Kick auf der Karriereleiter

22. März 2006
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Den Weg auf der Karriereleiter nach oben zu erklimmen, ist - insbesondere für Ärztinnen - steinig und hart. Für leitende Positionen sind Führungsqualitäten, Mitarbeiterorientierung und Sozialkompetenz zwar zunehmend unentbehrlich. Ob sie über solche Fähigkeiten verfügen und wie sie sich damit am Markt positionieren, wissen viele Ärztinnen und Ärzte jedoch nicht. Anbieter von "Karrieretrainings" wollen dies ändern.

Unvorbereitet nach oben

Auf Führungsqualitäten, so meint selbst die Bundesärztekammer (BÄK), würden Ärztinnen und Ärzte im Rahmen der ärztlichen Aus- und Weiterbildung bestenfalls “unsystematisch” vorbereitet. Dies ist umso problematischer als dass Krankenhäuser, die eine leitende Position neu besetzen wollen, solche “soft skills” in Anzeigen und letztlich im Vorstellung- oder Verhandlungsgespräch zunehmend nachfragen. Demjenigen, der sich nicht gut genug zu verkaufen weiß, bleiben die letzten Stufen auf der Karriereleiter versperrt.

Die vergebliche Suche nach weiblichen “Chefs”

Besonders augenscheinlich wird dieses Problem bei Frauen. Obwohl rund 60 Prozent der Medizinstudienabgänger weiblich sind, werden nach Angaben von Dr. Astrid Bühren, der Vorsitzenden des Deutschen Ärztinnenbundes (DÄB), gerade einmal zehn Prozent der Chefarztstellen von Frauen besetzt. Dr. Thomas Dannecker , Gründer und Inhaber der Freiburger Ärzte Consulting beobachtete dieses Phänomen lange Zeit bei seinen ehemaligen Kommilitoninnen: “Bis zur Assistenzärztin kamen alle problemlos, doch über die Schwelle der Oberärztin kam kaum eine hinaus”, berichtet Dannecker gegenüber dem DocCheck Newsletter. Er beschloss, Ärztinnen in Seminaren positive Impulse für ihre berufliche Weiterentwicklung geben zu wollen.

Angebote für Ärztinnen

2004 erweiterte Dannecker deshalb sein Seminarangebot um Karrieretrainings für leitende Ärztinnen. Mittlerweile vermitteln viermal jährlich zwei Referentinnen den Teilnehmerinnen, wie sie sich in Vorstellungsgesprächen professionell verkaufen können, wie ein erfolgreiches Selbstmanagement auszusehen hat oder wie Karriereplanung und Familie miteinander kombiniert werden können. Daran teilzunehmen, war für eine Radiologin aus Freiburg ein voller Erfolg.

Im Vorfeld des Seminars fühlte sich die Ärztin häufig mit Situationen konfrontiert, die ihrer Ansicht nach einen “manipulativen Charakter” hatten. Wie sie auf solche Situationen reagieren sollte, wusste sie nicht. Vor ihrem Wechsel von einer Oberarztstelle hin zu einer leitenden Position belegte die Radiologin das Freiburger Karrieretraining, um für die anstehenden Verhandlungen mit dem Krankenhaus gewappnet zu sein. Entscheidend war für sie, dass eine der Referentinnen Medizinprofessorin ist und als langjährige Frauenbeauftragte einer deutschen Uniklinik von ihren vielfältigen Erfahrungen berichten konnte. Diesen Aspekt hält auch die Vorsitzende des Ärztinnenbundes für entscheidend. Deshalb beraten bei den Seminaren des DÄB, die der Verband dreimal jährlich an drei aufeinander folgenden Tagen anbietet, Ärztinnen mit langjähriger Berufserfahrung die Teilnehmerinnen.

In Arbeit: Curriculum “Ärztliche Führung” der BÄK

Einen allgemeineren, nicht geschlechtsspezifischen Ansatz verfolgt die Bundesärztekammer. Unter Beteiligung externer Experten hat die BÄK vor drei Jahren eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die ein Konzept für ein Curriculum “Ärztliche Führung” erstellen sollte. Wie in dem Programm des DÄB und des Freiburger Anbieters soll auch hierbei das Konfliktmanagement, die Stärkung der sozialen Kompetenz der leitenden Ärzte und die Verbesserung der Kommunikation mit anderen Mitarbeitern im Mittelpunkt stehen. “Wichtig zu lernen ist für die Teilnehmer, andere Menschen wie sich selbst zu führen”, erklärt Dr. Günter Jonitz gegenüber DocCheck. Als Präsident der Berliner Ärztekammer und Vorsitzender des Ausschusses Qualitätssicherung der BÄK war Jonitz von Vornherein an der Erarbeitung des Curriculums beteiligt. Nach einem Pilotseminar im Herbst letzten Jahres in München soll das Curriculum noch in diesem Sommer verabschiedet werden. Ein maßgeblicher Unterschied zu anderen Ärztetrainings: der Umfang. “Unter 80 Stunden, also der Dauer eines normalen Curriculums, sind Ärzten die notwendigen Fähigkeiten nicht vermittelbar”, glaubt Jonitz. Angeboten werden sollen die Seminare über die einzelnen Landesärztekammern.

Und sonst? Angebote von Marburger Bund, Klinikketten und Personalberatungen

Wie vielfältig der “Markt” inzwischen ist, der sich mit Ärztecoachings beschäftigt, zeigt die Palette an weiteren Möglichkeiten. So bietet unter anderem der Marburger Bund, der Verband der angestellten und verbeamteten Ärzte Deutschlands, in Kooperation mit seinen Landesverbänden diverse Bewerberworkshops für Ärztinnen und Ärzte an. Auch an vielen größeren Kliniken und Klinikverbünden werden interne Karrieretrainings angeboten – wenngleich diese nicht unumstritten sind. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hält zwar Angebote jeglicher Art für sinnvoll, so auch von privaten oder öffentlich-kommunalen Krankenhäusern für die eigenen Mitarbeiter. Schließlich mache es Sinn, “den Führungsnachwuchs an sich zu binden”, findet DKG-Sprecher Daniel Wosnitzka. Dagegen hält Dannecker vom Freiburger Ärzte Consulting es als selbständig tätiger Anbieter für wichtig, dass in den Seminaren Ärzte aus unterschiedlichen Regionen und Krankenhäusern zusammenkommen, damit durch diese Vielfalt der Erfahrungsaustausch und die Netzwerkbildung untereinander katalysiert werden können.

Schließlich gibt es noch einen ganz anderen Weg, die Stufen nach oben zu erklimmen: über eine Personalberatung. Seit mehr als 20 Jahren ist beispielsweise die Personalberatung Kappes und Partner im Gesundheitsmarkt tätig. Über Anzeigen oder Headhunting richtet sich die Beratung gezielt an Ärzte, die in Führungspositionen tätig sein wollen. Gerade vor dem Hintergrund des aufkommenden Ärztemangels, meint Mitarbeiter Rainer Eisentraut, akzeptierten Krankenhäuser es immer mehr, Führungskräfte vermittelt zu bekommen.

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