Gesundheit weltweit: Wohl oder Übel

20. Dezember 2013
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Von Land zu Land unterscheiden sich die Erwartungen hinsichtlich Gesundheit und Wohlbefinden. Warum Ärzte diese hehren Ziele oft nicht erreichen und welche Erwartungshaltung Patienten tatsächlich haben, zeigt eine neue Onlinestudie.

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO ist Gesundheit „ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen“. Wissenschaftler von McCann Truth Central wollten genauer wissen, welche regionalen Unterschiede es bei diesem komplexen Thema gibt. Sie befragten 7.000 Bürger aus Brasilien, China, Großbritannien, Südafrika, aus der Türkei und den Vereinigten Staaten zu ihren Erwartungen. Weitere Daten aus Brasilien, Großbritannien, Japan, Peru und den Vereinigten Staaten kamen noch mit hinzu.

Zwischen Kindern und Krankheiten

Etwa 86 Prozent aller Interviewten glauben, ihr Wohlbefinden selbst positiv beeinflussen zu können, und 73 Prozent sind mit ihrer Gesundheit im Großen und Ganzen zufrieden. Einwohner von Japan, China, der Schweiz und den Vereinigten Staaten halten sich selbst für besonders vital. In Großbritannien, in den USA und in Südafrika ist die Meinung verbreitet, eher ohne Kinder Wohlbefinden zu erreichen. Für Chinesen und Japaner gehört der Nachwuchs jedoch mit dazu. Generell fühlen sich Menschen mit 34 besonders fit, in der Türkei eher mit 23, und in Japan mit 44 Jahren. Dem eigenen Altern sehen 39 Prozent der Brasilianer, aber nur sieben Prozent der Chinesen gelassen entgegen – ein drastischer Unterschied zu früheren Zeiten. Mögliche Gründe sind im kulturellen Kontext, nicht aber in medizinischen Fakten, zu finden.

Die Achse des Bösen

Doch welche Faktoren hindern Einwohner verschiedener Länder am eigenen Wohlbefinden? Die Autoren sehen als „Achse des Bösen“, wie sie schreiben, vor allem die globale Finanzkrise: Jeder Dritte spürte Folgen für sich oder seine Familie. Damit nicht genug: Speziell in China und in der Türkei beklagen sich viele Studienteilnehmer über die Umweltverschmutzung. Andere Störfaktoren sind individueller Natur, etwa zu wenig Zeit durch berufliche Belastungen. Von Brasilien bis Südafrika beklagten Menschen, ihr Stress befände sich auf konstant hohem Niveau – mit negativen Folgen für Körper und Seele. Kein Wunder, dass Befragte die psychische Gesundheit als besonders wichtig einstufen. Dann noch ein Blick auf Krankheiten generell: Durchschnittlich erwarten Studienteilnehmer, 80 Jahre alt zu werden – in China 84, in der Türkei nur 70. Besonders verbreitet ist die Angst, an Krebserkrankungen zu versterben. Mentale Erkrankungen, vor allem neurodegenerative Leiden, machen Probanden aus Großbritannien, Brasilien, aus den USA, aus Südafrika und aus der Türkei große Sorgen. Fast jeder Zweite gab an, durch Übungen sein Gehirn zu trainieren. Ganz klar: In Zukunft wird es allein mit Angeboten zur kardiovaskulären Prävention nicht getan sein. Wissenschaftler erwarten, dass „Gehirnjoggings“ an Bedeutung gewinnen. Deren Wirksamkeit ist abhängig von der Methode sehr umstritten.

Helden des Wohlbefindens

Nicht alle Befragten sorgen sich um ihr Wohlbefinden, sondern haben eine positive Lebenseinstellung, ernähren sich gesund und legen Wert auf Bewegung. Knapp 60 Prozent vermuten, spezielle Zusätze in Lebensmitteln, beispielsweise Gelbwurz, könnten einen Beitrag leisten, um Erkrankungen vorzubeugen. Hinsichtlich gesunder Nahrung bestehen jedoch große Meinungsverschiedenheiten: Viele Konsumenten halten Kaffee für nachteiliger als Schokolade – außer in Großbritannien beziehungsweise Japan. Menschen aus Brasilien, China, Großbritannien und Japan gaben an, Salz sei schädlicher als Zucker. In den USA in Südafrika und in der Türkei gilt Zucker als problematischer. Trotz aller Unterschiede gibt es einen gemeinsamen Nenner: Weltweit sind Menschen der festen Überzeugung, dass Glück und eine positive Grundeinstellung wichtig sind, um gesund zu bleiben.

Das Ich entscheidet

Ab und zu benötigen diese Menschen trotzdem Hilfe. Um das eigene Wohlbefinden zu steigern, stehen nicht Health Professionals im Mittelpunkt, sondern vielmehr Individuen. Patienten konsultieren gezielt Ärzte, Apotheker beziehungsweise Psychologen. Sie informieren sich aber auch selbst über Internetangebote und tauschen sich in Communities mit Leidensgenossen aus. Das geht nicht immer gut: Der Studie zufolge „leiden“ Cyberchonder meist an vermeintlichen Depressionen, gefolgt von Übergewicht respektive Folgeerkrankungen, an Migräne und Allergien. Doch zurück zu tatsächlichen Befindlichkeitsstörungen: Zwei von drei weltweit Befragten fordern, Ärzte sollten sich stärker auf Präventionsleistungen als auf die Heilung von Krankheiten konzentrieren – und 21 Prozent glauben sogar, technische Innovationen könnten Mediziner eines Tages überflüssig machen.

Brave New World

Von Innovationen erhoffen sich Patienten, nicht mehr zu altern (32 Prozent) oder unangenehme Erinnerungen für immer auszulöschen (26 Prozent). Als weitere Wunschvorstellung wurden eine kontinuierliche Messung verschiedener Vitalparameter über Mikrochips (18 Prozent) oder Techniken, um das Schlafbedürfnis komplett zu eliminieren (12 Prozent), genannt. Kein Wunder, dass künstliche Organe ebenfalls begehrt wären (11 Prozent). Einige Erfindungen haben im Labor oder bei klinischen Tests an einzelnen Patienten bereits ihr Potenzial unter Beweis gestellt. Bis zum Sprung in die Praxis kann es aber noch dauern. Bleiben in der Zwischenzeit nur klassische Methoden, um das Wohlbefinden zu steigern.

39 Wertungen (3.44 ø)

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4 Kommentare:

Hallo, Herr Dr. Bayerl,
na, mit der Reihenfolge im Bereich des näheren menschlichen Umfeldes, das sollte keine Wertung sein – alle können sehr gewichtig sein, es ist aber gut, wenn man sich auf mehrere menschliche Umfelder beziehen kann, und zumindest eines davon positiv ist (am besten alle) – nun, das wissen wir wohl alle.
Positive Sitten: Da kann ich Ihnen nur Recht geben, wenn man diese so empfindet, geben sie Sicherheit und auch Spaß. Es ist einfach gut, offen für alles zu sein, Alt wie Neu, so lange es der körperlichen, seeli-schen und sozialen Gesundheit gut tut.
Ärztefehler: Das kann man leider verallgemeinern: Wir haben in unserer Gesellschaft fast eine schon krankhafte Art, das Negative viel stärker zu erleben und zu kritisieren, als auch positive Dinge mehr und nachhaltiger wahrzunehmen. Wenn wir das ändern, ist dies auch ein Stück Gesundheit. Das wird viel zu wenig vermittelt.
Bleibt noch, (allen) ein gutes neues Jahr zu wünschen – wenige Vorsätze, die aber mit Freude einhalten ! :)

#4 |
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Hallo, Frau Dr. Renate Wilmanowicz,
interessanterweise steht bei Ihrem “näheren menschlichen Umfeld”
die Familie an letzter Stelle :-)

Ärzte sind in den Medien immer böse, weil sie einfach alles falsch machen und für alles verantwortlich sind.

Was mich wundert, ist das geringe “Forschungsinteresse” am “Altern” schlechthin.
Man sieht es wohl zu negativ,
moderne amerikanische Dollarmentalität.

Frohes Fest

(an positiven Sitten soll man festhalten, trotz moderner Kritik)

#3 |
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Interessanter Artikel, der informiert und auch nachdenklich macht. Ich möchte noch folgendes hinzufügen:
Das subjektive Empfinden für die eigene Gesundheit hängt auch sehr von den sozialen Bedingungen ab, also das nähere menschliche Umfeld in Beruf, Hobby und Familie. Wenn sich Menschen hier zuverlässig gut aufgehoben und geborgen fühlen, dann ist das ein wesentlicher Faktor für ein subjektives Wohlbefinden. Leider ist es genau das, was in unserer Gesellschaft fehlt und zu Zukunftsangst, Verunsicherung und schlechtem Wohlbefinden führt.

#2 |
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Was will uns der Autor mit diesem Artikel sagen?

#1 |
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