Go Future statt No Future.

10. März 2006
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Die Blutkonserven unterhalten sich per Funk. Die Röntgenbilder kommen aus einem anderen Stadtteil. Im neuen Klinikflaggschiff des Asklepios-Konzerns in Hamburg ist (fast) alles möglich - nur Dr. McCoy als Oberarzt fehlt noch. Selbst die niedergelassenen Ärzte werden im Future Hospital zum Teil der Matrix.

Schon der Umzug war bemerkenswert: Im laufenden Betrieb zog das alte LBK-Krankenhaus Hamburg Barmbek zum Jahreswechsel in einen über 600 Betten großen Neubau. Das Besondere an dem Gebäude ist dabei nicht so sehr die Architektur. Sie ist an moderne Wohnkomplexe angelehnt und erinnert an andere Klinikneubauten der letzten Zeit. Was Barmbek einzigartig macht, ist das, was unterhalb der Oberfläche liegt.

Asklepios, Microsoft und Intel machen das Krankenhaus zum Exportschlager

Als eine der ersten Kliniken überhaupt wurde das neue Asklepios-Flaggschiff von vorneherein so geplant, dass es die Möglichkeiten der Informationstechnik in der Patientenversorgung maximal ausschöpfen kann. Vom Stationsalltag über das Klinikarchiv bis zur Blutbank werden überall neue Techniken eingesetzt, die entweder die Stationsbürokratie verringern oder die Patientensicherheit verbessern sollen. Realisiert wurde das Ganze mit Unterstützung der beiden IT-Konzerne Microsoft und Intel. Sie wollen die Kooperation mit Asklepios nutzen, um einen Fuß in das Wachstumssegment digitales Gesundheitswesen zu bekommen. Auch Asklepios will auf den in Hamburg gesammelten Erfahrungen aufbauen und diese unter anderem in den Neubau zweier Universitätsklinika in China und Portugal einfließen lassen.
Das “Future Hospital”, so der stolze Name des Projekts, lässt sich am besten in Zahlen beschreiben. Über 700 Access Points spannen ein praktisch lückenloses Drahtlosnetzwerk (WLAN) über das Klinikum. Es dient 150 Tablet-PCs und 700 Desktop-Rechnern zum kabelfreien Zugriff auf die elektronische Patientenakte des Klinikums. Nicht nur das Krankenblatt, auch Labordaten und digitale Röntgenbilder können so direkt am Patientenbett abgerufen werden. Es werden keine Röntgentüten mehr gesucht. Es wird weniger umhergelaufen. Und viele Dokumentationen müssen nicht mehr doppelt gemacht werden, sondern lassen sich direkt vor Ort in den Originalunterlagen erledigen. “Wir haben jetzt wirklich sehr viel mehr Zeit für unsere Patienten”, bestätigte auch Dr. Lutz Hoffmann, der Ärztliche Direktor des Hauses.

Ja wo laufen sie denn?

Der drahtlose Zugriff auf Röntgenbilder ist nur das eine, das nutzerseitige Ende eines Radiologiesystems, das in Deutschland derzeit seinesgleichen sucht. Am anderen Ende ist ein Archiv, das nicht in der Klinik selbst liegt, sondern ausgelagert wurde. “Wir haben im ganzen Haus keinen PACS-Server”, sagte der Asklepios-IT-Experte Uwe Pöttgen anlässlich der Eröffnungsfeier des neuen Hauses nicht ohne Stolz. Das zentrale Digitalarchiv wird nicht nur vom Klinikum Barmbek genutzt, sondern auch von anderen Asklepios-Häusern im Raum Hamburg.
Konsequent möchte Barmbek nicht nur auf zentrale Datenspeicherung setzen, sondern ebenso auf Funkchips, auch wenn sich die Innovationen hier noch in der Testphase befinden. In einem der ersten Schritte werden Blutkonserven durch ein Funketikett, ein RFID-Tag, zu mitdenkenden Medizinprodukten. Sie lösen einen Alarm aus, sobald sie sich einem Patienten nähern, für den sie nicht gedacht sind. Funktionieren soll das mit Hilfe eines weiteren Funkchips, den der Patient an einem Armband trägt. “Dieses Band kann auch dazu dienen, Patienten, die im Haus verloren gehen, wiederzufinden”, skizzierte Intel-Geschäftsführer Hannes Schwaderer eine weitere, bisher noch nicht umgesetzte Anwendung.

Durch ein Portal werden Einweiser und Klinik eine Community

Mit Funkchiptechnik soll auch in der zentralen Notaufnahme des Hauses gearbeitet werden. Unter Einsatz von RFID-Tags werden Patienten und auch medizinische Gerätschaften lokalisiert. Die entsprechenden Informationen werden zusammen mit Basisdaten und einer Angabe zur Priorität auf einem zentralen Dashboard wiedergegeben, das als Grundlage für die Planung der Notfallversorgung dient. Patienten werden dabei automatisch Räumen und Geräten zugeordnet. Wenn also beispielsweise ein Patient einen Raum betritt und dort länger als einen vorher festgelegten Zeitraum bleibt, dann gilt der Raum als besetzt und die entsprechende Information erscheint wie von Zauberhand auf dem Dashboard.

Für das deutsche Gesundheitswesen geradezu revolutionär ist schließlich das Einweiserportal. Niedergelassene Ärzte, die ihre Patienten an Asklepios-Kliniken einweisen, werden mit seiner Hilfe zu einem Teil der Klinik-Matrix. Mit Hilfe eines auf Chipkarten basierenden Zugriffssystems, das auch mit der Infrastruktur des künftigen Heilberufeausweises kompatibel ist, loggen sich die Zuweiser in der Klinik ein. Sie haben dann Zugriff auf die Befunde der von ihnen eingewiesenen Patienten und können sich die Dokumente in ihre EDV laden. Eine entsprechende Schnittstelle soll Ende der Woche auf der Computermesse CEBIT in Hannover vorgestellt werden. “Das Future-Hospital-Konzept wird Krankenhausbetreiber aus der ganzen Welt nach Hamburg bringen”, ist sich Asklepios-Boss Dr. Bernhard Broermann sicher. In Erwartung der Besucher wurde eigens ein IT-Showroom eingerichtet, in dem sich Besucher über eines der modernsten Krankenhäuser der Welt informieren können.

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