Depression: Junge, komm bald wieder

21. März 2013
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Angst, Depression und Burnout: Arbeitnehmer leiden zunehmend unter psychischen Beschwerden. Ohne Behandlung führt ihr Weg häufig in Richtung Frührente. Deshalb suchen Ärzte, Betriebsärzte und Arbeitgeber gemeinsam nach Lösungen.

Für Angestellte werden psychische Erkrankungen ein immer größeres Problem. Wie die Deutsche Rentenversicherung Bund berichtet, leiden 41 Prozent aller Arbeitnehmer, die eine Erwerbsminderungsrente beantragen, an seelischen Probleme – nicht selten durch ihren Job. Krankenkassen wie die DAK sind alarmiert, da sich Krankschreibungen aufgrund seelischer Leiden häufen. Mittlerweile sind Depressionen, Angststörungen und Co. bei Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen sogar schon auf dem zweiten Platz gelandet.

Gratifikationskrise am Schreibtisch

Warum Arbeitnehmer erkranken, kann vielfältige Gründe haben. Wissenschaftler entschlüsselten noch längst nicht alle Mechanismen, aber es gibt zumindest Erklärungsansätze wie das Modell beruflicher Gratifikationskrisen. Oftmals beginnen seelische Leiden mit großen Erwartungen hinsichtlich des Gehalts beziehungsweise der Aufstiegsmöglichkeiten. Arbeitnehmer geben alles und hoffen auf entsprechende Honorierung. Treten unrealistische Belohnungserwartungen nicht ein, kommt es zur Gratifikationskrise. Diese Theorie hatte Professor Dr. Johannes Siegrist, Düsseldorf, postuliert. Belohnungen bestehen demnach aus drei möglichen Komponenten: materieller Honorierung, immaterieller Anerkennung sowie einem sicheren Arbeitsplatz.

Weitere Erklärungsansätze gehen von veränderten Rahmenbedingungen aus. Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) sind hier an erster Stelle steigender Zeitdruck und Leistungsdruck zu nennen, gefolgt vom ständigen Umgang mit schwierigen Menschen. Das können Kunden, Patienten oder auch Schüler sein. Probleme mit Kollegen oder Vorgesetzten kommen mit hinzu. Befragungen haben ebenfalls gezeigt, dass Patienten unter zunehmender Technisierung und hohen Erwartungen hinsichtlich ihrer Mobilität leiden.

Kein Entrinnen aus dem Teufelskreislauf

Ganz egal, welchen Erklärungsansatz Kollegen zu Rate ziehen: Depressionen machen die Sache nur noch schlimmer. Psychische Störungen sind mit Antriebslosigkeit verbunden, und die Leistungsfähigkeit wird drastisch eingeschränkt – an sich schlechte Voraussetzungen, um im Job zu bestehen. Patienten tun sich schwerer, Entscheidungen zu fällen und ziehen sich aus dem Team zurück. Auch ihr Verhalten gegenüber Kunden verschlechtert sich. Kollegen und Chefs haben gegenüber seelischen Leiden noch immer Vorurteile oder sind mit der Situation an sich überfordert. Sie entziehen Betroffenen wichtige Projekte, diskreditieren sie im Kreis der Mitarbeiter und denken nicht selten über eine Kündigung beziehungsweise Frühpensionierung nach. Das hat Folgen: Laut Studien aus Finnland erhalten 20 Prozent aller Patient mit depressiven Episoden (major depressive disorders) innerhalb von fünf Jahren eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Doch es gibt weitaus bessere Wege aus der Krise.

Step by Step

Kommt es bei Patienten zu einer mittelschweren Depression oder einer Burnout-Phase, sollte die Behandlung auf drei Säulen ruhen: Leitliniengerechte Pharmakotherapie und Psychotherapie sowie Schritte am Arbeitsplatz. Die ersten beiden Maßnahmen beginnen idealerweise ambulant innerhalb von zwei Wochen, mit sechs bis acht Wochen Dauer ist zu rechnen. Direkt im Anschluss kommt das Hamburger Modell ins Spiel, um Wege zurück in die berufliche Normalität zu ebnen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für eine stufenweise Wiedereingliederung, je nach Genesungsfortschritt. Der Vorschlag, am Hamburger Modell teilzunehmen, kann sowohl vom Patienten als auch vom Arzt oder von der Krankenkasse kommen. Ziel ist, die Arbeitsstunden pro Tag langsam wieder zu steigern. Das bedeutet für gesetzlich Versicherte keine finanziellen Einbußen. Sie gelten während dieser Phase als arbeitsunfähig erkrankt und erhalten weiterhin Krankengeld. Die Grundlagen sind im V. Sozialgesetzbuch, § 74 sowie im IX. Sozialgesetzbuch, § 28, nachzulesen.

Wenn der Beruf gesund macht

Eine sukzessive Rückkehr in den Job kann laut Privatdozentin Dr. Karin Siegrist, Düsseldorf, sogar die Genesung fördern. Extreme, langfristige Krankschreibungen (Absentismus) oder volle Berufstätigkeit trotz bestehender Grunderkrankung (Präsentismus) führen in die falsche Richtung. Ob sich der alte Arbeitsplatz für schrittweise Wiedereingliederungsmaßnahmen überhaupt eignet, kann nicht generell beantwortet werden. Vielmehr sollte der behandelnde Arzt zusammen mit dem Betriebsarzt und dem Vorgesetzten gemeinsam alle Rahmenbedingungen diskutieren. Oft nehmen an Wiedereingliederungsmaßnahmen auch Vertreter des Betriebsrats teil. Findet das Team hohe psychosoziale Belastungen, kann es sinnvoll sein, Rahmenbedingungen anzupassen oder einen anderen Job im Unternehmen zu suchen, falls möglich.

Gelingt die Umsetzung, finden Patienten Wege aus dem Teufelskreislauf und profitieren von mehr Lebensqualität. Gleichzeitig verringern sich depressive Symptome. Maßnahmen nach dem Hamburger Modell lassen sich auch pharmakologisch unterstützen.

Antidepressiva – immer noch ein heißes Eisen

In dieser Phase sollten Ärzte vor allem Medikamente verschreiben, die ein breites Wirkspektrum haben, aber nicht sedieren. Eine ältere Arbeit in “The Lancet” untersucht verschiedene Pharmaka hinsichtlich ihrer Effektivität und Akzeptanz bei Depressionen. An erster Stelle nennt der Artikel Escitalopram und Sertralin. Unabhängig vom Wirkstoff sollten sich Ärzte und Apotheker Zeit nehmen, um intensiv zu beraten. Vorurteile, entsprechende Medikamente würden abhängig machen, halten sich bei Laien hartnäckig bis heute. Das Fazit: Sie nehmen Tabletten nicht oder nur in verringerter Dosis ein, während sich Ärzte wundern, warum ihre Behandlung nicht fruchtet. Dann wird ein anderer Arzneistoff getestet – wieder ohne Erfolg.

Prophylaxe statt Therapie

Zwar helfen Konzepte wie das Hamburger Modell vielen Patienten, um erfolgreich in den Beruf zurückzukehren. Personalverantwortliche sollten dennoch überlegen, welche Maßnahmen sie prophylaktisch im Betrieb ergreifen können, etwa durch Information und Schulung von Führungskräften. Speziell für Angestellte bieten Firmen in den USA mittlerweile Employee Assistance Programs (EAPs) an. Ihr Ziel: durch die Vermittlung von kurzfristigen Beratungsangeboten Mitarbeitern helfen, ihre Probleme zu meistern. In Deutschland heißt das Zauberwort “betriebliches Gesundheitsmanagement”. Dessen Grundidee ist alles andere als taufrisch – bereits 1986 formulierten Repräsentanten der Weltgesundheitsorganisation WHO mit ihrer Ottawa-Charta Eckpunkte, damit Arbeit nicht krank macht.

Sinnvolle Rahmenbedingungen, um eine ausgewogene Work-Life-Balance zu schaffen, gehören mit zum Konzept. Nur mit der Umsetzung sieht es schlecht aus. Viele Betriebe haben allerdings in den letzten Jahren die Bedeutung erkannt und entsprechende Programme auf den Weg gebracht. Jetzt fordern Arbeitsmediziner, Gefährdungsbeurteilungen anhand geeigneter Screeningverfahren durchzuführen. Gelänge es, Risikogruppen zu identifizieren, ließen sich prophylaktische Maßnahmen gezielter einsetzen.

129 Wertungen (3.91 ø)
Medizin

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29 Kommentare:

Dr. med. Johannes Wittmann
Dr. med. Johannes Wittmann

Die Diskussion zeigt, dass die Diagnose “Burn Out” hier in völlig unterschiedlicher Weise gebraucht wird.
Ich finde den Hinweis von Herrn Dr. Loenicker wichtig.

Der typische Burn out Patient “schleppt sich nicht zur Rente”.
Er arbeitet gern, engangiert, hochmotiviert, professionell und (zu)viel. Er hebt sich durch sein Engagement und seine Erfolge von den Kollegen ab. Erst im Laufe der Zeit entwickelt sich das Syndrom, das viele als Burn out bezeichnen. Er ist in der Regel der letzte, der glaubt, dass er an einem “Burn out” leidet.
Burn out darf nicht mit Überforderung gleichgesetzt werden.
Überforderung ist eine der typischen psychischen Fehlbelastungen des Arbeitsplatzes. Sie kann durch Auswahl geeigneter Aufgaben für Mitarbeiter oder umgekehrt Auswahl geeigneter Mitarbeiter für Aufgaben vermindert werden.

Übrigens ist das Risiko, psychisch zu erkranken bei Arbeits- und Erwerbslosen tatsächlich etwa doppelt so hoch wie bei Erwerbstätigen. Die Verordnungsmenge von Psychopharmaka ist bei Arbeits- oder Erwerbslosen deutlich höher als bei Erwerbstätigen.
Für mich bedeutet dies, dass die Diskussion über den Arbeitsplatz als potentiellen Auslöser psychischer Krankheit wesentlich differenzierter geführt werden muss.

#29 |
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Monika Geissler
Monika Geissler

Da zeigt sich auch leider Gottes mal wieder unsere “Zweiklassenmedizin”: ist man privatversichert, bekommt man auch sehr schnell einen Platz in der ppsychosomatischen Klinik.Die gesetzlich Versicherten bleiben somit meistens auf der Strecke.

#28 |
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Nichtmedizinische Berufe

Herr Dr. med Egbert Loenicker,

oft wahrscheinlich eher umgekehrt. Das Betriebsklima, Kollegen und Chefs lernt man meist erst später so richtig kennen. Von den Arbeitsbedingungen mal ganz abgesehen.

Doch dann ist es zu spät.

Wie soll so eine Prüfung aussehen? Testmobbing?

Grüße

#27 |
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Nichtmedizinische Berufe

Ich kenne jemanden, der hat am 20.09.12 die Aufnahme in eine psychosomatische Klinik bei dieser beantragt. Mußte dann nochmal Unterlagen nachliefern. Im November. Januar 13 hat er nachgefragt. Aufnahme ja, wahrscheinlich März/April 13. Dann bat er um ein Gespräch vor Ort. Das war im Februar. Da hieß es, April. März erfuhr er – erstmals schriftliche Aufnahmebestätigung – es würde Juni und könne sich um mehrere Wochen verschieben.

Allein das ist für einen depressiven Patienten mehr als belastend. Der Patient wartet nun… und wird – sehr arbeitgeberfreundlich, ca. 5 bis 10 Tage vorher den endgültigen Aufnahmetermin erfahren.

#26 |
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Es sollte seitens des zukünftigen Arbeitgebers und des zukünftigen Arbeitnehmers a priori geprüft werden ob der Arbeitnehmer den bevorstehenden Berufsbelastungen auf Dauer auch gewachsen ist.

#25 |
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Herr Kinecker zeigt uns allen
ein ganz gutes Erklärungsmodell bzgl. der Entstehung eines Burn Out ( letzlich einer Depression ) (C+/sekundärer Krankheitsgewinn). Sollte man sich immer wieder vor Augen führen.

#24 |
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Nach 6-8 Wochen Wartezeit Psychotherapie?
Vielleicht im Schlaraffenland!;)

#23 |
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Nichtmedizinische Berufe

Solange Arbeitskräfte Wegwerfartikel sind, wird sich auch nichts ändern.

Sehen wir uns doch die Arbeitswelt an, die Führungsqualitäten so mancher “Führungskraft”. Den Druck, die Sparzwänge. Riesige Großraumbüros mit Dutzenden von Menschen.

Das sich das so entwickelt, wundert mich nicht im geringsten.

#22 |
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PD Dr. med.  Anne-Kathrin Riethling
PD Dr. med. Anne-Kathrin Riethling

Nach gut überstandener Schwangerschaft wieder voll im Beruf, stolperte ich einige Jahre von einem leichten Infekt zum anderen. Immer gerade so, dass ich es ohne Krankschreibung überstand, bis ich das Gefühl hatte, nicht mehr weiter zu können. Der Berg unerledigter Arbeiten wurde immer größer.

Eine befreundete Kollegin beantragte für mich eine Kur, was heute ohne den Nachwweis vorausgegangener wiederholter Krankschreibungen wohl kaum noch Aussiht auf Erfolg hätte.

Nach drei Wochen ohne berufliche und familäre Verpflichtungen kam ich völlig gesund wieder zurück, die liegengebliebene Arbeit war schbnell aufgearbeitet. Mehrere Jahre kein einziger Infekt! Die Doppelbelastung Familie und Beruf war kein Problem mehr.

Vielleicht könnte eine etwas großzügigere Bereitstellung von Kuren auch heute manchem Fall von Burnout vorbeugen.

#21 |
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Bürgerin Marina Bausmer
Bürgerin Marina Bausmer

Zu weite Arbeitswege,zulange Arbeitszeiten zuviel Arbeit ,zuwenig Rücksicht zuwenig Platz, zuwenig Lohn, zuviel Dienstbarkeit,zuwenig Rückzugsmöglichkeiten, zuwenig Pausen,zuwenig Urlaub zuwenig Zeit für sich selbst zuwenig Zeit für die Familie zuwenig Zeit für die Gemeinschaft machen sehr krank und das müsste man ändern –

#20 |
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@Katja Sass: Könnte auch Ironie sein!

#19 |
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Katja Sass
Katja Sass

Fritz Kinnecker

Ihr Kommentar ist für viele ein Schlag ins Gesicht, die sich regulär bis zu Rente schleppen müssen, weil sie nicht zu den besser Verdienenden gehören, und sollten sie dann doch um wenige Jahre verkürzen, haben Sie entsprechende Abzüge.
Sie sollten sich schämen hier damit so rumzuprotzen!!

#18 |
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Dr. med. Gitta Lysy
Dr. med. Gitta Lysy

Warum fragen wir uns nicht, wie ist die Prozemntzahl der Arbeitslosen bei der Depression und wie die der arbeitenden und warum? In der Geschichte steigt die Zahl der depressivren in allen Kulturen zu allen Zeiten mit dem vermeintlichen Wohlstand. Unter Wohlstand versteht ma offensichtlich etwas materielles. Es kann aber auch anders sein.

#17 |
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Psych.Psychotherapeutin Monika Koch
Psych.Psychotherapeutin Monika Koch

Die vielfältige Genese psychischer Erkrankungen ist in der Tat zu beachten.Hier schliess ich mich gerne Herrn Wittmann und seinen Ausführungen an.

Seit über 20 Jahren bin ich als selbständige Psychotherapeutin tätig und habe im Laufe der Zeit bemerkt, wie sich gesellschaftliche Strömungen und damit Themen auch in Krankheiten und geklagten Symptomen widerspiegeln. ( Borderline,ADHS, aktuell Zunahme von Aspergerpatienten und eben vielfältige Depressionsformen usw.usw. Der Begriff der Erschöpfungsdepression als angepassterer Ausdruck für den Burn-Out ist meines Erachtens genauso wenig aussagekräftig wie anno dazumal die “vegetative Dystonie” es war.
Menschen leiden jedoch enorm unter ihrer Erschöpfung,Überforderung,Versagensängsten und dramatischen Panikgefühlen und die wenigsten simulieren hypochondrisch oder spekulieren auf eine Frührente, sondern fürchten sie eher, zumindest erlebe ich dies in meinem beruflichen Kontext.
Eine saubere diagnostische Erfassung und Beschreibung des Phänomens: Burnout und damit die standardisierte Aufnahme in ein psychiatrisches Diagnosemanual und damit auch klare Abrechenbarkeitskriterien, würden schon sehr viel weiterhelfen.Bis dahin werden Burnout und Depression undifferenziert in einen Topf geworfen und Menschen nicht zuletzt damit auch ein Stück weit diagnostisch stigmatisiert, denn wer will schon als depressiv gelten? Dann lieber doch “nur ” erschöpfend überarbeitet, extrem überfordert, aber eben doch noch klar im Kopf ??

#16 |
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Dr. med. Johannes Wittmann
Dr. med. Johannes Wittmann

Der Artikel ist eine schön zusammengefasste Übersicht zum Thema. Allerdings sollte man mit dem ursächlichen Zusammenhang zwischen psychischen Fehlbelastungen am Arbeitsplatz und psychischen Erkrankungen etwas vorsichtiger umgehen.
Ich will die vielfältigen psychischen Fehlbelastungen an den Arbeitsplätzen und die vorgeschlagenen Maßnahmen nicht in Abrede stellen.

Es jedoch nicht richtig, gleichzeitige Häufungen grundsätzlich wie einen ursächlichen Zusammenhang darzustellen. Die Diagnosegruppe psychische Erkrankungen in den Fehlzeitenstatistiken muss differenzierter betrachtet werden.Die vielfältige Genese psychischer Erkrankungen ist zu beachten. Die Aussage, psychische Belastung am Arbeitsplatz = Ursache für psychische Krankheit ist in dieser Einfachheit nicht korrekt und kann aktuell nicht als wissenschaftlich fundiert angesehen werden.
Das soll uns als Arbeitsmediziner aber nicht davon abhalten, die Arbeitgeber bei der Beurteilung der psychischen Belastungen an den Arbeitsplätzen zu unterstützen und auf Maßnahmen zur Minderung von Fehlbelastungen hinzuwirken.

#15 |
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Werner Bürgel
Werner Bürgel

Ich schließe mich dem Artikel von Miriam an. Mir ist ähnliches mit gleichem Ausgang widerfahren. Unfall Sohn, Querschnitt, (Aus-) Nutzung dieser Situation um aus dem Führungsmanagement im beidseitigem Einvernehmen das so sozial eingestellte Unternehmen zu verlassen. Also parallel 100% Behinderten zu pflegen, diese Situation zu meistern und dann noch nach 32 Berufsjahren ehrenhaft gehen zu dürfen. Da helfen ehr Psychopharmaka weniger. Besser Freunde und Verständnis. Eines stimmt. Alle die sich sozial verhalten im Unternehmen vom Betriebsarzt bis zu Coaches haben da keine Chance. Leider – denn deswegen nimmt die depression zu, Suizid oder fehlgeschlagene Suizids folgen. Das nennt man dann Burnout – oder der hat es nicht bewältigt.
Werner – Angestellter

#14 |
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Die Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes = Existenz ist einer der größten Stressfaktoren überhaupt.
Das limbische System ist dafür nicht ausgelegt.
Hinzu kommt beim Verlust des Arbeitsplatzes der Verlust eines großen Teiles des sozialen Umfeldes.
Natürlich kann man die Menschen unter Drogen setzen, nichts anderes sind Antidepressiva, dass sie diesen Zustand ertragen. Zielführend ist das nicht. Im Übrigen schließe ich mich Herrn Moehler an.

#13 |
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zu#9
ich sollte das auch mal versuchen mit dem burn out,
die Grippe hab ich schon genommen

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Zahnarzt

Bravo, Dr. Möhler, so denke ich auch.Sien sind ein kluger Mann, der Die Ursachen von der Wurzel her bedenkt.

#11 |
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Ich habe selten soviel Einigkeit in der Diskussion erlebt wie hier.

#10 |
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Ein guter und für den beruflichen Alltag wichtiger Artikel. Antidepressiva natürlich nicht grundsätzlich, sondern nur, wenn indiziert, und dann aber bitte auch leitliniengerecht!

#9 |
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Der Artikel greift ein wichtiges Thema auf, leider sind die von den Experten vorgeschlagenen Lösungsansätze in der Praxis selten umzusetzten: Mitgeteilte Wartezeiten von 6 bis 18 Monaten zur ambulanten Psychotherapie oder zur Erstvorstellung beim Psychiater, wochenlange Krankschreibung durch den Hausarzt ohne therapeutisches Konzept – um nur zwei Dinge zu nennen. Ergänzend muss zu den Wartezeiten gesagt werden, dass ich immer wieder auch Patienten erlebe, die innerhalb von 3 bis 6 Wochen einen Platz zur ambulanten Psychotherapie bekommen.
Ein weiteres Problem bei der Betrachtung der Problematik ist, dass Diagnosen wie Depression, Burnout oder Belastungsreaktion oft schnell aus der Schublade geholt werden und somit der Patient eine psychiatrische Diagnose bekommt, owohl er doch allzuoft “nur” Probleme mit der Lebensbewältigung (Schulden, Partnerschaftsprobleme, Arbeitslosigkeit, “Mobbing” am Arbeitsplatz, allein erziehende Mutter usw.) hat. Das es infolge dieser Probleme der Alltagsbewältigung auch zu einer psychischen Erkrankung kommen kann, steht außer Frage, die Häufigkeit der F-Diagnosen in diesem Zusammenhang ist meines Erachtens jedoch äußerst kritisch zu sehen.

#8 |
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Gunther Hanke
Gunther Hanke

Dr. Neil Nedley hat hervorragende Arbeit geleistet, indem er vor allem die Ätiologie der Depression in den Vordergrund rückt und damit einen kausalen Therapieansatz entwickelte. Diese quasi nebenwirkungsfreie Therapieform, mit der ich bei vielen Patienten auch unter Verzicht auf Medikamente hervorragende Ergebnisse gesehen habe, bleibt in der aktuellen Diskussion leider unberücksichtigt. Schade.

#7 |
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Auch die Depression nach Eintritt der Rentenalters nimmt zu!
wie gesalten wir unsere welt so ,das mehr miteinander und nicht nebeneinander da ist?

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Heike Ulrich
Heike Ulrich

Endlich mal jemand, der das Kind beim Namen nennt! Vielen Dank, Frau Dr.Kanzler und Herr Dr. Moehler!

#5 |
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Sehr richtig heißt es “idealerweise” sollten Pharmako- und Psychotherapie innerhalb von 2 Wochen beginnen. Leider lässt sich das angesicht monatelanger Wartezeiten wohl nur in der Theorie realisieren. In der Zwischenzeit verschlechtert sich der Zustand des Patienten häufig weiter und von Wiedereingliederung nach 6-8 Wochen Therapie kann dann keine Rede mehr sein…

#4 |
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Das Wort ‘ burn-out’ ist eine absolute Modediagnose. Geht aber halt so schnell, weil der Schuldige dann ja immer ein anderer ist und nicht man selbst. Die richtige Diagnose lautet dann aber meistens Depression. Lange au-ZEiten verschlimmern das PRoblem häufig, da hat der Autor völlig recht. Spätestens dann, wenn es in unstillbares Rentenbegehren umschlägt.

#3 |
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Psychotherapeut

Das sehe ich aber auch genau so wie Hr. Dr. Möhler
Kollegiale Grüße
Dr. Farago

#2 |
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Der Artikel ist wahr und tut niemandem weh.
Wollen wir es dabei belassen oder doch die asozialen und neoliberalen Strukturen der Wirtschaft verändern?
Solange Mitarbeiter unter Bedrohung ihrer Existenz zum Ausspionieren oder Ausnutzen von Untergebenen oder Kunden angehalten werden (natürlich nicht schriftlich), kann das Problem nicht medizinisch gelöst werden.
Gerade die Krankenkassen könnten ihre Macht hier zur Abwechslung mal nicht gegen die Leistungserbringer im Gesundheitssystem sondern gegen die pathogenen Strukturen einsetzen, oder geht es dort genauso zu wie in den neoliberalen Unternehmen?
Kollegiale Grüße
Dr. Möhler

#1 |
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