Studienplatzklage: Fair Play unterm Hammer?

11. Dezember 2013
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Kaum ein Studium ist so beliebt wie das der Medizin. Kein Wunder, dass viele jeden Strohhalm ergreifen, um an einen der begehrten Studienplätze zu kommen. Einer dieser Strohhälme ist die Studienplatzklage, mit deren Für und Wider wir uns näher befasst haben.

In Deutschland wollen seit Jahren mehr Schulabgänger Ärzte werden, als es dafür Ausbildungsplätze gibt. Ein Grund: Kein Studienplatz kommt die Bundesländer so teuer, wie der für einen Nachwuchsarzt. In die Bildungs- und Forschungsetats der Bundesländer reißt die Uni-Medizin große Lücken. Die Folge der Verknappung: Ein strenger Numerus Clausus, der ein sehr gutes Einser-Abitur quasi voraussetzt, Wochen bangen Wartens wegen des Studienplatzlottos der Hochschulen und der Stiftung für Hochschulzulassung – und immer wieder der Versuch von Schulabgängern, sich per Kapazitätsklage doch noch einen Platz zu sichern.

Das Einklagen von Studienplätzen bietet seit über 30 Jahren die Möglichkeit, ohne Rücksicht auf Abiturnote oder Wartezeit den Wunschstudienplatz zeitnah zu erhalten. Die Studienplatzklage beruht auf Art. 12 unsere Grundgesetzes. Alle verfügbaren Studienplätze müssen vergeben werden, da sonst das Recht auf freie Bildung verwehrt wird. Die Studienplatzkapazität ermitteln die einzelnen Universitäten jedes Semester anhand einer Vielzahl von Faktoren in einem komplizierten Verfahren neu. Wenn sich dabei die Hochschulen – absichtlich oder unabsichtlich – verrechnet haben und Studienplätze zu Unrecht eingespart worden sind, dann können diese Plätze eingeklagt werden. Doch wie funktioniert das eigentlich genau und ist es überhaupt gerecht, dass sich schlechtere Abiturienten ins Medizinstudium einklagen können?

How to: Einklagen ins Medizinstudium

Haben sich Studenten dazu entschlossen, es mit einer Studienplatzklage im Studienfach Medizin zu probieren, gibt es mehrere Dinge, die sie beachten müssen. Ein paar davon haben wir unten aufgeführt.

1. Mit oder ohne Anwalt? – Insiderwissen erforderlich

Viele Studienbewerber wägen ab, ob sie ihre Studienplatzklage mit oder ohne anwaltlichen Beistand in Angriff nehmen sollen. Die Frage stellt sich, weil vor den in erster Instanz zuständigen Verwaltungsgerichten kein Anwaltszwang herrscht, jeder sich also selbst vertreten kann. Für eine Studienplatzklage ohne anwaltlichen Beistand spricht natürlich vor allem, dass die Kosten des Verfahrens niedriger sind. Nachteilig ist aber oft, dass die Studienbewerber als juristische Laien dastehen. Es lauern viele Formalien, die unbedingt einzuhalten sind, soll die Studienplatzklage nicht schon aus formellen Gründen scheitern. Hinzu kommt, dass das Aufspüren von versteckten Kapazitäten echtes Insiderwissen erfordert, welches man quasi mit der Beauftragung eines versierten Anwaltes kauft. Auch der organisatorische Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Dies alles erledigt der beauftragte Anwalt. In der Regel lassen sich lediglich zwei bis drei Prozent der Studienplatzkläger nicht anwaltlich vertreten.

2. Der frühe Vogel fängt den Wurm

Ein häufiger Fehler der Kläger besteht darin, dass eine Studienplatzklage zu spät eingereicht wird. Denn nicht die Frist auf dem Ablehnungsbescheid ist entscheidend, sondern die Fristen, die in dem Hochschulzulassungsgesetz des jeweiligen Bundeslandes geregelt sind. Die Universitäten informieren über diese Fristen in der Regel nicht und im Internet kursieren viele Falschinformationen. Hier kann man genau nachlesen, welche Fristen eingehalten werden müssen. Grundsätzlich gilt: Je eher man die Studienplatzklage einreicht, desto besser die Chancen. Auch die Verfahrensdauer der Studienplatzklage ist wichtig, weil sie darüber entscheidet, mit welcher Verzögerung der erfolgreiche Studienplatzkläger sein Studium aufnehmen kann. Da die Studienplatzklage ein Verfahren im einstweiligen Rechtsschutz, also ein Eilverfahren ist, entscheiden die Verwaltungsgerichte oft innerhalb weniger Monate. So treffen die meisten Gerichte ihre Entscheidung im Wintersemester bis Ende Dezember und im Sommersemester bis Ende Juni. Jedoch dauerten in den letzten Semestern in einigen Studiengängen die Verfahren länger. Dies hängt vor allem mit der schwieriger werdenden Rechtslage und der teilweise gestiegenen Anzahl von Studienplatzklägern zusammen.

3. Wunschstudienort – Ungenutzte Kapazitäten nutzen

Bei der Frage des Wunschstudienortes spielen vor allem persönliche Vorlieben der Studienbewerber eine Rolle. Die Frage des Wunschstudienortes tritt aber meist hinter andere Kriterien zurück, weil sich eine einzige Studienplatzklage gegen die Wunschuniversität mindernd auf die Chancen auswirkt. Viele Anwälte empfehlen deshalb unbedingt, ohne Rücksicht auf persönliche Vorlieben, diejenigen Universitäten zu verklagen, die Chancen auf ungenutzte Kapazitäten bieten. Ein späterer Wechsel im Rahmen eines Studienplatztausches ist ja nicht ausgeschlossen. Generell gilt: Je kleiner das Fach und je weniger Kläger, umso größer die Chance, einen Platz zu bekommen. Aber man darf auch nicht außer Acht lassen, dass viele Juristen mit den kostspieligen Mehrfachklagen gutes Geld verdienen. Man sollte sich daher gut überlegen, gegen welche Universitäten Klage erhoben werden sollte.

4. Klagebeschränkungen – Trickreiche Universitäten

Gibt es mehr Kläger, als eine Universität nachträglich Plätze zur Verfügung stellt, werden diese an den meisten Hochschulen unter den Klägern verlost. An den Universitäten in Baden-Württemberg, Hamburg, Kiel und Lübeck entscheidet eine Reserveliste über die zusätzlichen Plätze: Sie werden nach Abiturnote und Wartezeit unter den Klägern vergeben. Anwälte raten oft zu Mehrfachklagen. Das erhöhe die Chancen und es ist außerdem ein lukratives Geschäft für sie. Doch mehr als sechs Klagen sind nun nicht mehr möglich – auch nicht in den Fächern Tiermedizin, Pharmazie und Zahnmedizin. Ein kürzlich ergangenes Urteil des Bundesverwaltungsgerichts legt fest, dass eine Klage nur noch an den Universitäten erfolgreich sein kann, die in der Bewerbung über die Stiftung für Hochschulzulassung genannt waren. Das sind im Fach Medizin maximal sechs Hochschulen. Ein Trick der Universitäten, um sich die Kapazitätskläger effektiv vom Leib zu halten. Bislang gilt das Urteil nur für Baden-Württemberg – die Hochschulen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und im Saarland orientieren sich aber bereits daran. Weitere Bundesländer dürften folgen. Einige Universitäten gehen sogar noch weiter und legen in ihren Satzungen fest, dass Bewerber nur gegen die Hochschule klagen können, die sie als Erstwunsch angegeben hatten.

Teilstudienplätze – Das Risiko studiert mit

Viele Medizinstudenten bekommen nach ihrer Klage außerdem zunächst einmal nur einen Teilstudienplatz. Das bedeutet, dass sie nach dem Physikum automatisch exmatrikuliert werden und sich für die klinischen Semester neu um einen Studienplatz bewerben müssen. Und je nach Uni ist dies unterschiedlich erfolgreich. An den Universitäten Göttingen und Marburg beispielsweise beträgt der Anteil der Teilstudienplatzinhaber in der Vorklinik zwischen 30 und 50 Prozent. „Die Universität Göttingen wurde vor vielen Jahren von der Verwaltungsgerichtsbarkeit zu diesem Vorgehen verpflichtet, da die vorklinische Kapazität deutlich größer ist als die klinische Kapazität“, erklärt die Bundesministerin für Wissenschaft Prof. Dr. Johanna Wanka. Bemühungen, vorklinische Kapazitäten abzubauen, seien von den Verwaltungsgerichten nicht akzeptiert worden. Doch wohin in der Klinik mit den vielen Studenten der Teilstudienplätze? Es ist klar, dass einige leer ausgehen werden. Dennoch ist für viele der Traum vom Medizinstudium so groß, dass sie es hinnehmen, nach dem Physikum in eine ungewisse Zukunft zu schauen. Manche finden erst nach mehreren Wartesemestern wieder einen Platz, teils in anderen Städten und manche werden gar nicht mehr in den klinischen Abschnitt übernommen. Mit dieser Gefahr sollte man als Student mit Teilstudienplatz auf jeden Fall rechnen.

Wie gewonnen, so zerronnen…

Doch wie sehen eigentlich die Universitäten Studienplatzkläger? Viele Universitäten beschweren sich über den immensen Aufwand, der ihnen durch die zusätzlichen Studenten entsteht. Die Kläger laufen nicht in willkommene Arme, denn dank ihnen muss sich die Uni um mehr Personal, Material und Räumlichkeiten bemühen, die oft gar nicht vorhanden sind und zusätzliche Kosten verursachen. Auch die Hochschulen wissen sich zu wehren und können bei Studienplatzüberfüllung die Taktik des Klagens anwenden. Das bekamen 64 Studenten in Ulm zu spüren, die sich zum Sommersemester 2004 erfolgreich einklagen konnten. Da das Studium in Ulm normalerweise nur zum Wintersemester anfängt, hatten diese Studenten nicht nur mit der Missgunst der Mitstudenten und Professoren, sondern auch mit einem vollen Stundenplan zu kämpfen. Sie mussten die Kurse des Wintersemesters und des Sommersemesters in einem Semester absolvieren. Während dieser Zeit ließ die Uni den Einklagegrund allerdings noch einmal überprüfen.

Der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim gab der Uni grünes Licht, die daraufhin die 64 Einkläger nach einem Semester zwangsexmatrikulierte. „Schon mit den normalen 321 Studienanfängern sind die vorklinischen Abteilungen mit der Lehre bis zum Anschlag belastet“, betonte damals Reinhard Marre, Dekan der Ulmer Mediziner, „mit 64 weiteren wäre ein ordentlicher Lehrbetrieb praktisch nicht mehr möglich gewesen.“ Solche Berichte häufen sich auch an anderen Universitäten. 2010 wurden 32 eingeklagte Studenten der medizinischen Hochschule Hannover nach drei Semestern wegen Überfüllung exmatrikuliert. Vom stellvertretenden Studiendekan Ingo Just hieß es zu den Konsternierten: „Sie haben durch Geld und Rechentricks einen Studienplatz bei uns bekommen. Doch jetzt hat das Gericht bestätigt, dass auch Sie sich an die Regeln halten müssen.” Die exmatrikulierten Studenten wollten das nicht einfach hinnehmen und gingen in Berufung. Man merkt: Es geht hier nicht mehr nur einfach um einen Medizinstudienplatz. Die Sache entwickelt sich zu einem harten juristischen Kampf, der zwischen Universitäten und Klägern vor Gericht ausgetragen wird und bei dem entschieden werden muss, wie rechtens nun Studienplatzklagen an überfüllten Hochschulen wirklich sind.

Mit dem Anwalt ins erste Semester

Johanna Dietz, Medizinstudentin aus München, hat sich ihren Studienplatz eingeklagt. „Ich habe, soweit ich denken kann, schon immer einen medizinischen Beruf machen wollen“, erzählt sie. Als sie in der Mittelstufe ein freiwilliges Pflegepraktikum absolvierte, stand der Wunsch fest, Medizin zu studieren. 2008 machte sie ihr Abitur mit einem Notenschnitt von 2,8. Eigentlich ein ganz guter Schnitt, doch viel zu schlecht für Medizin. Johanna stellte fest, dass sie mit ihrer Note bis zu sechs Jahre auf einen Studienplatz hätte warten müssen. Auch die Option, im Ausland Medizin zu studieren, gefiel ihr nicht besonders gut. Ihre Eltern brachten sie schließlich auf die Idee, es mit einer Klage zu versuchen. Anfangs fand sie die Idee komisch, da es ihr doch etwas unfair gegenüber anderen Medizinstudiumsanwärtern erschien. Doch der Wunsch, gleich mit Medizin zu beginnen, überwog und Johanna wandte sich letztendlich an einen Münchner Anwalt. Der lebt davon, Abiturienten in Fächer wie Human-, Zahn- und Tiermedizin, Psychologie oder Pharmazie einzuklagen. Jährlich verklagen bundesweit schätzungsweise rund 3.000 Studenten Universitäten auf einen Studienplatz. Knapp die Hälfte klagt im Bereich Medizin. Eine Erfolgsgarantie gibt es jedoch nicht. Die Klage ist für viele die letzte Hoffnung auf ihr Traumstudium. Eine Klage kostet je nach Uni zwischen 1.200 und 1.800 Euro. Familie Dietz legte zusammen und versucht es. “Die Kapazitätsberechnungen der Hochschulen prüfe ich jedes Semester neu”, sagte Johannas Anwalt. “Ich suche nach Studienplätzen, die von den Unis versteckt und weggerechnet worden sind.“

Insgesamt gegen drei Universitäten klagt Johanna – zunächst vergebens. Jedes Jahr werden ihre Klagen bei den Universitäten erneut abgelehnt und auch von der ZVS, über die sie sich zusätzlich noch regulär bewirbt, erhält sie lauter Absagen. Jedes Mal fallen etwa 300 € Verwaltungsgebühren an. Erst zum Wintersemester 2012/13 gibt es einen Lichtblick für Johanna. Ein Brief kommt, in dem steht, dass sie es erfolgreich geschafft hat, sich für einen Medizinstudienplatz in München einzuklagen. Johanna ist überglücklich, da sie schon fast nicht mehr darauf gehofft hatte. 2009 gab es noch 150 Plätze in München, die über die Studienplatzklage vergeben wurden. Doch jedes Jahr wurden es weniger. 2010 gab es noch 55 und bei ihrer erfolgreichen Verhandlung waren es insgesamt nur noch 13 Plätze und die Wahrscheinlichkeit, einen zu ergattern, verschwindend gering. Auf die Frage, wie ihre Kommilitonen darauf reagieren, dass sie sich eingeklagt hat, meint Johanna: „Ich dachte mir anfangs, dass manche Vorurteile gegen mich haben würden und ich es besser nicht erwähne, aber keineswegs. Jeder hier gönnt mir den Platz und es gibt keinerlei Vorbehalte oder ähnliches.“

Studenten zweiter Klasse?

Entgegen Johannas Erlebnissen sehen sich viele Kläger häufig der Missgunst ihrer Mitstudenten und Professoren ausgeliefert. Obwohl jeder der eingeklagten Studienplätze ein rechtlich vollwertiger Platz ist, haben einige Vorurteile gegenüber den Studenten, die meistens ein schlechteres Abitur gemacht haben und von Wartesemestern verschont blieben. An einigen Unis trauen es sich die Studenten gar nicht zu, davon zu berichten, dass sie sich den Studienplatz erklagt haben, aus Angst vor der Missgunst anderer. Doch soll es nicht auch für Leute mit schlechterem Abitur Möglichkeiten geben, ohne Wartesemester oder Auslandsstudium Medizin anfangen zu können? Häufig gilt gegenüber den anderen, bei der Stiftung für Hochschulzulassung nicht berücksichtigten Studienbewerbern, die das Risiko einer Studienplatzklage gescheut haben, das Argument: Wer wagt, der gewinnt! Wir haben zwei Medizinstudenten zu ihren Meinungen befragt.

Wie fair sind Studienplatzklagen?

Jorge Bracca, Medizinstudent im siebten Semester in Regensburg, findet, dass man den Studienplatzklagen den gesetzlichen Riegel vorschieben sollte: „Ich finde es schade, weil sich die Lehre durch das Einklagen der vielen Medizinstudenten sehr verschlechtert. Im klinischen Abschnitt des Studiums wird die Kapazität an Hand der Patientenbetten errechnet. Wie viele Ärzte Zeit für unsere Ausbildung haben, ist dabei egal. So wurde jetzt auch an meiner Uni für die Klinik eine größere Jahrgangsstärke errechnet, als eigentlich angemessen wäre. Das bedeutet, man hat größere Gruppen von Studenten, aber genauso wenige Ärzte wie sonst, die die angehenden Medizinstudenten dann schlechter betreuen können. Schlechtere Ausbildung bedeutet weniger Praxis und weniger Zeit, etwas richtig erklärt zu bekommen und das wirkt sich natürlich negativ auf uns als spätere Ärzte aus. Grundsätzlich bin ich ein Gegner vom Einklagen, auch deswegen, weil es aus dem Rahmen der gerechten Zulassung fällt. Ein Medizinstudium kostet den Staat 250.000 €. Wenn ein Auswahlverfahren stattfindet, dann bin ich der Meinung, dass die Besten genommen werden sollten und nicht die wohlhabenden Abiturienten. Ein Studienplatz sollte nicht “käuflich” sein. Wenn sich Leute mit 3er-Abis einklagen, während 200 1,7er zu Hause sitzen und nicht wissen wohin, dann ist das schlichtweg nicht fair.“

Sarina Frier, die in Gießen Medizin studiert, findet hingegen Studienplatzklagen völlig in Ordnung. „Das altbewährte Argument, dass sich nur wohlhabende Leute ins Studium einklagen können, gilt nicht. Es gibt zahlreiche Rechtsschutzversicherungen, die – je nach Leistungspaket – auch Verwaltungsrechtsschutz anbieten. Wer diese frühzeitig abschließt, sorgt eben für den „worst case“ vor. Die Kosten für eine Rechtsschutzversicherung halten sich in Grenzen und können auch von nicht so wohlhabenden Familien aufgebracht werden. Bei einer Studienplatzklage muss das Gericht prüfen, ob die Universität noch Kapazitäten frei hat und diese nicht angemessen nutzt und gibt nur dann der Klage statt. Wenn das der Fall ist, hat die Universität offensichtlich Studenten abgewiesen, obwohl sie noch Plätze frei hatte und damit ihre Pflichten verletzt. Man muss für sein Recht eben kämpfen.“

Das System überdenken

Letztlich kann man nur festhalten, dass es wohl das Recht eines jeden Bürgers ist, sich einen Studienplatz einzuklagen, solange es solche freien Studienplätze an den Universitäten auch gibt. Es sollten keine Einbußen in der Lehre und Ausbildung der übrigen Studenten entstehen. Dennoch sollte man sich überlegen, ob nicht ein anderes System besser wäre. So könnte es beispielsweise strengere Prüfungsaufsichten der Universitäten geben, die die errechneten Studienplätze kontrollieren. Die ermittelte Anzahl an tatsächlich zur Verfügung stehenden Plätzen würde dann nicht an Kläger oder 1,0-Abiturienten vergeben, sondern an Schulabgänger, die in einem medizinischen Test ihre logisch-denkenden Fähigkeiten und vor allem ihren Willen, das Fach Medizin auch wirklich studieren zu wollen, bewiesen haben.

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10 Kommentare:

Gast
Gast

Ich habe während meines Medizinstudiums einige 1,0er Studentinnen kennengelernt, die auch nach über sechs Jahren wichtigste Grundlagen noch nicht verstanden haben und während des dreitägigen Abschlussexamens bis zur letzten Minute gebraucht haben, um alle Fragen zu beantworten.
Aber mit Ehrgeiz und Fleiß ist wirklich alles möglich…
Was ich damit sagen will: Jemand der in der gymnasialen Oberstufe, der Hochzeit der Pubertät, ein 1,Xer Abitur geschafft hat, hat vor allem eine oder mehrere der nachfolgenden Punkte bewiesen:
1.) Einen guten und unterstützenden Kontakt durch die (motivierten) Lehrkörper,
2.) Eine gute Fächerwahl für das Abitur,
3.) Eine Gruppe von wohlgesonnenen Prüfern im Abitur,
4.) Eine ausgewogene Hormonausstattung ohne Testosteronüberschuss,
5.) Kein Y-Chromosom,
6.) Wenig Fokus auf Party und Freunde zu Ungunsten von Büchern und Lernen,
7.) Nette Grundschullehrer, die einem die gymnasiale Reife bescheinigen!

Was nicht heißt, dass man stolz auf seine sehr gute Abiturnote sein darf. Ich zum Beispiel hatte Ärger mit allen Lehrern, bin nach dem Umzug in eine neue Stadt sogar von den Lehrern als “Ossi” (Westberliner…) bezeichnet worden. In meiner Oberstufe durfte ich mein Wunschfach (Chemie) nicht wählen, weil es nicht angeboten wurde. Während wir Jungs reihenweise durch die Pubertät geschleudert sind, waren die Mädels irgendwie deutlich angepasster und haben eine bessere Mischung aus Lernen und Feiern gefunden. In meiner mündlich-praktischen Prüfung saß mir mein “Erzfeind”-Lehrer entgegen, der sich mit den anderen Prüfern stritt, warum man mir eine bessere Note geben wolle.
Hinterher war es zu spät…schlechtes Abi, überdurchschnittlich gutes Medizinstudium und heute erkennen alle Kollegen meine Kompetenzen an.
Dabei glaube ich, über ausgeprägte fachliche UND zwischenmenschliche Kompetenzen zu verfügen (wenn ich den Patientinnen und Kollegen glauben darf)

Wenn ich mich heute (im Notfall) für einen Arzt entscheiden sollte, würde ich nicht nach der Abiturnote fragen!
Diese sagt nichts über die Eignung aus! Insofern: KLAGT EUCH EIN UND VERSUCHT EUER GLÜCK!!!

#10 |
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Philipp Schnorr
Philipp Schnorr

Danke Florian Mies für dieses sehr, sehr treffenden Kommentar! Klassische Diskussion unserer urdeutschen Neidkultur. Leider…

#9 |
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stud. Michael Skiba
stud. Michael Skiba

Ich kann mich Gülcin Kaya nur anschließen: Ein überfüllter Kurs schadet nur allen beteiligten, gleichzeitig ist die Abiturnote aber nur begrenzt aussagekräftig für das Studium/spätere Berufsleben. Den TMS-Test, der Geld kostet, ist in meinen Augen auch nicht wirklich fair.

#8 |
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Robert Sarri
Robert Sarri

Schöner Artikel. Es ist interessant einmal das Thema Studienplatzklage von beiden Seiten beleuchtet zu sehen. An unserer Universität weiß niemand wer sich eingeklagt hat und das wird auch in der Regel für sich behalten, sodass es da eigentlich von keinen Seiten Probleme oder Neid gibt.

#7 |
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Mehmet Yakup Berdan
Mehmet Yakup Berdan

Wer glaubt.. Das ein 1.0’er Abitur Schnitt bessere Ärzte schafft der irrt sich mächtig.. Hatte bei meinem Studium auch Kommilitonen die sich damals eingeklagt haben.. Und diese waren ehrgeiziger als jeder andere 1.X Abiturient! Das sich Ärzte aufgrund größerer Gruppen weniger Zeit nehmen oder man dadurch benachteiligt ist.. Finde ich durchaus schwachsinnig.. Es gibt Ärzte die motiviert sind einem etwas zu erklären.. Egal wie groß die Gruppe dabei ist..

Das schulische Leistungen.. Besonders die Kandidaten mit Kunst und Sport LK, und vielleicht dadurch eine bessere erzielte Abiturnote, später auch bessere Ärzte werden ist fraglich..

Wichtig ist auch wie erwähnt.. Das die medizinischen Eignungstests frühzeitig eingesetzt werden sollten für die jenigen die sich interessieren…

Karl Lagerfeld hat auch nie die Schule besucht.. Und jetzt ist er Gott der Mode Branche.. Damit soll betont werden.. Wenn man sich dafür interessiert, dann kommt auch ein gutes Ergebnis raus.. Und nicht dass man aufgrund eines 1.0er Schnitts einfach mal so Medizin studieren muss.. Weil es so die Eltern möchten!

Und nein hab mich damals nicht eingeklagt ;)

#6 |
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Florian Augstein
Florian Augstein

Wir haben als vermeintlich objektives Kriterium die Abitursnote in Deutschland gewählt. Wer da nicht rechtzeitig vorplant und ranklotzt steht erstmal dumm da für bis zu 6Jahre.
Andererseits geht es uns in Deutschland noch gut. Denn über Wartezeit mit meiner Meinung nach genügend Zeit für Ausbildung, Berufserfahrung, Auslandsaufenthalt usw hat jeder einen Studienplatz in Medizin garantiert nach spätestens 16Semestern (idR nach 12/13Semestern) Wartezeit.
In vielen asiatischen Ländern ist mit dem “Versagen” im Abitur bereits der Zug abgefahren. Im eigenen Land kann man in seinem Leben NIEMALS mehr Medizin studieren. Das sollte man hier bei all der Beschwerden über unser so ungerechtes Studienplatz-Vergabesystem mal bedenken.

Aus eigener Erfahrung kann ich nur jedem Wartenden empfehlen einen medizinnahen Ausbildungsberuf zu wählen. Je nach Orientierung wird es euch die Physikums-Vorbereitung erleichtern (Labor/Medizintechnik-Berufe) oder der Patient (Krankenpflege/Rettungsdienst) später einmal danken.
Und die gewonne Lebenserfahrung kann euch keiner nehmen, vermutlich habt ihr es auch leichter nach dem Studium im Arztberuf Fuß zu fassen. Da gehts eben auch um soziale Kompetenzen im Umgang mit Kollegen und Patienten. Und vergeudete Zeit ist das garantiert nicht und von seinen Vorerfahrungen kann man auch stolz erzählen – was ich beim Klageweg nicht empfehlen würde.

Besser wäre natürlich die Abitursnote Deutschlandweit mit Ausbildung und Berufstätigkeit in Pflegeberufen u.ä. zu verrechnen, so dass jemand der sich entsprechend engagiert hat, die gleichen Chancen bekommt wie jemand der auf Anhieb mit Abi 1.0 dasteht.
(Bsp. 2J Krankenpflegeausbildung +1 Jahr Berufserfahrung = Abi 1.0 bei der Bewerbung über ZVS).
Damit bekommt man meiner Meinung nach die gesunde Mischung von neuen Forschern, Klinik-Ärzten und Uni-Profs sowie den zukünftigen Hausärzten, ganz ohne ÄAppro-Klauseln und Famulatur/PJ-Gängeleien.

Aber diese Aussage ist natürlich nicht durch Studien belegt, keine EBM … ihr wisst schon, eben nicht statistisch signifikant ^^

#5 |
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Elisabeth Spies
Elisabeth Spies

Wenngleich ich es nicht als Neid bezeichnen möchte, so kotzt mich dieser Glaube, etwas Besseres zu sein, nicht minder an. Das Abitur machen meines Wissens nach indes rund 60% eines jeden Geburtsjahrgangs in Deutschland und die Note sagt in meinen Augen annähernd nichts darüber aus, ob jemand die erforderlichen Kompetenzen für den Arztberuf besitzt. Zudem ist nicht jeder Weißkittel ein guter Arzt –
Fachliches Wissen, soziale Kompetenz, Empathie, etc.
Es wäre schön, suchten wir unsere späteren Ärzte sorgfältiger aus als bisher – es ist ein Beruf, in dem Vertrauen möglich sein muss und nicht jedem 1,0-Musterschüler würde ich mein Leben anvertrauen wollen (insbesondere, da in der Schule vielmehr auch Gehorsam und wenig Eigenverantwortlichkeit und Selbstbestimmtheit gefragt sind).
Aus Patientensicht (eine Medizinstudentin)

#4 |
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Die Mitstudenten die gegen Kläger hetzen sind genau die, die im CopyShop Altklausuren mitgehen lassen und immer behaupten noch nichts gelernt zu haben. Die die schon in den Semesterferien die Bibo leer räumen und 3 Pathobücher mitnehmen. Jeder ist sich selbst der nächste. Kläger nehmen auch niemandem den Platz weg sondern schaffen zusätzliche Plätze. Von daher bleibt auch kein 1,7er zuhause sitzen. Lächerlich. Dass man studieren will ist ein menschlicher Wunsch und es ist normal dass man alles macht was möglich ist. Man schadet keinem damit. Das ist ne reine Neiddiskussion.

Grüße
ein Kläger der grade erfolgreich Stex gemacht hat und das sogar besser als der Durchschnitt

Neidgesellschaft

#3 |
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Studentin der Humanmedizin

Diese Diskussion wird doch jedes halbe Jahr wieder neu auf den Tisch gebracht. Der Kommentar von Jorge Bracca in dem Artikel sagt schon alles, was gesagt werden muss! Studienplatzkläger schaden der Lehre. Punkt, Ende, Aus.
Der TMS-Test ist auch nicht ein valides Instrument, um zu ermitteln, wer im Medizinstudium “gut” sein würde. Kenne zahlreiche Medizinstudenten, mich eingeschlossen, die in diesem Test unterdurchschnittlich waren und nun trotzdem sehr erfolgreich im klinischen Studienabschnitt sind.
Stattdessen gibt es nun vereinzelnt Uni-interne Auswahlverfahren, die aufwendiger sind, mehr Zeit und Geld kosten, aber dafür auch besser diffenzieren können. Und ein großer Punkt in diesem Auswahlverfahren ist auch die soziale Kompetenz. Ein Kläger, der denkt, er müsse unbedingt sofort einen Platz mit seinem “schlechten” Abi bekommen, koste es was es wolle und sei es auf Kosten der Lehre aller anderen, wird gerade in diesem Punkt wohl scheitern.
Sinnvoller fände ich es auch, dass Ausbildungen im medizinischen Bereich (Sanitäter, Rettungsassistent, Krankenpfleger…) während der Wartezeit positiv angerechnet werden sollten und die Wartezeit verkürzen. DAS zeigt Willen zum Studium. Und besonders die Studenten mit einer Ausbildung haben zu Beginn des Studiums einen immensen Vorteil.
Jeder muss sich an Regeln halten. Nur weil in meinen Seminarraum 11 Stühle stehen und meine Gruppe aus 8 Leuten besteht, heißt es nicht, dass da noch 3 weitere Platz haben.

#2 |
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Tom Butters
Tom Butters

Wenn die Note nicht reicht ist warten angesagt, hab ich auch gemacht. Das hier auch noch die Anleitung zur Klage gegeben wird, ein Unding!!

#1 |
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