Discount Apotheke: Für ‘n Appel und ‘n Ei.

8. März 2006
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Pfiffige Apothekenideen gedeihen nicht nur in Holland. Die easyApotheke in Hannover-Laatzen sorgte mit einem frechen Mix aus Discount und Beratung in der Presse für Schlagzeilen und in der Offizin für einen Kundenansturm. DocCheck fragte den Inhaber der easyApotheke, Apotheker Martin Klein, was er anders macht als seine Kollegen.

DocCheck: Was ist die Idee hinter der easyApotheke?

Klein: Die Apotheke von heute wird die nächsten fünf Jahre nicht überstehen. Wir haben deswegen ein neues Konzept entwickelt, das ganz auf günstige Preise setzt, und zwar über das gesamte OTC-Sortiment hinweg. Unsere Preise liegen bis zu 50 Prozent unter denen in niedergelassenen Apotheken.

DocCheck: Können Sie bei Ihren Kampfpreisen überhaupt leben?

Klein: Wir kaufen die OTC-Präparate überwiegend bei den Herstellern ein und profitieren von Vorteilen wie z.B. der Großhandelslizenz. Diese Vorteile geben wir an unsere Kunden weiter. Möglich wird das, weil wir auch einen Internetshop und einen Ebay-Shop bedienen. Wenn wir mit geringen Spannen arbeiten, müssen wir entsprechend viele Kunden haben. Das ist das Discount-Prinzip.

DocCheck: In den Diskussionen der vergangenen Wochen wurde Ihnen unter anderem unlauterer Wettbewerb vorgeworfen. Fühlen Sie sich als Nestbeschmutzer oder eher als Revoluzzer?

Klein: Ich will mich in keiner Richtung persönlich profilieren. Ich bin auch kein Mensch, der besonders gerne in der Öffentlichkeit auftritt. Rein rechtlich habe ich nur das umgesetzt, was seit 2004 gesetzlich möglich ist. Das kann jeder andere auch machen. Wir haben nichts Unerlaubtes getan. Der Vorwurf des unlauteren Wettbewerbs stammt von der Zentrale für Unlauteren Wettbewerb. Dahinter verstecken sich einer oder mehrere Kollegen. Man kann mir aber nicht nachsagen, in großem Umfang aktiv Werbung gemacht zu haben. Wir haben eine einzige Pressemeldung verschickt, und das Interesse war riesig. Die Bevölkerung will ganz offensichtlich, dass mal jemand etwas anders macht.

DocCheck: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft? Wollen Sie den deutschen Apothekenmarkt aufmischen?

Klein: Nein. Vor allem wollen wir unseren Mitarbeitern einen sicheren Job bieten. Dass wir damit richtig liegen, zeigt das Interesse, das uns von vielen Kollegen entgegen gebracht wird. Wir haben viele Anrufer, die uns fragen, was wir anders machen. Denen zu helfen, das kann ich mir gut vorstellen. Und wir denken auch darüber nach, ob wir nicht durch Weitergabe unseres Konzepts etwas Geld verdienen können. Den Begriff Franchising darf ich nicht mehr verwenden, das wurde mir untersagt, aber “Konzeptweitergabe”, das klingt doch gut.

DocCheck: Angenommen, Sie hätten die politische Macht, die Arzneimittelversorgung umzustellen: Was wären Ihre ersten Maßnahmen?

Klein: Es muss ein Weg gefunden werden, der es ermöglicht, dass der Apotheker wieder als Geschäftsmann akzeptiert wird. Zur Zeit gibt es für uns ungefähr so viele Regularien wie für den Kohlebergbau. Wir arbeiten fast schon staatlich, da muss unbedingt wieder mehr Freiheit rein. Bei der Gesetzgebung haben Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenkassen zu viel zu sagen und die Apotheker zu wenig. Inhaltlich wünsche ich mir einen Teil der alten Arzneimittelpreisverordnung zurück, und ich wünsche mir auch einen Teil der Festpreise zurück. Ich weiß aber, dass ich die Zeit nicht zurückdrehen kann. Deswegen haben wir jetzt gehandelt und die easyApotheke gegründet. In fünf Jahren werden uns Schlecker und Rossmann vormachen, wie es geht. Unser Ziel ist es, dass es die easyApotheke mit guter Beratung und günstigen Preisen dann auch noch gibt.

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