Das falsche Bild vom studentischen Faultier.

15. März 2006
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In der Diskussion um die Einführung von Studiengebühren kommt der Blick auf die finanzielle Lage vieler Studierender oft zu kurz. Ohne die staatliche Förderung durch BaföG und einen Nebenjob kommen die meisten Studenten nicht über die Runden.

Gelegentlich hört man von geradezu beneidenswerten Studenten, vom Elternhaus finanziell getragen, mit schickem Appartement in Uninähe, Automobil mit vollem Tank und Taschengeld zur genüge – eine schöne studentische Welt, in der die einzige Sorge des Studenten sein Studienerfolg ist.
Leider ist diese Konstellation eine mittlerweile seltene Ausnahme. Stattdessen stehen immer öfter der Bafög-Antrag und Jobsuche zur Debatte. Die monatliche Zahlung des BaföG ist dabei für viele Studenten die ersehnte Basis, auf deren Grundlage ein Studium überhaupt denkbar ist.

Anzahl der BaföG-Empfänger wird steigen

Das Bundesministerium für Bildung kalkuliert für das Jahr 2006 mit höheren Ausgaben für das BaföG, da die Anzahl der Empfänger steigen werde. Besonders Studenten aus einkommensschwachen Familien sind dabei besonders auf die staatliche Bildungsförderung angewiesen.
Das Deutsche Studentenwerk begrüßt daher die realistische Kalkulation des Bildungsministeriums und fordert zugleich auch eine Aufstockung der BaföG-Bezüge und eine Erhöhung der Einkommensfreibeträge. Dies werde helfen die Bildungsreserven zu mobilisieren und die Chancengleichheit zu verbessern. Immerhin 70 % der Studierenden geben an, ohne das BaföG ihr Studium nicht finanzieren zu können.

Hoher Anteil der Studierenden arbeitet nebenbei

Fast genau so viele Studenten, nämlich 65 %, arbeiten nach den Zahlen der 17. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes regelmäßig, um ihr Auskommen zu sichern. Für 56 % der Studierenden ist der Nebenjob zur Sicherung des Lebensunterhalts unverzichtbar.
Generell nehmen die Möglichkeiten der Elternhäuser zur finanziellen Unterstützung ihrer Kinder ab. Dadurch wird insbesondere in den letzten Jahren des Studiums die eigene Arbeit des Studenten zur wichtigen Säule der Studienfinanzierung.
Man kann sich daher in Zukunft noch stärker an das Bild des Studenten als Kellner, Pflegekraft oder Pizzalieferant gewöhnen. Das Deutsche Studentenwerk beobachtet diese Entwicklung kritisch und fordert mehr Möglichkeiten zur studiumsnahen Beschäftigung von Studenten. Warum soll beispielsweise ein Mediziner kellnern, wenn er stattdessen im Krankenhaus schon praktische Erfahrungen sammeln könnte, die seine Ausbildung unterstützen und die Studiendauer verkürzen können?

Politik stellt neue Hindernisse

Während also die meisten Studenten sich mit BaföG und Nebenjobs zu arrangieren versuchen und das Studentenwerk für eine Verbesserung der Arbeits- und Förderungsmöglichkeiten arbeitet, werden an anderer Stelle neue Hindernisse aufgetürmt.
So plant die Bundesregierung beispielsweise die pauschalen Abgaben bei Minijobs von 25 auf 30 % zu erhöhen. Damit würde das Anbieten von Minijobs, die für Studenten in Frage kommen, weniger attraktiv werden. Resultat wäre wahrscheinlich eine Verringerung der Arbeitsmöglichkeiten für Studenten.
Ein Unheil ganz anderer Natur bricht Anfang 2007 über die BaföG-Empfänger in NRW ein. Im bevölkerungsreichsten Bundesland sollen auch sie die 500 Euro pro Semester zahlen müssen. Ein Bruch des CDU-Wahlversprechens zur Landtagswahl. Gerade die Studenten, die einer finanziellen Förderung bedürfen und neben ihrem Studium arbeiten werden dadurch in die Ecke getrieben.
Damit wäre dann auch der schleichende Tod des ewigen Vorurteils über den lang schlafenden und wenig arbeitenden Studenten besiegelt. Schliesslich bleibt dann vor lauter Arbeit und finanzieller Sorgen kaum Zeit und Muße für gesunden Schlaf.

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