Sag mir, wo die Venen sind …

3. März 2006
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Jungmediziner aufgepasst: In den USA wurde jetzt ein miniaturisiertes Dopplerultraschallgerät entwickelt. Es hilft bei der Suche nach dem besten Ort für den intravenösen Zugang. Das Werkzeug ist nur das allerneueste Produkt in einer langen Reihe von ähnlichen Versuchen, das tägliche Kanülenlegen komfortabler zu machen.

Wiederholte erfolglose Versuche, eine intravenöse Kanüle zu platzieren, gehören zu den unangenehmeren Erfahrungen, die Ärzte mitunter mit ihren Patienten teilen müssen. Nicht nur die unnötigen Schmerzen, auch die ganze Situation mit dem direkten Blickkontakt zum leidenden Patienten, der für seine Venen ja auch nichts kann, machen das Ganze spätestens ab dem dritten Versuch auch psychologisch heikel. Kein Wunder also, dass seit einigen Jahren findige Köpfe in aller Welt versuchen, diesen Prozess durch technische Hilfsmittel zu entdramatisieren.

Um die Ecke geschallt

Das neueste Produkt in dieser Kategorie stammt vom Georgia Institute of Technology. Es nutzt Dopplerultraschalltechnik. Das ist an sich bekanntlich keine technische Revolution. Zentralarterielle oder zentralvenöse Zugänge werden auf vielen Intensivstationen dopplergesteuert gelegt. Doch dank der Entwicklung der US-Techniker wird nun auch der periphere Zugang dem Ultraschall zugänglich und zwar, das ist das Entscheidende, ohne dass der Echo- oder Sono-Wagen angerollt werden müsste. "Das neue an unserem System ist sein Design", sagt Professor Peter Rogers von der School of Mechanical Engineering an der Technikerschmiede im Südosten der USA. Das Gerät sei nämlich nicht nur tragbar, sondern auch noch preisgünstig, was nicht ganz selbstverständlich ist bei einem miniaturisierten Werkzeug wie diesem.

Technisch besteht das Gerät aus zwei Komponenten, einem wieder verwendbaren Teil, der die komplette Elektronik beherbergt und einer Wegwerfeinheit. Letztere dient als Führungsschiene für die Nadel. Außerdem beherbergt sie einen Reflektor. Dieser leitet den in der Haupteinheit erzeugten Ultraschall-Impuls um, damit die Schallwellen genau in jenem flachen Winkel in die Haut "eintauchen", in dem die Nadel später auch gestochen wird. Durch die Doppler-Komponente können Venen und Arterien problemlos unterschieden werden. Rückt eine Vene in den Ultraschallfokus des "Vein Finder", so der Name des Systems, ertönt ein Signal. Der junge Arzt oder die junge Ärztin kann dann selbstbewusst zustechen. Gesponsort wird die Entwicklung von dem Unternehmen Reynolds Medical Inc.. Firmengründer Connell Reynolds ist überzeugt, dass der "Vein Finder" schneller und zuverlässiger sei als alles, was bisher auf dem Markt ist. Im Handel erhältliche kommerzielle Systeme wie das Venoscope II arbeiten mit Licht, nicht mit Ultraschall.

Wenn der Sensor zweimal klingelt, haben Sie zu weit gestochen

Ein nicht so sehr alternatives, sondern eher zum "Vein Finder" komplementäres System ist ein Werkzeug mit dem spannenden Namen VEID. Es wird von der israelischen Firma Vascular Technologies hergestellt. VEID steht für Vein Entry Indicator Device, ein Gerät also, das uns verrät, wann wir uns in einer Vene drin befinden. Dies nämlich ist bekanntlich das zweite Kardinalproblem der periphervenösen Kanülierung. Vor lauter Freude, dass ihm das Blutreservoir der Kanüle den Venentreffer signalisiert, merkt der Unerfahrene nicht, dass er die Nadel längst weiter geschoben hat, stracks durch die Hinterwand der Vene ins umliegende Bindegewebe. Doch auch diesem Manne kann geholfen werden. Der VEID-Adapter, dessen Herzstück ein Drucksensor ist, kann an das proximale Ende herkömmlicher iv-Kanülen angedockt werden. Der Sensor reagiert auf Druckschwankungen an der Kanülenspitze, wodurch der Venentreffer innerhalb von (Herstellerangaben) 0,1 Sekunden wiederum durch ein akustisches Signal mitgeteilt wird. Auch das unfreiwillige Verlassen der Vene durch die Hinterwand wird akustisch durch einen dann eher demoralisierenden Ton signalisiert. Das Reservoir als ein gerade bei niedrigem Blutdruck wesentlich verzögerter Indikator wird dadurch überflüssig. Damit das Teil nicht jedes Mal komplett weggeworfen werden muss, wird übrigens mit sterilen Adaptern gearbeitet. Auf der Homepage des Herstellers lässt sich die Arbeitsweise von VEID in einer Animation (Klick auf "Demo") visuell und akustisch nachvollziehen.

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