscher: Gehirn-Training könnte Synapsen wieder auf Trab bringen. Michael Merzenich, langjähriger Neurowissenschaftler an der University of California in San Francisco (UCSF), nutzte diese Erkenntnisse für seinen Trainingsansatz. In 2003 begann er, eine Software zu entwickeln mit dem Ziel, die Erhaltung der Plastizität zu trainieren.

Denkzentrale auf Verjüngungskur

Vor kurzem stellte Michael Merzenich seine ersten Erfahrungen mit der Gehirn-Trainings-Software vor. Das neu entwickelte Computer-Programm liest den Testpersonen Geschichten in unterschiedlichen Geschwindigkeiten vor. Zunächst langsam und dann immer schneller, je nach Leistung des Einzelnen. An den ersten Tests nahmen 95 Personen zwischen 63 und 94 teil. Das Resultat lässt sich sehen. Im Schnitt verjüngte sich die Denkzentrale um 10 Jahre. Mit diesem Ergebnis lieferte Michael Merzenich zumindest einen weiteren Beweis dafür, dass das alternde Gehirn durchaus reaktivierbar ist.

Bodybuilding fürs Gehirn

Die Wermutstropfen bei der Verjüngungskur: Für die Probanden war es knallharte Arbeit. Acht Wochen lang musste jeden Tag eine Stunde trainiert werden. Und wie lange der Trainingseffekt anhält, ist noch nicht erforscht. Ebenso fehlen Erkenntnisse über die Auswirkungen im normalen Alltag, wie beispielsweise beim Autofahren oder beim Einkaufen. Daran will Michael Merzenich mit seinen Kollegen in der nächsten Runde weiter arbeiten. Seine Vision ist ein Gehirn-Fitnesszentrum. Statt mit Hanteln und Gewichten sollen dann mit seinem Programm kognitive Bereiche, wie Sehvermögen, Ausführungskontrolle, Gleichgewicht oder Mobilität trainiert werden können.

Mentale Zeitreise

Vielleicht können die Neurowissenschaftler der Princeton University mit ihrer neuen Methode des Gehirntrackings zusätzliche Impulse für die Alters-Forschung liefern. Das Team nutzt für die mentale Zeitreise eine Technik, die es erlaubt, die sekündlichen Veränderungen beim Erinnerungsprozess zu visualisieren. Das Ergebnis aus zahlreichen Versuchen ist, dass es – vergleichbar mit Methoden im Wissensmanagement – auf die perfekte "Indexierung" bzw. das perfekte Stichwort ankommt, mit dem Erinnerungen aus dem Gedächtnis abgerufen werden können. "Our method gives us some ability to see what cues participants are using, which in turn gives us some ability to predict what participants will recall," erklärt Kenneth Norman, einer der Studienleiter aus Princeton. Er hofft, dass darauf aufbauend Wege gefunden werden, mit denen Menschen eine Strategie für ein Stichwortgedächtnis entwickeln können.

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