Die Gouda-Connection

2. Mai 2006
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Subventioniert die deutsche Gesundheitspolitik Arbeitsplätze im Ausland? Der Fall Sanicare spricht dafür. Die Versandapotheke geht jetzt in die Niederlande - und folgt damit den Krankenkassen, die es lieber sehen, wenn ihre Versicherten im Nachbarland einkaufen. Wir haben den Sanicare-Chef Johannes Mönter zu dem Schritt befragt.

DocCheck: Die Sanicare-Apotheke hat angekündigt, demnächst eine Niederlassung in den Niederlanden zu eröffnen. Was sind die Hintergründe?

Johannes Mönter: Wir ziehen die Konsequenzen aus der gegenwärtigen Rechtslage in Deutschland, die es uns nicht ermöglicht, mit den im EU-Ausland ansässigen Versandapotheken zu fairen Bedingungen zu konkurrieren. Die Kaufmännische Krankenkasse, ein Großteil der Betriebskrankenkassen und jetzt auch die ersten AOK-Verbände haben ihre Versicherten angeschrieben und ihnen geraten, Medikamente bei holländischen Anbietern zu bestellen, um Zuzahlungen zu sparen. Damit verlieren wir bei rezeptpflichtigen Medikamenten Marktanteile. Wir machen den Kassen, mit denen wir weiterhin im Bereich OTC-Medikamente gut zusammenarbeiten, keinen Vorwurf. Der Schritt ist die logische Konsequenz aus Gesetzeslage und Rechtssprechung in Deutschland.

DocCheck: Worin genau besteht die Benachteiligung der inländischen Versandapotheken?

Johannes Mönter: Anbieter in den Niederlanden oder anderen EU-Ländern dürfen den Versicherten die Zuzahlungen bei rezeptpflichtigen Medikamenten ganz oder teilweise erlassen. Wir können das nicht. Außerdem müssen wir uns bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln an die Arzneimittelpreisverordnung halten, ausländische Anbieter nicht. Bei rezeptierten Medikamenten, die erstattet werden, spielt das keine Rolle, aber bei rezeptpflichtigen Lifestyle-Medikamenten haben wir wettbewerbstechnisch klar das Nachsehen. Außerhalb des OTC-Bereichs haben deutsche Apotheken keinerlei Möglichkeiten, Medikamente günstiger anzubieten.

DocCheck: Haben Sie entsprechende Versuche unternommen, mit Gutscheinsystemen oder Ähnlichem?

Johannes Mönter: Klar. Die sind alle per Einstweiliger Verfügung gestoppt worden. In Deutschland haben wir ja auch noch die besondere Situation eines Ost-West-Gefälles in der Rechtssprechung. Bei der in den neuen Bundesländern ansässigen Versandapotheke Zur Rose beispielsweise hat das Oberlandesgericht Naumburg ein Gutscheinsystem durchgewunken. Unsere Oberlandesgerichte in Köln und Frankfurt dagegen schmettern alles ab.

DocCheck: Die Sanicare-Apotheke war ja eine Zeit lang Exklusivpartner des so genannten Medikamentenshops, den mehrere Krankenkassen in ihre Homepage integriert hatten. Was wird jetzt daraus?

Johannes Mönter: Da bekommen wir jetzt Gesellschaft durch die Europa-Apotheek im niederländischen Venlo. Das war natürlich auch nicht Sinn der Sache.

DocCheck: Wann sind Sie in den Niederlanden startklar?

Johannes Mönter: Wir rechnen damit, dass wir im Mai anfangen können. Welchen Umfang unsere Aktivitäten bekommen werden, hängt stark von der Resonanz bei den Krankenkassen ab. Wir sind da selbst sehr gespannt.

DocCheck: Gehen dadurch Arbeitsplätze in Deutschland verloren?

Johannes Mönter: Im Moment ist das nicht geplant. Es geht uns viel mehr um eine Ausweitung des Geschäfts. Wir machen mit den rezeptpflichtigen Medikamenten nur noch etwa zwanzig Prozent unseres Umsatzes. Das waren mal achtzig Prozent, und da wollen wir natürlich wieder hin. Die Arbeitsplätze, die wir zusätzlich schaffen müssen, um das zu erreichen, würden wir liebend gerne in Deutschland schaffen. Aber das wird uns durch die gegenwärtige Rechtslage und Rechtssprechung verwehrt. Wir brauchen einfach gleiche Bedingungen in den Ländern der Europäischen Union, zum Beispiel durch eine Änderung der Arzneimittelpreisverordnung im Sinne eines Höchstpreissystems. Bei den Zuzahlungen gibt es ja bereits zaghafte Schritte, etwa durch die demnächst eröffnete Möglichkeit, besonders preiswerte Generika von der Zuzahlung zu befreien. Das geht nur alles zu langsam.

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