Neues aus dem Zahnregal

22. März 2006
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Ein wahres Feuerwerk an Nachrichten erreicht uns derzeit zum Thema Zahnpflege. Sie möchten wissen, warum es Zahnpasta auf die Tourismusbörse schafft und Rosinen bald in jeder Apotheke über den Tresen gehen? Dann lesen Sie hier weiter.

Ob Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten, ob Zahnpflegeset für die Reise, Munddusche oder oraler Elektrofeger, ob Fluorpaste oder simples Zahnpflegekaugummi: Was den Zähnen dient oder vorgibt, ihnen zu dienen, das findet in Deutschlands Apotheken zuverlässig Absatz. Wer dachte, das Thema Innovation in der Zahnpflege sei längst erschöpfend behandelt, durfte sich kürzlich an ungewöhnlichem Ort eines Besseren belehren lassen.

Die ITB präsentiert den Rohrreiniger zum Lutschen

Auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin, die bisher allenfalls durch reisemedizinische Symposien fachmedizinisch in Erscheinung getreten ist, stellte sich jetzt der Berliner Anbieter proDentum einem fernreisehungrigen Publikum vor. Zum Objekt der Globetrotter-Begierde soll künftig eine Zahnpasta werden, die ohne Zahnbürste auskommt. Der Grund: Sie tritt als Lutschbonbon in Erscheinung. Neben der Bequemlichkeit und dem sinnlichen Erlebnis des reinigenden Lutschens bringt der Hersteller der Denttabs genannten Neuerung einen weiteren Aspekt in die Diskussion ein, der die letzten Zweifler überzeugen dürfte. Weil Zahnpasta überwiegend aus Wasser besteht, einer Grundsubstanz, auf die ein Lutschbonbon fast komplett verzichten kann, muss pro Zahnreinigung weniger Gewicht umher getragen werden. Voraussetzung ist freilich, dass der Zahnpastagehalt im Denttab dem entspricht, was wir so normalerweise auf unsere Bürste schmieren. Inwieweit hier bei der Formulierung der Marketingzeilen standardisiert gearbeitet wurde, ist unklar. In jedem Fall erinnern wir uns an mühsame Versuche aus Backpacker-Zeiten, das Rucksackgewicht durch Kürzen des Zahnbürstenstils zu optimieren und zweifeln nicht am kommerziellen Erfolg des neuen Produkts in diesem Kundensegment. Noch was: Wer sich im Internet auf die Suche nach den Denttabs begibt und nicht aufpasst, der landet bei Dentabs. Dies ist ein folgenschweres Missverständnis, handelt sich doch bei diesem Produkt um einen ebenfalls tablettenförmigen Abflussreiniger. Auch der dürfte die Zähne freilich sauber kriegen. Eine Anwendung pro Reise genügt…

Gebiss verklebt, aber trotzdem sauber

Einer Verbesserung der sinnlichen Freuden bei der Zahnreinigung hat sich auch ein US-amerikanisches Forscherteam von der Zahnklinik der Universität von Illinois verschrieben. Zahngesundheit darf ruhig süß und klebrig sein, so das Credo der Wissenschaftler. Sie dürften damit ganzen Generationen von eins zwanzig hohen Zahnputzneulingen aus der Seele sprechen. In gewisser Weise bemühen sich auch die Amerikaner um eine Zahnpasta zum Lutschen. Diese allerdings hat keinen Phantasienamen. Es handelt sich nämlich einfach um Rosinen. Wie die Forscher erstmals im vergangenen Jahr auf dem Kongress der American Society of Microbiology berichteten, haben sie insgesamt fünf in Rosinen enthaltene Phytochemikalien identifiziert, die sich positiv auf Zähne und Zahnfleisch auswirken und die der Entstehung von Karies und Parodontose entgegen wirken können. Die Wirkprinzipien sind offenbar vielfältig: Neben einer direkten Wirkung auf die Mikroorganismen scheint auch die Plaquebildung gehemmt zu werden. Ob Rosinen jetzt bei der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zur Zulassung als Functional Food eingereicht werden, war nicht in Erfahrung zu bringen.

Home-Bleaching-Produkte lassen Tester erbleichen

Doch nicht nur Gutes gibt es von der Zahnpflegefront zu berichten. Als Spielverderber hat sich gerade die Stiftung Warentest betätigt, die zwar nicht Zahnpasta, aber Bleichmittel unter die Lupe genommen hat. Im Test befanden sich all jene Bleichmittelchen, die Schönheitsjünger selbst zuhause einsetzen können, eine Technik, die neudeutsch Home-Bleaching genannt wird. Das Resultat war ernüchternd: Für Preise zwischen 14 und 39 Euro pro Packung erhalten die Kunden fast nie den ersehnten Aufhelleffekt. Nur einem einzigen Präparat, den Blend-a-med Whitestrips, wurde von den Testern ein gutes Bleichresultat bescheinigt. Der große Rest befriedigte nicht, egal ob es sich um Klebestreifen oder um die etwas zahnfreundlicheren Tinkturen handelt. Ins Positive gewendet: Hier ist noch reichlich Raum für Innovationen. Das Zahnregal dürfte in Bewegung bleiben.

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