Podcasting erobert Hörsäle und Studierstuben

28. März 2006
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Wer nicht will, braucht nicht mehr lesen. Immer mehr medizinische Fachblätter bieten ihre Inhalte auch als Podcasts an. Einen geradezu revolutionären Schritt geht jetzt die Harvard-Universität: An der Hochschule werden künftig sämtliche Vorlesungen gepodcastet.

Vorbei die Zeiten, als die Studenten sich selig auf den Treppenabsätzen der medizinischen Hörsäle drängelten, um das neueste Wissen von den Lippen und Powerpoint-Slides ihrer Dozenten zu saugen. Die renommierte Harvard-Universität in Boston im US-Bundesstaat Massachusetts hat kürzlich einen Schritt unternommen, der Schule machen könnte. Sie zeichnet sämtliche medizinischen Vorlesungen per Video auf und überträgt sie elektronisch als Podcasts an interessierte Studenten.

Was heißt hier Musik hören? Ich studiere…

Diesem bemerkenswerten Projekt vorausgegangen war eine Umfrage, um herauszubekommen, wie viele der Harvard-Studenten ein solches Angebot denn überhaupt nutzen könnten. Das Ergebnis ließ wenig Interpretationsspielräume zu: Fast siebzig Prozent aller angehenden Ärzte der Harvard Medical School besitzen einen iPod. Als das einmal klar war, wurde das Podcasting-System flugs errichtet und Anfang des Jahres in Betrieb genommen. Am Geld scheitert in Boston bekanntlich ohnehin fast nichts. “Dies ist unseres Wissens das erste Mal, daß eine medizinische Hochschule ihr komplettes Curriculum auf den iPod überträgt”, sagte der IT-Experte Professor John Halamka in einem Interview mit dem Nachrichtenportal des Colleges. Für Halamka ist der iPod nach eigener Aussage “das Ausbildungswerkzeug der Zukunft”. Er steht damit nicht alleine. Gerade im Bereich der medizinischen Fachliteratur und der medizinischen Webportale hat die Ausbreitung des Podcasting in den letzten anderthalb Jahren fast seuchenartige Züge angenommen. Die Zahl der medizinisch-wissenschaftlichen Journale, die ihre Inhalte oder Teile davon auch als Podcasts versenden, ist mittlerweile Legion.

Im Gespräch bleiben ist jetzt ganz einfach.

So produziert das wöchentlich publizierte New England Journal of Medicine mittlerweile Audio Interviews zu Themen, die in der Printausgabe behandelt werden und stellt diese unter der URL http://podcast.nejm.org/nejm_audio_interview.xml als Podcasts zur Verfügung. Auch das Wissenschaftsmagazin New Scientist hat einen Podcast aufgelegt, SciPod genannt. Er bietet seinen Hörern wöchentlich 15 Minuten Wissenschaftsnachrichten, Interviews und kleine Preisrätsel (URL: http://www.newscientist.com/podcastfeed.ns). Nicht zurückstehen kann da die Zeitschrift Nature, die über ihren Nature Podcast (URL: http://www.nature.com/nature/podcast/rss/nature.xml) eine wöchentliche Wissenschaftssendung ausstrahlt, die, natürlich, auch den Appetit auf die Zeitung wecken soll. Das erhoffen sich letztlich alle Podcast-Anbieter in diesem Sektor, denn die Investitionen rechnen sich nicht von selbst: Praktisch niemand verlangt im Moment für sein Podcast-Angebot Geld. Nicht nur der PR in eigener Sache dient der kürzlich sehr erfolgreich gestartete Podcast der John Hopkins School of Medicine. Anders als die Angebote der Fachzeitschriften richten sich diese ebenfalls wöchentlichen Sendungen an ein breites Publikum. Den Hörern sollen auf unterhaltsame Weise die neuesten medizinischen Nachrichten der Woche nahe gebracht werden. Sie sollen außerdem erfahren, ob und wie sie davon unmittelbar betroffen sind.

“Ich will auch medizinische Podcasts hören”

Wer auf den Geschmack gekommen ist, braucht natürlich vor allem einen iPod oder ein ähnliches Gerät eines anderen Herstellers, um zum Podcast-Hörer zu werden. Die zweite Requisite ist eine Software, die Podcatcher oder auch Podcast-Client genannt wird. Es handelt sich um eine Art Browser, der die ausgewählten Podcasts automatisch herunter lädt. Hier ist die Auswahl riesig. iPodder ist ein kostenloser Klassiker, Doppler ist etwas moderner und auch umsonst, aber mit vielen anderen geht es auch. Eine längere Liste möglicher Clients gibt es bei iPodFun.de. In all diese Clients werden nun die (auch in diesem Text angegebenen) Webadressen jener Podcasts eingegeben, die den Hörer interessieren. Der Trick ist, dass neue Sendungen mit Hilfe dieses Werkzeug automatisch auf den iPod übertragen werden. Es ist also nicht nötig, ständig die entsprechende Webseite zu besuchen, um nach neuem Audio-Futter zu suchen. Einmal auf dem iPod können die neuen Sendungen in der U-Bahn, am Mittagstisch oder in einer langweiligen radiologischen Frühbesprechung abgehört werden.

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