Hirnaktivität: Wesen des Humors erforscht

12. Dezember 2013
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Wer über einen Witz lacht, hat im Gehirn während eines zweistufigen Prozesses zuerst einen Widerspruch ausgemacht – und ihn dann in Fröhlichkeit aufgelöst. Die am Humorverständnis beteiligten Vorgänge im Hirn unterscheiden sich bei Jungen und bei Mädchen.

Seit die Wissenschaft gezeigt hat, dass auch Tiere etwa in die Zukunft planen können, verschwindet der einst tiefe Graben zwischen den Hirnleistungen von Tier und Mensch zusehends. Zum Glück bleibt uns noch der Humor als Alleinstellungsmerkmal. Umso erstaunlicher, dass sich die Forschung bisher nur wenig damit befasst hat, schreiben der Schweizer Neurowissenschaftler Pascal Vrticka und seine US-amerikanischen Kollegen von der Universität Stanford in der Fachzeitschrift „Nature Reviews Neuroscience“.

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Humorverarbeitung

In ihrem Beitrag legen die Forscher dar, dass das Lachen über einen Witz die Leistung vieler verschiedener Hirnareale voraussetzt. Trotzdem lassen sich in den komplexen Aktivitätsmustern zwei unterschiedliche Elemente ausmachen: In einem ersten Schritt spürt das Gehirn eine logische Unvereinbarkeit auf, die es in einem zweiten Schritt auflöst. Das dabei entstehende fröhliche Gefühl entspringt einer Hirntätigkeit, die sich klar von denjenigen anderer positiver Regungen unterscheidet.

Mehr noch: In ihrer Studie an 22 Kindern im Alter von sechs bis 13 Jahren haben die Forscher um Vrticka nachgewiesen, dass sich schon früh im Leben geschlechtsspezifische Unterschiede in der Humorverarbeitung ausbilden. Sie haben die Hirnaktivität der Kinder aufgezeichnet, während sich diese lustige – etwa Ausschnitte aus einer „Pannenshow“ – oder unterhaltsame Filmchen – etwa Kinder beim Breakdancen – zu Gemüte führten. Im Schnitt reagierte das Gehirn der Mädchen mehr auf die lustigen Szenen, dasjenige der Jungen mehr auf die unterhaltsamen Szenen.

Helfendes besseres Verständnis

Vrticka spekuliert, dass diese Geschlechtsunterschiede später im Leben Frauen bei der Wahl eines geeigneten – und humorvollen – Partners unterstützen könnten. Doch abgesehen davon spielt der Humor auch für das psychische Wohlergehen eine wichtige Rolle. Das zeigt sich unter anderem darin, dass Erwachsene mit psychischen Störungen – etwa Autismus oder Depression – oft eine veränderte Humorverarbeitung aufweisen und schwächer auf Humor reagieren als Leute ohne Störungen. Ein besseres Verständnis dessen, was in unserem Hirn abläuft, wenn wir uns über einen gelungenen Witz amüsieren, könnte von großem therapeutischen Nutzen sein, ist Vrticka überzeugt.

Originalpublikation:

The neural basis of humour processing
Pascal Vrticka et al.; Nature Reviews Neuroscience, doi: 10.1038/nrn3566, 2013

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