Feinstaub: Niedrigere Grenzwerte notwendig?

17. Dezember 2013
Teilen

Menschen, die über einen längeren Zeitraum Feinstaub aus Verkehrsabgasen ausgesetzt sind, haben, selbst wenn die Konzentrationen deutlich unter den geltenden EU-Grenzwerten liegen, ein erhöhtes Sterberisiko, so das Ergebnis einer aktuellen Studie.

Menschen, die über einen längeren Zeitraum gegenüber Feinstaub aus Verkehrsabgasen und industriellen Emissionen ausgesetzt sind, haben – selbst wenn die Konzentrationen deutlich unter den geltenden EU-Grenzwerten liegen – ein erhöhtes Sterberisiko. Das ist das Ergebnis einer europaweiten Studie, bei der über 360.000 Einwohner von Großstädten in 13 europäischen Ländern über zwei Jahrzehnte untersucht wurden.

Die jetzt in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichte Studie kommt zu der Schätzung, dass bereits eine Erhöhung der jährlichen Langzeitbelastung um 5 Mikrogramm Feinstaub (PM2.5) das Sterberisiko um 7 Prozent steigert. Ein solcher Unterschied von 5 μg/m3 Feinstaub im Jahresmittel besteht zum Beispiel zwischen einer Straße mit starkem und geringem Verkehrsaufkommen. Die Studie zeigt, dass das Sterberisiko von Menschen mit einer mittleren jährlichen Feinstaubbelastung von maximal 20 μg/m3 bereits deutlich erhöht ist. Der in Europa gültige Grenzwert von 25 μg/m3 ist also deutlich zu hoch.

Absenkung der Grenzwerte

In der European Study of Cohorts for Air Pollution Effects (ESCAPE) wurden die Daten aus 22 Kohortenstudien aus 13 europäischen Ländern mit insgesamt 367.251 Menschen zusammengefasst. Das IUF – Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung in Düsseldorf war mit der SALIA-Kohorte, einer Gesundheitsstudie an fast 5000 älteren Frauen aus dem Ruhrgebiet und dem Landkreis Borken, die bereits seit 1985 regelmäßig untersucht werden, an dieser Analyse beteiligt.

„Auch unterhalb der heutigen EU-Grenzwerte für Feinstaub können wir Auswirkungen auf die Gesundheit sehen“, erklärt Prof. Ursula Krämer vom IUF. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt derzeit einen Jahresmittelwert von 10 µg/m3 PM2.5. „Die Studie bekräftigt die Empfehlungen der WHO, dass wir niedrigere Grenzwerte benötigen“, sagt Professor Barbara Hoffmann, ebenfalls vom IUF. „Ein Grenzwert ist immer nur ein Kompromiss. Egal auf welchem Niveau sich die Feinstaubkonzentration befindet – eine Absenkung lohnt sich aus gesundheitlicher Sicht immer.“

Originalpublikation:

Effects of long-term exposure to air pollution on natural-cause mortality: an analysis of 22 European cohorts within the multicentre ESCAPE project
Rob Beelen et al.; The Lancet, doi: 10.1016/S0140-6736(13)62158-3; 2013

22 Wertungen (3.14 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

8 Kommentare:

Gast
Gast

Hallo @Georg Madre, Kaminkritik war gestern,
heute doch unverzichtbarer Teil von geförderter EE-Ideologie (“erneuerbarer Energie”),
schon der Begriff zeugt von wahrhaft tiefem naturwissenschaftlichen Verständnis.
Es müssen also unbedingt die Autos sein.
Auch wenn es heute schon Katalysatoren gibt, da ist die Luft hinten sauberer als vorne die reingeht,
… bis auf das nützliche CO2 (essentielle Pflanzennahrung),
das wird dann versteuert, nicht der Feinstaub.

Schlimm ist nur,
dass “Wissenschaftler” diesen grünen Mist unterstützen, ohne rot zu werden.

Unvollständige Verbrennung in Wohnungen (im Winter) kombiniert mit schlechter Lüftung führt auch heute noch zu Todesfällen mitten in Deutschland.

mfG

#8 |
  0
Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

FAKTEN:
der geltende EU-Grenzwert für Innenstädte ist 50 ppm
In einer deutschen gut isolierten Wohnung mit glatten Böden (Laminat etc.) beträgt der Wert 60ppm, bei altmodischen Teppichen reduziert sich das bis auf 30 ppm.
Tendenziell steigt der Wert bei trockener (Heizungs)-Luft. Ist ein oder mehrere Raucher anwesend geht das leicht auf über 1000 ppm. Duftkerzen haben ähnliche Wirkungen. Staubsauger (ohne “Schutzmaßnahmen”) sind ebenso ganz leistungsfähige Feinstaubschleudern und in Schlafzimmern ist es der feine schwebende Milbenkot von Kopfkissen etc.
Für ALLE Fälle ist Lüften auch in Innenstädten sehr nützlich, im Winter evtl. zusätzliche Luftbefeuchtung im beheizten Wohnraum.
Auch in einem Deutschen Wald ist die Luft nicht besonders feinstaubarm.

Eine pauschale Feinstaubverteufelung ohne Beachtung der chemischen Zusammensetzung ist medizinischer Schwachsinn,

zumal die Messungen bei Autos immer noch insuffizienterweise nach Gewicht vorgenommen werden. Dabei kann z.B. mit einem (minderwertigen) Grobabgasfilter das Gewicht sinken und die Feinstaubmenge steigen.

Kurz:
grün-aktionistische Autofeindlichkeit ohne Vernunft.
Fast so schlimm, wie die Klimarettung.

#7 |
  0
Rüdiger Schöning
Rüdiger Schöning

Wie kommt man dazu Feinstaub für gefährlich zu halten? Sicherlich klingt es ersteinmal plausibel lungengängige Partikel für allerhand Gebrechen verantwortlich zu machen – aber wie soll ein Nachweis aussehen? Jeder Mensch der in irgendeiner Form Feinstaub ausgesetzt ist wird auch mit anderen Noxen konfrontiert. Außerdem ist es sicherlich nicht irrelevant, woher Feinstaub kommt und wie er chemisch zusammengesetzt ist. Da wird ohne Sinn und Verstand gegen Feststoffheizungen polemisiert obwohl unsere Vorfahren in Rauchhäusern mit enormen Partikelbelastungen gelebt haben – vor allgemeiner Einführung der Schornsteine die rauchfreies Heizen in den Wohnräumen ermöglichten. Auch müßten Raucher bei der postulierten Schädlichkeit lungengängiger Partikel wegsterben wie die Fliegen – tun sie aber nicht im erwarteten Ausmaß.

Sicherlich ist es wünschenswert unnötige Belastungen zu vermeiden – Tabakrauch wäre sehr einfach zu eliminieren. Feinstaub aus dielsgetriebenen Fahrzeugen ebenfalls – durch Rückkehr zum historischen Vorkammerprinzip das nicht-lungengängige Partikel produziert die sogar sehr effektiv als Feinstaub-Bindemittel wirken. Vielleicht wäre es auch nicht verkehrt auf’s Fliegen zu verzichten und bei benzingetriebenen Fahrzeugen auf Katalysatoren zu verzichten, die sicher krebserregende Platinpartikel emittieren. Auch darf man nicht die indirekte Feinstaubemission durch Elektromobilität vergessen – der Stom kommt aus Kraftwerken und die sind nicht alle feinstaubfrei. Das Salzen der Straßen sorgt auch für unnötigen Feinstaub – ersteinmal direkt als zermahlenen Salzpartikel mit Fremdanhaftungen und dann durch die Salzschäden (Fahrbahnen müssen frühzeitig erneuert werden, Hoch- und Tiefbauten ebenso wie auch die durch Rost zerstörten Fahrzeuge selbst).

Ob da wirklich Kaminöfen so sehr in’s Gewicht fallen?!?

#6 |
  0
Naturwissenschaftler

Feinstaub in aller Munde
Wie wird den die Belastung ermittelt?
Wie werden die allgemeinen Umweltbelastungen ausgeschlossen?
Mir kommt das sehr befremdlich vor.
Einwohner von Großstädten werden „getestet“ gegen wen oder was?
Ganz frei jeglicher weitere Belastung aus Umwelt und persönlicher Situation?
Und Schuld ist nicht nur der Straßenverkehr sondern auch die Kaminöfen.
Für mich offene Fragen über Fragen
G.Madre

#5 |
  0
Mitarbeiter Versicherung

Den Einwand von Dr. Kruse halte ich für berechtigt. Darüber hinaus könnten aufgrund der Wohnlage noch andere Fakoren wie z.B. eine erhöhte Lärmbelastung eine erhebliche Rolle spielen.

#4 |
  0
Zahnarzt

Es stellt sich aber die Frage, ob die Menschen, die einer erhöhten Abgas/Feinstaubbelastung ausgesetzt sind, in allen anderen Punkten der weniger belasteten Gruppe gleichen. Da habe ich meine ganz erheblichen Zweifel, daß sich die beiden Gruppen in Berufen, etc. gleichen. Wer z.B. wohnt an Hauptstraßen und wer in ruhigeren Gebieten?

#3 |
  0

Ein höchstqualifizierter Beitrag, den ich hinsichtlich Feinstaubimmissionen und Energievergeudung voll nachvollziehen kann. Mit der Kohlendioxidhypothese bin ich jedoch nicht da core, soll heißen: Dass der anthropogene CO2-Beitrag bzw. dessen Drosselung einen signifikanten Beitrag zur Klimaveränderung beitragen kann bezweifle ich.

#2 |
  0

Sorge in diesem Zusammenhang muß auch die Zunahme von Kaminöfen und Festbrennstoff-Heizungen machen !
In Wohngebieten sind in den Herbst- und Wintermonaten deutlich Verschlechterungen der Luftqualität durch stinkende – teils sogar mit Briketts beheizte Kaminöfen zu verzeichnen. Manchmal fühlt man sich bei diesem Gestankl an die ex-DDR erinnert.
Diese Dreckschleudern, die zusätzlich ihre Primärenergie nochsehr uneffektiv ausnutzen und den größten Teil der Wärme durch den Schornstein jagen gehören dringend verboten.
Ohnehin erschließt sich mir auch nicht die “Klimaneutralität” von Holzfeuerungen wenn Bäume, die in 60-80 oder noch mehr Jahren gewachsen sind in kurzer Zeit verheizt werden. Da ist die Bilanz eindeutig negativ weil die hoffentlich nachgepflanzten Jungbäume das erst in Jahrzehnten wieder einfangen können.
Vom freigestzten Feinstaub aus Ofenruß mal ganz zu schweigen.

#1 |
  0
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: